Wir übernehmen die Regie!

wir-ubernehmen-die-regie!

28-08-21 11:00:00,

Platons Höhlengleichnis (1) — wer es vor Corona noch nicht kannte, wurde spätestens in den letzten Monaten mehrmals mit der Nase darauf gestoßen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, ist diese Geschichte doch geradezu prädestiniert als Metapher für den Zustand, in dem sich die Menschheit aktuell befindet. Gebannt starrt sie auf die Schreckensszenarien, die ihr die Medien alltäglich in und an die heimischen Winkel und Wände werfen. Dabei realisiert sie nicht, dass sie — gebannt auf die viereckige Fläche starrend — nur Schatten zu sehen bekommt.

Schattenbilder, die den Zuschauern nur einen manipulativ gewählten Einblick in die vermeintliche Wirklichkeit gewähren. Je zusammenhangloser, je abstruser und widersprüchlicher diese Einblicke sind, umso mehr überbietet sich das Publikum, einen tieferen Sinn und echte Weisheit darin zu erkennen. Doch Unsinn mit Sinn aufzubereiten kostet enorm viel Energie. Das ist anstrengend, echte Gedankenakrobatik.

Und jetzt hat sich der moderne Höhlenmensch schon so sehr an die verzerrten Trugbilder gewöhnt, dass er jeden, der ihm einen davon abweichenden Blickwinkel präsentiert, mit beißendem Spott von sich weisen muss. Wie hypnotisiert an die Wohnzimmercouch gefesselt, bleibt ihm kaum noch Raum für eigene, freie Gedankengänge und logische Schlussfolgerungen.

Was wäre es wohl für ein befreiendes Gefühl für Platons Höhlenmenschen gewesen, wenn nicht nur ein einziger den Ausgang gefunden hätte, sondern sich alle gleichzeitig gegenseitig ihrer Fesseln entledig hätten! Zum allerersten Mal in ihrem Leben hätten sie sich frei bewegen und von den rätselhaften Wandschatten abwenden können. Sie hätten hinter der Mauer die lodernde Lichtquelle und den Höhlenausgang entdeckt. Wahrscheinlich wären ihre Blicke noch eine ganze Weile ungläubig in der Höhle umhergewandert, bis ihre gemeinsame Neugier die Furcht vor dem Unbekannten besiegt hätte.

Ja, vielleicht wäre die Geschichte dann ganz anders ausgegangen. Vielleicht hätten sie sich gegenseitig an die Hände genommen und den steilen Höhlenausgang hinaufgeholfen. Sicherlich wäre bei den meisten ein staunendes Schweigen eingetreten, wenn sie sich an das helle Sonnenlicht gewöhnt und zum ersten Mal einen klaren Blick auf die Wirklichkeit geworfen hätten. Vielleicht hätte irgendwann einer von ihnen ausgerufen:

„He Kameraden, jetzt haben wir unser Leben lang in dieser Höhle gehockt und darüber gestritten, was diese komischen Schattenbilder bedeuten. Was für sonderbare Geschichten uns eingefallen sind, eine seltsamer als die andere! Ja, im Geschichtenerzählen sind wir wirklich gut! Wie wäre es also, wenn wir unsere Fantasie jetzt dafür nutzen, uns das Dasein außerhalb der engen Höhle so frei und hell, so abwechslungsreich und so liebevoll wie nur möglich zu gestalten?“

Ebenso, wie Platons Höhlengeschichte ein passendes Gleichnis für unsere heutige Situation ist, kann uns auch das optimistisch weitergesponnene Szenario als Metapher dienen. Vor allem als Metapher dafür, wozu wir in der Lage sind, wenn wir unseren Geist von den lähmenden Angstbildern befreien.

Sowie auch als Beispiel dafür, wie stark unsere persönliche Meinung, unsere Ausstrahlung und Gefühle die Menschen um uns herum beeinflussen und wie sehr wir uns mit einem positiven Gruppengeist gegenseitig unterstützen und stärken können.

Jeder von uns hat inzwischen erfahren, wie abrupt die allgemeine Stimmung sinkt, wenn wir uns als Gruppe kollektiv gefangen fühlen und keinen Ausweg erkennen. Damit es dann nicht ganz so monoton im Gefangenenlager wird, wird die Spannung oft mit immer düsteren Szenarios aufrechterhalten. Das fühlt sich dann wenigstens noch ein bisschen lebendig an und verschafft ein vages Gefühl von Kontrolle, auch wenn die Gruppenenergie dabei ausschließlich destruktiv befeuert wird.

Dabei wäre es so einfach, dieses verbreitete Gesellschaftsspiel umzukehren. Statt sich zu spalten und zu streiten oder sich gegenseitig in der Angsthypnose zu bestärken, ließe sich die Macht der inneren Bilder und Vorstellungen auch kraftvoll mit der hoch schwingenden Frequenz positiver Gefühle kombinieren.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: