NachDenkSeiten:ㅤJournalisten: Gladbeck, Ukrainekrieg und die emotionale Besoffenheit

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15-06-22 07:14:00,

In einer neuen Dokumentation wird das Geiseldrama von Gladbeck von 1988 und das schockierende Verhalten zahlreicher Journalisten nochmals vor Augen geführt. Die damalige zerstörerische Rudelbildung durch viele Medienschaffende und die aktuelle Medienkampagne zum Ukrainekrieg spielen auf ganz verschiedenen Ebenen – aber die Ereignisse von Gladbeck zeigen drastisch die Gefahren, die prinzipiell von einem emotionalisierten und enthemmten „Journalisten-Rudel“ ausgehen können, wenn die Skrupel erst einmal abgelegt wurden. Kann diese Entgleisung bei einem Boulevardthema auch ein Lehrstück für die heutige geopolitische Meinungsmache sein? Ein Kommentar von Tobias Riegel.

Die neue Dokumentation „Gladbeck: Das Geiseldrama“ (zu sehen bei Netflix) von Volker Heise lässt den Zuschauer geschockt zurück. Der Film erzählt die Ereignisse von 1988 ausschließlich in Form von unkommentiertem Archivmaterial. Was einmal mehr bei der Geschichte besonders aufreizt, ist das enthemmte Verhalten vieler Journalisten, die damals das eigene Berufsethos mit Füßen getreten und sich in ein unmoralisches Rudel verwandelt hatten, das die Polizeiarbeit behindert und für die eigene Karriere und „die Story“ eiskalt das Leben Beteiligter aufs Spiel gesetzt hatten. Skandalöse Vorgänge unter vielen anderen waren, dass mit den Tätern während der Geiselnahme Interviews geführt wurden oder ein Journalist im Fluchtauto mitgefahren ist, um den Geiselnehmern den Weg aus der Kölner Innenstadt zu zeigen. Diese Einzelfälle illustrieren aber nur eine fast allgemeine Enthemmung der damals beteiligten Journalisten.

Moralischer Offenbarungseid eines ganzen Berufstands

Der eindringliche Film dokumentiert den moralischen Offenbarungseid eines ganzen Berufstands vor allem mit den Bildern der eigenen TV-Kameras,

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