Freie Bahn der Stadtluft

Freie Bahn der Stadtluft

01-07-18 08:00:00,

Temperaturprofil einer Stadt, in Celsius. Bild: Public Domain

  1. Freie Bahn der Stadtluft

  2. “Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel anpassen”

  3. Häuser und Städte, die atmen


  4. Auf einer Seite lesen

Abschottung und Verdrängung machen das Stadtklima unverträglich

Ein Bauer, der unzufrieden war mit dem wechselnden Wetter, das ihm mal gute, mal schlechte Ernten bescherte, erbat sich von Gott, das Wetter selbst machen zu können. Gott gewährte es ihm für ein Jahr. Der Bauer ließ im Wechsel die Sonne scheinen und den Regen niedergehen, so dass die Ähren prächtig gediehen. Als er sich an die Ernte machte, musste er feststellen, dass alle Ähren taub waren. Bestürzt wandte er sich an Gott. Antwort: Du hast den Wind vergessen.

Noch schlimmer als in der kleinen Parabel ist es in den Städten. Sie wachsen weltweit. Sie machen die Erdoberfläche immer rauer. Der Wind, den die Städte so dringend zur Belüftung brauchen, wird gestört. In unseren Breitengraden ist von “Nachverdichtung” die Rede. Baulücken werden geschlossen, Freiräume überbaut. Die vorauseilenden Projektbeschreibungen schreiben Klimaanpassung groß; Klimafunktionskarten werden erstellt. In den auf Hochglanz polierten Versprechungen wird alles besser als am Ende der boomenden 60er Jahre, als es hieß: “Urbanität durch Dichte”. Oder werden die Stadtbewohner am Ende feststellen: Wir haben beim neuen Bauen den Wind vergessen?

In einem “Stadtentwicklungsplan Klima” macht sich die für Umwelt zuständige Berliner Senatsverwaltung an den Beweis, dass eine “Verdichtung ohne negative Klimaentwicklung” möglich ist. Untersucht werden verschiedene Gebäudetypologien. Am tauglichsten für eine Klimaanpassung bei intensiverer Dichte erweisen sich in Zeilenbauweise errichtete Siedlungen. “Zwischen den Zeilen” finden sich genügend Freiräume, zumal sie “nur in geringem Maß genutzt” werden. Breite, starke befahrene Straßen in und um jene Siedlungen durch Bauten abzuriegeln, würde zugleich dem Lärmschutz dienen. Liegt die Siedlung in einem stadtklimatisch belasteten Umfeld, empfehle es sich, zwecks Abschottung die Ränder zu verdichten.

Die schönen Umweltversprechungen sind in ihr dystopisches Gegenteil umgekippt. Der Urtyp dieser Zeilenbauweise sind die Siedlungen der Moderne, von denen sechs in Berlin zum UNESCO-Welterbe zählen, etwa die Hufeisensiedlung von Bruno Taut und Martin Wagner.

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“Mehr als 3 Stunden um Mensch zu sein” – Über 100.000 Menschen gegen den 12-Stunden-Tag – Kontrast.at

“Mehr als 3 Stunden um Mensch zu sein” – Über 100.000 Menschen gegen den 12-Stunden-Tag – Kontrast.at

01-07-18 07:35:00,

Über 100.000 Menschen haben am 30. Juni 2018 gegen den 12-Stunden-Tag demonstriert. 100.000 Menschen haben viele Gesichter – sie fordern mehr als drei Stunden am Tag, um Mensch zu sein.

Mit einer Großdemo hat der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) am Samstag gegen den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche protestiert. Zehntausende waren dem Aufruf der Gewerkschaften gefolgt und zogen vom Wiener Westbahnhof zum Heldenplatz. Während manche auf dem Westbahnhof noch darauf warteten, loszugehen über die Mariahilfer Straße anzutreten, erreichte die Spitze des Demozugs bereits den Heldenplatz.

5 Tage später – am 5. Juli wollen ÖVP und FPÖ den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche im Parlament beschließen.

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Mehr als 200 Festnahmen bei Protest gegen Braunkohle in Tschechien

Mehr als 200 Festnahmen bei Protest gegen Braunkohle in Tschechien

01-07-18 07:21:00,

Mehr als 200 Festnahmen bei Protest gegen Braunkohle in Tschechien (Archivbild)

Aus Protest gegen den Braunkohleabbau haben sich Umweltaktivisten in Tschechien an einen Schaufelradbagger gekettet. Der Betrieb im Tagebau Bílina musste aus Sicherheitsgründen eingestellt werden. Mehrere Hundert weitere Demonstranten versuchten, auf das Gelände des Tagebaus vorzudringen. Die Polizei nahm nach Angaben eines Sprechers 234 Personen vorläufig fest.

Mit ihrem mehrtägigen “Klimacamp” wollten die tschechischen Umweltaktivisten der Aktion “Limity jsme my” (auf Deutsch “Wir sind die Grenzwerte”) gegen die geplante Ausweitung des Tagebaus protestieren. Ihrer Meinung nach sei die Braunkohlenutzung klimaschädlich und verschandele die Landschaft. Unterstützung bekamen sie dabei auch aus Deutschland von dem Aktionsbündnis “Ende Gelände 2018”.

Im vorigen Jahr waren in Tschechien 42 Prozent des Stroms aus Braunkohle gewonnen worden. Nachdem kurz nach der Wende im Jahr 1991 eine räumliche Begrenzung der Braunkohleförderung beschlossen worden war, wurden diese Grenzen vor drei Jahren wieder gekippt. (dpa)

Mehr zum Thema – Hunderte Demonstranten fordern in Berlin raschen Kohleausstieg

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Der Gestank der Macht

Der Gestank der Macht

30-06-18 12:25:00,

Kleiner Schlenker zur Begrüßung, na klar! Mit der Formel „Sozn“ wollten wir bisher immer kenntlich machen, dass denen mehr als bloß ein paar Buchstaben fehlen. Ab jetzt nennen wir Pippi Nahles, ihren Außenminister-Verschnitt Maas, die Rote Null Scholz sowie ihre Kumpanei „Soozis“ – um zu vermitteln, dass man wahrhaftig zu viel kriegen kann von dieser Sorte Zeitgenossen. Meistens sogar viel zu viel: Sooozis. Mit drei „o“!

Gut, also „in medias res“, wie der akademisch gebildete Schönschwätzer sagt und damit „mittenmang inne Schiet“ meint: Aus Dr. Gniffkes Hamburger Qualitätsladen ARD-aktuell ist ein Knaller zu vermelden. Eine Juliane Leopold soll

„das Profil von tagesschau.de weiter schärfen“ (1)

verkündet NDR-Intendant Lutz Marmor und nährt damit den Verdacht, entweder grad gegen ‘nen Laternenmast gelaufen zu sein oder vielleicht doch heimlich zu trinken:

“Leopold bringt beste Voraussetzungen mit: große Nachrichtenkompetenz, umfassende Online-Kenntnisse, Freude an der Teamarbeit“ (2).

Wir tippen auf Laterne. Worin besteht die „große Nachrichten-Kompetenz“ der neuen Chefin? Schaunmermal: Frau Leopold war zwar nicht jahrelang in einer Politik-Redaktion oder für eine Nachrichtenagentur tätig. Nee! Aber sie ist „Mitbegründerin des Blogs „kleinerdrei.org“, der anno 2014 von einer inzestuösen Jury für einen Grimme-Award nominiert war. Wer „kleinerdrei.org“ nicht kennt:

„Das ist einer der Pfeiler des deutschen ‚Netz-Feminismus’, bei dem es (…) im Wesentlichen um Kategorisierung von Menschen im öffentlichen Diskurs (…) in gut und böse geht. Hauptsächlich böse“ (3).

Autsch, das brennt aber!

Danach wurde Frau Leopold Redaktionsleiterin bei BuzzFeed Deutschland, einer US-amerikanischen Medienplattform fürs moderne Wohlbefinden junger Leute; Mitmenschen, die informiert sein wollen über „bedrückende Geschichten, die zeigen, warum Frauen Angst haben, Männer zurückzuweisen“ und die Aufklärungsbedarf haben bezüglich „raffinierter Tattoo-Ideen, die sogar deinen Eltern gefallen werden“. Von Interesse sind dieser Bevölkerungsschicht offenbar auch „Hunde, die sich wirklich furchtbar für ihr Betragen schämen sollten“ beziehungsweise „unfassbar ekelhafte Geständnisse, die dich richtig zum Würgen bringen“ (4).

Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht.

Aber du siehst: Nach zeitgeistigem Intendanten-Verständnis ist Journalistin Leopold absolut qualifiziert, das Internet-Nachrichtenportal der ARD-aktuell zu leiten, als Chefin der tagesschau.de zu fungieren. Wegen ihrer profunden Erfahrung im Nachrichten-Journalismus. Auf der von ihr mitbegründeten Internet-Seite kleinerdrei.org steht aktuell was über geplatzte Kondome. Mal sehen, was morgen im Angebot auf tagesschau.de ist. Vielleicht was so Profilscharfes,

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Das Meinungsmonopol

Das Meinungsmonopol

30-06-18 12:25:00,

Unter dem Arbeitstitel Pravda – die Wahrheit – räsonierte Elon Musk kürzlich über seine neueste Idee: eine Online-Plattform, die es ermöglicht, kritisch die Glaubwürdigkeit von Artikeln, JournalistInnen oder gar ganzer Medien auszuleuchten. Ein eigenwilliger Ansatz gegen Fake-News – vor allem Fake-News, die es zufälligerweise wagen, Marken wie Tesla in Verruf zu bringen.

Ähnliche Fälle finden sich auch diesseits des Atlantiks: Dietrich Mateschitz, Red-Bull-Gründer und wohl der reichste Österreicher, etwa monierte in einem für Aufregung sorgenden Interview öffentliche „Meinungsdiktate“ und gründete kurzerhand die, laut Eigenverständnis unabhängige, Rechercheplattform Quo vadis veritas – Wohin gehst du, Wahrheit?

Solche Nachrichten erregen natürlich Aufsehen. Einerseits weil sich beide – Mateschitz wie Musk – Hype und Aura des (post-)modernen Unternehmers zu eigen gemacht haben. Andererseits weil beide versuchen, auf die Medien – eine der demokratischen Grundinstitutionen – einzuwirken. Eine derartige Einflussnahme durch zwei so wohlhabende Individuen wirkt nicht gerade unproblematisch, auch wenn beide sich zur Legitimation die Begriffe Wahrheit, Unabhängigkeit und Fremdsprachenkenntnisse an die Fahne geheftet haben.

Sich aber isoliert über solche Sachverhalte zu echauffieren und dabei das etablierte Mediensystem aus der Kritik zu nehmen, scheint fehl am Platz. Man denke an die Gründung der FAZ – finanziert von einem Kreis aus Industriellen mit dem auserkorenen Ziel, den ideologischen Unterbau für eine liberale Wirtschaftsordnung im Nachkriegsdeutschland zu liefern.

Dies betrifft natürlich nicht nur eine Zeitung, sondern das Gros des Mediensystems in Deutschland.

Die meisten Medienunternehmen Deutschlands erwecken zwar dank ihrer Besitzstrukturen – zumeist sind sie ja in Familienbesitz – einen etwas romantischen, etwas altmodischen Eindruck. Tatsächlich handelt es sich bei ihnen aber natürlich um Unternehmen, die nach der Logik der kapitalistischen Produktionsweise agieren.

Wer demnach mit Unbehagen betrachtet, dass Musk, Mateschitz, Bezos und Konsorten ihr Vermögen als Sprachrohr nutzen, sollte sich gleichzeitig fragen, was für einen Einfluss Springer, Mohn und Jahr ausüben und seit Jahrzehnten ausgeübt haben.

Dass man den EigentümerInnen deutscher Medienunternehmen mit diesem Vergleich wenig Unrecht tut, zeigt ein kurzer Blick in Deutschlands Reichenlisten. Die untenstehende Grafik zeigt die Vermögen der größten MedieneigentümerInnen Deutschlands für das Jahr 2018.

Bild

Quelle: Forbes

Angesichts dieser Zahlen scheint die vielbeschworene Krise der Medien aus den reichsten deutschen Medienunternehmern noch keine armen Kirchenmäuse gemacht zu haben.

