Wider das Vergessen • Anthroblog

19-04-22 09:46:00,

Zuletzt aktualisiert am 19. April 2022.

Dass Unrecht gesühnt wird, darauf beruht der gesellschaftliche Verkehr im Rahmen des Rechtsstaats. Die dem Recht angemessene Sühne ist die vom Gesetz in Aussicht gestellte Strafe. Sie hat nichts mit Rache zu tun, sondern mit der Achtung des Rechts. Wird das Recht nicht mehr geachtet, zerfällt der Rechtsstaat und mit ihm die Gesellschaft, die auf der Voraussetzung seiner Geltung beruht. Wenn das Recht zerfällt, tritt an seine Stelle die Gewalt und mit ihm die Rache. Regelbasierte Ahndung von Unrecht durch Richter ist durch die Vernunft gezügelte Rache. Solche Ahndung gehört zur Herrschaft des Rechts ebenso wie die Vertretung durch einen Anwalt oder die Unschuldsvermutung. Wer das Recht bricht oder es beugt, verlässt die Zivilisation, denn Zivilität setzt durch Regeln geordneten Verkehr voraus, die für alle gelten. Während der zwei Jahre des Coronaregimes mussten wir erleben, wie die in der Verfassung unseres Staates festgelegten Grundregeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens gebeugt und gebrochen wurden, auch von Instanzen, die dazu berufen sind, sie zu schützen. Die massenhaften Rechtsverletzungen – die hier nicht aufgezählt werden müssen und im übrigen fortdauern – dürfen nicht ungesühnt bleiben. Der Journalist und Autor Roland Rottenfußer veröffentlichte jüngst ein beherztes Plädoyer wider das Vergessen, in dem er die politische und juristische Aufarbeitung des unter dem Coronaregime geschehenen Unrechts fordert.

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