TREE.TV 6 mit Kuno Kübler | KenFM.de

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17-11-19 06:32:00,

Die Ingenieurskunst des Menschen ist fast grenzenlos. Dampfmaschine, Otto-Motor, Elektromotor und sogar die durch Kernspaltung angetriebenen Wasserdampfturbinen sind uns bestens bekannt.

Immer dann, wenn es darum ging, den homo sapiens mit seiner durchschnittlichen Geh- bzw. Laufgeschwindigkeit von ca. 5 km/h so richtig auf Speed zu bekommen, war jedes Mittel Recht und kein Preis zu hoch. Trotz aller Erfahrungen, Patenten und Veröffentlichungen gibt es dann doch noch etwas Altes, das selbst dem treuen KenFM-User neu sein dürfte: Der Stirlingmotor.

Ein Stirlingmotor ist ein überraschend Einfaches, aus wenigen Bauteilen bestehendes Konstrukt.

Eine so genannte „Wärmekraftmaschine“, die einzig und allein mit Hilfe der Sonne, Bioenergie (z.B. Holzpellets, auch Kirschkernpellets) Bewegung erzeugen kann – ganz ohne Schmierstoffe, ganz ohne fossile Kraftstoffe. Auch Abwärme kann zum Antrieb genutzt werden. Hauptsache ein Wärmeunterschied besteht.  Mit dem Prinzip kann auch Kälte erzeugt werden.

In Zeiten von Fridays For Future und Klimadiskussion eigentlich eine revolutionäre Sache, eigentlich die Lösung für eine dezentrale Energieversorgung oder CO2-neutrale Mobilität. Ein Stirlingmotor braucht keine seltenen Erden oder andere konfliktbelastete Rohstoffe, stößt kein CO2 aus, braucht kein Öl.

Das einzige Problem: Geld. Ein Stirlingmotor ist teuer, wird nicht in Masse gefertigt und bringt auch keine 380 kW bei 470 Nm. Er ist eher ein Symbol für Bescheidenheit, für das Umdenken des Menschen in seiner maßlosen Energieverschwendung.

Im Baumhaus in Goldegg, unserem ganz persönlichen Symbol für Nachhaltigkeit und alternatives Denken, sprachen wir mit Kuno Kübler. Er ist systemischer Umweltingenieur, doziert an der Hochschule München und ist ein begeisterter Fan von Stirlingmotoren. Er zeigt uns verschiedene Modelle und erklärt alle Details zu diesem Wunderwerk der Technik.

Je länger man sich mit Herrn Kübler unterhält, desto klarer wird, dass auch ein Stirlingmotor die Welt nicht retten wird. Wollen wir die akuten Umwelt- und Energieprobleme lösen, müssen wir in unserem Alltag beginnen, denn dort gibt es genug zu tun. Zum Beispiel, wie viel Energie wir in Form von Strom und Wärme tagtäglich ungenutzt verpuffen lassen, ohne dass uns das überhaupt bewusst ist. Die Krönung der Absurdität sei vorweggenommen: Ein „beheiztes Butterfach innerhalb eines Kühlschranks“. Check your head!

Wir sehen, hören, staunen und erkennen, dass es mehr als überfällig ist, unseren Bedarf an nahezu allen Ressourcen auf dieser endlichen Welt zu hinterfragen. Kuno Kübler fragt uns direkt: Brauchen wir das alles wirklich,

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Der Schattenkrieg der USA in Somalia – Und die Mitschuld Deutschlands

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17-11-19 01:26:00,

Die Anzahl der zivilen Opfer durch Luftangriffe der USA in Somalia hat in den letzten Monaten massiv zugenommen. Dass man davon hierzulande kaum etwas hört, hat nicht nur mit dem generellen westlichen Desinteresse an Afrika zu tun, sondern wohl auch mit der Tatsache, dass Deutschland weiterhin eine aktive Rolle in diesem Konflikt spielt – nämlich als Mittäter. Von Emran Feroz.

Yusuf Hassans Körper ist entstellt. Die Verletzungen an seiner rechten Schulter fallen auf, sobald er seinen Oberkörper entblößt. Die Überreste des Schrapnells, das ihn getroffen hat, hat der Somalier immer noch bei sich. Doch während Hassan den Angriff überlebte, wurde sein Freund in Stücke gerissen. Beide wurden zum Ziel eines US-amerikanischen Luftangriffs in der Unteren Schebelle, einer Region in Somalia, die mittlerweile zu einem der Schauplätze des „Krieges gegen den Terror“ geworden ist. Die extremistische Gruppierung Al-Shabab ist hier präsent. Viele der US-Bombardements treffen allerdings, ähnlich wie an anderen Flecken der Welt, oftmals keine bewaffneten Kämpfer, die das US-Imperium hassen, sondern Zivilisten wie Hassan und seinen Freund. Amnesty International hat mehrere solcher Fälle dokumentiert und spricht offen von Kriegsverbrechen.

Auch Halimo Mohamed Abdi wurde zum Ziel eines Luftangriffs. Sie brach sich dabei ihre Hüften, während ein Schrapnell in ihren Oberschenkel eindrang. Aufgrund der schweren Schmerzen fiel sie ihn Ohnmacht. Kurz bevor das geschah, sah sie, wie drei Jungen im Alter zwischen neun und sechzehn Jahren von einer Explosion getötet wurden. Schauplatz des Geschehens war das Dorf Bariire, das rund fünfzig Kilometer von der Hauptstadt Mogadischu entfernt liegt. Abdi wurde in ein Krankenhaus gebracht und erst nach drei Monaten entlassen. Als sie in ihr Dorf zurückkehrte, fand sie ihr Haus zerstört vor. Ihre 25 Ziegen, von denen sie lebte, waren allesamt tot.

Mittlerweile lebt Abdi in einem Geflüchtetenlager nahe Mogadischu. Dort leben Zehntausende von Somalier, die vor den Luftangriffen der US-Amerikaner und den Kämpfen zwischen der Al-Shabab und den Milizen der Regierung geflüchtet sind. Die drei Jungen, die durch den Luftangriff getötet wurden, bezeichnete United States Africa Command, kurz AFRICOM, im vergangenen Mai als „Terroristen“, so wie die meisten anderen Menschen in Somalia, die durch klassische Luftangriffe oder Drohnen-Operationen getötet werden.

Der US-Krieg in Somalia tobt schon seit langem. Der erste Drohnen-Angriff im Land wurde von Barack Obama abgesegnet. Doch seit der Machtübernahme Donald Trumps hat sich die Zahl der Luftangriffe im Land verdreifacht,

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Die üblichen Lügen

17-11-19 01:06:00,

Es geht darum, dem Gründer der syrischen Weißhelme nach seinem Ableben nun endgültig den Heiligenschein zu verleihen und zugleich die Geschichtsschreibung in die Wege zu leiten, dass Putin dessen Tod zu verantworten habe.

Drei Tage vor dessen Ableben noch habe das russische Außenministerium behauptet, Le Mesurier sei ein ehemaliger Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes gewesen, berichtet der Spiegel, was wohl heißen soll, dass damit die baldige Ermordung des Beschuldigten angekündigt worden war. Zu den wirklich schlimmen Verleumdungen seitens der russischen Propaganda zählt diese Behauptung freilich nicht. Immerhin zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland den Guardian, Le Mesurier habe zwar für einen britischen Nachrichtendienst im Kosovo gearbeitet, aber im Rahmen einer Friedensmission. Nun, im Widerspruch dazu steht die Behauptung des russischen Außenministeriums nicht gerade.

Es folgt dann im Spiegelartikel die Hymne auf die Lebensleistung des Verschiedenen. Er habe danach, also wohl nach Kosovo, „in den humanitären Sparten privater Sicherheitsfirmen“ gearbeitet. Das ist nun eine gewaltige Ansage. Ich nehme an, die wenigsten von uns wussten bisher, dass es in privaten Sicherheitsfirmen „humanitäre Sparten“ gibt. Bei Good Harbor Consulting findet man dergleichen jedenfalls nicht. Das ist gemäß Wikipedia eine namentlich genannte dieser ansonsten anonymen Sicherheitsfirmen. Good Harbor Consulting lobt in ihrer Internet-Selbstdarstellung ausführlich ihr Leistungsangebot unter dem Top-Thema „Cyber Security Risk Management“.

Unter den vielen Leistungen ist keine, die irgendetwas mit „Humanitarian Services“ zu tun haben könnte, und da die Firma alle diese Dienste mit 15 Mitarbeitern erbringt, ist es äußerst unwahrscheinlich, dass sich zwischen den Zeilen noch weitere ungenannte Angebote verstecken. Schwerpunkt von Good Harbor Consulting sind die Vereinigten Arabischen Emirate UAE und der Jemen. Diese Arbeit war also ein gutes Sprungbrett für Le Mesurier nach Syrien, aber wahrscheinlich eher für den Schwerpunkt Cyber-Kriegsführung als für den Zivilschutz.

Der Spiegel zitiert — wie alle berichtenden internationalen Medien — unter „Was ist bekannt über seinen Tod?“ die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Agency. Dass dort bereits die Überschrift lautet: „Le Mesurier thought of suicide before his death: Wife“ — dass er also gemäß seiner Ehefrau vor seinem Tod an Selbstmord dachte — findet dabei keine Erwähnung. Auch die sehr ausführliche Schilderung der Aussage der Ehefrau, der Schwedin Emma Hedvig Christina Winberg, die beginnt mit: „(…) told police officers on Monday that her husband had recently started to take psychiatric medications and told her 15 days before his death that he thought of killing himself“ — dass er also kürzlich mit psychiatrischer Medikation begonnen und ihr 15 Tage vor seinem Tod gesagt hatte,

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Die üblichen Lügen

17-11-19 01:06:00,

Es geht darum, dem Gründer der syrischen Weißhelme nach seinem Ableben nun endgültig den Heiligenschein zu verleihen und zugleich die Geschichtsschreibung in die Wege zu leiten, dass Putin dessen Tod zu verantworten habe.

Drei Tage vor dessen Ableben noch habe das russische Außenministerium behauptet, Le Mesurier sei ein ehemaliger Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes gewesen, berichtet der Spiegel, was wohl heißen soll, dass damit die baldige Ermordung des Beschuldigten angekündigt worden war. Zu den wirklich schlimmen Verleumdungen seitens der russischen Propaganda zählt diese Behauptung freilich nicht. Immerhin zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland den Guardian, Le Mesurier habe zwar für einen britischen Nachrichtendienst im Kosovo gearbeitet, aber im Rahmen einer Friedensmission. Nun, im Widerspruch dazu steht die Behauptung des russischen Außenministeriums nicht gerade.

Es folgt dann im Spiegelartikel die Hymne auf die Lebensleistung des Verschiedenen. Er habe danach, also wohl nach Kosovo, „in den humanitären Sparten privater Sicherheitsfirmen“ gearbeitet. Das ist nun eine gewaltige Ansage. Ich nehme an, die wenigsten von uns wussten bisher, dass es in privaten Sicherheitsfirmen „humanitäre Sparten“ gibt. Bei Good Harbor Consulting findet man dergleichen jedenfalls nicht. Das ist gemäß Wikipedia eine namentlich genannte dieser ansonsten anonymen Sicherheitsfirmen. Good Harbor Consulting lobt in ihrer Internet-Selbstdarstellung ausführlich ihr Leistungsangebot unter dem Top-Thema „Cyber Security Risk Management“.

Unter den vielen Leistungen ist keine, die irgendetwas mit „Humanitarian Services“ zu tun haben könnte, und da die Firma alle diese Dienste mit 15 Mitarbeitern erbringt, ist es äußerst unwahrscheinlich, dass sich zwischen den Zeilen noch weitere ungenannte Angebote verstecken. Schwerpunkt von Good Harbor Consulting sind die Vereinigten Arabischen Emirate UAE und der Jemen. Diese Arbeit war also ein gutes Sprungbrett für Le Mesurier nach Syrien, aber wahrscheinlich eher für den Schwerpunkt Cyber-Kriegsführung als für den Zivilschutz.

Der Spiegel zitiert — wie alle berichtenden internationalen Medien — unter „Was ist bekannt über seinen Tod?“ die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Agency. Dass dort bereits die Überschrift lautet: „Le Mesurier thought of suicide before his death: Wife“ — dass er also gemäß seiner Ehefrau vor seinem Tod an Selbstmord dachte — findet dabei keine Erwähnung. Auch die sehr ausführliche Schilderung der Aussage der Ehefrau, der Schwedin Emma Hedvig Christina Winberg, die beginnt mit: „(…) told police officers on Monday that her husband had recently started to take psychiatric medications and told her 15 days before his death that he thought of killing himself“ — dass er also kürzlich mit psychiatrischer Medikation begonnen und ihr 15 Tage vor seinem Tod gesagt hatte,

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Die üblichen Lügen

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17-11-19 01:06:00,

Es geht darum, dem Gründer der syrischen Weißhelme nach seinem Ableben nun endgültig den Heiligenschein zu verleihen und zugleich die Geschichtsschreibung in die Wege zu leiten, dass Putin dessen Tod zu verantworten habe.

Drei Tage vor dessen Ableben noch habe das russische Außenministerium behauptet, Le Mesurier sei ein ehemaliger Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes gewesen, berichtet der Spiegel, was wohl heißen soll, dass damit die baldige Ermordung des Beschuldigten angekündigt worden war. Zu den wirklich schlimmen Verleumdungen seitens der russischen Propaganda zählt diese Behauptung freilich nicht. Immerhin zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland den Guardian, Le Mesurier habe zwar für einen britischen Nachrichtendienst im Kosovo gearbeitet, aber im Rahmen einer Friedensmission. Nun, im Widerspruch dazu steht die Behauptung des russischen Außenministeriums nicht gerade.

Es folgt dann im Spiegelartikel die Hymne auf die Lebensleistung des Verschiedenen. Er habe danach, also wohl nach Kosovo, „in den humanitären Sparten privater Sicherheitsfirmen“ gearbeitet. Das ist nun eine gewaltige Ansage. Ich nehme an, die wenigsten von uns wussten bisher, dass es in privaten Sicherheitsfirmen „humanitäre Sparten“ gibt. Bei Good Harbor Consulting findet man dergleichen jedenfalls nicht. Das ist gemäß Wikipedia eine namentlich genannte dieser ansonsten anonymen Sicherheitsfirmen. Good Harbor Consulting lobt in ihrer Internet-Selbstdarstellung ausführlich ihr Leistungsangebot unter dem Top-Thema „Cyber Security Risk Management“.

Unter den vielen Leistungen ist keine, die irgendetwas mit „Humanitarian Services“ zu tun haben könnte, und da die Firma alle diese Dienste mit 15 Mitarbeitern erbringt, ist es äußerst unwahrscheinlich, dass sich zwischen den Zeilen noch weitere ungenannte Angebote verstecken. Schwerpunkt von Good Harbor Consulting sind die Vereinigten Arabischen Emirate UAE und der Jemen. Diese Arbeit war also ein gutes Sprungbrett für Le Mesurier nach Syrien, aber wahrscheinlich eher für den Schwerpunkt Cyber-Kriegsführung als für den Zivilschutz.

Der Spiegel zitiert — wie alle berichtenden internationalen Medien — unter „Was ist bekannt über seinen Tod?“ die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Agency. Dass dort bereits die Überschrift lautet: „Le Mesurier thought of suicide before his death: Wife“ — dass er also gemäß seiner Ehefrau vor seinem Tod an Selbstmord dachte — findet dabei keine Erwähnung. Auch die sehr ausführliche Schilderung der Aussage der Ehefrau, der Schwedin Emma Hedvig Christina Winberg, die beginnt mit: „(…) told police officers on Monday that her husband had recently started to take psychiatric medications and told her 15 days before his death that he thought of killing himself“ — dass er also kürzlich mit psychiatrischer Medikation begonnen und ihr 15 Tage vor seinem Tod gesagt hatte,

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Der rätselhafte Todesfall

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17-11-19 01:05:00,

Le Mesurier habe sein Leben der Hilfe von Zivilisten in Notlagen, Konflikten und Naturkatastrophen geweiht. „Nirgends war die Auswirkung seiner wichtigen Arbeit so sehr zu spüren wie in Syrien“, heißt es in der knappen Mitteilung auf der Webseite von „Mayday Rescue“. Dort habe man „ein Netzwerk von freiwilligen Rettungshelfern unterstützt, das als Syrischer Zivilschutz, auch Weißhelme genannt, bekannt geworden ist“. Unzählige Leben von Zivilisten habe man gerettet, so „Mayday Rescue“ weiter. Le Mesurier sei „ein großartiger Führer, Visionär, ein lieber Kollege und Freund“ gewesen.

Die Umstände des Todes von James Le Mesurier sind unklar. Er wurde in den frühen Morgenstunden des 11. November 2019 tot vor einem Haus in Beyoglu, einem Stadtteil in Istanbul aufgefunden, in dem er mit seiner Frau wohnte und in dem sich auch das Büro von „Mayday Rescue“ Istanbul befand. Seine Frau berichtete, beide hätten am frühen Morgen des Tages Schlaftabletten genommen, ihr Mann habe unter Stress und Depressionen gelitten. Sie sei erst aufgewacht, als die Polizei an ihre Wohnungstür klopfte und vom Tod ihres Mannes berichtete.

Was war die Aufgabe von James Le Mesurier im Syrien-Krieg?

Le Mesurier soll Agent des britischen Geheimdienstes MI6 gewesen sein, eine Bestätigung dafür wird es vom britischen Geheimdienst nicht geben. Fest steht, dass er erstklassig ausgebildet und hoch dekoriert ein britischer Elite-Soldat war. Spiegel Online schreibt am 12. November 2019, er habe im Balkankrieg begriffen, „dass humanitäre Hilfe besser geeignet sei, Kriege zu verhindern, als bewaffnete Einsätze“. Er habe seinen Militärdienst im Jahr 2000 quittiert und einige Jahre für private Sicherheitsfirmen in der „humanitären Sparte“ gearbeitet. 2013 habe er mit türkischer Unterstützung „die ersten 25 Syrer darin ausgebildet, Kriegsopfer zu bergen“. Daraus wurden schließlich die international bekannten „Weißhelme“.

Le Mesuriers Erfahrungen auf dem Balkan waren nicht ausschließlich persönlicher Art. Er folgte vermutlich einem Angebot an Elitekräfte, sich — außerhalb des Militärs — für ein neues NATO-Konzept zu engagieren: die zivil-militärische Zusammenarbeit. Das neue Konzept beruht auf der militärischen Notwendigkeit, in Kriegs- und Krisengebieten das zivile Umfeld einzubeziehen. Doch „Schuldächer reparieren und Brunnen bohren“ sei „keine Entwicklungshilfe sondern Bestandteil der militärischen Operationsführung“, heißt es in einer Erläuterung der deutschen Bundeswehr zur Aufgabe der zivil-militärischen Zusammenarbeit.

Für die „Scharnierfunktion zwischen militärischem Einsatzstab und dem zivilen Umfeld“ bedarf es hoch motivierter und ausgebildeter Personen, die als Spezialkräfte mit militärischem Hintergrund mit der Zivilbevölkerung kooperieren.

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Bolivien: Journalisten rücken ins Visier der Putschisten

bolivien:-journalisten-rucken-ins-visier-der-putschisten

17-11-19 09:50:00,

Proteste von Morales-Anhängern in El Alto. Screenshot Video/Twitter (Freddy Morales‏)

Zunehmende Angriffe gegen Pressevertreter. Ministerin: Haben entsprechende Korrespondenten bereits identifiziert

Inmitten schwerer Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des gestürzten Präsidenten Evo Morales und bewaffneten Kräften des De-facto-Regimes kommt es in Bolivien zunehmend auch zu Übergriffen auf Journalisten. Sowohl bolivianische Medien als auch ausländische Korrespondenten geraten dabei ins Visier der Putschisten.

Die Kommunikationsministerin des De-facto-Regimes, Roxana Lizárraga, die sich auf Twitter “Journalistin und kämpferische Verteidigerin von Demokratie und Meinungsfreiheit” bezeichnet, drohte Pressevertretern recht unverhohlen, sollten sie über die zunehmenden Proteste gegen das international kaum anerkannte Putsch-Regime berichten. Man werde handeln, “wenn diese Journalisten oder Pseudojournalisten ihre Arbeit nicht tun” und “an dem Aufstand teilnehmen”, so Lizárraga.

“Einige bolivianische und ausländische Journalisten schüren in unserem Land den Aufruhr, und sie müssen sich dafür nach bolivianischem Recht verantworten”, sagte Lizárraga. Man habe die entsprechenden Korrespondenten bereits identifiziert, fügte sie an: “Das Innenministerium wird geeignete Maßnahmen ergreifen.”

Vor allem argentinische Medien wie Crónica TV und TN de Argentina hatten in den vergangenen Tagen beklagt, dass ihre Mitarbeiter vor Ort angegriffen und bedroht wurden. Sie seien von Anhängern des Putschregimes auf den Straßen der Hauptstadt La Paz offen angegangen und verfolgt worden.

Anhänger von Senatorin Jeanine Áñez, die sich zur Übergangspräsidentin erklärt hatte, verfolgten auch ein Team des russischen Auslandssenders RT. RT-Korrespondent Francisco Guaita hatte versucht, vom zentralen Murillo-Platz in La Paz aus über die angespannte Lage im Land zu berichten.

Kurz vor der Stellungnahme der Innenministerin des De-facto-Regimes hatte der Kameramann des argentinischen Fernsehsenders Telefe, Lucio Gómez, per Video auf Twitter angekündigt, dass der Kanal sein Team evakuieren werde. Gómez wurde von den Behörden offenbar angeklagt, für die Proteste mitverantwortlich zu sein.

Am Mittwoch war er während seiner Arbeit angegriffen worden. Auch der Journalist Rolando Graña von América TV, ebenfalls aus Argentinien, und Telefe-Produzent Jerónimo Loguzzo wurden in den Straßen der Hauptstadt angegriffen. Zuvor waren ihre Namen und Fotos in einer Zeitung veröffentlicht worden.

Aggressives Klima

Dazu hieß es, sie hätten zur Gewalt aufgerufen.

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STANDPUNKTE • Wehe den Besiegten! | KenFM.de

16-11-19 07:09:00,

Nach der Wiedervereinigung wurden Waffen und Knowhow der NVA ausgeschlachtet und landeten schließlich bei NATO und Bundeswehr. Exklusivabdruck aus „Waffenschmiede DDR“.

Ein Standpunkt von Uwe Markus.

Als mit der DDR ihre Streitkräfte abgewickelt wurden, verschwanden die Waffen- und Ausrüstungsbestände der NVA aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Wen interessierte schon die scheinbar nutz- und wertlose militärische Hinterlassenschaft jenes Staates, den man als historischen Sperrmüll entsorgte und der nach dem Willen mancher Politiker zukünftig lediglich eine Fußnote der Geschichte wert sein sollte?

Auch die Unternehmen der Speziellen Produktion benötigte der neue, alte deutsche Staat nicht. Für die Ausstattung der Bundeswehr sorgten die etablierten Wehrtechnikhersteller der Bundesrepublik. Die Zeichen standen auf Abrüstung, was schrumpfende Auftragseingänge im Wehrtechnikbereich erwarten ließ. Die ostdeutschen Unternehmen der Branche waren plötzlich unliebsame Konkurrenten auf den angestammten Märkten des Westens, an deren Erhalt kein westdeutscher Wirtschaftsführer oder Politiker Interesse haben konnte. Sie hatten in Bonn keine Lobby, ohne deren segensreiches Wirken das Geschäft im Wehrtechnikmarkt noch nie funktionierte. Die Währungsunion brachte den Unternehmen der Speziellen Produktion zudem den Zusammenbruch der Ostmärkte, weil die Kunden die nun geltenden D-Mark-Preise nicht zahlen konnten.

Der deutsche Staat in Gestalt der Spitzen von Bundesverteidigungsministerium und Bundeswehr sah keine Veranlassung, durch Aufträge die Marktchancen der im freien Fall befindlichen ostdeutschen Wehrtechnikunternehmen zu verbessern. Bei der Begründung dieses Vorgehens wurde bewusst unterschlagen, dass auch die traditionelle Wehrtechnikproduktion im Westen durch direkte und indirekte öffentliche Subventionen gestützt wird und wettbewerbsverzerrende industriepolitische Interventionen der Staaten zugunsten ihrer Rüstungsunternehmen eher die Regel als die Ausnahme sind.

Daher bedurfte es einer tragenden kommunikationspolitischen Idee für die Abwicklung häufig modern ausgerüsteter ostdeutscher Wehrtechnikunternehmen. Mit dem Hinweis auf die hohen Anforderungen der internationalen Märkte, den sich verschärfenden Wettbewerb und das angeblich zu geringe technologische Niveau der Produktion im Osten wurden Unternehmen zerschlagen und — der reinen Lehre folgend — häufig unter Wert privatisiert.

Diese günstigen Privatisierungskonditionen lockten Interessenten an, die sich geübten Auges die Filetstücke aus der Konkursmasse der einstigen DDR-Rüstungsindustrie herauspickten. Die Mitarbeiterzahlen der privatisierten Unternehmen wurden dabei in der Regel drastisch reduziert. Nur für geringe Teile der alten Belegschaften erfüllte sich die Hoffnung, den in Ostdeutschland einsetzenden Deindustrialisierungsprozess unbeschadet überstehen zu können.

Manche der einstigen DDR-Rüstungsunternehmen sind nach wie vor in der Wehrtechnikbranche tätig.

Aus dem Instandsetzungswerk Ludwigsfelde wurde ein Unternehmen des zur EADS-Gruppe gehörenden Konzerns MTU.

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STANDPUNKTE • Wehe den Besiegten! | KenFM.de

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16-11-19 07:09:00,

Nach der Wiedervereinigung wurden Waffen und Knowhow der NVA ausgeschlachtet und landeten schließlich bei NATO und Bundeswehr. Exklusivabdruck aus „Waffenschmiede DDR“.

Ein Standpunkt von Uwe Markus.

Als mit der DDR ihre Streitkräfte abgewickelt wurden, verschwanden die Waffen- und Ausrüstungsbestände der NVA aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Wen interessierte schon die scheinbar nutz- und wertlose militärische Hinterlassenschaft jenes Staates, den man als historischen Sperrmüll entsorgte und der nach dem Willen mancher Politiker zukünftig lediglich eine Fußnote der Geschichte wert sein sollte?

Auch die Unternehmen der Speziellen Produktion benötigte der neue, alte deutsche Staat nicht. Für die Ausstattung der Bundeswehr sorgten die etablierten Wehrtechnikhersteller der Bundesrepublik. Die Zeichen standen auf Abrüstung, was schrumpfende Auftragseingänge im Wehrtechnikbereich erwarten ließ. Die ostdeutschen Unternehmen der Branche waren plötzlich unliebsame Konkurrenten auf den angestammten Märkten des Westens, an deren Erhalt kein westdeutscher Wirtschaftsführer oder Politiker Interesse haben konnte. Sie hatten in Bonn keine Lobby, ohne deren segensreiches Wirken das Geschäft im Wehrtechnikmarkt noch nie funktionierte. Die Währungsunion brachte den Unternehmen der Speziellen Produktion zudem den Zusammenbruch der Ostmärkte, weil die Kunden die nun geltenden D-Mark-Preise nicht zahlen konnten.

Der deutsche Staat in Gestalt der Spitzen von Bundesverteidigungsministerium und Bundeswehr sah keine Veranlassung, durch Aufträge die Marktchancen der im freien Fall befindlichen ostdeutschen Wehrtechnikunternehmen zu verbessern. Bei der Begründung dieses Vorgehens wurde bewusst unterschlagen, dass auch die traditionelle Wehrtechnikproduktion im Westen durch direkte und indirekte öffentliche Subventionen gestützt wird und wettbewerbsverzerrende industriepolitische Interventionen der Staaten zugunsten ihrer Rüstungsunternehmen eher die Regel als die Ausnahme sind.

Daher bedurfte es einer tragenden kommunikationspolitischen Idee für die Abwicklung häufig modern ausgerüsteter ostdeutscher Wehrtechnikunternehmen. Mit dem Hinweis auf die hohen Anforderungen der internationalen Märkte, den sich verschärfenden Wettbewerb und das angeblich zu geringe technologische Niveau der Produktion im Osten wurden Unternehmen zerschlagen und — der reinen Lehre folgend — häufig unter Wert privatisiert.

Diese günstigen Privatisierungskonditionen lockten Interessenten an, die sich geübten Auges die Filetstücke aus der Konkursmasse der einstigen DDR-Rüstungsindustrie herauspickten. Die Mitarbeiterzahlen der privatisierten Unternehmen wurden dabei in der Regel drastisch reduziert. Nur für geringe Teile der alten Belegschaften erfüllte sich die Hoffnung, den in Ostdeutschland einsetzenden Deindustrialisierungsprozess unbeschadet überstehen zu können.

Manche der einstigen DDR-Rüstungsunternehmen sind nach wie vor in der Wehrtechnikbranche tätig.

Aus dem Instandsetzungswerk Ludwigsfelde wurde ein Unternehmen des zur EADS-Gruppe gehörenden Konzerns MTU.

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Geständnisse eines Atomkriegsplaners – Interview mit Whistleblower Daniel Ellsberg | KenFM.de

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16-11-19 07:02:00,

Ein Beitrag von acTVism Munich.

In diesem Interview sprechen wir mit dem ehemaligen US-Militäranalysten der RAND Corporation und Whistleblower der Pentagon-Papiere, Daniel Ellsberg, über seinen Werdegang und warum er sich 1971 entschied, an die Öffentlichkeit zu treten. Darüber hinaus sprechen wir über sein zuletzt erschienenes Buch „The Doomsday Machine: Confessions of a Nuclear War Planner“ und enthüllen, wie ein Atomkrieg geplant wurde, als er ein Insider war, der für RAND arbeitete sowie über die Fehler, die dort gemacht wurden und welche Gefahren sie für die Gesellschaft darstellten. Schließlich reden wir darüber, ob Atomwaffen ein wirksames Instrument für Verhandlungen und Diplomatie sind und was der Einzelne tun kann, um die weltweite Abrüstung voranzutreiben.

Daniel Ellsberg war Berater des US-Verteidigungsministeriums und des Weißen Hauses und an der Ausarbeitung von Plänen zu einem Atomkrieg beteiligt. In seinem Buch „The Doomsday Machine: Confessions of a Nuclear War Planner“ enthüllt Ellsberg zum ersten Mal die Existenz streng geheimer Dokumente aus seinen Planungsstudien zur Führung von Atomkriegen, neben den Pentagon Papers, die er bekanntlich 1971 veröffentlichte. Ellsberg ist außerdem Verfasser einer 2003 erschienenen Denkschrift zu den Pentagon Papers und dem Vietnamkrieg namens Secrets. Er ist die Hauptfigur des für den Oscar nominierten Dokumentarfilms The Most Dangerous Man in America. Außerdem spielt er in dem Steven-Spielberg-Film Die Verlegerin über die Veröffentlichung der Pentagon Papers eine wichtige Rolle.

Vortrag: Für die vollständige Abschrift klicken Sie hier.

English version: Click here

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Bildhinweis: shutterstock/Joseph Sohm

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Dieser Beitrag erschien am 06.11.2019 bei acTVism.org

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Tagesdosis 16.11.2019 – Daniele Ganser überrascht in Freiburg | KenFM.de

tagesdosis-16112019-–-daniele-ganser-uberrascht-in-freiburg-|-kenfm.de

16-11-19 06:02:00,

Dieser Artikel ist auch als kostenlose MP3 für Dich verfügbar!

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Die Vortragsveranstaltung am 2. November 2019 war gleich in dreifacher Hinsicht ein besonderes Ereignis. „Imperium: Die globale Vorherrschaft der USA“ – der Titel von Gansers Vortrag erregte bereits im Vorhinein die Gemüter der Antifa und des geplanten Mitredners Jürgen Grässlin, sorgte aber auch für Vorfreude auf das neue Buch von Ganser und glänzte besonders durch die Einrahmung durch hervorragende Klaviermusik.

Ein Kommentar von Christiane Borowy.

Überraschung 1 – Daniele Ganser redet mit jedem

Den Freiburger Jürgen Grässlin, Friedensaktivist und Rüstungsgegner, traf diese Erkenntnis offenbar wie ein Blitz, denn nur wenige Wochen vorher nimmt er seine verbindliche Zusage zurück, auf der Veranstaltung von Daniele Ganser einen Vortrag zu halten. Doch dass Ganser sich auch vor Kontakt zum vermeintlichen Gegner nicht scheut, ist keine wirkliche Überraschung für jeden, der den Schweizer Historiker bereits kennt.

Man kann auch nicht sagen, dass Grässlin Daniele Ganser und dessen Haltung nicht gekannt habe, denn im September 2018 hat er nach einem Vortrag in geselliger Runde mit ihm zusammengesessen. Ich kann sogar bezeugen, dass er und Daniele Ganser bei diesem Anlass darüber gesprochen haben, wie wichtig es für den Frieden ist, mit allen Menschen zu reden und dass das ja nicht bedeuten würde, dass man automatisch die Meinung des Gegenübers übernimmt. Grässlin sah das damals noch ähnlich und betonte, dass auch er in seiner Position mit vielen Menschen ganz unterschiedlicher Couleur reden muss, um die gemeinsame Sache Frieden voranzubringen. Als Konfliktsoziologin fand ich es seinerzeit interessant, mit welchen Strategien beziehungsweise Methoden ihm dieser Drahtseilakt gelingt, mit vielen Menschen ganz unterschiedlicher Ansichten zusammenzuarbeiten. Deshalb war ich hocherfreut, als bereits im September 2018 feststand, dass Grässlin auf einer Veranstaltung von Gansers Friedenforschungsinstitut Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER) im November 2019 einen Vortrag halten wird.

Als ich jedoch wenige Wochen vor Beginn der Veranstaltung noch einmal auf den Veranstaltungshinweis sehe, entdecke ich, dass Grässlin nicht mehr als Speaker genannt ist. Ich mache mich im Internet auf die Suche und prüfe, ob ich eine offizielle Absage oder ähnliches finde. Diesbezüglich werde ich nicht fündig,

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Der Friedenseinsatz

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16-11-19 10:29:00,

Rubikon: Herr Wonneberger, ab 1977 haben Sie als Pfarrer in Dresden gearbeitet. Dort begannen Sie mit konkreten Aktionen für den Frieden. Ihr erstes Projekt war das Konzept einer Art Zivildienst in der DDR.

Christoph Wonneberger: Ja, das kann man so nennen. Aber es sollte nicht das Gleiche werden wie im Westen, sondern etwas Eigenes. Ich habe 1980 in meiner damaligen Dresdener Gemeinde eine Initiative für einen „Sozialen Friedensdienst“ gegründet. Wir wollten ein Modell entwickeln als Alternative zum Wehrdienst in der DDR. Das begann parallel mit der damaligen Bewegung „Schwerter zu Pflugscharen“, die ja auch in der BRD lief. Es gab viele Defizite in der DDR, wo man die Tätigkeit von jungen Menschen gebraucht hätte — im Sozialen oder in der Umwelt statt beim Militär. Der schlechte Zustand zum Beispiel in den Altenheimen hat mich sehr genervt. Wir wollten mit der Initiative öffentlichen Druck ausüben, damit in der DDR ein neues Gesetz entsteht, das einen Friedensdienst als Alternative zum staatlichen Militärdienst einführt. Junge Leute sollten sich frei entscheiden können. Das war die Idee.

Und wie ging das weiter? Wie ist der Staat damit umgegangen?

Erst mal habe ich versucht, die Evangelischen Kirchen in Dresden mit ins Boot zu nehmen, also herauszufinden, inwieweit sie unsere Initiative unterstützen wollen. Unser größtes Problem damals war, überhaupt Öffentlichkeit herzustellen. Man konnte ja nicht einfach die Medien nutzen. Telefone gab es auch so gut wie nicht. Also habe ich versucht, mit Kettenbriefen eine größere Öffentlichkeit zu erreichen.

Eine andere Methode waren regelmäßige Treffen in den Kirchen. Es hat dann gut zwei Jahre gedauert, bis die Idee des Sozialen Friedensdienstes in der DDR bekannt wurde. Mir war auch wichtig, dafür keine westlichen Medien zu nutzen. Sonst hätten die Verantwortlichen in der DDR leicht sagen können: „Ach, das ist ja wieder nur aus dem Westen!“

Dann hat das natürlich auch irgendwann die Stasi bemerkt. Es kamen Leute in unsere Initiative und sagten: „So was brauchen wir nicht. Unsere ganze Gesellschaft ist sozial.“ Die wollten das natürlich nicht so stehen lassen. Aber wir haben trotzdem weitergemacht. Und mit der Wende 1989 und der Volkskammerwahl im März 1990 hat man praktisch für ein halbes Jahr — also bis zur Einheit — unser Modell umgesetzt. Als dann der Westen hier übernommen hat, da hat er sein eigenes Modell eingeführt.

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Eine Liebeserklärung an die Ostdeutschen

16-11-19 10:28:00,

Der Kapitalismus lebt von Spaltung und Kontrolle. Er muss zerstören, um wieder aufbauen zu können, nur das garantiert ihm ewiges wirtschaftliches Wachstum; er muss immer stärker kontrollieren, um seine Bürgerinnen und Bürger auf Kurs zu halten. Damit der Mensch sich im Kapitalismus frei fühlt, bekommt er großzügig ein paar Wahlmöglichkeiten, am Ende aber darf er nie das große Ganze in Frage stellen, sonst wird er als Verschwörungstheoretiker diffamiert und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. So sichert sich der Kapitalismus gegen Angriffe von außen ab, manchmal aber macht er es noch geschickter. Dazu ein Beispiel aus der vergangenen Woche.