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Die Illusions-Maschinerie

Die Illusions-Maschinerie

30-06-18 12:21:00,

Die Unabhängigkeit des Journalismus
von Jonathan Cook

Seit mehreren Jahren schreibe ich nun regelmäßig auf meinem Blog und habe dabei ein bestimmtes Ziel im Auge: Ich möchte dabei helfen, den Lesern eine Tür zu öffnen und sie dazu zu ermuntern, durch diese Tür zu gehen. Ich wähle Themen aus – für gewöhnlich jene, die die westliche Berichterstattung dominieren und einen Konsens darstellen, den wir das Große Westliche Narrativ nennen könnten – und versuche zu zeigen, dass dieses Narrativ nicht zum Zwecke der Information und Aufklärung, sondern zur Tarnung und Täuschung konstruiert wurde.

Ich und viele andere Blogger, die das Gleiche tun, sind sicher nicht schlauer als alle anderen. Wir hatten lediglich – früher im Leben – die Chance, selbst durch diese Tür zu treten und zwar aufgrund einer aufrüttelnden Lebenserfahrung, die das Große Westliche Narrativ nicht erklären konnte, oder weil jemand die Tür für uns aufhielt, zumeist aber wegen einer Kombination aus beidem.

Es fällt mir leicht, meinen eigenen Prozess des Erwachens auszumachen. Er begann mit meinem Umzug nach Nazareth, wo ich in ein anderes Narrativ eintauchte, nämlich das der Palästinenser. Damals stand ich zum ersten Mal in meiner Laufbahn als Journalist einer undurchdringlichen Mauer des Widerstandes gegenüber, sogar seitens meiner eigenen damaligen Zeitung, dem Guardian, als ich versuchte, dieses Gegennarrativ zu erklären. Ich bemerkte sogar, dass das palästinensische Narrativ stets als Antisemitismus entstellt wurde. Dies waren düstere Jahre der Desillusionierung und des Verlustes eines professionellen und ideologischen Kompasses.

In einem solchen Augenblick des Verlustes, in dem einem der Trost des Großen Westlichen Narrativs entzogen wurde, sucht man nach einer Tür zur Aufklärung. Es kann ein weiter Weg sein, sie zu finden. Meine Tür erschien, als ich über das Propagandamodell von Ed Herman und Noam Chomsky in ihrem Buch ‚Manufacturing Consent‘ las und über eine Website namens ‚Media Lens‘ stolperte. Beides half mir zu verstehen, dass das Problem der Narrative nicht auf Israel-Palästina beschränkt war, sondern dass es sich dabei um ein viel Allgemeineres handelte.

Tatsächlich wurde das Große Westliche Narrativ über Jahrhunderte entwickelt und verfeinert, um die Privilegien einer winzigen Elite zu erhalten und ihre Macht auszubauen. Journalisten wie ich hatten dabei die Rolle, den Lesern diese Illusionen einzuflößen, damit sie ängstlich, passiv und ehrfürchtig dieser Elite gegenüber blieben. Nun lügen Journalisten nicht – jedenfalls die meisten von ihnen nicht – sie sind nur genauso eng mit dem Großen Westlichen Narrativ verbunden wie alle anderen.

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Iran und Israel: Das Risiko der “unbeaufsichtigten” Milizen

Iran und Israel: Das Risiko der “unbeaufsichtigten” Milizen

30-06-18 12:21:00,

Ministerpräsident Netanjahu auf den Golanhöhen. Foto: Mark Neyman /GPO (Government Press Office) Israel

  1. Iran und Israel: Das Risiko der “unbeaufsichtigten” Milizen

  2. Machtfaktoren im Iran

  3. Hoffnung auf Russland


  4. Auf einer Seite lesen

Vom Iran bewaffnete Gruppen in Syrien und im Jemen sind für Israel eine Bedrohung; Russland versucht, zu vermitteln

Es ist eine eigentümliche Stille. Ab und zu fahren Militärjeeps vorbei, bremsen ab, damit die Soldaten einen prüfenden Blick auf die Leute werfen können, die da allein am Straßenrand stehen, und in die Ferne blicken, nach Syrien, in den Krieg. Man meint Rauchfahnen in der Ferne sehen zu können; ob da Häuser brennen oder einfach nur Windhosen Staub durch die Sommerhitze wirbeln?

Man wird es nicht erfahren: Jener Teil der Golanhöhen, die Israels Militär während des Sechs-Tage-Krieges 1967 eroberte und dann im Dezember 1981 einseitig und ohne völkerrechtliche Grundlage annektierte, ist heute eine dünn besiedelte Einöde, ein Touristenziel, von dem aus man tief in eines der beiden bis heute wirklich noch mit Israel im Kriegszustand lebenden Länder blicken kann: Syrien.

Während sich Israel, die Staaten auf der arabischen Halbinsel und der Irak im Laufe der vergangenen Jahre angenähert haben, Kontakte an der Tagesordnung sind, auch wenn man keine offiziellen diplomatischen Beziehungen pflegt, ist man mit dem Libanon und mit Syrien nie wärmer geworden.

Die Hoffnung auf Frieden in den 1990erJahren

Dabei hatte es in den 1990er Jahren mal eine Zeit gegeben, in der es so aussah, als stünde eine Einigung kurz bevor: Jordanien hatte gerade einen Friedensvertrag mit Israel unterzeichnet, die palästinensische Autonomiebehörde wurde geschaffen. Internationale Diplomaten und israelische Politiker sagten, dass jetzt Syrien und der Libanon an der Reihe seien, und tatsächlich traf man sich am Verhandlungstisch. Und scheiterte.

Offiziell ging es um Sicherheitsgarantien: Von den Golanhöhen aus herrschen freier Blick und freies Schussfeld auf den gesamten israelischen Norden. Und um Wasser: ein Großteil der israelischen Wasserversorgung stammte damals direkt oder indirekt von den Golanhöhen. Doch tatsächlich sei es die öffentliche Meinung gewesen, die den Verhandlern einen Strich durch die Rechnung gemacht haben,

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Die Kommerz-Kraftmeierei

Die Kommerz-Kraftmeierei

30-06-18 12:17:00,

Unheimliche Begegnungen mit dem Fußball. Als Literatur-Freund freute ich mich, im Juni 2010 Jane Campions neuen Film „Bright Star“ im nahen Arthaus-Kino zu sehen: die unglückliche Liebesgeschichte des sterbenskranken Dichters John Keats. Die Kamera glitt sanft zu Mozarts Musik über Blumenwiesen, erlesene Kostüme der Jane-Austen-Ära und die subtile Mimik der Hauptdarsteller.

Auf einmal erklang eine aufdringliche Sprecherstimme aus dem Nebenraum. Ich hatte in meiner Versunkenheit vergessen, dass zum Kino eine Kneipe gehörte, die aber normalerweise den Filmgenuss nicht störte. Ich verstand vage einige Wortfetzen wie „Flanke“ oder „Freistoß“. Oh nein, ein Fußballspiel! Fanny, John Keats schöne Geliebte, hatte inzwischen mit der Rezitation eines Gedichts begonnen: „Ein Werk der Schönheit ist ein Glück für immer.“

„Schweinsteigaaaaaah“, brüllte auf einmal der Kommentator.

„Stets wächst noch seine Anmut; es wird nimmer ins nichts vergehen“, rezitierte Fanny.

„Podolskiiih – und wieder Schweinsteigaaah“. Draußen im Saal schwoll ein unkontrollierbarer Erregungszustand. Auf einmal schienen 30 oder mehr Fußballfans den Nachbarraum zu bevölkern.

„Wird ständig ein Gemach der Stille uns bereiten, einen Schlaf voll süßer Träume“, fuhr Fanny fort.

Was danach kam, war nicht mehr zu verstehen, denn der Kommentator der Fußballspiels war völlig aus dem Häuschen: „Mertesackaaaaah – und Tooooor!!!“ Draußen tobte die Menge so laut, dass wir ebenso gut einen Stummfilm hätten sehen können. Als das Werk mit dem tragischen Tod von John Keats endete, hatte ich rund ein Viertel der Dialoge nicht verstanden.

Ich trat aus dem Kinosaal in die Kneipe und sah, dass unser versprengtes Häuflein von Filmkunstfreunden hoffnungslos in der Minderzahl war. Vorsichtig, um nicht aufzufallen, huschten wir durch ein Spalier von Fußballfans, die mit glühendem Blick und hoch roten Gesichtern auf einen Flachbildschirm starrten, nach draußen.

Diese wahre Begebenheit, die sich ebenso in diesen Tagen der WM in Russland zutragen könnte, hat sicher amüsante Züge. Sie ist aber symptomatisch für ein kulturelles Phänomen: die übertriebene Dominanz einer einzelnen Sportart und die Rücksichtslosigkeit ihrer Fans. Die Hysterie gerade zu WM-Zeiten grenzt teilweise an Diskriminierung der Nicht-Fußballfans.

Sogenannte Fußball-Muffel werden entweder ungefragt vereinnahmt oder ausgegrenzt. Vereinnahmt, wenn man etwa von „Fußball-Deutschland“ spricht oder wenn behauptet wird: „Ganz Deutschland fiebert mit unseren Jungs.“

Die Ausgrenzung geschieht, wo der Nicht-Fußballfan als vaterlandsloser Geselle oder quasi verhaltensgestörtes Kuriosum vorgeführt wird.

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Die neue Revolution

Die neue Revolution

30-06-18 12:17:00,

Das herrschende, kapitalistische System scheint bei oberflächlicher Betrachtung stabil und seiner vorgeblichen Aufgabe, der Sicherung des Überlebens der Menschen, gerecht zu werden. Doch bei näherer Betrachtung verströmt es immer offensichtlicher den Hauch des Todes, der mit einer immer absurderen Wirtschaft, fortschreitender Umweltzerstörung und Auflösungs- sowie Dekadenzerscheinungen der Gesellschaft einhergeht. Dennoch liegt der letzte Versuch einer dramatischen Veränderung bereits 50 Jahre zurück. Eine Revolution scheint heute in weiterer Ferne zu liegen als jemals zuvor. Der Mensch scheint sich in die scheinbar alternativlosen Sachzwänge des Kapitalismus eingefügt zu haben.

Und das, obwohl sie jedem Einzelnen – seien es Rentner, die in Altersarmut Pfandflaschen sammeln müssen, Studierende in den ökonomisierten Hochschulen oder Arbeitslose – immer stärker zu Leibe rücken. Doch Revolution scheint ein Thema von Vorgestern zu sein. Eine ferne Hoffnung, an die sich allein einige realitätsferne Romantiker klammern, denen es nicht gelingt, ihr Leben innerhalb des Kapitalismus zu organisieren, die in der herrschenden Dogmatik zu den Verlierern gehören.

Dabei ist eine tiefgreifende Veränderung des herrschenden Systems dringend notwendig. Denn das System verschlingt nicht nur immer größere Teile der irdischen Ressourcen in immer wahnwitzigerem Tempo. Es greift auch in das Leben jedes Einzelnen ein, beschneidet Freiheiten und sucht nach Möglichkeiten, jeden Aspekt des menschlichen Lebens zu kommerzialisieren.

Der Kapitalismus hat eine enorme materielle Anhebung des Lebensstandards vor allem in der westlichen Welt mit sich gebracht. In atemberaubender Geschwindigkeit brachte er stetig neue Erfindungen und Entwicklungen. So hat der medizinische Fortschritt in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass die Menschen nicht nur immer älter werden, sondern auch seltener an Krankheiten sterben. Die Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion hat die Erträge in die Höhe schnellen lassen und wäre heute dazu in der Lage, die rasch anwachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

Wenn die Verteilung funktionieren würde.

Doch was die Verteidiger des Kapitalismus geflissentlich verschweigen, ist, dass der Kapitalismus diesen sogenannten Fortschritt nicht nur möglich gemacht hat, sondern dass Fortschritt für ihn notwendig war und noch immer ist. Durch die Notwendigkeit des beständigen Kapitalflusses war es unabdingbar geworden, immer neue Produkte auf den Markt zu bringen und diese, notfalls mit psychischen Zwangsmitteln, in diesen zu verpressen.

Der Mensch wurde somit innerhalb des letzten Jahrhunderts auf zwei Funktionen reduziert: Einerseits diente er dem System als Ressource „Arbeitskraft“, die an der enormen Entwicklung teilnimmt,

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Der Tsipras-Merkel-Deal

Der Tsipras-Merkel-Deal

30-06-18 08:15:00,

Merkel und Tsipras beim EU-Gipfel in Bratislava, im September 2016. Foto: Andrej Klizan / gemeinfrei, CC0 1.0

Mehrwertsteuerrabatt für Griechenland als Preis für die Kanzlerschaft? Ein Kommentar

An der Flüchtlings- und Migrationsproblematik manifestiert sich ein fundamentales Hauptproblem der europäischen Politik. Auf Drängen und Sorgen der Bürger wird verbal mit widersprüchlichen Absichtserklärungen reagiert, Werte werden beschworen, frühere Versprechen vergessen.

