Die Debatte um die Katastrophe von Afghanistan ist gespenstisch und voller Manipulationen

die-debatte-um-die-katastrophe-von-afghanistan-ist-gespenstisch-und-voller-manipulationen

27-08-21 02:17:00,

Meist merken wir das gar nicht mehr. Deshalb die folgenden Hinweise: Es wird so getan, als sei die schwierige Situation und die Sinnlosigkeit der militärischen Intervention etwas Neues. Die Geschichte wird verkürzt erzählt. Es wird verschwiegen, welche dramatischen Situationen und Bedrohungen und Erkenntnisse von der Sinnlosigkeit des militärischen Einsatzes es laufend gab. Zum Beispiel: Vor 13 Jahren schilderte Hubert Seipel in einem 44-minütigen Film die bedrohliche und groteske Situation der Bundeswehr und das Scheitern der gesamten Mission. Albrecht Müller.

In Seipels Dokumentation wird über die problematische Situation vom Anfang des Einsatzes im Jahre 2002 bis zum besonders schwierigen Jahr 2008 geschildert. Er zeigt einen hilflosen Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung, und vor allem die existenzielle Bedrohung der deutschen Soldaten, er zeigt wie die Deutschen aus traditionellen Freunden der Afghanen zu Feinden geworden sind. Mit der militärischen Intervention wurde unser Ruf bei einem befreundeten Volk ruiniert. Und schon damals wurde sichtbar, dass die westlichen Soldaten vor allem damit beschäftigt sind, sich selbst zu verteidigen. Befreiende und Befreite fürchten sich voreinander, stellt Seipel fest.

Anschläge gegen die westlichen „Befreier“ gab es übrigens schon 2003. Und in der Dokumentation geht der Filmemacher auch auf die Angriffe der „Befreier“ auf afghanische Zivilisten ein – so wurden 2008 bei Kundus von Bundeswehr und afghanischen Soldaten eine Frau und 2 Kinder in einem Auto getötet. Seipel erinnert auch an den bekannten Angriff von US-Flugzeugen auf eine Hochzeitsgesellschaft. Dabei wurden reihenweise Familien ausgelöscht. Von der 15-jährigen Braut blieb nur noch eine Hand übrig. Und Seipel zeigt, wie Afghanen sich wundern, dass die USA doch eine Nadel im Heuhaufen zu finden fähig seien, aber nicht fähig seien über 60 Frauen mit Kindern als solche auszumachen und sie deshalb bombardieren und auslöschen.

In dieser Dokumentation wie in vielen anderen Berichten wurde sichtbar, dass die militärische Mission spätestens 2008 – spätestens! – als eine wahnsinnige, zum Scheitern verurteilte Operation betrachtet werden muss. Schon damals hätte sie abgebrochen werden müssen. Spätestens!

Wenn man sich die Dokumentation von Hubert Seipel anschaut, dann kann man sich nicht mehr darüber wundern, dass die westlichen Alliierten und ihr Militär und die mit ihnen zusammenarbeitenden und von ihnen ausgebildeten afghanischen Militärs das Vertrauen der Afghanen verlieren mussten und verloren haben. Schon vor 13 Jahren konnte man wissen, dass die Taliban wiederkommen und dass die Taliban vermutlich um vieles mehr Vertrauen unter der Mehrheit der Afghanen finden werden als der Westen.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: