Die Gehirnfresser

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28-08-21 01:59:00,

Mal angenommen, Sie, liebe Leserinnen und Leser, werfen einen Blick aus dem Fenster und sehen einen Feuerwehrmann, der ein Feuer legt. Frage: Wer hat das Feuer gelegt?

Richtig. Es war kein Verschwörungstheoretiker, kein Aluhut, kein Grundrechtedemonstrant. Es war der Feuerwehrmann. Gratulation. Sie sind noch im Besitz Ihres Verstandes und wurden noch nicht vom Zombie-Journalismus angefallen.

Wer soll also dafür verantwortlich sein, dass Bürger sich nicht mehr öffentlich trauen zu sagen, was sie denken?, fragen die Medien. Großes Rätselraten? Nein, kein großes Rätselraten. Die Sache ist so klar, klarer geht es nicht. Diejenigen sind verantwortlich, die so dumm fragen. Große Schuld an der Entwicklung tragen die Medien. Wer sich kritisch mit dem auseinandersetzt, was Medien als „Berichterstattung“ verstanden wissen wollen, kann deutlich erkennen, womit wir es zu tun haben.

Der Zombie-Journalismus ist mitten unter uns! So wie Zombies in Filmen Jagd auf Menschen machen, um ihre Gehirne zu fressen, so zielt der Zombie-Journalismus auf die Freiheit der Gedanken. Der Zombie-Journalismus „springt“ förmlich aus den Medien raus und stürzt sich auf Bürger, die die vorherrschenden Erzählungen kritisch hinterfragen.

„Da sind noch selbstständig Denkende! Ran an ihre Gehirne!“, ruft der Zombie-Journalismus.

So manche Vertreter der großen Medien dürften dieses Bild für vollkommen übertrieben halten. Zombie-Journalismus? Was soll das sein? Na klar, sie erkennen ihn nicht einmal, wenn sie sich selbst mit ihm im eigenen Arm verbeißen. In ihrer Wahrnehmung ist der Zombie-Journalismus in Wirklichkeit der objektivste und weltbeste Journalismus aller Zeiten.

Mit diesem realitätsbefreiten Wirklichkeitsverständnis wären wir dann auch direkt bei dem grundlegenden Konflikt, um den es in dem vorliegenden Buch geht.

Sagen wir es doch geradeheraus: Mit „objektiv“ und mit „weltbestem Journalismus“ hat das, was viele von euch Journalisten in der Pandemie abgeliefert haben, so viel zu tun wie die „aufgepeppten“ Geschichten des Kreativreporters Claas Relotius mit seriösem Journalismus: nichts.

Der Journalismus unserer Zeit ist, auch wenn ihr das nicht hören wollt, zu einem Zombie geworden. Die sogenannte Berichterstattung ist gerade dann, wenn kritischer Journalismus gefragt ist, wie eine „seelenlose“, leere Hülle. Ein Zombie eben. Der Zombie-Journalismus ist das genaue Gegenteil, wofür Journalismus stehen sollte: Objektivität, Sachlichkeit, Neutralität, Ausgewogenheit, Meinungsvielfalt.

Die grundlegende Entwicklung von einem Journalismus, der nicht „sagt, was ist“, sondern sagt, was sein soll, ist seit Langem zu beobachten.

Die Schamlosigkeit, mit der nicht mehr nur einzelne Journalisten, sondern Redaktionen gleich reihenweise Journalismus zur Durchsetzung ihrer Weltbilder missbrauchen, kann man nur noch als journalistische Schande bezeichnen. Bei Lichte betrachtet ist der Begriff Zombie-Journalismus noch sehr höflich, zurückhaltend und die „mildeste“ Wortwahl — so wie bei Grundrechtseingriffen auf das „mildeste“ Mittel zugegriffen werden sollte — eigentlich …

Um im Bild zu bleiben: Die vielen in diesem Buch aufgeführten Beispiele dokumentieren die ersten Entwicklungen nach dem Tod der Meinungsfreiheit. Ein erschreckendes Bild kommt zum Vorschein.

Eine Gesellschaft wird sichtbar, die nicht mehr sagen darf, was sie denkt.

Unsinn!, tönt die Fraktion der ewigen Realitätsverdreher. Jeder könne jederzeit alles sagen. Aber Widerspruch gehöre dann auch dazu. Allein schon, dass dieses Buch gedruckt und verbreitet werde, sei doch der absolute Gegenbeweis dafür, dass die Meinungsfreiheit „tot“ sei.

Uff. Man kann auch mit Absicht nicht verstehen wollen.

Entscheidend ist nicht, ob irgendjemand irgendwo etwas sagen oder veröffentlichen kann. Die entscheidende Frage ist: Was ist sagbar und was nicht sagbar in jenen Diskursarenen, die den Ton in der öffentlichen Diskussion mit vorgeben? Und ebenso entscheidend ist: Wer bestimmt überhaupt, was sagbar ist?

Der Gradmesser der Meinungsfreiheit ist nicht,

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