Der Bazar

Am Ende sind alle Bürger, ob rechts oder links angesiedelt, von ihren Volksvertretern enttäuscht und frustriert. Schließlich wird über das Schicksal der Schutzsuchenden wie auf einem orientalischen Bazar geschachert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte sich mit einem gesamteuropäischen Kompromiss in der Flüchtlingsfrage Luft im Konflikt mit CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer verschaffen. Es ist ihr nur teilweise gelungen. Der bayerische Unionspolitiker hat mit Blick auf die Landtagswahlen in seinem Bundesland Teile der AfD-Agenda implementiert und hetzt die Kanzlerin in die gleiche Richtung.

Merkel benötigte ein entsprechendes Kommuniqué ihrer europäischen Amtskollegen und/oder bilaterale und trilaterale Vereinbarungen mit einzelnen EU-Staaten, welche Deutschland bezüglich der Flüchtlinge und Migranten entlasten.

Verstärkter Grenzschutz in Griechenland?

Beim Gipfel der Regierungschefs der Europäischen Union wurde hinsichtlich der Reform des europäischen Asylrechts keine allgemeingültige, praktikable Einigung erzielt. Die Aussagen über einen verstärkten Grenzschutz durch einen weiteren Ausbau der Frontex stehen zwar auf dem Papier, konkretisiert wurden sie jedoch nicht.

In Griechenland hieß es, dass auch Drohnen zur Grenzüberwachung eingesetzt werden sollten. An der Landesgrenze zur Türkei mag dies noch gehen. In der Ägäis herrschen allerdings oft so starke Winde vor, dass selbst die bemannten griechischen Rettungshubschrauber passen müssen.

Absichtserklärungen ….

Zudem bestehen hinsichtlich der sogenannten regionalen Ausschiffungsplattformen, mit denen sich die “Festung Europa” die Migrationsproblematik zu Lasten afrikanischer und weiter dritter Staaten fern halten möchte, Bedenken hinsichtlich der Vereinbarkeit mit internationalen Menschenrechtskonventionen.

Das Uno-Flüchtlingswerk UNHCR und die Internationale Migrationsorganisation IOM, die beide in die neue EU-Asylpolitik eingebunden werden sollen, stellen Bedingungen. Zu allem Überfluss haben die angedachten Aufnahmeländer, Libyen und Albanien, bereits abgewunken.

Die gemeinsame Erklärung der EU-Regierungschefs, die nach Meinung der Fraktionschefin der Grünen im Europaparlament, Ska Keller, das Recht auf Asyl in Europa beerdigt, zeigt zweifelsohne, dass die EU im Zeitalter des Populismus nicht mehr an humanitären Vorzeigewerten interessiert ist. Sie ist jedoch in der vorliegenden Form lediglich eine Absichtserklärung.

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Australien verabschiedet Gesetze gegen “ausländische Einmischung und Beeinflussung”

Australien verabschiedet Gesetze gegen “ausländische Einmischung und Beeinflussung”

30-06-18 08:04:00,

Auch wenn hier eher China als Russland als Bedrohung empfunden wird, scheint im Westen die Paranoia des Kalten Kriegs wiederzukehren

Am vergangenen Donnerstag hat das australische Parlament in der letzten Sitzung vor der Winterpause noch schnell zwei Gesetze zur nationalen Sicherheit verabschiedet, die die Strafen für drastisch erweiterte Spionage und ausländische Einmischung erhöhten. Eingeführt wurden sie unter anderem mit der Begründung, dass ausländische Agenten zunehmend stärker versuchen würden, die demokratischen Wahlen zu beeinflussen. Und weil am 28. Juli einige Zwischenwahlen stattfinden, sollte die Gesetze noch schnell durchgepeitscht werden.

Die Gesetze über “Spionage, ausländische Einmischung und ausländische Beeinflussung” erweitern die Straftatbestände der Spionage, des Geheimnisverrats, des Hochverrats, der Sabotage etc., führen die neue Straftaten Wirtschaftsspionage und ausländische Einmischung ein und erfordern die Erstellung eines Registers für ausländische Agenten, genannt Foreign Influence Transparency Scheme, wie dies etwa auch die USA oder Russland machen. Das soll mehr Transparenz schaffen. Hier soll nicht nur direkte politische Lobbyarbeit durch ausländische Personen, Firmen, Organisationen oder Regierungen erfasst werden, sondern “allgemeines politisches Lobbying” oder “Kommunikationsaktivitäten” zum Zwecke der politischen Beeinflussung.

Die Regierung hatte, nachdem viele andere westlichen Regierungen auf den Zug aufgesprungen waren und vor ausländischen, meist russischen Beeinflussungsoperationen warnten und sie bekämpfen wollten, eine “Lücke” in der Gesetzgebung entdeckt, die schnell geschlossen werden müsse. Hingewiesen wurde auf die amerikanische und französische Präsidentschaftswahl und die Brexit-Abstimmung. Für ausländische Einmischung gebe es noch keine Straftatbestände, obgleich die “ausländischen Feinde Australien sich nicht nur auf Spionage stützen, um ihre Ziele zu verfolgen”. Geheimdienste würden “zunehmend verdeckte Einmischung und Beeinflussung in bislang unbekanntem Ausmaß praktizieren”. Das richte sich gegen die australischen Interessen angefangen von den politischen Systemen über die wirtschaftlichen Interessen bis hin zu Ausländergemeinschaften, “die Australien zu ihrer Heimat gemacht haben”.

Jetzt also gibt es 35 neue Verbrechen und hohe Strafen. Beispielsweise wird “ausländische Einmischung”, sofern sie fahrlässig geschieht, mit 15 Jahren Gefängnis bestraft, wenn absichtlich mit 20 Jahren. Wer fahrlässig (reckless) Geld von einem ausländischen Geheimdienst erhält, muss mit 10 Jahren Gefängnissen rechnen. Wenn Einmischungen verdeckt, mit Täuschungsabsicht oder mit Drohungen oder wenn sie den Zwecken eines ausländischen Geheimdienstes dienen, der nationalen Sicherheit schaden, einen politischen oder Regierungsprozess oder die Ausübung eines demokratischen oder politischen Rechts beeinflussen, sind sie strafbar.

Als Beispiel für eine fahrlässige Einmischung,

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Legaler Betrug

Legaler Betrug

29-06-18 06:55:00,

Die deutschen Lebensversicherer behandeln ihre Kunden seit Jahren schlecht und machen hierfür die Niedrigzinspolitik verantwortlich. Das sind klassische Fake-News. Die Rubikon-Studie deckt auf:

In Wirklichkeit sind Allianz & Co. höchst profitable Konzerne. Mit einer Umsatzrendite von 20,56 Prozent (im Jahr 2016) zeigen sie sich ungefähr doppelt so erfolgreich wie die Automobilindustrie.

Der Rohüberschuss stieg auf ein Rekordniveau von 22,7 Milliarden Euro (2016). Gleichzeitig gelingt es ihnen, diesen Erfolg vor der Öffentlichkeit zu verschleiern: vor allem indem Gewinne kleingerechnet werden und gewaltige Beträge in Reservepositionen versteckt werden.

So betrug der offiziell ausgewiesene Gewinn der Branche „nur“ rund 1,5 Milliarden Euro.

Dafür stieg die Summe in jenen Finanztöpfen, in die Gelder ausgegliedert werden, ohne dass die Kunden hierauf einen direkten Anspruch haben, auf nahezu unglaubliche 233 Milliarden Euro. Die Folge sind dramatisch sinkende Überschussbeteiligungen für die Kunden.

Über die niedrige Garantieverzinsung hinaus bekommen immer mehr Kunden keinen Cent mehr zugeteilt. Die Versprechungen der Vergangenheit sind nichts mehr wert. Dieser Aderlass liegt nicht an der Niedrigzinsphase. Die Rubikon-Studie zeigt:

Die Gewinnquellen der Lebensversicherer sprudeln weiter ungebremst.

Den dicksten Posten machen dabei Zins- und Kapitalerträge von über 47 Milliarden Euro (2016) aus. Denn die Konzerne haben sich von dem niedrigen Zinsniveau weitgehend abgekoppelt und erzielen seit Jahren eine Netto-Verzinsung ihrer Kapitalanlagen von deutlich über 4 Prozent.

Dazu kommen milliardenschwere Kosten- und Risikogewinne. Diese Gewinnquellen haben den Vorteil, dass die Konzerne die Höhe der Erträge weitgehend selbst steuern können. So setzen die Lebensversicherer laut Rubikon-Studie ihre Verwaltungskosten systematisch um mehr als das Doppelte zu hoch an. So entstehen automatisch Kostengewinne – völlig risikolos.

Die Kunden haben davon wenig: Die garantierte Verzinsung sank für Neuverträge im laufenden Jahr auf den Tiefstwert von 0,16 Prozent. Immer mehr Kunden – vor allem jene, die vor einigen Jahren abgeschlossen haben — bekommen keinerlei Überschussbeteiligung mehr zugeteilt.

Laut Rubikon-Studie liegt das nicht zuletzt daran, dass die Konzerne erfolgreich Strategien entwickelt haben, die von den Kunden eingezahlten Gelder in Finanztöpfe zu stecken, an die Kunden nicht oder kaum herankommen. Es sind dies der Schlussüberschussfonds, die sogenannte „freie RfB“ (Rückstellung für Beitragsrückerstattung), die Zinszusatzreserve und die stillen Reserven.

2016 waren alles in allem 233 Milliarden Euro in diesen Töpfen — Tendenz steigend.

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Wahlen in Mexiko: Totaler Drogenkrieg ja oder nein

Wahlen in Mexiko: Totaler Drogenkrieg ja oder nein

29-06-18 06:52:00,


Einen der gewalttätigsten Wahlkämpfe der letzten 20 Jahre. 120 Politiker getötet. © Neue Presse


Evelyne Tauchnitz / 29. Jun 2018 –

Der amtierende Präsident Nieto hat den internen Krieg legalisiert. Opponent Obrador sucht nach alternativen Lösungen.

Red. Die Autorin dieses Gastbeitrags hat am «Institut de Hautes Études Internationales et du Développement» (IHEID) in Genf mit Schwerpunkt Menschenrechte doktoriert. Gegenwärtig arbeitet Evelyne Tauchnitz am «European University Institute» bei Florenz.

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Die Präsidentenwahl am Sonntag in Mexiko wird darüber entscheiden, ob das weitgehend erfolglose, aber mörderische Vorgehen des Militärs gegen die verschiedenen Drogenkartelle in Zukunft weiter verschärft wird oder ob sich eventuell ein kleines, aber wichtiges Gelegenheitsfenster für Alternativen öffnet.

Verheerende Bilanz

Die militärische «Sicherheitsoperation Michoacán» gegen das Drogenmilieu begann im Jahr 2006 und weist folgende Bilanz auf*:

  • 125’000 Tote
  • 30’000 Vermisste
  • 250’000 Vertriebene

Das bisher tödlichste Jahr war 2017 mit 25’000 Getöteten oder durchschnittlich 70 jeden Tag. Wie in einem richtigen Krieg eliminiert das Militär möglichst viele «Feinde», anstatt die Mitglieder und Helfer der Drogenkartelle ‘bloss’ zu verhaften, anzuklagen und zu verurteilen.

Auf acht getötete tatsächliche oder vermeintliche Drogenkriminelle kommt lediglich ein einziger, der im Kampf ‘nur’ verletzt wird. Bei Einsätzen der Marine, die im Drogenkrieg ebenfalls zum Einsatz kommt, ist das Verhältnis zwischen Getöteten und ‘nur’ Verletzten sogar 30:1.

Diese Statistik des CIDE Forschungsinstitut in Mexiko City legt nahe, dass es der Regierung nicht darum geht, vermutete Drogenkriminelle lebend festzunehmen und der Justiz zu übergeben, sondern diese «Feinde» auszuschalten. Dieses Vorgehen ist für Menschenrechtsorganisationen eine «Selbstjustiz des Militärs» und eine «Verletzung fundamentaler Menschenrechte».

Tatsächlich kann Kriminellen das fundamentale Recht auf Leben nicht einfach abgesprochen werden, indem man ein kriminelles Problem in ein Sicherheitsproblem ummünzt. Drogenkriminelle sind häufig auch selber Opfer von Gewalt. Es herrscht nicht nur «Krieg» zwischen dem Staat und den Drogenkartellen, sondern auch zwischen den Drogenkartellen untereinander, welche um Einfluss kämpfen, und oft sogar zwischen Mitgliedern des gleichen Kartells.

Gegen die Verfassung

Eigentlich verbietet die Verfassung Mexikos, dass das Militär im eigenen Land als Polizei eingesetzt wird. Doch schon der Vorgänger des jetzigen Präsidenten Nieto, Felipe Calderón und seine Minister,

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Handelskrieg: Point of no return überschritten?

Handelskrieg: Point of no return überschritten?

29-06-18 06:38:00,

Die zunehmenden handelspolitischen Auseinandersetzungen scheinen sich der Kontrolle der staatlichen Akteure zunehmend zu entziehen

Ist es schon zu spät, um eine unkontrollierbare Eskalation des globalen Handelskrieges zu vermeiden? Bei dem sich zuspitzenden handelspolitischen Auseinandersetzungen sind die Augen er Öffentlichkeit zumeist auf die Hauptakteure, auf die Volksrepublik China, auf Merkels Eurozone und die USA Donald Trumps gerichtet. Doch es könnten gerade die kaum beachteten Reaktionen der übrigen Volkswirtschaften sein, die darüber entscheiden, ob der globale protektionistische Wettlauf bereits eine irreversible Eigendynamik entwickelt hat.

Kanadas Regierung etwa macht ebenfalls Ernst mit der Politik von “Grenzen dicht!”. Und dies geschieht nicht aus Überzeugung einer ansonsten liberalen Regierung, sondern aus blanker Notwendigkeit. Neben den bereits beschlossenen Vergeltungsmaßnahmen gegenüber den USA, die Kanada in Reaktion auf die US-Zölle auf Stahl und Aluminium am 1. Juli erlässt, sollen nun in Ottawa auch Handelsbeschränkungen für Produkte aus weiteren Volkswirtschaften erwogen werden.

Die zusätzlichen Handelsschranken sollen dazu beitragen, eine “potenzielle Flut” von Stahlprodukten abzuwehren, die sich gerade Aufgrund der US-Zölle über den kanadischen Binnenmarkt ergießen könnte. Der Grund hierfür: Der Druck auf den immer enger werdenden Märkten nimmt zu. Viele chinesische oder deutsche Stahlproduzenten, die sich mit den amerikanischen Handelsschranken konfrontiert sehen, suchen verstärkt neue Absatzmöglichkeiten auf anderen Märkten, was den Importdruck – etwa in Kanada – ansteigen lässt.

Den US-Zöllen, die sich hauptsächlich gegen China und Deutschland richten, müssen sich folglich aus unmittelbarem ökonomischem Interesse auch jene Länder anschließen, deren Regierungen eigentlich eine protektionistische Politik ablehnen. Dieser protektionistische Kurswechsel Kanadas sei kein Ergebnis eines Meinungsumschwungs der regierenden Liberalen, hieß es folglich in kanadischen Medien, sondern der “brutalen Logik von Handelskriegen”. Der kanadische Protektionismus soll Dumping auf dem heimischen Merkt verhindern, der durch den amerikanischen Protektionismus befeuert würde.

Protektionismus könnte sich ausbreiten

Damit scheint sich eine protektionistische Dynamik auf dem Weltmarkt zu entfalten, bei der durch die US-Strafzölle ausgelösten Verschiebungen der Handelsströme zu immer neuen protektionistischen Maßnahmen weiterer Länder führen. Keiner will mehr die Überschussproduktion aufnehmen, die bislang auf dem riesigen US-Binnenmarkt abgesetzt werden konnte. Der Prozess der – letztendlich kreditfinanzierten – kapitalistischen Globalisierung würde somit zusammenbrechen (Ende der Globalisierung).

Zudem scheint die Trump-Administration auch weiterhin gewillt zu sein, ihre handelspolitische Eskalationsstrategie fortzusetzen. Gegenüber der Volksrepublik China hat der Rechtspopulist im Weißen Haus inzwischen angekündigt,

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Die deutsche Regierung forciert den Weg zu einer Europäischen Verteidigungsunion | KenFM.de

Die deutsche Regierung forciert den Weg zu einer Europäischen Verteidigungsunion | KenFM.de

29-06-18 06:36:00,

von Bernhard Trautvetter.

Schon bei der Unterzeichnung der Vereinbarung über einen Europäischen Militärpakt PESCO (Permanent Structured Cooperation)  jubilierte die Bundes“Verteidigungs“Ministerin Ursula von der Leyen am 13.11.2017, dies sei ein Meilenstein auf dem Weg zur EU-„Verteidigungs“Union.(1)

Dieser Weg erfährt ständig neue Wegmarken und von den Militaristen erreichte Zwischenziele, die weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt sind – und das auch bleiben sollen.

Am 9. Mai, einen Tag nach den Feiern zum Tag der Befreiung, der den zweiten Weltkrieg in Europa beendete, präsentierte Frau von der Leyen die Pläne der Bundeswehr für die nächsten Schritte auf diesem Weg in der laufenden Legislaturperiode. Das betrifft vor allem die Digitalisierung und den Cyberkrieg als Game-Changer der Strategie-Entwicklung für den Krieg im 21. Jahrhundert, der dadurch vom Equipment her billiger und gezielter, also zerstörungseffizienter werden kann, solange man selbst die Kontrolle über die Angriffe behalten kann. „In der letzten Legislaturperiode wurde die Digitalisierung dann zum Top-Thema auf der Agenda gemacht“, so von der Leyen. „Eine Abteilung wurde gegründet und eine Cybertruppe aufgestellt.“ Es sei nun eine „deutlich höhere Schlagkräftigkeit“ und eine entsprechend „deutlich höhere Sichtbarkeit“ zu verzeichnen. Deutschland sei nun Ansprechpartner für die anderen Nationen beim Thema Digitalisierung.(2)

Am 25. Juni, mitten in der Zeit, da die Medien die Öffentlichkeit auf das nächste Endspiel hin elektrisieren, fand ein Arbeitstreffen von EU-Verteidigungs- und Außenministern in Luxemburg statt.

Der Bericht vom Arbeitstreffen auf der Website des Bundes“Verteidigungs“Ministeriums besagt:

„Verbesserung der militärischen Mobilität in Europa. Mit der Beseitigung von technischen und bürokratischen Hürden sollen Truppenbewegungen reibungsloser und effizienter gestaltet werden. Die Fortschritte im Bereich der militärischen Mobilität waren auch Teil der gemeinsam mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erörterten Themen, bei denen die EU und die NATO eng zusammenarbeiten. (…) Ein Beispiel dafür ist die Verbesserung der militärischen Mobilität in Europa. Mit der Beseitigung von technischen und bürokratischen Hürden sollen Truppenbewegungen reibungsloser und effizienter gestaltet werden.(3)

Man findet in der zitierten Quelle auch diesen Satz: „Neun Länder (Deutschland, Frankreich, Dänemark, Belgien, Großbritannien, Spanien, Niederlande, Estland, Portugal) zeichnen in Luxemburg am Rande des Arbeitstreffens der Verteidigungs- und Außenminister die europäische Interventionsinitiative.“

Damit ist eine neue Struktur des Militarismus in Europa auf den Weg gebracht,

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US-Amateurfunker fängt Startbefehl für thermonuklear bestückte Raketen ab

US-Amateurfunker fängt Startbefehl für thermonuklear bestückte Raketen ab

29-06-18 06:34:00,

Newsticker

29.06.2018 • 13:58 Uhr

US-Amateurfunker fängt Startbefehl für thermonuklear bestückte Raketen ab

In den USA hat am vergangenen Dienstag ein Amateurfunker einen Befehl für den Abschuss von Raketen mit Wasserstoffbomben-Sprengköpfen abgefangen. Diese Nachricht war an einen Bomber-Jet vom Typ Boeing B-52-H gerichtet, ausgelegt zum Tragen von Marschflugkörpern des Typs AGM-86 ALCM mit Thermonuklear-Sprengköpfen. Glücklicherweise ist der Feuerbefehl nur für eine Übung gesendet worden.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch lief eine großangelegte Übung der US-Nuklearstreitkräfte, bei der Bomber der Typen B-52-H, B-2-A, E-6B vor beiden US-Küsten für die Atom-Apokalypse probten. Der abgefangene Feuerbefehl war eine sogenannte Emergency Action Message – ein sehr langer, offen gesendeter alphanumerischer Code. Solche (und denen ähnliche) Codes spielen eine wichtige Rolle in der Befehlsarchitektur der US-Nuklearstreitkräfte. Die Übung solle den Feinden der USA deutlich machen, dass die US-Bomber bereit seien, ihre Nuklearwaffen rund um den Globus zum Einsatz zu bringen, berichtete das Nachrichtenportal Drive

Mehr zum Thema – SpaceX-Rakete reißt großes Loch in die Ionosphäre und verursacht Fehlfunktion von Navigationsgeräten

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Die Kinder-Käfige der Homeland Security – Die USA und die Hintergründe der Migrations-Tragödie in Zentralamerika – www.NachDenkSeiten.de

Die Kinder-Käfige der Homeland Security – Die USA und die Hintergründe der Migrations-Tragödie in Zentralamerika – www.NachDenkSeiten.de

29-06-18 07:52:00,

29. Juni 2018 um 9:30 Uhr | Verantwortlich:

Die Kinder-Käfige der Homeland Security – Die USA und die Hintergründe der Migrations-Tragödie in Zentralamerika

Veröffentlicht in: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, USA

Tage nach dem anhaltenden, weltweiten Aufschrei gegen Bilder von der Gefangenschaft sowohl unbegleiteter als auch ihren Familien entrissener, zentralamerikanischer Kinder und Jugendlicher in Metallkäfigen an verschiedenen Abschnitten der Südgrenze der USA hat Präsident Donald Trump am vergangenen 20. Juni den Befehl zur Familientrennung zumeist illegal eingewanderter mittelamerikanischer Migranten vorerst zurückgenommen. Im gleichen Atemzug stieß der Staatschef der USA jedoch neue Drohungen aus: „Wir werden aber eine sehr energische Grenze weiterführen, es besteht weiterhin Null-Toleranz für Menschen, die illegal in unser Land kommen“. Ein Bericht von Frederico Füllgraf.

Die Verschärfung der „Null-Toleranz“-Politik gipfelt nun in der Negation der Rechtsprechung: Migranten, die illegal in die USA einreisen, sollen fortan ohne Anspruch auf richterliche Anhörung und ordentlichen Prozess an Ort und Stelle ausgewiesen werden. Trumps „energische Grenze“ darf man sich allerdings nicht als Synonym für geordnetes, geschweige denn als friedliches Terrain vorstellen. Es herrscht Chaos, gestrickt mit nackten und bedrohlichen Fakten.

Eine Tausendschar entführter, zwangsinternierter und „verlorener“ Kinder

Seit dem Amtsantritt des New Yorker Immobilien-Spekulanten, Freizeit-Unternehmers und Milliardärs als US-Präsident am 20. Januar 2017 haben die Behörden der Vereinigten Staaten 3.700 Migranten-Kinder ihren verhafteten Eltern entrissen, warnte Ryan Deveraux im angesehenen Internet-Journal The Intercept (The U.S. Has taken more than 3,700 children from their parents – and has no plan for returning them – The Intercept, 19. Juni 2018).

Grausam? Leider ist dies nur ein Drittel der vermuteten Wahrheit. Trumps Beschwichtigung, man werde auf Familientrennung verzichten, verschweigt, dass seine Regierung die Spuren 1.500 allein eingereister und zwangsinternierter Minderjähriger „verloren“ hat. Bereits Ende April konnte man in der New York Times lesen, dass zwischen El Paso, an der Grenze zu Mexiko, und Washington DC keine Pfeife der US-Administration weiß, wo die Kinder abgeblieben sind. So seien die zumeist aus Honduras, El Salvador und Guatemala vor Drogenkartellen, Bandenkriminalität und häuslicher Gewalt geflohenen Kinder in die Obhut der Regierung genommen und nachträglich bei sogenannten „Sponsoren“ untergebracht worden, nachdem sie allein an der Südwestgrenze der USA aufgetaucht waren.