In der aktuellen KenFM-Sendung „Zur Sache“ fällt in der 11. Minute ein bemerkenswerter Satz. Einer der Talkgäste zum Thema „9. November ‘89 — der Beginn vom Ende des Neuanfangs?“ fragt Moderator Ken Jebsen, warum dieser in seiner Moderation eigentlich immer „ehemalige DDR“ sage, schließlich würde es im normalen Sprachgebrauch ja auch nicht ehemaliges Mittelalter heißen, oder ehemaliges Römisches Reich.

Jebsen, der für mich derzeit einer der investigativsten alternativen Medienmacher im deutschsprachigen Raum ist, pariert in gewohnter Manier mit einer zynischen Frage: „Bin vielleicht auch ich bereits ein Opfer der Propaganda der Tageschau geworden?“

Diese Szene bringt eines brillant auf den Punkt: wie wir nämlich alle, selbst die intelligentesten Köpfe unseres Landes, durch den Framing-Effekt immer und immer wieder völlig unbewusst „gehirngewaschen“ werden. Denn durch den im deutschen Sprachgebrauch weitverbreiteten und durch die Mainstreammedien unterstützten Begriff „ehemalige DDR“ wird dieses Land praktisch doppelt beendet. So soll auch nach 30 Jahren beschworen werden, dass so etwas wie die DDR, respektive der Sozialismus, niemals wieder „passieren“ dürfe.

Mit den Jahren habe ich gelernt, in genau solchen Augenblicken in die Vogelperspektive zu schalten. Und aus eben dieser betrachtet stellt sich für mich die Frage, in wessen Interesse es eigentlich ist, die DDR so zu verteufeln.

War denn am Sozialismus wirklich alles so schlecht, wie es von unseren Leitmedien und beispielsweise auch in Kinofilmen oder TV-Serien immer wieder episch dargestellt wurde und wird. Kann denn wirklich immer nur der Ossi vom Wessi lernen, wie der Mainstream es uns subversiv immer wieder ins Ohr haucht — oder vielleicht doch auch der Wessi vom Ossi?

Allein durch diese Einseitigkeit spaltet der kapitalistische Staat, der ja vorgibt, versöhnen und vereinen zu wollen. Wie passt das alles zusammen: Schaut man sich die Bemühungen der Bundesregierung an,

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Eine Liebeserklärung an die Ostdeutschen

eine-liebeserklarung-an-die-ostdeutschen

16-11-19 10:28:00,

Der Kapitalismus lebt von Spaltung und Kontrolle. Er muss zerstören, um wieder aufbauen zu können, nur das garantiert ihm ewiges wirtschaftliches Wachstum; er muss immer stärker kontrollieren, um seine Bürgerinnen und Bürger auf Kurs zu halten. Damit der Mensch sich im Kapitalismus frei fühlt, bekommt er großzügig ein paar Wahlmöglichkeiten, am Ende aber darf er nie das große Ganze in Frage stellen, sonst wird er als Verschwörungstheoretiker diffamiert und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. So sichert sich der Kapitalismus gegen Angriffe von außen ab, manchmal aber macht er es noch geschickter. Dazu ein Beispiel aus der vergangenen Woche.

In der aktuellen KenFM-Sendung „Zur Sache“ fällt in der 11. Minute ein bemerkenswerter Satz. Einer der Talkgäste zum Thema „9. November ‘89 — der Beginn vom Ende des Neuanfangs?“ fragt Moderator Ken Jebsen, warum dieser in seiner Moderation eigentlich immer „ehemalige DDR“ sage, schließlich würde es im normalen Sprachgebrauch ja auch nicht ehemaliges Mittelalter heißen, oder ehemaliges Römisches Reich.

Jebsen, der für mich derzeit einer der investigativsten alternativen Medienmacher im deutschsprachigen Raum ist, pariert in gewohnter Manier mit einer zynischen Frage: „Bin vielleicht auch ich bereits ein Opfer der Propaganda der Tageschau geworden?“

Diese Szene bringt eines brillant auf den Punkt: wie wir nämlich alle, selbst die intelligentesten Köpfe unseres Landes, durch den Framing-Effekt immer und immer wieder völlig unbewusst „gehirngewaschen“ werden. Denn durch den im deutschen Sprachgebrauch weitverbreiteten und durch die Mainstreammedien unterstützten Begriff „ehemalige DDR“ wird dieses Land praktisch doppelt beendet. So soll auch nach 30 Jahren beschworen werden, dass so etwas wie die DDR, respektive der Sozialismus, niemals wieder „passieren“ dürfe.

Mit den Jahren habe ich gelernt, in genau solchen Augenblicken in die Vogelperspektive zu schalten. Und aus eben dieser betrachtet stellt sich für mich die Frage, in wessen Interesse es eigentlich ist, die DDR so zu verteufeln.

War denn am Sozialismus wirklich alles so schlecht, wie es von unseren Leitmedien und beispielsweise auch in Kinofilmen oder TV-Serien immer wieder episch dargestellt wurde und wird. Kann denn wirklich immer nur der Ossi vom Wessi lernen, wie der Mainstream es uns subversiv immer wieder ins Ohr haucht — oder vielleicht doch auch der Wessi vom Ossi?

Allein durch diese Einseitigkeit spaltet der kapitalistische Staat, der ja vorgibt, versöhnen und vereinen zu wollen. Wie passt das alles zusammen: Schaut man sich die Bemühungen der Bundesregierung an,

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Die ewigen Prügelknaben

16-11-19 10:27:00,

Die Ostdeutschen sind wieder im Gespräch, politisch wie medial. Der Quell, aus dem sich das neu erwachte öffentliche Interesse speist, ist denkbar trübe: NSU-Komplex, Pegida und dann auch noch die AfD, die im Osten auf Landes- wie auf Bundesebene einen Wahlerfolg nach dem anderen verzeichnet. Militante Aufmärsche mit unverhüllt rassistischen Parolen wie im September 2018 in Chemnitz taten ein Übriges, um die Ostler in Verruf zu bringen. Im 30. Jahr des demokratischen Aufbruchs in der DDR, so der Vorwurf, seien viele noch immer nicht im wiedervereinigten Deutschland angekommen. Geld und gute Worte hätten es offenkundig nicht vermocht, Demokratie, Rechtsstaat und zivilgesellschaftliches Engagement unverrückbar im Beitrittsgebiet zu verankern.

Was ist da los? Spukt womöglich die DDR noch immer in den Köpfen allzu vieler? Nimmt derart die Diktatur späte Rache für ihr schmähliches Ende?

Man muss diese Vermutungen nicht teilen, um das fortbestehende, teils sogar sich verfestigende West-Ost-Gefälle in den Ansichten, Gewohnheiten, den politischen Haltungen zumindest sonderbar zu finden. Daniel Dettling verlieh der verbreiteten Irritation speziell westlicher Interpreten in einem Gastkommentar für die Neue Zürcher Zeitung vom 10. November 2018 wie folgt Ausdruck:

„Den Menschen im deutschen Osten geht es heute so gut wie noch nie. Der Abstand zwischen Ost- und Westdeutschland ist geringer denn je. Wirtschaftlich gesehen stehen die Ostdeutschen immer besser da. Um 75 Prozent wuchs ihr Vermögen seit der Jahrhundertwende von 2000. Seit der deutschen Einheit vor fast dreißig Jahren ist die Lebenserwartung um sieben Jahre gestiegen. Produktivität, Löhne und Renten wuchsen in letzter Zeit schneller und die Arbeitslosigkeit geht stärker zurück als im Westen. Und dennoch dominieren in den neuen Bundesländern ein Gefühl der Ohnmacht und ein politischer Populismus, der daraus Nahrung zieht. (…) Der ökonomische Aufbau hat bisher nicht zu einem Abbau an politischem Verdruss geführt.“

Es ist hier nicht der Ort, diesen Befund im Einzelnen zu diskutieren. Zahlreiche ökonomische Daten vermitteln ein weniger optimistisches Bild des Aufholprozesses, legen nahe, dass dieser sich in jüngerer Zeit verlangsamt hat bzw. auf der Stelle tritt. Dagegen trifft zu, dass Wohnungen, Häuser, Städte modernisiert, Infrastrukturen ertüchtigt oder neu geschaffen wurden; etliche Unternehmen produzieren mit modernster Technik, behaupten sich im Wettbewerb.

Nur fragt sich in diesem Fall, in wessen Hand sich all das befindet, wer effektiv darüber verfügt. Oft genug schauen die Ostdeutschen,

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Die ewigen Prügelknaben

die-ewigen-prugelknaben

16-11-19 10:27:00,

Die Ostdeutschen sind wieder im Gespräch, politisch wie medial. Der Quell, aus dem sich das neu erwachte öffentliche Interesse speist, ist denkbar trübe: NSU-Komplex, Pegida und dann auch noch die AfD, die im Osten auf Landes- wie auf Bundesebene einen Wahlerfolg nach dem anderen verzeichnet. Militante Aufmärsche mit unverhüllt rassistischen Parolen wie im September 2018 in Chemnitz taten ein Übriges, um die Ostler in Verruf zu bringen. Im 30. Jahr des demokratischen Aufbruchs in der DDR, so der Vorwurf, seien viele noch immer nicht im wiedervereinigten Deutschland angekommen. Geld und gute Worte hätten es offenkundig nicht vermocht, Demokratie, Rechtsstaat und zivilgesellschaftliches Engagement unverrückbar im Beitrittsgebiet zu verankern.

Was ist da los? Spukt womöglich die DDR noch immer in den Köpfen allzu vieler? Nimmt derart die Diktatur späte Rache für ihr schmähliches Ende?

Man muss diese Vermutungen nicht teilen, um das fortbestehende, teils sogar sich verfestigende West-Ost-Gefälle in den Ansichten, Gewohnheiten, den politischen Haltungen zumindest sonderbar zu finden. Daniel Dettling verlieh der verbreiteten Irritation speziell westlicher Interpreten in einem Gastkommentar für die Neue Zürcher Zeitung vom 10. November 2018 wie folgt Ausdruck:

„Den Menschen im deutschen Osten geht es heute so gut wie noch nie. Der Abstand zwischen Ost- und Westdeutschland ist geringer denn je. Wirtschaftlich gesehen stehen die Ostdeutschen immer besser da. Um 75 Prozent wuchs ihr Vermögen seit der Jahrhundertwende von 2000. Seit der deutschen Einheit vor fast dreißig Jahren ist die Lebenserwartung um sieben Jahre gestiegen. Produktivität, Löhne und Renten wuchsen in letzter Zeit schneller und die Arbeitslosigkeit geht stärker zurück als im Westen. Und dennoch dominieren in den neuen Bundesländern ein Gefühl der Ohnmacht und ein politischer Populismus, der daraus Nahrung zieht. (…) Der ökonomische Aufbau hat bisher nicht zu einem Abbau an politischem Verdruss geführt.“

Es ist hier nicht der Ort, diesen Befund im Einzelnen zu diskutieren. Zahlreiche ökonomische Daten vermitteln ein weniger optimistisches Bild des Aufholprozesses, legen nahe, dass dieser sich in jüngerer Zeit verlangsamt hat bzw. auf der Stelle tritt. Dagegen trifft zu, dass Wohnungen, Häuser, Städte modernisiert, Infrastrukturen ertüchtigt oder neu geschaffen wurden; etliche Unternehmen produzieren mit modernster Technik, behaupten sich im Wettbewerb.

Nur fragt sich in diesem Fall, in wessen Hand sich all das befindet, wer effektiv darüber verfügt. Oft genug schauen die Ostdeutschen,

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Die Faschismus-Relativierung

16-11-19 10:26:00,

Ist die besitzende Klasse an der Macht ohne eine Gegenkraft von massenwirksamer Stärke bedeutet dies reaktionäre Politik und Ausbeutung der Mehrheit. Das ist ebenfalls nichts Neues. Schon der Sieg des Kapitalismus über den Feudalismus mit den Parolen der Französischen Revolution Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zeigte dies — dieser epochale Umbruch führte nicht zur Umsetzung der progressiven Forderungen, für die diese drei Parolen stehen. Stattdessen kam es zu rückwärtsgewandten Schritten der Etablierung und Absicherung der Macht, auch mit propagandistischen Mitteln. Der erste deutliche Ausdruck dafür war Napoleons Selbst-Inthronisierung als Kaiser (1).

