Jenseits aller Moral

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21-08-19 09:16:00,

von Peter König

Stellen Sie sich einmal kurz vor, die Welt würde sich gemeinsam erheben — sie hätte endlich genug von der aggressiven Killer-Arroganz der USA und ihrer Vasallen sowie deren gemeinsamer Kriegsmacht, der NATO. Stellen Sie sich weiter vor, diese Welt — unsere Welt, ohne Washington und seine Brüsseler Alliierten — würde auf einen Schlag alle Lieferungen für die USA blockieren; jeden Hafen, Flughafen, alle Zufahrten. Hermetisch abriegeln — es würde nichts mehr eingeführt werden. Nichts. Keine Lebensmittel, keine Medikamente, keine Elektronik, keine Autos — rein gar nichts. Und nichts könnte das Land verlassen. Keine Exporte, kein Treibstoff, kein Getreide, kein Fleisch, keine Arzneimittel und — vor allem — keine Waffen. Gar nichts.

Und jetzt denken Sie einen Schritt weiter und stellen Sie sich genau dasselbe für Israel vor, eine totale und vollkommene Blockade Israels — auch hier würde nichts eingeführt werden: keine Lebensmittel, kein Treibstoff, keine Medikamente, keine Maschinen und vor allem keine Waffen; und nichts würde das Land verlassen — eine totale und vollkommene Blockade.

Natürlich wäre dies absolut illegal — nach dem Völkerrecht, nach den Standards der UN-Charta, nach Menschenrechtsnormen und -verordnungen und nach jeglichen ethischen Werten menschlicher Moral illegal und unakzeptabel. Oder nicht? — Und trotzdem ist dies genau das, was diese Länder tun, jahrzehntelang bis heute getan haben: Sanktionen aufzuerlegen, um ganze Völker zu strangulieren und zu ermorden — bis in den Tod oder in die Unterwerfung. Die USA haben dies mit Kuba getan, Israel mit Palästina. Und der Zwang und die Unterdrückung gehen unvermindert weiter.

Das längste Embargo — illegal, unmenschlich und durch und durch kriminell — währte 60 Jahre und wurde von Washington gegen Kuba verhängt. Weil Kuba den Sozialismus als Staats- und Regierungsform gewählt hat. Kuba hat überlebt und wird sich dem Tyrannen aus dem Norden niemals ergeben.

Die USA erweitern nun ihr Repertoire an straffreien Tötungsmethoden, um eine Nation nach der andern zu beherrschen und zu unterjochen — Nationen, die sich ihrer Meinung nach nicht in ausreichendem Maße dem Diktat ihrer Herren unterwerfen. Venezuela wird seit zwei Jahrzehnten bekämpft — seit Präsident Hugo Chavez 1998 demokratisch gewählt wurde. Dasselbe gilt für den Iran, seit vor genau vierzig Jahren der von den USA eingesetzte Schah 1979 während Irans islamischer Revolution abgesetzt wurde. Sowohl Venezuela als auch der Iran verfügen über große Rohstoffvorkommen — vor allem Erdöl,

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Unter aller Augen | KenFM.de

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07-08-19 09:22:00,

Das Töten in Gaza geht weiter, doch Politik, Medien und Öffentlichkeit lassen die israelischen Mörder gewähren.

Von Anette Groth.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

Im Juli 2014 begann der letzte Krieg gegen Gaza, aber der „stille“ Krieg hat nie aufgehört. Zum siebzigsten Jahrestag der Vertreibung der Palästinenser im Jahr 1948 riefen palästinensische Aktivisten und Aktivistinnen zum „Großen Marsch der Rückkehr“ auf, um die Welt auf ihre katastrophale Situation aufmerksam zu machen. Seit März 2018 protestieren jeden Freitag Tausende Menschen in Gaza für ihr Rückkehrrecht, gegen die völkerrechtswidrige Blockade und gegen die zunehmende Verelendung, weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit. Viele Demonstranten wurden gezielt von israelischen Scharfschützen erschossen, Tausende verletzt, viele gezielt zu Krüppeln geschossen. Trotz dieses Tötens und der verheerenden Menschenrechtsverletzungen gibt es nur wenig Protest von der internationalen Gemeinschaft, im Gegenteil, die militärische Kooperation mit Israel blüht, auch in Deutschland.