Zwischen Oktober und Dezember 2017 hatte das Amt für Flüchtlingsumsiedlung des Ministeriums für Gesundheit und Sozialfürsorge versucht,

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Britische Regierung will Skripal-Haus kaufen

Britische Regierung will Skripal-Haus kaufen

29-06-18 07:47:00,

Die russische Botschaft verlangt Aufklärung, die Ermittlung kommt weiter nicht voran, derweil gibt es über eine von London initiierte Erweiterung des OPCW-Mandat Ärger zwischen Moskau und dem Westen

Die britische Regierung hält weiter Sergei Skripal und seine Tochter Julia, die am 4. März zum Opfer eines Anschlags mit Nervengift wurden, aber sich davon erholt haben, unter Verschluss. Wo sich die beiden aufhalten und ob beide mit der Quarantäne oder Isolation einverstanden sind, bleibt weiter offen. Von der britischen Regierung hört man weiter nichts über den Fortgang der Ermittlungen. Bekannt ist bislang nur, dass es sich wohl um das Nervengift Nowitschok handelte, was die OPCW bestätigte, und dass dies vermutlich am 3. März am Griff der Haustür von Skripal angebracht worden war. Woher das Nervengift stammt, ist unbekannt, auch wenn klar wurde, dass Militärlabors mehrerer Staaten dieses produziert haben, ebenso unbekannt sind trotz aufwändiger Ermittlungen der oder die Täter.

Klar scheint aber zu sein, dass die Schuldzuweisung an Russland weiterhin nicht belegt ist und dass die Regierungen, die sich London anschlossen und russische Diplomaten auswiesen, auch nicht mehr wussten. Es handelte sich primär um einen Versuch, die britische Regierung zu stützen und transatlantische Einheit gegen die “russische Aggression” herzustellen.

Klar ist aber auch, dass die monatelange, aber bislang weitgehend ergebnislose Polizeiaktion nicht nur eine der größten, sondern auch eine der teuersten war. Noch immer sind 100 Beamte der Antiterrorabteilung der Polizei in Salisbury tätig, drei Monate lang waren es 250. Der für die Stadt zuständigen Polizei von Wiltshire alleine sind durch den Skripal-Fall mehr als 7 Millionen Pfund an Kosten entstanden. Insgesamt wird sie Dutzende von Millionen kosten.

Vor kurzem wurde durch die Sunday Times bekannt, dass das Haus von Skripal in Salisbury, in dem angeblich weiterhin ermittelt wird und das noch nicht für eine Säuberung freigegeben ist, ebenso wie dessen Auto und persönliche Gegenstände von der Regierung für 350.000 Pfund (fast 400.000 Euro) gekauft werden soll. Es wird aber weiter keine Auskunft gegeben, da es unangemessen sei, über persönliche Angelegenheiten von allen zu sprechen, die in den Fall verwickelt sind. Will man das Haus zum Museum machen oder will man mit dem Geld den Skripals helfen, unterzutauchen und sich unter neuer Identität irgendwo anzusiedeln, um sie dem Zugriff der Medien und/oder Russlands zu entziehen.

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Die Zukunft gehört den Kleinbauern, nicht den Monokulturen (2)

Die Zukunft gehört den Kleinbauern, nicht den Monokulturen (2)

29-06-18 07:47:00,

Bei Mehrfachnutzung bringt der Boden mehr Ertrag: Kleinbauern-Betrieb in Lateinamerika


Miguel A. Altieri / 29. Jun 2018 –

Kleinbauern leiden weniger unter dem Klimawandel als Monokulturen. Das zeigen viele wissenschaftliche Untersuchungen.

Miguel A. Altieri ist Professor der Agrarökologie an der University of California in Berkeley und Autor zahlreicher Artikel und Bücher über Agrarökologie. Darüber hinaus hilft er, Programme für nachhaltige Landwirtschaft in Lateinamerika und anderen Regionen der Welt mit der UNO und mit engagierten NGO’s zu koordinieren und zu fördern.

Red. Ein erster Teil dieses Artikels erschien auf Infosperber am 27. Juni. Er zeigte auf, warum die Kleinbauernbetriebe in der Summe produktiver sind als grosse Monokultur-Landwirtschaftsbetriebe. Zum Nachlesen hier anklicken.

Kleinbauernhöfe sind auch gegenüber dem Klimawandel widerstandsfähiger

Die meisten Klimamodelle gehen davon aus, dass die Regionen, die von Kleinbauern bewohnt sind – vor allem in den Entwicklungsländern und in Regionen ohne Bewässerung – besonders heftig betroffen sein werden. Allerdings zeichnen die aktuellen Modelle eher ein grobes Bild und berücksichtigen die Variabilität interner Adaptionsstrategien nicht. Viele ländliche Gemeinschaften und traditionelle Bauernhöfe scheinen aber trotz Wetterfluktuationen relativ gut mit extremen Klimabedingungen zu funktionieren (15). Tatsächlich bewältigen viele Bauern den Klimawandel oder bereiten sich sogar auf diesen vor, indem sie den Ernteausfall minimieren, zum Beispiel durch das Anpflanzen von lokalen dürreresistenten Varietäten, durch Sammeln von Regenwasser, umfangreicheres Anpflanzen, Mischkulturen, Agrarförsterei, Jäten von opportunistischen Unkräutern, Sammeln von Wildpflanzen und einer Serie weiterer traditioneller landwirtschaftlicher Systemtechniken (16).

Die Vorherrschaft von komplexen und diversifizierten Anbausystemen in traditionellen Agroökosystemen ist von entscheidender Bedeutung für das System der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, denn sie erlaubt eine akzeptable Produktivität der Feldfrüchte auch bei stressvollen Umweltbedingungen. Traditionelle Agroökosysteme sind generell weniger durch katastrophale Ernteverluste bedroht, weil sie viele verschiedene Feldfrüchte und Varietäten an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten anbauen. Wissenschaftler konnten zeigen, dass Mischkulturen von Sorghum/Erdnüssen und Hirse/Erdnüssen eine höhere Ertragsstabilität und weniger Produktivitätsverlust während einer Dürre zeigen, als dies bei Monokulturen der Fall ist.

Die Resultate solcher Experimente kann man als «über-ergiebig» bezeichnen. Dies kommt vor, wenn zwei oder mehr Feldfrüchte zusammen angebaut mehr Ertrag bringen, als der Anbau alleine (z.B. wenn auf einer Hektare Hirse und Erdnüsse zusammen ergiebiger sind als jeweils auf einer halben Hektare jeweils nur Hirse und auf einer halben Hektare nur Erdnüsse angebaut werden).

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Große Politik stinksauer!

Große Politik stinksauer!

28-06-18 02:22:00,

Die Verteidigungsministerin, die das Spiel gegen Südkorea im engsten Familienkreis ihrer nicht bei der Bundeswehr dienenden sieben Kinder anschaute, bezeichnete die Leistung der Löw-Truppe als völligen Schuss in den Ofen. Heimatminister Horst Seehofer fand sogar noch deutlichere Worte: Der bayerische CSU Politiker sprach nach dem gruseligen Gekicke gegen Südkorea auf einer Pressekonferenz von der größten deutschen Niederlage seit 1945.

Wütend und enttäuscht über das Ausscheiden der Nationalelf zeigte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Noch nie sei der Zeitraum bei einer Weltmeisterschaft so kurz gewesen, um politisch unbequeme Entscheidungen (Anm. d. Redaktion: Umschreibung für politische Straftaten) am Fußball schauenden Volk vorbei durchzuwinken.

Unter anderem hatte man beabsichtigt:

  • während des WM-Achtelfinals die Mehrwertsteuer auf 30 Prozent zu erhöhen;
  • während des WM-Viertelfinals den Hartz 4-Satz um 50 Prozent zu kürzen;
  • während des WM-Halbfinals einen neuen „Bundesfreiwilligendienst“ zur Restaurierung der maroden Autobahnen einzuführen (jeder, der freiwillig den neuen Hartz IV-Satz in Anspruch nehmen wollen würde, hätte freiwillig seinem Land diesen Dienst erweisen dürfen) und
  • während des WM-Endspiels eine Verteidigungsdefensive gegen die russische Kleinstadt Glaijawitz, von der aus immer wieder Schüsse auf NATO-Gebiet abgegeben worden waren, zu starten.

So habe man nun lediglich eine saftige Erhöhung der Parteienfinanzierung durchsetzen können. In einem persönlichen Telegramm habe die Kanzlerin Bundestrainer Joachim Löw dennoch angeboten, Russland nach Ende der WM mit ein paar NATO-Partnern anzugreifen, um die bittere Niederlage auf russischem Boden zu rächen, so Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Auf die Frage des Satire-Quickies, ob man dann eigentlich nicht eher Südkorea angreifen müsse, sagte Seibert: „Würden wir ja gerne! Wir wissen aber leider nicht genau, wo das liegt.“ Außerdem sei Russland, was einen Überfall angehe, sowieso längst überfällig.

Na, dann hoffen wir mal, dass dieser Schuss nach hinten losgeht!

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Jens Wernicke

Jens Wernicke, Jahrgang 1977, Diplom-Kulturwissenschaftler (Medien), arbeitete lange als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Politik und als Gewerkschaftssekretär. Er verantwortete mehrere Jahre das Interviewformat der NachDenkSeiten, Deutschlands meistgelesenem politischen Blog. Heute ist er Autor, freier Journalist und Herausgeber von „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“. Zuletzt erschienen von ihm als Mitherausgeber „Netzwerk der Macht – Bertelsmann.

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Tagesdosis 28.6.2018 – Deutschlands Verteidigung | KenFM.de

Tagesdosis 28.6.2018 – Deutschlands Verteidigung | KenFM.de

28-06-18 02:19:00,

Anbei ein Beitrag von Herrn Kirner:

Kollektiver Realitätsverlust
Veröffentlicht von LZ ⋅ 17. Juni 2018
von Florian Ernst Kirner – http://www.rubikon.news

Wird „Die Linke“ je zu der kämpferischen, fortschrittlichen Organisation werden, die wir so dringend benötigen? Der Parteitag gibt kaum Anlass zur Hoffnung. Beide Hauptflügel der Partei sind zerrupft und lahm.

Es ist schon eine rechte Strafe, über den Parteitag der LINKEN in Leipzig schreiben zu müssen. Denn jeder Blick, den man in das Innenleben dieser Partei tut, offenbart: es ist ja noch schlimmer, als man befürchtet hatte!

Schadenfreude kommt dabei absolut nicht auf, zumindest nicht bei mir. Denn ich wüsste kaum etwas, das diesem Land in dieser Zeit besser täte, als eine kämpferische, entschlossene, durch und durch rebellische, funktionierende Organisation der Linken, der Arbeiterbewegung, des fortschrittlichen Lagers, wie auch immer. Eine Partei, die echter Theoriearbeit und einer tiefgehenden Analyse der Weltverhältnisse als Plattform dient. Die aber zugleich der Ort ist, an dem sich die besten Kämpfer für höhere Löhne, für Umweltschutz, für gleiche Rechte, gegen Rassismus, für Frieden und gegen die Machenschaften des Tiefen Staates sammeln und wirkungsvoll organisieren.
(…)
Migration: die globale Realität

Tatsächlich blieb die offenbare Mehrheitsforderung nach „offenen Grenzen“ völlig abstrakt. Und sie wird absurd, wenn man sich klarmacht, dass die auf dem Parteitag permanent angeführten „64 Millionen Menschen“, die vor Krieg, Folter, Ökokatastrophe und politischer Unterdrückung fliehen, nur einen Bruchteil der eigentlichen globalen Wanderungsbewegung ausmachen.

Diese nämlich besteht darin, dass sich in etwa ein Drittel der Weltbevölkerung in den kommenden Jahrzehnten von den Dörfern in Städte und von der Peripherie in die Metropolen bewegen wird. Dieser Prozess findet natürlich mit der größten Wucht in China, Indien, Brasilien oder in jenen Ländern Afrikas statt, die das anhebende Wirtschaftswachstum auf dem schwarzen Kontinent bereits erfasst hat.

Aber im Zeitalter globaler Mobilität zu Land, zu Wasser und in der Luft und eines transnationalen Kapitalismus wird dieser gewaltige Prozess selbstverständlich auch die Metropolen Europas erfassen und hat es längst getan – zumal wir auch hier eine ähnliche Dynamik haben: die Ballungsräume wirken wie riesige Staubsauger, die immer noch mehr Menschen, Kapital, Infrastruktur, Wissen, Institutionen und Wirtschaftskraft ansaugen. Dem stehen weite Landstriche gegenüber, die, wenn überhaupt, dann nur noch eine Bedeutung als Agrarwüsten der industriellen Landwirtschaft oder als touristische Zielzonen und Erholungsgebiete der Städter haben.