Um davon abzulenken, dass bürgerliche Macht heute wieder reaktionär wirkt, bedienen sich die Herrschenden verschiedener Mittel, darunter Propaganda und Repression sowie der De-Legitimierung von Gegnern durch doppelte Standards und das Ausfiltern von Nachrichten-Inhalten. Ein aktuelles Beispiel liefert die CDU Sachsens, die eine Montage von je einem Foto aus dem kriegszerstörten Dresden nach dem Ende der Nazi-Diktatur und aus einer heruntergekommenen Straßenszene aus der späten DDR kombiniert — mit dem beide Epochen gleichsetzenden Text: „Sozialismus hat nur Leid gebracht, egal ob national oder ‚real existierend‘“ (2). Hier wird die Gesellschaft, die sich realsozialistisch nannte, mit dem Faschismus gleichgesetzt, der zudem auch noch den Stempel des Sozialismus erhält, da die Nazis sich des Begriffes bedient hatten.

Dies ist eine den Faschismus unglaublich verharmlosende Gleichsetzung: Das größte Verbrechen der Menschheit wird mit der Geschichte der DDR auf eine Stufe gestellt.

Der Faschismus ist die offen terroristische Herrschaft brutaler Ausbeuter an der Macht. Der NS-Staat vollzog den Massenmord industriell, systematisch betrieben von der Überwachung der gesamten Bevölkerung, der geplanten Deportation bis zum als Genozid geplanten Holocaust selbst. Die Nazis setzten ihre Propaganda gegen eine vermeintlich jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung ein. Im Ergebnis betrieben sie gegen die Sowjetunion einen Vernichtungskrieg, dem 27 Millionen SowjetbürgerInnen zum Opfer fielen. Der Zweite Weltkrieg führte insgesamt zu über 60 Millionen Toten, ein Verbrechen ohne jeglichen historischen Vergleich. Die sechs Millionen ermordeten Juden sind bis heute mehr im Gedächtnis der Menschheit als die weiteren Opferzahlen.

Die Sachsen-CDU rechtfertigt ihre Darstellung, die die DDR mit dem Faschismus bildlich und textlich parallelisiert, mit dem Argument: „Die beiden Bilder zeigen, wohin sozialistische Experimente geführt haben. Wir haben kein Interesse an Wiederholung“ (3). Diese Argumentation fügt zu der Gleichsetzung der beiden Systeme noch eine ergänzende Geschichtsklitterung hinzu, da sie den Faschismus erneut und aus Regierungsmund sozialistisch nennt.

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Die Faschismus-Relativierung

16-11-19 10:26:00,

Ist die besitzende Klasse an der Macht ohne eine Gegenkraft von massenwirksamer Stärke bedeutet dies reaktionäre Politik und Ausbeutung der Mehrheit. Das ist ebenfalls nichts Neues. Schon der Sieg des Kapitalismus über den Feudalismus mit den Parolen der Französischen Revolution Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zeigte dies — dieser epochale Umbruch führte nicht zur Umsetzung der progressiven Forderungen, für die diese drei Parolen stehen. Stattdessen kam es zu rückwärtsgewandten Schritten der Etablierung und Absicherung der Macht, auch mit propagandistischen Mitteln. Der erste deutliche Ausdruck dafür war Napoleons Selbst-Inthronisierung als Kaiser (1).

Um davon abzulenken, dass bürgerliche Macht heute wieder reaktionär wirkt, bedienen sich die Herrschenden verschiedener Mittel, darunter Propaganda und Repression sowie der De-Legitimierung von Gegnern durch doppelte Standards und das Ausfiltern von Nachrichten-Inhalten. Ein aktuelles Beispiel liefert die CDU Sachsens, die eine Montage von je einem Foto aus dem kriegszerstörten Dresden nach dem Ende der Nazi-Diktatur und aus einer heruntergekommenen Straßenszene aus der späten DDR kombiniert — mit dem beide Epochen gleichsetzenden Text: „Sozialismus hat nur Leid gebracht, egal ob national oder ‚real existierend‘“ (2). Hier wird die Gesellschaft, die sich realsozialistisch nannte, mit dem Faschismus gleichgesetzt, der zudem auch noch den Stempel des Sozialismus erhält, da die Nazis sich des Begriffes bedient hatten.

Dies ist eine den Faschismus unglaublich verharmlosende Gleichsetzung: Das größte Verbrechen der Menschheit wird mit der Geschichte der DDR auf eine Stufe gestellt.

Der Faschismus ist die offen terroristische Herrschaft brutaler Ausbeuter an der Macht. Der NS-Staat vollzog den Massenmord industriell, systematisch betrieben von der Überwachung der gesamten Bevölkerung, der geplanten Deportation bis zum als Genozid geplanten Holocaust selbst. Die Nazis setzten ihre Propaganda gegen eine vermeintlich jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung ein. Im Ergebnis betrieben sie gegen die Sowjetunion einen Vernichtungskrieg, dem 27 Millionen SowjetbürgerInnen zum Opfer fielen. Der Zweite Weltkrieg führte insgesamt zu über 60 Millionen Toten, ein Verbrechen ohne jeglichen historischen Vergleich. Die sechs Millionen ermordeten Juden sind bis heute mehr im Gedächtnis der Menschheit als die weiteren Opferzahlen.

Die Sachsen-CDU rechtfertigt ihre Darstellung, die die DDR mit dem Faschismus bildlich und textlich parallelisiert, mit dem Argument: „Die beiden Bilder zeigen, wohin sozialistische Experimente geführt haben. Wir haben kein Interesse an Wiederholung“ (3). Diese Argumentation fügt zu der Gleichsetzung der beiden Systeme noch eine ergänzende Geschichtsklitterung hinzu, da sie den Faschismus erneut und aus Regierungsmund sozialistisch nennt.

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Die Faschismus-Relativierung

16-11-19 10:26:00,

Ist die besitzende Klasse an der Macht ohne eine Gegenkraft von massenwirksamer Stärke bedeutet dies reaktionäre Politik und Ausbeutung der Mehrheit. Das ist ebenfalls nichts Neues. Schon der Sieg des Kapitalismus über den Feudalismus mit den Parolen der Französischen Revolution Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zeigte dies — dieser epochale Umbruch führte nicht zur Umsetzung der progressiven Forderungen, für die diese drei Parolen stehen. Stattdessen kam es zu rückwärtsgewandten Schritten der Etablierung und Absicherung der Macht, auch mit propagandistischen Mitteln. Der erste deutliche Ausdruck dafür war Napoleons Selbst-Inthronisierung als Kaiser (1).

Um davon abzulenken, dass bürgerliche Macht heute wieder reaktionär wirkt, bedienen sich die Herrschenden verschiedener Mittel, darunter Propaganda und Repression sowie der De-Legitimierung von Gegnern durch doppelte Standards und das Ausfiltern von Nachrichten-Inhalten. Ein aktuelles Beispiel liefert die CDU Sachsens, die eine Montage von je einem Foto aus dem kriegszerstörten Dresden nach dem Ende der Nazi-Diktatur und aus einer heruntergekommenen Straßenszene aus der späten DDR kombiniert — mit dem beide Epochen gleichsetzenden Text: „Sozialismus hat nur Leid gebracht, egal ob national oder ‚real existierend‘“ (2). Hier wird die Gesellschaft, die sich realsozialistisch nannte, mit dem Faschismus gleichgesetzt, der zudem auch noch den Stempel des Sozialismus erhält, da die Nazis sich des Begriffes bedient hatten.

Dies ist eine den Faschismus unglaublich verharmlosende Gleichsetzung: Das größte Verbrechen der Menschheit wird mit der Geschichte der DDR auf eine Stufe gestellt.

Der Faschismus ist die offen terroristische Herrschaft brutaler Ausbeuter an der Macht. Der NS-Staat vollzog den Massenmord industriell, systematisch betrieben von der Überwachung der gesamten Bevölkerung, der geplanten Deportation bis zum als Genozid geplanten Holocaust selbst. Die Nazis setzten ihre Propaganda gegen eine vermeintlich jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung ein. Im Ergebnis betrieben sie gegen die Sowjetunion einen Vernichtungskrieg, dem 27 Millionen SowjetbürgerInnen zum Opfer fielen. Der Zweite Weltkrieg führte insgesamt zu über 60 Millionen Toten, ein Verbrechen ohne jeglichen historischen Vergleich. Die sechs Millionen ermordeten Juden sind bis heute mehr im Gedächtnis der Menschheit als die weiteren Opferzahlen.

Die Sachsen-CDU rechtfertigt ihre Darstellung, die die DDR mit dem Faschismus bildlich und textlich parallelisiert, mit dem Argument: „Die beiden Bilder zeigen, wohin sozialistische Experimente geführt haben. Wir haben kein Interesse an Wiederholung“ (3). Diese Argumentation fügt zu der Gleichsetzung der beiden Systeme noch eine ergänzende Geschichtsklitterung hinzu, da sie den Faschismus erneut und aus Regierungsmund sozialistisch nennt.

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Die Faschismus-Relativierung

die-faschismus-relativierung

16-11-19 10:26:00,

Ist die besitzende Klasse an der Macht ohne eine Gegenkraft von massenwirksamer Stärke bedeutet dies reaktionäre Politik und Ausbeutung der Mehrheit. Das ist ebenfalls nichts Neues. Schon der Sieg des Kapitalismus über den Feudalismus mit den Parolen der Französischen Revolution Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zeigte dies — dieser epochale Umbruch führte nicht zur Umsetzung der progressiven Forderungen, für die diese drei Parolen stehen. Stattdessen kam es zu rückwärtsgewandten Schritten der Etablierung und Absicherung der Macht, auch mit propagandistischen Mitteln. Der erste deutliche Ausdruck dafür war Napoleons Selbst-Inthronisierung als Kaiser (1).

Um davon abzulenken, dass bürgerliche Macht heute wieder reaktionär wirkt, bedienen sich die Herrschenden verschiedener Mittel, darunter Propaganda und Repression sowie der De-Legitimierung von Gegnern durch doppelte Standards und das Ausfiltern von Nachrichten-Inhalten. Ein aktuelles Beispiel liefert die CDU Sachsens, die eine Montage von je einem Foto aus dem kriegszerstörten Dresden nach dem Ende der Nazi-Diktatur und aus einer heruntergekommenen Straßenszene aus der späten DDR kombiniert — mit dem beide Epochen gleichsetzenden Text: „Sozialismus hat nur Leid gebracht, egal ob national oder ‚real existierend‘“ (2). Hier wird die Gesellschaft, die sich realsozialistisch nannte, mit dem Faschismus gleichgesetzt, der zudem auch noch den Stempel des Sozialismus erhält, da die Nazis sich des Begriffes bedient hatten.

Dies ist eine den Faschismus unglaublich verharmlosende Gleichsetzung: Das größte Verbrechen der Menschheit wird mit der Geschichte der DDR auf eine Stufe gestellt.

Der Faschismus ist die offen terroristische Herrschaft brutaler Ausbeuter an der Macht. Der NS-Staat vollzog den Massenmord industriell, systematisch betrieben von der Überwachung der gesamten Bevölkerung, der geplanten Deportation bis zum als Genozid geplanten Holocaust selbst. Die Nazis setzten ihre Propaganda gegen eine vermeintlich jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung ein. Im Ergebnis betrieben sie gegen die Sowjetunion einen Vernichtungskrieg, dem 27 Millionen SowjetbürgerInnen zum Opfer fielen. Der Zweite Weltkrieg führte insgesamt zu über 60 Millionen Toten, ein Verbrechen ohne jeglichen historischen Vergleich. Die sechs Millionen ermordeten Juden sind bis heute mehr im Gedächtnis der Menschheit als die weiteren Opferzahlen.

Die Sachsen-CDU rechtfertigt ihre Darstellung, die die DDR mit dem Faschismus bildlich und textlich parallelisiert, mit dem Argument: „Die beiden Bilder zeigen, wohin sozialistische Experimente geführt haben. Wir haben kein Interesse an Wiederholung“ (3). Diese Argumentation fügt zu der Gleichsetzung der beiden Systeme noch eine ergänzende Geschichtsklitterung hinzu, da sie den Faschismus erneut und aus Regierungsmund sozialistisch nennt.

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Im Zerrspiegel der Sieger

16-11-19 10:25:00,

Ich schreibe als ein „Wessi“, der bis zum Ende der DDR dort familiäre und politische Kontakte hatte und der sich regelmäßig und gerne in der „Zone“ aufhielt, also sein Leben in beiden deutschen Staaten leben durfte.