Nach dem letzten Krieg gegen Gaza im Juli vor fünf Jahren hat der „stille“ Krieg nie aufgehört. Am 17. Juli veröffentlichte das Palästinensische Zentrum für Menschenrechte (PCHR) einen Hilferuf, um auf die katastrophale Lage der medizinischen Versorgung in Gaza aufmerksam zu machen. Aufgrund der Blockade und der hohen Zahl der Verletzten hat der Mangel an Medikamenten und anderen medizinischen Hilfsmitteln einen neuen Höhepunkt erreicht, sodass viele Patienten nicht mehr versorgt werden können. Laut dem Gesundheitsministerium in Gaza stehen den Ärzten nur 25 von insgesamt 65 Krebsmitteln zur Verfügung, sodass viele Krebskranke gar nicht behandelt werden können.

Darüber hinaus gibt es einen akuten Mangel an Medikamenten zur Behandlung von Dialyse-Patienten, wodurch das Leben von 1.000 chronisch Nierenkranken gefährdet ist. PCHR appelliert darum an die Palästinensische Autonomiebehörde, die dringend benötigten Medikamente zur Verfügung zu stellen. Derzeit liefert das palästinensische Gesundheitsministerium in Ramallah nur 10 bis 15 Prozent der Medikamente und medizinisches Material nach Gaza, wobei dem Gazastreifen gemäß einer Vereinbarung zwischen Fatah und Hamas aber 40 Prozent zustände.

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Die Mutter aller Kriegsverbrechen

Die Mutter aller Kriegsverbrechen

12-10-18 10:09:00,

Haben die USA 1945 zwei Atombomben auf Japan abgeworfen, weil sie den Zweiten Weltkrieg möglichst schnell beenden und so viele Menschenleben wie möglich retten wollten? „So habe ich es in der Schule gelernt“, sagt Dirk Pohlmann zu Beginn seines Vortrages in Hannover-Langenhagen. Auch in der Wikipedia finden sich diese US-Rechtfertigungen bis heute. „Doch diese Begründungen sind falsch“, betont Pohlmann. Er bezeichnet sie sogar als „Mythos“.

Der Journalist, der zahlreiche TV-Dokumentationen für ARD, ZDF und Arte drehte, hat eine andere Erklärung für die Atombombenabwürfe, die auf deutlich weniger Humanität und mehr machtstrategischen Zynismus bei den damaligen US-Verantwortlichen schließen lassen. „Die Bomben wurden nicht aus militärischen Gründen abgeworfen, sondern zu Testzwecken.“

Der 59-Jährige hat sich lange mit den Atombombenabwürfen beschäftigt. Das liegt auch daran, dass er als Student in Mainz das Glück hatte, mit Helmut Erlinghagen einen der wenigen europäischen Zeugen und Überlebenden von Hiroshima kennenzulernen (1). Erlinghagen wurde von seinen Eltern in den 1930er Jahren als Jesuitenschüler nach Japan geschickt und befand sich am 6. August 1945 in einem Kloster in Hiroshima, erzählt Pohlmann. In den 1970er Jahren kehrte Erlinghagen nach Deutschland zurück und lehrte Philosophie in Mainz.

Pohlmann interviewte seinen Professor mehrmals zu dem Thema und freundete sich mit ihm an. „Es war unglaublich, was Erlinghagen beschrieb“, erinnert sich der Journalist. Opfern konnte man die Haut wie einen Handschuh abziehen, wenn man ihnen die Hand gab, hatte Erlinghagen berichtet. Frauen, die von der Explosion erblindet waren, zogen klagend in einer Reihe Hand auf Schulter durch die Trümmer. Kinder irrten durch die Ruinenlandschaft auf der Suche nach ihren Eltern.

Das Kloster am Stadtrand war als eines der wenigen massiv gebauten Gebäude stehengeblieben. Die meisten Häuser Hiroshimas waren hingegen in leichter Holzbauweise konstruiert und wurden beim Bombenabwurf komplett zerstört. Viele Überlebende kamen ins Kloster und hofften auf Hilfe. Doch mehr als Beistand konnten die Jesuiten nicht leisten.

40.000 Menschen nahe dem Detonationszentrum waren sofort gestorben, die meisten von ihnen verdampften in der ungeheuren Hitze der atomaren Explosion. 80.000 weitere Menschen starben in der Folgezeit an den Strahlenwirkungen. Auch Helmut Erlinghagen hatte mit den Folgen zu kämpfen: Er entwickelte eine Immunschwäche und starb 1994.

90 Prozent der Todesopfer in Hiroshima waren Frauen und Kinder, sagte Pohlmann. Dies allein spricht schon dagegen, dass hier ein militärisches Ziel angegriffen wurde.

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