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Die Putin-Hasser

Die Putin-Hasser

28-06-18 02:17:00,

Zur Fußball-WM haben russlandkritische Artikel mal wieder Konjunktur in den etablierten deutschen Medien (1). Besonders auffällig ist dabei, dass die Beiträge permanent auf Wladimir Putin als Person zuspitzen, auch wenn es in den Artikeln gar nicht unbedingt um ihn geht. Auffällig ist auch, dass Putin oft völlig anlasslos attackiert wird, also selbst dann, wenn er gerade gar nichts oder zumindest nichts Besonderes getan hat.

Klar, ein kritischer Kommentar zu Putin ist schnell und billig dahingeschrieben, sein eingängiger kurzer Name eignet sich gut für Überschriften (hieße er Kudrjawzew oder Schtscherbakow sähe das schon anders aus) und dass die mehrheitlich transatlantisch ausgerichteten Alpha-Journalisten und medialen Meinungsführer den russischen Präsidenten nicht mögen, ist schon seit Jahren klar. Doch deutsche und auch viele andere westliche Leitmedien betreiben ihre ultrakritische Putinfixierung derart penetrant, ja geradezu bis zum Exzess, dass eindimensionale Antworten als Erklärung dafür nicht genügen. Darum hat der Rubikon Fachleute verschiedener Forschungsdisziplinen zu den Gründen der Putinfixierung befragt. Hier die Antworten:

Frage: Wie lässt sich die mediale Putinfixierung aus Ihrer Sicht in erster Linie erklären?

„Die Fixierung auf Elitepersonen gehört zu der Logik, nach der kommerziell ausgerichtete Mediensysteme Realität konstruieren. Dass Putin dort im Moment als Synonym für Russland steht, muss also zunächst gar nichts mit einer speziellen politischen Ausrichtung zu tun haben. Wo Medien Ihre Reichweite maximieren müssen, wird vereinfacht, übertrieben, zugespitzt. Motto: Jede noch so komplexe Situation lässt sich so erzählen, dass möglichst viele Leser, Hörer, Zuschauer dran bleiben.

Menschen interessieren sich am meisten für andere Menschen. Menschen nutzen Prominente als Folie, vor der sie ihre eigenen Normen, Werte und Handlungen legitimieren und manchmal auch anpassen. Und Menschen können das am besten beurteilen, was sie selbst schon erlebt haben. Streit zwischen Spitzenpersonal zum Beispiel. So wird Weltpolitik in der Medienrealität zur Knetmasse in der Hand von Präsidenten, Kanzlerinnen und Innenministern.

Dass solche Konstruktionen nicht das leisten, was wir brauchen, um uns eine Meinung zu bilden und „gute“ Bürgerinnen und Bürger sein zu können, liegt auf der Hand. Das alles ruft geradezu nach einer Medienreform. In Kurzform: Alternativen zu kommerziellen Anbietern stärken, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus der (de facto) Konkurrenzsituation mit den Privaten befreien und ihn denen überlassen, denen er gehört: Uns.“

Frage: Welche psychologischen Mechanismen sehen Sie in den personifizierten Dauerattacken deutscher Mainstreamjournalisten gegen Wladimir Putin?

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Der Hauptfeind sind die USA

Der Hauptfeind sind die USA

28-06-18 02:15:00,

Friedensbewegung und politische Linke streiten über die Bewertung der gegenwärtigen Weltlage. Es geht um die Frage, ob wir es weiterhin mit einem imperialistischen Weltsystem zu tun haben, in dem die USA die entscheidende imperiale Macht sind, oder ob diese Vormachtstellung von einem Weltsystem mehrerer imperialistischer Staaten abgelöst wurde. In einem solchen multipolaren System käme vor allem Deutschland die Rolle einer aufstrebenden, langfristig sogar auf gleicher Stufe mit den USA stehenden Macht zu. Verbunden wird diese Annahme häufig mit Warnungen vor einem „Vierten Reich“ beziehungsweise einem neuen deutschen Faschismus.

Politische Bedeutung erlangte diese Kontroverse in der Auseinandersetzung um die sogenannten Montagsmahnwachen. Ihnen wurde unterstellt, die Bedeutung der USA zu überschätzen und damit zugleich die Gefährlichkeit des deutschen Imperialismus zu verharmlosen.

In der von den Montagsmahnwachen kritisierten Abhängigkeit Deutschlands von der Vormacht USA wird eine bedenkliche Nähe zur äußersten Rechten gesehen, für die die Bundesrepublik nur ein Vasallenstaat der USA sei.

Aus dieser unterstellten Nähe zwischen Rechts und Links speist sich auch der Vorwurf der „Querfront“, der gegenüber den Montagsmahnwachen von verschiedenster Seite erhoben wird (1). Praktische Bedeutung gewinnt dieser Streit regelmäßig bei den Vorbereitungen der jährlichen Proteste vor dem deutschen Luftwaffenstützpunkt Büchel, auf dem US-Atombomben lagern, und vor der US-Air Base Ramstein. Den Verantwortlichen für die Proteste wird von einem Teil der Friedensbewegung regelmäßig der Vorwurf gemacht, sich zu stark auf die von den US-Truppen ausgehenden Gefahren zu konzentrieren und dabei die Rolle Deutschlands zu verharmlosen.

Bei einer Bewertung dieser Kontroversen ist von der heutigen Weltsituation auszugehen. Zu fragen ist, was die Ursachen für die politischen Spannungen sind, die immer wieder zu regionalen Kriegen führen und die das Potential zu einem neuen großen Krieg, zu einem 3. Weltkrieg, in sich tragen. Zu fragen ist danach, wer vor allem für diese Spannungen verantwortlich zeichnet.

Es ist eine Tatsache, dass wir uns weiterhin in einer Phase des Kalten Krieges befinden. 1946/47 hatte er mit der Verkündung des Ziels des „Rollbacks“, der Rückgängigmachung der Erfolge der progressiven und sozialistischen Bewegungen in Osteuropa und in Ostasien, begonnen (2). Für einen kurzen historischen Moment, in den Jahren nach der Zeitenwende 1989/91, schien es zwar so, dass dieser Kalte Krieg mit dem Untergang der Sowjetunion und des von ihr dominierten Staatensystems des europäischen Sozialismus zu Ende gegangen sei.

Man sprach vom Beginn eines neuen „Goldenden Zeitalters“ und erwartete den zügigen Abbau der Hochrüstung nicht allein im Osten sondern auch im Westen.

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Wunderwaffen vor dem Einsatz | KenFM.de

Wunderwaffen vor dem Einsatz | KenFM.de

28-06-18 02:15:00,

Sie können diametral gegensätzliche Positionen nicht vereinen. Sie können nur so tun und das ist es, was die Herrschenden tun, so tun als ob es keine Interessengegensätze gäbe. Die Politik der herrschenden Klasse ist rechte Politik. Dieses gilt es der Gefolgschaft von rechts zu verdeutlichen, daß sie gegen die eigenen Interessen operiert.

Dazu noch Herr Mausfeld:

NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Die Links-Rechts-Demagogie. Ein Interview mit Rainer Mausfeld.
Datum: 5. August 2016

Wie kann man sich vor solchen Manipulationen und vor Indoktrination schützen?

Das war gerade eine der zentralen Fragen der Aufklärung. Diese hat hierzu einen reichen
Werkzeugkasten zur Denkmethodologie und zu Instrumenten der Ideologiekritik bereitgestellt.

Hierzu gehört, politische und gesellschaftliche Fragen, mit denen man konfrontiert ist, zunächst
daraufhin zu untersuchen, woher die Frage eigentlich kommt, welche Interessengruppen sie
formuliert haben und welche ideologischen Prämissen bereits in der Formulierung der Frage
enthalten sind. Denn schon die Begriffe, in denen Fragen formuliert sind, enthalten ein ganzes
Bündel von unausgesprochenen Vorannahmen, Prämissen und Konsequenzen, die es sorgfältig
aufzuschnüren gilt, bevor man prüft, wie eine Antwort aussehen könnte. Die Förderung dieser
Anleitung zum „Selberdenken“ und „Richtigdenken“ lag im Zentrum der Bemühungen der
Aufklärung, aus „vernunftbegabten vernünftige Menschen“, also mündige Bürger zu machen.

Dieser mühsam gewonnene Werkzeugkasten des kritischen Denkens wird jedoch in den
wesentlichen politischen Sozialisationsinstanzen unserer Gesellschaft, also in Schulen und
Universitäten, nicht tradiert. Das ist wenig überraschend. Denn ein solches Denken läuft stets auf
eine Machtkritik hinaus und könnte damit den Status der jeweiligen Machteliten gefährden. Folglich
sind nicht nur Medien, sondern zunehmend auch das gesamte Erziehungs- und Ausbildungswesen
zu zentralen Indoktrinationsinstanzen geworden, in denen vor allem Konformität gefördert und
belohnt wird.

Können Sie an einem konkreten Beispiel aufzeigen, wo und wie in wichtigen
gesellschaftlichen Fragen kritische ideologische Prämissen versteckt sind, die es bei der
Mediennutzung aufzudecken gilt?

Der gesamte Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik ist im Gefolge des Neoliberalismus dermaßen
verseucht durch eine Orwellsche Umdeutung nahezu aller relevanten Begriffe, dass man ein ganzes
„Falschwörterbuch“ benötigte,

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Propaganda-Weltmeisterschaft

Propaganda-Weltmeisterschaft

28-06-18 02:12:00,

Erst vor wenigen Tagen habe ich an dieser Stelle den geschätzten „Welt“-Redakteur Richard Herzinger ermahnt (1), in seinem heroischen und ohne jeden Zweifel berechtigten Kampf gegen das despotische Putin-Regime kühlen Kopf zu bewahren, also taktische Fehler zu vermeiden und nicht übers Ziel hinauszuschießen.

Es versteht sich von selbst, dass ich in meinen gut gemeinten Rat stillschweigend auch manch übereifrigen Kollegen Herzingers eingeschlossen habe. Ungestümes Vorpreschen, unkontrollierte Distanzschüsse, Stürmerfouls – das alles schadet der westlichen Sache und wird vom abgezockten Kreml-Kollektiv gnadenlos ausgenutzt.

Nehmen wir Julian Röpcke, Herzingers Mitstreiter bei Springers „Bild“. Am 26. Juni, während ich mit meiner Tochter und ihren Freunden einen turbulenten siebten Kindergeburtstag feierte, twitterte der stets übermotivierte Röpcke Folgendes:

„Wieder hat die Ukraine einen Informationskrieger des Kreml abgestraft. Wieder wird das Putin-Regime „Aber Meinungsfreiheit!“ brüllen. Wieder ist die ukrainische Entscheidung 100% richtig.“

Der Hintergrund: Die Ukraine hatte der RT-Korrespondentin Paula Slier (2) die Einreise verweigert. Die Informationskriegerin des Kreml wollte aus Kiew über eine OSZE-Medienkonferenz zum Thema Pressefreiheit berichten, durfte aber nicht. Röpcke findet das prima.

So weit, so gut. Selbstverständlich hat Röpcke vollkommen Recht, wenn er RT als Waffe im tobenden Informationskrieg wahrnimmt und sich weigert, die nicht enden wollenden Propaganda- und Desinformationskampagnen dieses Senders als „Journalismus“ durchgehen zu lassen. Insofern liegen alle Vorwürfe, Röpcke wolle die Meinungs- oder Medienfreiheit knebeln, weit neben der Sache. Darauf brauchen wir nicht näher einzugehen.

Doch aufgepasst! Röpcke ist nicht gerade für technische Feinheiten oder sonderlichen Spielwitz bekannt. Er schießt bedenkenlos aus jeder Lage, hält einfach mal drauf. Immer nach dem Motto: „Vielleicht geht das Ding ja rein!“

Was im Fußball aller Ehren wert ist und von den Fernsehkommentatoren in der Regel mit einem anerkennenden „Warum nicht!?“ belobigt wird, ist jedoch im Journalismus eine zweischneidige Sache.

So hat Röpcke seine Attacke auf die Informationskriegerin Paula Slier geritten, ohne zu erwägen – und vermutlich auch ohne zu wissen –, dass sie Jüdin ist. Slier zählt Israel sogar zu ihren „Lieblingsländern“. Ja, sie berichtet von dort! Immerhin leitet sie das Mittelost-Büro ihres Senders.