Im Diskurs über die DDR überwiegt der typisch westdeutsche Standpunkt eines kriminellen Straßenräubers, der das Eigentum seines Überfallopfers zusammenraffte und den Darniederliegenden wegen dessen Mittellosigkeit auch noch verhöhnt. Die Forderung, den Staat DDR als „Unrechtsstaat“ auszugeben, weil er ein Zwangssystem organisiert habe, in dem das Recht des Individuums nichts galt, finde ich indiskutabel. Sie ist in dieser generalisierten Form eine propagandistische Maßlosigkeit. Was machte die „Stasi“ Schlimmes, das nicht die westdeutschen Geheimdienste heute in noch größerem Umfang vollführen, nur filigraner und perfektioniert, unauffälliger, aber weit effektiver? Welche widerwärtigen Morde und Attentate auf politische Gegner des Systems, die nicht ihre Entsprechung im Westen gehabt hätten?

DDR-Bürger konnten regimekritische Bemerkungen nicht äußern, ohne schwerwiegende Nachteile für sich, ihre Familie und ihren Alltag befürchten zu müssen. Falls das wirklich ein Alleinstellungsmerkmal der DDR war: Heute können sie ihre Meinung frei äußern. Bloß hört ihnen niemand zu.

Es gab keine schrankenlose Reisefreiheit in der DDR. Heute können die Bürger in alle Welt reisen — falls sie das Geld dafür haben. Haben sie es?

Offen aktive Systemgegner der DDR kamen dort in Haft. Dokumentiert ist nicht, um wie viele Fälle es sich handelt, westliche Schätzungen liegen bei 200.000. Unsäglich! Blicken wir bitte einmal auf den deutschen Staat westlich des Zauns und auf die Zeit nach 1956, so stellt sich die Frage: Wie verhält es sich mit den 280.000 Kommunistinnen und Kommunisten, die nach dem verfassungswidrigen KPD-Verbot entweder in westdeutsche Zuchthäuser wanderten, verfemt ins soziale Elend gestürzt wurden oder sich zur Emigration gezwungen sahen?

Waren die sogar im Jahre 2004 noch durchgeführten 1,4 Millionen Überprüfungen auf „Verfassungstreue“ zur BRD, die insgesamt 11.000 Verfahren wegen „Verdachts verfassungsfeindlicher Bestrebungen“ und die annähernd 2000 ausgesprochenen Berufsverbote ein bundesrepublikanischer Nachweis für besondere Rechtsstaatlichkeit? Wie viel rechtsstaatliches Bewusstsein bewies die Bonner Republik bei der strikten Überwachung, geheimdienstlichen und polizeilichen Verfolgung und gesellschaftlichen Ächtung von abertausenden DKP-Mitgliedern und dem Drangsalieren ihrer Angehörigen – unter Missachtung des Grundrechts auf Schutz der Wohnung, des Briefgeheimnisses, der Unverletzlichkeit der Würde des Menschen und so weiter? Politische Gesinnungskontrollen sind hierzulande auch heute noch nicht abgeschafft, sie führen in aller Stille ihr Unwesen weiter …

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Im Zerrspiegel der Sieger

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16-11-19 10:25:00,

Ich schreibe als ein „Wessi“, der bis zum Ende der DDR dort familiäre und politische Kontakte hatte und der sich regelmäßig und gerne in der „Zone“ aufhielt, also sein Leben in beiden deutschen Staaten leben durfte.

Im Diskurs über die DDR überwiegt der typisch westdeutsche Standpunkt eines kriminellen Straßenräubers, der das Eigentum seines Überfallopfers zusammenraffte und den Darniederliegenden wegen dessen Mittellosigkeit auch noch verhöhnt. Die Forderung, den Staat DDR als „Unrechtsstaat“ auszugeben, weil er ein Zwangssystem organisiert habe, in dem das Recht des Individuums nichts galt, finde ich indiskutabel. Sie ist in dieser generalisierten Form eine propagandistische Maßlosigkeit. Was machte die „Stasi“ Schlimmes, das nicht die westdeutschen Geheimdienste heute in noch größerem Umfang vollführen, nur filigraner und perfektioniert, unauffälliger, aber weit effektiver? Welche widerwärtigen Morde und Attentate auf politische Gegner des Systems, die nicht ihre Entsprechung im Westen gehabt hätten?

DDR-Bürger konnten regimekritische Bemerkungen nicht äußern, ohne schwerwiegende Nachteile für sich, ihre Familie und ihren Alltag befürchten zu müssen. Falls das wirklich ein Alleinstellungsmerkmal der DDR war: Heute können sie ihre Meinung frei äußern. Bloß hört ihnen niemand zu.

Es gab keine schrankenlose Reisefreiheit in der DDR. Heute können die Bürger in alle Welt reisen — falls sie das Geld dafür haben. Haben sie es?

Offen aktive Systemgegner der DDR kamen dort in Haft. Dokumentiert ist nicht, um wie viele Fälle es sich handelt, westliche Schätzungen liegen bei 200.000. Unsäglich! Blicken wir bitte einmal auf den deutschen Staat westlich des Zauns und auf die Zeit nach 1956, so stellt sich die Frage: Wie verhält es sich mit den 280.000 Kommunistinnen und Kommunisten, die nach dem verfassungswidrigen KPD-Verbot entweder in westdeutsche Zuchthäuser wanderten, verfemt ins soziale Elend gestürzt wurden oder sich zur Emigration gezwungen sahen?

Waren die sogar im Jahre 2004 noch durchgeführten 1,4 Millionen Überprüfungen auf „Verfassungstreue“ zur BRD, die insgesamt 11.000 Verfahren wegen „Verdachts verfassungsfeindlicher Bestrebungen“ und die annähernd 2000 ausgesprochenen Berufsverbote ein bundesrepublikanischer Nachweis für besondere Rechtsstaatlichkeit? Wie viel rechtsstaatliches Bewusstsein bewies die Bonner Republik bei der strikten Überwachung, geheimdienstlichen und polizeilichen Verfolgung und gesellschaftlichen Ächtung von abertausenden DKP-Mitgliedern und dem Drangsalieren ihrer Angehörigen – unter Missachtung des Grundrechts auf Schutz der Wohnung, des Briefgeheimnisses, der Unverletzlichkeit der Würde des Menschen und so weiter? Politische Gesinnungskontrollen sind hierzulande auch heute noch nicht abgeschafft, sie führen in aller Stille ihr Unwesen weiter …

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Die Holocaust-Manipulation

16-11-19 10:25:00,

Zu viel gefallen ließen wir uns angesichts der leidenschaftlichen Anstrengungen, nicht auch den DDR-Antifaschismus beitreten zu lassen. Dafür wurden schwerste Geschütze aufgefahren. Hatte doch nichts diskriminierender sein können als die Behauptung, die DDR-Bürger hätten generell ein Problem mit ihrem Verhältnis zu Juden gehabt.

Wikipedia-Mainstream:

„Während man in Westdeutschland auf den Aufbau guter Beziehungen zu Israel setzte, wurden in der DDR die Juden als eigenständige Opfergruppe im Dritten Reich weitgehend verschwiegen.“

Medien-Mainstream: Moderation in ttt vom 10. März 2019: Die Aufarbeitung des Nationalsozialismus ist in der DDR 1952 per Dekret für beendet erklärt worden, der Holocaust war kein Thema.

Forschungs-Mainstream:

„Ungeachtet einer zögernden Entkopplung von Kapitalismus und Genozid besonders in den 80er Jahren, blieb die Ermordung der europäischen Judenheit auch später noch ein verschwiegenes, wenngleich nicht mehr gänzlich unterdrücktes Thema“ (1).

Bis in die 1980er Jahre also war der Völkermord an den Juden in der DDR ein „gänzlich unterdrücktes Thema“. So viel Desinformation macht sprachlos. Ich habe es genau umgekehrt wahrgenommen: Die DDR-Kultur hat dieses Thema früher und häufiger als in der Bundesrepublik aufgegriffen, kontinuierlich über die Jahre verfolgt, und das in einem Umfang, der bei vielen Menschen Überdruss auslöste.

Ich empfinde solche Desinformation auch als persönliche Kränkung. Ich hätte nicht in einem Land leben wollen und können, in dem über den industriell betriebenen Völkermord, das perfideste Verbrechen seit Menschengedenken, nicht gesprochen werden sollte. Die Ostdeutschen als duldsame und unreflektierte Herde ohne Mitgefühl: An dieser Fiktion westliche Schuld- und Versagensgefühle abzuladen kann auf die Dauer nicht gutgehen. Neben der sozialen hat es seit dem Beitritt immer auch die intellektuelle Demütigung gegeben. Der entkommt man durch kräftezehrenden Widerspruch oder durch kräfteschonende Teilnahme am Belasten der Herde, was einen selbst über sie stellt. Die meisten, so fürchte ich, entkommen ihr nicht. Sie werden still, krank oder aggressiv.

Auch von einigen ostdeutschen Politikern, Journalisten oder Historikern höre ich gelegentlich die neue Lesart, wonach „das Schicksal der Juden im Dritten Reich aus dem offiziellen Erinnerungskanon der DDR so gut wie verschwunden“ war. Was verdiente in der DDR das Etikett offiziell? War es doch ein Verhängnis, dass alles, was öffentlich sein wollte, auch offiziell sein musste.

Jeder Film hatte eine staatliche Abnahme erfahren, jedes Buch brauchte eine staatliche Druckgenehmigung.

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Die Holocaust-Manipulation

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16-11-19 10:25:00,

Zu viel gefallen ließen wir uns angesichts der leidenschaftlichen Anstrengungen, nicht auch den DDR-Antifaschismus beitreten zu lassen. Dafür wurden schwerste Geschütze aufgefahren. Hatte doch nichts diskriminierender sein können als die Behauptung, die DDR-Bürger hätten generell ein Problem mit ihrem Verhältnis zu Juden gehabt.

Wikipedia-Mainstream:

„Während man in Westdeutschland auf den Aufbau guter Beziehungen zu Israel setzte, wurden in der DDR die Juden als eigenständige Opfergruppe im Dritten Reich weitgehend verschwiegen.“

Medien-Mainstream: Moderation in ttt vom 10. März 2019: Die Aufarbeitung des Nationalsozialismus ist in der DDR 1952 per Dekret für beendet erklärt worden, der Holocaust war kein Thema.

Forschungs-Mainstream:

„Ungeachtet einer zögernden Entkopplung von Kapitalismus und Genozid besonders in den 80er Jahren, blieb die Ermordung der europäischen Judenheit auch später noch ein verschwiegenes, wenngleich nicht mehr gänzlich unterdrücktes Thema“ (1).

Bis in die 1980er Jahre also war der Völkermord an den Juden in der DDR ein „gänzlich unterdrücktes Thema“. So viel Desinformation macht sprachlos. Ich habe es genau umgekehrt wahrgenommen: Die DDR-Kultur hat dieses Thema früher und häufiger als in der Bundesrepublik aufgegriffen, kontinuierlich über die Jahre verfolgt, und das in einem Umfang, der bei vielen Menschen Überdruss auslöste.

Ich empfinde solche Desinformation auch als persönliche Kränkung. Ich hätte nicht in einem Land leben wollen und können, in dem über den industriell betriebenen Völkermord, das perfideste Verbrechen seit Menschengedenken, nicht gesprochen werden sollte. Die Ostdeutschen als duldsame und unreflektierte Herde ohne Mitgefühl: An dieser Fiktion westliche Schuld- und Versagensgefühle abzuladen kann auf die Dauer nicht gutgehen. Neben der sozialen hat es seit dem Beitritt immer auch die intellektuelle Demütigung gegeben. Der entkommt man durch kräftezehrenden Widerspruch oder durch kräfteschonende Teilnahme am Belasten der Herde, was einen selbst über sie stellt. Die meisten, so fürchte ich, entkommen ihr nicht. Sie werden still, krank oder aggressiv.

Auch von einigen ostdeutschen Politikern, Journalisten oder Historikern höre ich gelegentlich die neue Lesart, wonach „das Schicksal der Juden im Dritten Reich aus dem offiziellen Erinnerungskanon der DDR so gut wie verschwunden“ war. Was verdiente in der DDR das Etikett offiziell? War es doch ein Verhängnis, dass alles, was öffentlich sein wollte, auch offiziell sein musste.

Jeder Film hatte eine staatliche Abnahme erfahren, jedes Buch brauchte eine staatliche Druckgenehmigung.

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Das Geheimnis hinter den Rücktritten im Libanon

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15-11-19 07:51:00,

Zu Beginn der libanesischen Revolte im Oktober 2019 haben die Christen der libanesischen Streitkräfte von Samir Geagea (Bild) und der Phalanges der Familie Gemayel [1] die ersten Straßensperren organisiert.