So schwer mir dieses Eingeständnis fällt: Ich kann auch bei schlechtestem Willen in der Israel-Berichterstattung Paula Sliers keine tiefgreifenden Unterschiede etwa zur Arbeit der ARD-Korrespondentin Susanne Glass erkennen. Ich glaube, ehrlich gesagt, auch nicht,

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Vergiftetes Erbe

Vergiftetes Erbe

28-06-18 02:11:00,

Kennen Sie den Juden Robert Emil Weichselbaum? Nein? Das ist nicht weiter verwunderlich. Dieser Jude war nämlich nie einer. Was die Nationalsozialisten in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts aber nicht weiter interessierte. Ihre absurden Rassengesetze konstruierten sich Juden, wo und wie es ihnen gefiel. Und weil der Vater des kleinen Robert Ignatz Weichselbaum hieß und in der Tat mosaischen Glaubens war, wurde aus dem Münchner Buben mit einer evangelischen Mutter ein Jude. Punkt.

Mit Sicherheit kennen Sie aber Robert Emil Lembke. Sie kennen ihn nicht als Juden, sondern als „Rateonkel“. Sie kennen seine Sendung, seine „Schweinderl“ und seine Fragen. Sie wissen vielleicht auch, aber sicherlich eher weniger, dass er, nachdem er die Kriegsjahre in diversen Verstecken überlebt hatte, beim Aufbau der „Neuen Zeitung“ – heute bekannt als „Süddeutsche Zeitung“ – tätig war. Zusammen mit Erich Kästner, Hans Habe und Stefan Heym.

Was Sie vielleicht schon wieder wissen ist, dass er ab 1949 zum Bayerischen Rundfunk wechselte. Dort arbeitete er als Hörfunkchef, als stellvertretender Chefredakteur und Leiter der Nachrichtenabteilung. Beim „Wunder von Bern“, der Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz, assistierte er Herbert Zimmermann.

1956 wurde er Chefredakteur des BR, 1969 Geschäftsführer des Deutschen Olympiazentrums und er war für die Rundfunk- und Fernsehübertragungen bei den Olympischen Spielen 1972 in München verantwortlich. Danach kamen noch andere Funktionen hinzu, aber das Jahr 1972 ist durchaus wichtig für die Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte. Ich wurde in diesem Jahr geboren. Drei Tage nach der Eröffnung der Olympischen Spiele.

Falls Sie sich wundern, warum ich mich für einen Nichtjuden mittlerer Statur, mit kahlem Kopf, in braven, meist in unauffälligen Brauntönen gehaltenen Anzügen interessiere, der panzerglasdicke Brillengläser brauchte, weil er sonst blind wie ein Maulwurf war, der ein Faible für hysterische Foxterrier hatte und das Image eines unpolitischen Urmünchners pflegte, der das Gestern genauso verschwieg wie alle anderen Deutschen, die sich durch die „Stunde Null“ in eine heile Welt entlassen sahen: Der kleine Mann war mein Großvater. Und ihm verdanke ich auch meinen Viertnamen: Olympia.

Ich weiß nicht allzu viel von diesem Mann. Er war vielbeschäftigt mit allen möglichen Dingen. Und ich mit meiner grenzenlosen Liebe zu ihm. Was wir immer schon teilten, war eine tiefe Zuneigung zu Büchern, zu Sprachen und zu Schweizerschokolade.

Was uns beide aber weit mehr eint,

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Die Lust am Untergang

Die Lust am Untergang

28-06-18 02:07:00,

Woran liegt es, dass sich die meisten Menschen empört abwenden, wenn man das Wüten unserer Spezies auf diesem Planeten dem Wirken eines Krebsgeschwürs gleichsetzt? Ist dieser Vergleich angesichts des ökologischen Desasters, das wir zu verantworten haben, so abwegig? Vielleicht würde das gigantische Heer der „Unschuldigen“ zur gleichen Einsicht kommen, wenn man ihnen eine Computersimulation zeigte, in der die letzten 130 Jahre, also die Zeit, in der das Industriezeitalter ökologisch voll zu Buche schlug, durch den Zeitraffer gejagt und auf eine Stunde verdichtet werden würde.

Angenommen wir starteten 1887 vor der amerikanischen Westküste in eine Umlaufbahn um die Erde. Pusteln hätten sich entlang der Pazifikküste gebildet, die an der Ostküste bereits zu bedenklichem Ausschlag herangewachsen wären. Nach der Atlantiküberquerung stellten wir fest, dass ganz Europa davon befallen wäre: Städte, die wie Metastasen ins Land greifen. Schmutzige Schlieren ergössen sich in Flüsse und Meere.

Unterdessen schrumpften die gigantischen Waldflächen in sich zusammen und machten braunen Wüsten Platz. Ein immer dichter werdendes Netz von Straßen und Schienen legte sich um den Globus, ganze Kontinente verschwänden unter einem diffusen Grauschleier. Endlich an den Ausgangspunkt zurückgekehrt, stellten wir fest, dass die Erde zu einer Geschwulst verfault wäre, die von den Rauchschwaden unserer Brandschatzungen vielerorts gnädig verdeckt werden würde.

Der Astronaut John Glenn zählte bereits 1962 allein im Amazonasgebiet 800 solcher Brandherde. In der Zeit in der Sie diesen Artikel lesen, verschwinden durch Brandrodung oder industrielles Clearcutting Urwälder von der Bildfläche, welche ein Gebiet so groß wie München bedeckt hielten. Und mit ihnen verschwinden unzählige Populationen für immer von dieser Erde, die eigentlich als unser aller Heimatplanet gedacht war. So geht es weiter, Tag für Tag, ad finitum.

Wie geht man nun mit einer Spezies um, die sich derart blind in den kollektiven Untergang wühlt und dabei alles andere Leben aus dem Gleichgewicht reißt?

Lässt man sie gewähren oder versucht man sie mit Gewalt daran zu hindern, ihren tödlichen Wahn auszuleben? Die Ökodiktatur wäre so ein Hinderungsversuch. Man möchte sie sich fast wünschen.

Wenn der Club of Rome davon spricht, die Demokratien seien in ihrer heutigen Form kaum geeignet, den anstehenden Herausforderungen gerecht zu werden, hat er sicher auch folgendes gemeint: Trotz des erreichten einzigartigen Wohlstands in den Industrieländern, ist das Heer der Besitzlosen auf diesem Planeten heute zahlenmäßig größer als die gesamte Weltbevölkerung vor hundert Jahren.

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Die Menschenhandel-WM

Die Menschenhandel-WM

27-06-18 06:34:00,

In vielen der nationalen Ligen des Profi- und Amateurfußballs sind Spielertransfers gang und gäbe. Während einige der Öffentlichkeit recht schnell bekanntgegeben werden, halten sich andere Vereinswechsel von Fußballspielern oftmals noch als Gerücht oder die Geschäfte befinden sich noch in Verhandlungen.

Ein Jahr gleicht dem nächsten: Der Transfermarkt im Fußball brodelt immerzu. An manchen Tagen überschlagen sich sogar die Meldungen. Die Sportberichterstatter nehmen täglich neue irrationale Zahlen in den Mund und dennoch machen sich nur die wenigsten Beobachter über deren Bedeutung irgendwelche Gedanken.

Im Sommer 2017 wechselte der brasilianische Fußballnationalspieler Neymar vom spanischen Fußballverein FC Barcelona zum französischen Proficlub Paris St. Germain. Dieser Spielerwechsel löste ein gigantisches Medieninteresse aus, da Neymar für einen Preis von 222 Millionen Euro gewechselt ist.

Eine derartige Geldsumme floss nie zuvor zwischen zwei Fußballvereinen und lässt sich daher kaum mit der Vorstellung verknüpfen, dass ein Mensch allein aufgrund seiner Fertigkeiten einen solchen Geldwert besitzt.

Bereits zuvor hatte es Spielertransfers in Höhe von 100 Millionen Euro gegeben. Der walisische Fußballnationalspieler Gareth Bale war im Sommer des Jahres 2013 für mehr als 100 Millionen Euro von den Tottenham Hotspurs (England) zu Real Madrid (Spanien) gewechselt. Das war damals der teuerste Spielertransfer weltweit.

Drei Jahre später wurde dieser Rekord durch den französischen Nationalspieler Paul Pogba abgelöst. Er war für die Ablösesumme von 105 Millionen Euro von Juventus Turin (Italien) zu Manchester United (England) zurückgekehrt.

Ein Fußballspieler, der die Fähigkeit besitzt, einen Ball sehr gut zu dribbeln, ein ausgewiesen gutes taktisches Verständnis aufweist und für einen Verein zahlreiche Tore schießt, wird also für fast eine Viertelmilliarde Euro verkauft. Der Transfer solcher Geldsummen ist allerdings für manch einen misstrauischen Zeitgenossen unbegreiflich.

Dieser monetäre Wert wird letztlich an ein paar fußballerischen Fertigkeiten festgemacht. Es fehlt dafür jedoch eine einleuchtende Begründung und zugleich ist es obskur, dass der Mensch zu einer geldwerten Ware auf dem fußballerischen Transfermarkt wird.

Im Fußball würde kaum ein Profi, Trainer, Funktionär oder Manager zugeben, dass international mit Menschen gehandelt wird.

Diese Aussage würde schließlich das Fußballgeschäft zerstören. Sie könnte den ruhmreichen Zeiten dieses Sportes ein nahes Ende setzen, wenn die Stimmen der Kritiker lauter werden würden.

Schlussendlich lässt das Spiel mit solch irrealen Geldsummen ein trauriges Geschäft zu, das doch international bekämpft werden sollte.

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Tagesdosis 27.6.2018 – „Wir wollen, dass die Kanzlerin zuckt!“ | KenFM.de

Tagesdosis 27.6.2018 – „Wir wollen, dass die Kanzlerin zuckt!“ | KenFM.de

27-06-18 06:21:00,

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Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Irre, die deutschen Gesellschaftsprofis, sprich Politiker!

Da lädt die Chefin erst einmal dazu ein, alle Menschen, die wollen, herzukommen. Und dann bricht Chaos aus. Zwar erst Jahre später, eigentlich schon zu spät, aber immerhin. Einer wagt den Sturm. Obwohl, erst nachdem sich andere schon längst formiert hatten. Nämlich die AfD. Die Gesellschaft ist gespalten wie noch nie in der BRD. Aber jetzt kommt der Ritter der Heimat an und verlangt ein Tribunal – gegen seine Chefin und für sein Bundesland.

Da kommt dann auch schon ein anderer Ritter zu weißem Roß, ehemals Waffenverkaufs- und Aussenminister Sigmar Gabriel, und stellt sich schützend vor seine ehemalige Kanzlerin. Sind die völlig wahnsinnig?, echauffiert er sich und poltert gleich weiter, dass er als Sozi ja für diese umsichtige Frau sei und dass sie ganz genau wisse, was für Europa und für Deutschland gut sei.

Das Nutten-Prinzip

Ja, was sich wie ein billiger Plot anhört, ist derzeit höchste Politik in diesem Land. Ich kann mit der Frau nicht mehr arbeiten, soll der Heimatminister Seehofer gesagt haben. Spricht aber von Fake News und alle seien doch so verlogen. Er natürlich nicht. Und schon fordert ein Reporter des mitteldeutschen Rundfunks die Chefin zum Rücktritt auf: Räumen Sie das Kanzleramt. Kommt einem wie das Nutten-Prinzip vor: Den Moment der Macht ausspielen, nennt man das Nutten-Prinzip. Ist keine Erfindung von mir. Und schon meldet sich ein Journalistik-Professor dazu zu Wort und wirft ein: Es ist unglaublich, was er, gemeint ist Horst Seehofer, sagt, und wissenschaftlich überhaupt nicht haltbar. Genau das Gegenteil ist der Fall: Der Journalismus bemüht sich ganz intensiv um Faktenchecks. Horst Seehofer befeuert das Misstrauen und die Ängste von etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen, die der Propaganda der Rechten aufsitzen und denken, sie würden permanent manipuliert.

Ach herrjeh, jetzt ist der Heimatminister also auch schon ein Neurechter? Eher ein Altrechter, aber lassen wir das. Seine Chefin ist nach Brüssel gereist und will dort mit den 16 EU-Staaten einen Ausweg aus dem Machtkampf,

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Die Zukunft gehört den Kleinbauern, nicht den Monokulturen (1)

Die Zukunft gehört den Kleinbauern, nicht den Monokulturen (1)

27-06-18 06:18:00,


Miguel A. Altieri / 27. Jun 2018 –

Wer glaubt, grosse Monokultur-Landwirtschaftsbetriebe seien besonders produktiv, liegt falsch. Kleinbauern sind klar produktiver.

(Red./cm) Miguel A. Altieri ist Professor der Agrarökologie an der University of California in Berkeley und Autor zahlreicher Artikel und Bücher über Agrarökologie. Darüber hinaus hilft er, Programme für nachhaltige Landwirtschaft in Lateinamerika und anderen Regionen der Welt mit der UNO und mit engagierten NGO’s zu koordinieren und zu fördern.