Die Führungskräfte beider Organisationen waren von König Abdullah II. von Jordanien darüber informiert worden, dass Jared Kushner, Sonderberater von Präsident Donald Trump, dem (sunnitischen) Premierminister Saad Hariri vorschlug, nicht nur die nach Syrien geflüchteten Palästinenser, sondern auch Palästinenser aus dem Westjordanland als Libanesen zu naturalisieren. Diese Einbürgerung ist der Schlüssel zum “Deal of the Century”, den das Weiße Haus vor mehr als einem Jahr angekündigt und ständig verschoben hat. Es würde das demografische Gleichgewicht des Libanon zu Lasten von Christen und Schiiten umwälzen, was die Ängste vor dem Bürgerkrieg (1975-90) wiederbelebt hat.

Samir Geagea und die Führungskräfte der libanesischen Streitkräfte waren die ersten libanesischen Abgeordneten, die zu Beginn der Krise zurücktraten. Sie riefen die gesamte politische Klasse auf, ihrem Beispiel zu folgen, insbesondere Ministerpräsident Saad Hariri. Dieser trat nun ebenfalls zurück, ohne jedoch zuvor seine christlichen Verbündeten der Freien Patriotischen Bewegung (Präsident Michel Aoun) oder seine schiitischen Verbündeten Hisbollah darüber zu informieren [2].

Wenn auch US-Außenminister Mike Pompeo zur Ruhe aufruft, sind andere US-Streitkräfte in den aktuellen Tumult verwickelt.

In einem Artikel, der für die Brookings Institution in Doha geschrieben wurde, hatte Jeffrey Feltman (ehemaliger US-Botschafter in Beirut, dann Stellvertreter der Außenministerin Hillary Clinton und schließlich Nr. 2 der UNO) die schlimmste Koalition für einen “Amerikaner” angeprangert: die Hisbollah und das Weiße Haus (sic) [3]. Er hatte die Aussetzung der US-Hilfe für die libanesische Armee bedauert und durch die Blume zu einem Militärputsch zugunsten von General Joseph Aoun aufgerufen.

Aktivisten des Canvas (Spezialisten der von Gene Sharp ausgebildeten “bunten Revolutionen”) aus Doha wurden während der libanesischen Proteste identifiziert [4].

Übersetzung
Horst Frohlich

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Die Muslimbruderschaft führt den Vorsitz in der Versammlung der tunesischen Volksvertreter

die-muslimbruderschaft-fuhrt-den-vorsitz-in-der-versammlung-der-tunesischen-volksvertreter

15-11-19 07:51:00,

Bruder Raschid Ghannouchi, 78, wurde zum Präsidenten der Versammlung der tunesischen Volksvertreter (Nationalversammlung in einem Einkammersystem) gewählt, obwohl seine Partei Ennahda dort keine Mehrheit hat.

Raschid Ghannouchi, ein historisches Mitglied der Muslimbruderschaft, wurde vom MI6 als Demokrat-Islamist vorgestellt [1], der seine politischen Positionen gegen die volle Staatsbürgerschaft der Frauen, gegen die Tatsache, dass das Volk der Ursprung des Gesetzes ist, und seine feurigen Predigten an der Seite von Hassan el-Tourabi im Sudan vergessen macht.

Raschid Ghannouchi erkannte seine Mitgliedschaft in der Geheimgesellschaft der Muslimbruderschaft nie an.

Während des “Arabischen Frühlings” wurde er vom MI6 an die Macht gebracht und stellte den “Geheimen Apparat” der Brüder als “Liga für den Schutz der Revolution” (LPR) wieder her. So konnte er die “Feinde Gottes” wie Chokri Belaed oder Mohamed Brahmi ermorden lassen.

2012 organisierte er die Verlegung tunesischer islamistischer Kämpfer nach Syrien, wie die syrische Tageszeitung Al-Watan es enthüllte. Im Jahr 2016, als die Daesch-Leute Hunderttausende Muslime massakrierten, erklärte er in Al-Quods al-Arabi, dass “Daesch den wütenden Islam repräsentiert” (sic).

Übersetzung
Horst Frohlich

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Die Zukunft gehört den Mutigen

15-11-19 04:04:00,

Die Zukunft gehört den Mutigen: Das ist das Motto des neu gegründeten Rubikon-Verlags. Trotz widriger äusserer Umstände ist es nach Meinung des Verlags gelungen, die beste Druckerei, den besten Grafiker, eine wunderbare Verlagsauslieferung und ein erstklassiges externes Lektorat unter Vertrag zu nehmen.

Warum das Ganze? Weil nicht nur der reguläre Medienbetrieb immer „alternativloser“ und „eindimensionaler“ wird — und weil der Verlag erstklassigen Inhalt hat, der inzwischen 200.000 Leserinnen und Leser begeistert, und der in guter Präsentation als Buch noch viel mehr bewirken und verändern kann.

Am 25. November 2019 erscheint mit „Die Öko-Katastrophe“ das erste Rubikon-Buch. Sein Ziel:

Der inzwischen kaum mehr auszuhaltenden Demagogie gegen die Umweltbewegung klare Analysen und Fakten entgegenzuhalten — ohne dass die Einführung einer Kohlendioxidsteuer oder aberwitziges Geo-Engineering als Lösungen verstanden werden.

Der Verlag benötigt die Unterstützung von uns allen, denn nur gemeinsam wird es uns gelingen, eine Debatte jenseits des Narrativs „Massenverarmung und Planetenzerstörung sind alternativlos“ zu beginnen.

Wir sind alle aufgefordert, das Buch über die uns zur Verfügung stehenden Kanäle bekannt zu machen, denn erfahrungsgemäss werden wirklich wichtige Publikationen von den Mainstream-Medien häufig totgeschwiegen, indem nicht darüber berichtet wird.

Wie einst die Titanic rast die Menschheit ohne Abbremsen und Kurskorrektur direkt auf die Katastrophe zu. Angesichts der seit Jahrzehnten wachsenden existentiellen Bedrohung durch Umweltzerstörung und globale Erwärmung versagen Politik und Medien, ja, versagt unser Gesellschaftssystem.

Die etablierten Medien berichten zwar weitgehend akkurat über wissenschaftliche Tatsachen, unterdrücken jedoch, welchen Anteil unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung an der ökologischen Katastrophe hat. Sie verkürzen Zusammenhänge und verschweigen die Hauptverantwortlichen sowie das wahre Ausmaß der Bedrohung.

Die Politik hingegen verspricht, die Katastrophe mit weiteren neoliberalen Reformen aufhalten zu können, will den Teufel also mit dem Beelzebub austreiben. Sie setzt auf Mittel, die den kollektiven Wahnsinn nicht etwa infrage stellen, sondern in Stein meißeln, und die am Ende wieder die Armen belasten und Reichen privilegieren werden.

Rubikon, das Magazin für die kritische Masse, hat angesichts dieser Verwirrung einige der klügsten Köpfe weltweit aufgefordert, das Thema aus ihrer Sicht zu analysieren, nach bestem Wissen und Gewissen. Ohne die Zwänge der von Kapital und Eliteninteressen gesteuerten etablierten Medien und Politik.

Die Autoren beschreiten Wege abseits bekannter medialer Trampelpfade. Viele kommen zu der Schlussfolgerung:

Ohne Systemwandel werden Umweltzerstörung und Klimawandel nicht aufzuhalten sein.

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Die Zukunft gehört den Mutigen

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15-11-19 04:04:00,

Die Zukunft gehört den Mutigen: Das ist das Motto des neu gegründeten Rubikon-Verlags. Trotz widriger äusserer Umstände ist es nach Meinung des Verlags gelungen, die beste Druckerei, den besten Grafiker, eine wunderbare Verlagsauslieferung und ein erstklassiges externes Lektorat unter Vertrag zu nehmen.

Warum das Ganze? Weil nicht nur der reguläre Medienbetrieb immer „alternativloser“ und „eindimensionaler“ wird — und weil der Verlag erstklassigen Inhalt hat, der inzwischen 200.000 Leserinnen und Leser begeistert, und der in guter Präsentation als Buch noch viel mehr bewirken und verändern kann.

Am 25. November 2019 erscheint mit „Die Öko-Katastrophe“ das erste Rubikon-Buch. Sein Ziel:

Der inzwischen kaum mehr auszuhaltenden Demagogie gegen die Umweltbewegung klare Analysen und Fakten entgegenzuhalten — ohne dass die Einführung einer Kohlendioxidsteuer oder aberwitziges Geo-Engineering als Lösungen verstanden werden.

Der Verlag benötigt die Unterstützung von uns allen, denn nur gemeinsam wird es uns gelingen, eine Debatte jenseits des Narrativs „Massenverarmung und Planetenzerstörung sind alternativlos“ zu beginnen.

Wir sind alle aufgefordert, das Buch über die uns zur Verfügung stehenden Kanäle bekannt zu machen, denn erfahrungsgemäss werden wirklich wichtige Publikationen von den Mainstream-Medien häufig totgeschwiegen, indem nicht darüber berichtet wird.

Wie einst die Titanic rast die Menschheit ohne Abbremsen und Kurskorrektur direkt auf die Katastrophe zu. Angesichts der seit Jahrzehnten wachsenden existentiellen Bedrohung durch Umweltzerstörung und globale Erwärmung versagen Politik und Medien, ja, versagt unser Gesellschaftssystem.

Die etablierten Medien berichten zwar weitgehend akkurat über wissenschaftliche Tatsachen, unterdrücken jedoch, welchen Anteil unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung an der ökologischen Katastrophe hat. Sie verkürzen Zusammenhänge und verschweigen die Hauptverantwortlichen sowie das wahre Ausmaß der Bedrohung.

Die Politik hingegen verspricht, die Katastrophe mit weiteren neoliberalen Reformen aufhalten zu können, will den Teufel also mit dem Beelzebub austreiben. Sie setzt auf Mittel, die den kollektiven Wahnsinn nicht etwa infrage stellen, sondern in Stein meißeln, und die am Ende wieder die Armen belasten und Reichen privilegieren werden.

Rubikon, das Magazin für die kritische Masse, hat angesichts dieser Verwirrung einige der klügsten Köpfe weltweit aufgefordert, das Thema aus ihrer Sicht zu analysieren, nach bestem Wissen und Gewissen. Ohne die Zwänge der von Kapital und Eliteninteressen gesteuerten etablierten Medien und Politik.

Die Autoren beschreiten Wege abseits bekannter medialer Trampelpfade. Viele kommen zu der Schlussfolgerung:

Ohne Systemwandel werden Umweltzerstörung und Klimawandel nicht aufzuhalten sein.

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“Wir wollen nicht ein Chile für wenige. Wir wollen ein Chile, das allen gehört!” Das sagten chilenische Nationalspieler.

“wir-wollen-nicht-ein-chile-fur-wenige-wir-wollen-ein-chile,-das-allen-gehort!”-das-sagten-chilenische-nationalspieler.

15-11-19 02:32:00,

Die NachDenkSeiten kritisieren in der Regel und aus gutem Grund andere Medien. Aber wir zitieren sie mit Wohlwollen und großem Respekt, wenn sie aufklären, wenn sie gegen den Stachel löcken. Das tut die Süddeutsche Zeitung heute im Sportteil. Hier der Link – Wir verdanken diesen Hinweis dem NachDenkSeiten-Leser Ludger Elmer. Er zitiert eine zentrale Aussage des Nationaltorwarts Claudio Bravo zur maßlosen Privatisierung in Chile. Das ist interessant, weil dieser Wahnsinn nahezu überall auf der Welt begangen worden ist. Und jetzt zum Beispiel auch in Bolivien so losgeht. Albrecht Müller.

Ludger Elmers Mail:

Anbei ein Link aus dem Sportteil (!) der SZ, der einen Beitrag in den Hinweisen des Tages wert ist. Die Nationalspieler streiken und kritisieren den Zustand ihres Landes. Ein Auszug:

“Während in internationalen Medien noch das Wort von Staatschef Piñera nachhallte, Chile sei “eine Oase”, fasste Nationaltorwart Claudio Bravo die über Jahrzehnte gewachsenen Gründe für die angeblich überraschende Rebellion zusammen: “Sie haben unser Wasser, den Strom, das Gas, die Bildung, die Renten, die Medikamente, die Straßen, die Wälder, die Salzfelder der Atacama-Wüste, die Gletscher und den Transport privatisiert. Wir wollen nicht ein Chile für einige wenige. Wir wollen ein Chile, das allen gehört”, schrieb Bravo.

Den vielleicht spektakulärsten Auftritt aber legte der stillste Profi von allen hin: Charles Aránguiz, Mittelfeldspieler bei Bayer Leverkusen und – wie Kapitän Gery Medel, der frühere Bayern-Profi Arturo Vidal und Bravo – eine Säule der chilenischen Teams, die 2015 und 2016 die Copa América gewannen: “Wenn ich zu Hause wäre, würde ich an der Seite meiner Leute mitmarschieren und kämpfen”, sagte Aránguiz in einem Radiointerview.”

Anmerkung Jens Berger: In diesem Zusammenhang ist auch eine 2015 ausgestrahlte Arte-Doku mit dem Titel “Rebellen am Ball” zu empfehlen, in der unter anderem die Geschichte des chilenischen Fußballers Carlos Caszely erzählt wird, der Pinochet aus Überzeugung den Handschlag verweigert hat und dafür büßen musste. Die Doku ist unter diesem Link bei YouTube verfügbar.

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The Wolff of Wall Street: Helikoptergeld | KenFM.de

15-11-19 11:00:00,

Dieser Artikel ist auch als kostenlose MP3 für Dich verfügbar!

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Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt jeden Freitagmittag, um 12.00 Uhr, Begriffe, Mechanismen und Gesetze aus der Finanzbranche, die uns täglich als alternativlos verkauft werden, aber nur Wenige verstehen. Das soll sich ändern! THE WOLFF OF WALL STREET erklärt uns heute: „Helikoptergeld“.

2007/08 haben verschiedene Regierungen das globale Finanzsystem mit Hilfe von Steuergeldern vor dem Zusammenbruch gerettet. Da ihre Mittel aber bald erschöpft waren, sind anschließend die Zentralbanken eingesprungen, um das System in Gang zu halten. Zu diesem Zweck haben sie riesige Geldmengen aus dem Nichts geschaffen und sie zu immer niedrigeren Zinssätzen vergeben.

Wie wir alle in der Schule gelernt haben, hätte eine solche Ausdehnung der Geldmenge doch eigentlich zu einer Inflation führen müssen. Die aber ist trotz der massiven Geldschöpfung ausgeblieben. Wieso? Aus folgendem Grund:

Das frisch geschaffene Geld ist nicht in die produzierende Wirtschaft, sondern fast ausschließlich in den Finanzsektor geflossen, wo es tatsächlich zu einer Inflation geführt hat – und zwar an den Aktien-, Anleihen- und Immobilienmärkten. Dort aber bezeichnet man das Phänomen der Preisexplosion nicht als Inflation, sondern als „Blase“.

Im Alltag dagegen ist nur eine geringe Inflation angekommen. Das liegt vor allem daran, dass die arbeitenden Menschen von den riesigen Geldmengen so gut wie nichts gesehen haben – im Gegenteil: Ihre Kaufkraft hat wegen der Austeritäts- oder Sparpolitik entweder stagniert oder ist sogar zurückgegangen – mit der Folge, dass die Industrie keine nennenswerten Preiserhöhungen vornehmen und daher keine Inflation in Gang setzen konnte.

Das aber bereitet der Finanzindustrie große Sorgen. Warum?

Unser Wirtschafts- und Finanzsystem ist kreditgetrieben. Der globale Schuldenberg ist in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter angewachsen und hat inzwischen ein historisches Rekordniveau erreicht. Diese Schulden müssen ständig bedient werden – und genau da hilft die Inflation:

Sie treibt nämlich das allgemeine Preis-Niveau in die Höhe, während die Schulden unverändert bleiben, so dass sie relativ gesehen – abnehmen. Das Gegenteil dieses Prozesses wäre eine Deflation. In ihr sinkt das allgemeine Preisniveau, so dass die Schulden – relativ gesehen – zunehmen.

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The Wolff of Wall Street: Helikoptergeld | KenFM.de

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15-11-19 11:00:00,

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Geld regiert die Welt. Nur, wer regiert das Geld?

Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff erklärt jeden Freitagmittag, um 12.00 Uhr, Begriffe, Mechanismen und Gesetze aus der Finanzbranche, die uns täglich als alternativlos verkauft werden, aber nur Wenige verstehen. Das soll sich ändern! THE WOLFF OF WALL STREET erklärt uns heute: „Helikoptergeld“.

2007/08 haben verschiedene Regierungen das globale Finanzsystem mit Hilfe von Steuergeldern vor dem Zusammenbruch gerettet. Da ihre Mittel aber bald erschöpft waren, sind anschließend die Zentralbanken eingesprungen, um das System in Gang zu halten. Zu diesem Zweck haben sie riesige Geldmengen aus dem Nichts geschaffen und sie zu immer niedrigeren Zinssätzen vergeben.

Wie wir alle in der Schule gelernt haben, hätte eine solche Ausdehnung der Geldmenge doch eigentlich zu einer Inflation führen müssen. Die aber ist trotz der massiven Geldschöpfung ausgeblieben. Wieso? Aus folgendem Grund:

Das frisch geschaffene Geld ist nicht in die produzierende Wirtschaft, sondern fast ausschließlich in den Finanzsektor geflossen, wo es tatsächlich zu einer Inflation geführt hat – und zwar an den Aktien-, Anleihen- und Immobilienmärkten. Dort aber bezeichnet man das Phänomen der Preisexplosion nicht als Inflation, sondern als „Blase“.

Im Alltag dagegen ist nur eine geringe Inflation angekommen. Das liegt vor allem daran, dass die arbeitenden Menschen von den riesigen Geldmengen so gut wie nichts gesehen haben – im Gegenteil: Ihre Kaufkraft hat wegen der Austeritäts- oder Sparpolitik entweder stagniert oder ist sogar zurückgegangen – mit der Folge, dass die Industrie keine nennenswerten Preiserhöhungen vornehmen und daher keine Inflation in Gang setzen konnte.

Das aber bereitet der Finanzindustrie große Sorgen. Warum?

Unser Wirtschafts- und Finanzsystem ist kreditgetrieben. Der globale Schuldenberg ist in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter angewachsen und hat inzwischen ein historisches Rekordniveau erreicht. Diese Schulden müssen ständig bedient werden – und genau da hilft die Inflation:

Sie treibt nämlich das allgemeine Preis-Niveau in die Höhe, während die Schulden unverändert bleiben, so dass sie relativ gesehen – abnehmen. Das Gegenteil dieses Prozesses wäre eine Deflation. In ihr sinkt das allgemeine Preisniveau, so dass die Schulden – relativ gesehen – zunehmen.

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Der Raubzug

15-11-19 10:59:00,

Meist haben Pressesprecher schöne Gründe, wenn sie die Medien einladen. Doch Randolph Götze war im Januar 1991 kein angenehmer Grund vergönnt. Der Pressesprecher der Rathenower Optischen Werke (ROW) musste die große Medienkonferenz organisieren, auf der die von der Treuhand angeordnete Entlassung von 1.200 ROW-Mitarbeitern bekanntgegeben wurde. Mit der Veranstaltung sollte sogar noch Hoffnung verbreitet werden. „So etwas kriegt man nicht aus dem Kopf“, sagt Götze heute, 28 Jahre später. „Das war und bleibt eine frustrierende Sache.“

Jemand habe ihn danach für die Organisation gelobt und gesagt, es sei eine gelungene Veranstaltung gewesen, erinnert sich Götze. Organisatorisch vielleicht. Aber menschlich? „Das war alles andere als gelungen.“

Es war der 24. Januar 1991 und die Massenentlassung war der Anfang des Schlusskapitels der ROW. Die Hoffnung wurde aufrechterhalten, doch eine zweite Kündigungswelle folgte. Laut Treuhandkonzept sollten von den rund 4.800 Menschen, die in dem Betrieb insgesamt arbeiteten, nur 560 bleiben. Das Werk sollte aufgespalten und privatisiert werden. Und so kam es auch. Die Geschichte der ROW nach der Wende ist eine Geschichte, wie sie in der ostdeutschen Wirtschaft, so oder so ähnlich, tausendfach ablief.

Rathenow wird als „Wiege der optischen Industrie“ bezeichnet. Rückblende: In der Kleinstadt westlich von Berlin tüftelte der Pastor Johann Heinrich August Duncker Ende des 18. Jahrhunderts an der Produktion augenoptischer Geräte. Er baute selbst Mikroskope und Brillen, schließlich erfand er eine revolutionäre Vielschleifmaschine (1), die gleichmäßig geschliffene Gläser etwa für Lupen, Ferngläser und Brillen lieferte und relativ leicht durch Drehen einer Handkurbel zu bedienen war.

Tatsächlich war er es, der erstmals Brillen produzierte, die Menschen mit Sehproblemen wirklich halfen. Die Brillen, die es bis dahin in den deutschen Ländern gab, waren Billigprodukte von äußerst miserabler Qualität. Duncker gründete eine optische Industrie-Anstalt — die erste in Preußen —, um die herum in den folgenden 150 Jahren in Rathenow eine differenzierte augenoptische Industrie mit hunderten kleinen und mittleren Firmen entstand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die größeren Optikfirmen in der schwer zerstörten Stadt an der Havel nach und nach enteignet und ab 1948 im Volkseigenen Betrieb (VEB) Rathenower Optische Werke zusammengefasst. Die kleineren Firmen schlossen sich zu einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) zusammen. Der VEB wuchs immer weiter an und wurde 1966 dem Kombinat Carl Zeiss Jena unterstellt. Jena stellte die eigene Brillenproduktion ein, womit sich die ROW zum einzigen Brillenproduzenten in der DDR und zum Hauptversorger mit Sehhilfen für den gesamten Ostblock entwickelten.

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Der Raubzug

15-11-19 10:59:00,

Meist haben Pressesprecher schöne Gründe, wenn sie die Medien einladen. Doch Randolph Götze war im Januar 1991 kein angenehmer Grund vergönnt. Der Pressesprecher der Rathenower Optischen Werke (ROW) musste die große Medienkonferenz organisieren, auf der die von der Treuhand angeordnete Entlassung von 1.200 ROW-Mitarbeitern bekanntgegeben wurde. Mit der Veranstaltung sollte sogar noch Hoffnung verbreitet werden. „So etwas kriegt man nicht aus dem Kopf“, sagt Götze heute, 28 Jahre später. „Das war und bleibt eine frustrierende Sache.“

Jemand habe ihn danach für die Organisation gelobt und gesagt, es sei eine gelungene Veranstaltung gewesen, erinnert sich Götze. Organisatorisch vielleicht. Aber menschlich? „Das war alles andere als gelungen.“

Es war der 24. Januar 1991 und die Massenentlassung war der Anfang des Schlusskapitels der ROW. Die Hoffnung wurde aufrechterhalten, doch eine zweite Kündigungswelle folgte. Laut Treuhandkonzept sollten von den rund 4.800 Menschen, die in dem Betrieb insgesamt arbeiteten, nur 560 bleiben. Das Werk sollte aufgespalten und privatisiert werden. Und so kam es auch. Die Geschichte der ROW nach der Wende ist eine Geschichte, wie sie in der ostdeutschen Wirtschaft, so oder so ähnlich, tausendfach ablief.

Rathenow wird als „Wiege der optischen Industrie“ bezeichnet. Rückblende: In der Kleinstadt westlich von Berlin tüftelte der Pastor Johann Heinrich August Duncker Ende des 18. Jahrhunderts an der Produktion augenoptischer Geräte. Er baute selbst Mikroskope und Brillen, schließlich erfand er eine revolutionäre Vielschleifmaschine (1), die gleichmäßig geschliffene Gläser etwa für Lupen, Ferngläser und Brillen lieferte und relativ leicht durch Drehen einer Handkurbel zu bedienen war.

Tatsächlich war er es, der erstmals Brillen produzierte, die Menschen mit Sehproblemen wirklich halfen. Die Brillen, die es bis dahin in den deutschen Ländern gab, waren Billigprodukte von äußerst miserabler Qualität. Duncker gründete eine optische Industrie-Anstalt — die erste in Preußen —, um die herum in den folgenden 150 Jahren in Rathenow eine differenzierte augenoptische Industrie mit hunderten kleinen und mittleren Firmen entstand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die größeren Optikfirmen in der schwer zerstörten Stadt an der Havel nach und nach enteignet und ab 1948 im Volkseigenen Betrieb (VEB) Rathenower Optische Werke zusammengefasst. Die kleineren Firmen schlossen sich zu einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) zusammen. Der VEB wuchs immer weiter an und wurde 1966 dem Kombinat Carl Zeiss Jena unterstellt. Jena stellte die eigene Brillenproduktion ein, womit sich die ROW zum einzigen Brillenproduzenten in der DDR und zum Hauptversorger mit Sehhilfen für den gesamten Ostblock entwickelten.

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