Globale Kräfte fordern die Entwicklungsländer heraus, sich selbst ernähren zu können. Viele Länder richten ihre Wirtschaft ökonomisch auf eine kompetitive, exportorientierte Landwirtschaft aus, basierend auf Monokulturen. Man mag argumentieren, dass die landwirtschaftlichen Exporte von Soja aus Brasilien einen beachtlichen Anteil der Wirtschaftsleistung erbringen und so harte Devisen in das Land bringen, um damit andere Güter importieren zu können. Aber diese Art der industriellen Landwirtschaft schafft verschiedene, ökonomische, ökologische und soziale Probleme, wie etwa negativen Einfluss auf die Gesundheit, der Integrität von Ökosystemen, Lebensmittelqualität. In vielen Fällen wird dadurch auch die traditionelle ländliche Existenz durch die beschleunigte Verschuldung von Tausenden Bauern bedroht.

Der wachsende Schub zur industriellen Landwirtschaft und die Globalisierung – mit der Ausrichtung auf den Export der Ernten, auf den Einsatz transgener Pflanzen und der raschen Ausdehnung von Biokraftstoff-Pflanzen (Zuckerrohr, Mais, Soja, Palmöl, Eukalyptus, etc.) – gestalten die Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung weltweit um, mit einem Potential schwerer ökonomischer, sozialer und ökologischer Auswirkungen und Risiken. Und diese Umgestaltung findet mitten in einem sich ändernden Klima statt, das grosse und weitreichende Effekte auf den Ernteertrag ausübt, besonders in den tropischen Regionen der Entwicklungsländer. Die Gefahren sind insbesondere zunehmende Überflutung tieferliegender Regionen, häufigere und heftigere Dürren in Halbtrockengebieten und exzessive Hitzewellen. Alle diese Gefahren können die landwirtschaftliche Produktion limitieren.

Die negativen Folgen überwiegen

Weltweit hat sich die sogenannte Grüne Revolution, trotz Erhöhung der Erträge, als nicht nachhaltig erwiesen, da sie die Umwelt zerstört, einen dramatischen Verlust an Biodiversität nach sich zieht, weil dabei traditionelles Wissen verlorengeht und reiche Bauern zwar profitieren, aber viele arme Bauern noch weiter in die Verschuldung getrieben werden (1). Die institutionenübergreifende «Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika» (AGRA) scheint geradezu programmiert dazu zu sein, die tragischen Fehler zu wiederholen, die düngerabhängige Wundersamen bereits angerichtet haben, und – wie schon in Lateinamerika und Asien – die wachsende Abhängigkeit von ausländischen Investitionen und patentgeschützten Pflanzenvarietäten,

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Dem Lebendigen dienen

Dem Lebendigen dienen

27-06-18 11:55:00,

Anfang Mai, als die halbe Welt den 200. Geburtstag von Karl Marx feierte, fiel mir eine Geschichte aus meiner Studienzeit ein. Es ging um eine Prüfung in Industriesoziologie.

Damals hatte die Einführung von computergesteuerten Maschinen in den Kernsektoren der Industrie ein neues Anforderungsprofil für Fabrikarbeiter nötig gemacht. Die tayloristische Arbeitsweise wurde zunehmend ersetzt, unter anderem durch Gruppenarbeit, Job-Rotation (vielseitige Einsetzbarkeit) Lean Production und Delegation von Verantwortung. Der Arbeitgeberverband „Gesamtmetall“ drückte es damals so aus: „Gefragt ist jetzt die autonom agierende Arbeitnehmerpersönlichkeit, die nicht mehr Rädchen im Getriebe, sondern mündiges Subjekt sein will.“ Meine Prüfungsaufgabe bestand darin, eine These meines Professors zu widerlegen. Er behauptete, die neuen, partizipativen Arbeitsbedingungen in der Industrie stellten „eine teilweise Aufhebung der Selbstentfremdung nach Marx“ dar.

Ich weiß bis heute nicht, was den Professor bewog, diese These zu vertreten. Für mich war sie der Versuch, etwas quantifizieren zu wollen, was sich der Quantifizierbarkeit grundsätzlich entzieht. Wie etwa die Behauptung, teilweise schwanger zu sein, oder die Forderung nach einem „bisschen Frieden“. Die Sache erschien mir von derselben Logik, mit der ein Bauer Rinder in freier Wildbahn dazu überreden will, als Nutztiere in seinen Stall überzusiedeln. Wobei er ihnen im Gegenzug eine „artgerechte Haltung“ anbietet.

Für mich war die Prüfung jedoch ein großes Glück. Denn durch sie habe ich die Marx’sche Entfremdungstheorie kennengelernt. Sie hat nicht nur mein bisheriges Bild von Marx über den Haufen geworfen. Sie war für mich genau das, was eine gute Theorie ausmacht: eine Möglichkeit, klarer zu sehen. Marx‘ radikal humanistisches Denken, das sein Menschenbild und seine Konzeption von Arbeit prägt, ist für mich seitdem eine Quelle der Inspiration und ein „Heilmittel gegen Resignation“. Sein dialektisches Denken stellt so etwas wie eine „Methode der Bewusstmachung“ dar. Heutige Techniken des Meinungsmanagements beispielsweise − wie die Fragmentierung von Fakten – lassen sich so leichter durchschauen.

Um Marx‘ Entfremdungstheorie richtig zu verstehen, muss man seine Art, dialektisch zu denken, verstehen (1). Anders als beim linear-analytischen, quantifizierenden Denken, wird die Welt hier nicht getrennt. Sie bleibt heil. An die Stelle einer Subjekt-Objekt-Spaltung tritt das „Verständnis des Zusammenhangs“ (2).

Jedes Einzelphänomen kann nur richtig verstanden werden, wenn es wieder in den Zusammenhang des Ganzen gestellt wird. Denn mit jeder Grenze, die ich in meiner Wahrnehmung ziehe, verdränge ich die ursprüngliche Einheit der Welt. Ich schaffe Unbewusstheit,

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Willkommen und Abschiebung

Willkommen und Abschiebung

26-06-18 06:46:00,

Der sogenannte „Befreiungskampf gegen illegale Einwanderung“ hat das Potential, Regierungen zu stürzen, Europa zu sprengen und Faschismus zu mobilisieren. Nicht nur in Ungarn, wo sich fast drei Viertel der Wähler zu Kämpfern erhoben haben. Wer sich in Deutschland an der Basis umhört, gerade auch unter Gewerkschaftern, der könnte – wie der Soziologe Klaus Dörre – zu dem fassungslos machenden Schluss kommen: Der Faschismus ist nicht mehr aufhaltbar. Und morgen gehört ihnen Europa? Die „Glitzerdemo“ gegen Hass und Gewalt jüngst in Berlin war ein fröhliches, aber energisches Stoppsignal. Die Revierverteidigung bleibt dennoch offen.

Man muss miteinander reden, heißt es allenthalben. Also reden wir. Die Vertreter von Willkommen und Abschiebung. Die Unterscheidung ist unscharf. Allein die Wortwahl – wegschieben, Schneeschieben, Menschenschieben. Der eher dem Abschottungslager zuzurechnende Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz schrieb 2016 im Cicero:

„Dass Menschen aufgezwungene Veränderungen nicht wollen, dass sie Parallelgesellschaften ablehnen, dass sie kulturelle und religiöse Konflikte nicht wünschen, ist weder fremdenfeindlich oder rechtsradikal, noch rückschrittlich, sondern ihr gutes Recht.“

Natürlich sind mit dem Aufeinandertreffen fremder Kulturen Konflikte verbunden, wer sie nicht selbst erlebt, wird über die Medien reichlich damit versorgt.

Wofür Medien (und Psychologen) weniger sensibilisieren ist, sich in diejenigen zu versetzen, denen seit vielen Generationen – von Wohlstandsmenschen wie uns – brutale Veränderungen ihrer gewohnten Lebensweise aufgezwungen werden. Die Parallelgesellschaften der übelsten Art ertragen mussten und weiterhin müssen: als Sklaven, als Kolonialisierte, als Missionierte, als Opfer imperialer Putsche und des Terrors kapitaler Ökonomie und auch noch des Krieges gegen den Terror.

Der Trugschluss, ein kleiner Teil der Welt könne unbeschwert in Luxus leben, während der Großteil dafür in Armut und militanten Konflikten versinkt, könnte gerade darauf beruhen, dass wir nicht wünschen, diesen Missstand als „kulturellen Konflikt“ wahrzunehmen.

Auch religiöse Konflikte mögen wir gar nicht. Wir finden es bedauerlich, wenn westliche Länder die Bewohner islamischer in ungezählten Kriegen mit Erniedrigung, Leid, Raub, Chaos und so genährtem Fundamentalismus geradezu geflutet haben. Aber es gab keine Alternative zum Schutz unserer und ihrer Sicherheit. Und was ist der Dank? Jetzt wird der Hindukusch auch in Deutschland verteidigt.

„Wir wollen unsere abendländische und christliche Kultur bewahren“ – hält die AfD dagegen. Der Mythos vom Abendland war auch den Nazis willkommen, als Abgrenzung gegen den jüdischen Bolschewismus und alles Fremde. Und nun richtet sich das Geschütz gegen die „islamische Überflutung“.

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Tagesdosis 26.6.2018 – Wandel durch Annährung | KenFM.de

Tagesdosis 26.6.2018 – Wandel durch Annährung | KenFM.de

26-06-18 06:31:00,

Nun, vielleicht hätten „die“ Russen beim Bau der Krimbrücke, auf die Erfahrung des deutschen Ingenieurwesen vom BER oder Stuttgart 21 zurückgreifen können.
Aufgrund widriger Umstände ist dieser Kelch aber an ihnen vorüber gegangen.
(Entschuldigung für die Garstigkeit.)

Zur Furcht vor dem Atomtod und darauf läuft’s hinaus, wenn Atommächte sich direkt konfrontieren, zum Einstieg was Auflockerndes:

Guter oder böser Atomkrieg, wer hat die Deutungshoheit
8. März 2016

Prison-Planet-Earth: Natürlich ist uns allen, nach Beendigung des kalten Krieges längst klar geworden, dass wir gar nicht ohne FeindBILD existieren können. Letzteres ist so essentiell wie das neuste Smartphone, man kann einfach nicht darauf verzichten. Das wissen auch unsere Medien, denn dort könnten keine Horrorgeschichten gesponnen und auch keine Ängste mehr geschürt werden, müssten wir auf einen gut inszenierten Feind verzichten. Wer sollte sich da übrigens besser eignen als der neue|alte Feind-Klassiker „Russland„, aktuell unter der Knute des gefürchteten wie bärigen Despoten, Waldimir Schurkin dem Schrecklichen?

Im Großen und Ganzen ist damit eigentlich schon alles gesagt. Dass der Atomkrieg von allen Atommächten auch geübt werden muss versteht sich von alleine. Nichts wäre peinlicher, als einen Atomkrieg zu beginnen oder beenden zu wollen und es nicht zu können. Inzwischen ist ja die atomare Selbstvernichtung der Menschheit nahezu eine Selbstverständlichkeit, der wir jeden Morgen bereits beim aufstehen lächelnd entgegensehen. Wenn also Russland daherkommt und einen extravaganten Test von Atomraketen ankündigt, sowie hier: Russland plant riskantes Manöver • U-Boot soll Salve von Atomraketen abfeuern … [LOCUS], dann ist das ein großer Frevel und natürlich eine riesige Bedrohung für die westlichen Zivilisation der Friedfertigen. Das dort unter Umständen nur der Zweitschlag geübt wurde ist natürlich außerhalb jeder Vorstellungsreichweite, denn dann müsste ja wer anderes der Aggressor sein. Um es also vorweg zu nehmen Russland ist böse.

Wenn nun unsere besten Kumpels, die USA vergleichbare Tests machen, dann ist das ganz natürlich, überhaupt nicht bösartig und lediglich ein Signal: USA testen Rakete – klares Zeichen an Moskau und Peking … [SpeiGel auf Linie]. Das bedeutet also, wenn zwei unterschiedliche Parteien dasselbe tun, ist es auf der einen Seite Frieden schaffen und auf der andern Seite bedrohliche Provokation. Interessanterweise geht diese Nummer immer irgendwie wechselseitig.
Bemerkenswert dabei ist der Zungenschlag in dem Focus-Artikel. Man könnte fast meinen er habe propagandistische Züge.

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