Die größte Filterblase aller Zeiten

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26-02-20 01:41:00,

Medien verlassen sich in ihrer Berichterstattung zum großen Teil auf einige wenige international tätige Nachrichtenagenturen aus New York, London, Paris und Hamburg, deren politische Unabhängigkeit in Frage steht. Alternative Sichtweisen aus Moskau oder Peking kommen kaum vor. Journalisten, die diese Blickwinkel dennoch berücksichtigen, werden scharf kritisiert.

PAUL SCHREYER, 26. Februar 2020, 1 Kommentar

Als die Berliner Zeitung jüngst, unter neuer Führung, damit begann, auch Meldungen der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass und der chinesischen Agentur Xinhua in ihren Berichten wiederzugeben, stieß das auf heftige Kritik. Die Spiegel-Journalistin Ulrike Simon schrieb empört von „Staatspropaganda direkt aus dem Kreml“.

Die russische Nachrichtenagentur würde „als normale Quelle behandelt, gleichwertig mit dpa und Reuters“, was „verstörend“ sei, da in Ländern wie Russland oder China demokratische Prinzipien so wenig gelten würden wie freie Presse. Erschwerend käme hinzu, dass die Berliner Zeitung die russische Nachrichtenagentur ausgerechnet bei einem Bericht über Syrien als Quelle verwendet habe.

Wenige Tage später zog die WELT mit ähnlicher Kritik nach. Das Vorgehen der Berliner Zeitung sorge „für Irritationen in der Branche“, so das zum Springer-Konzern gehörende Blatt:

„Neben unabhängigen Quellen wie der ‘New York Times’ oder der britischen Nachrichtenagentur Reuters werden dabei auch Quellen erfasst, die in Verbindung mit autoritären Regierungen stehen und deren Sicht in vermeintlich objektiver Form wiedergeben.“

Der Herausgeber der Berliner Zeitung, Michael Maier, konterte, es sei den Lesern „zumutbar, eine möglichst große Vielfalt von Quellen präsentiert zu bekommen“:

„Hier geht es nicht darum, ob der Journalist die russische Regierung nett findet oder nicht, sondern ob er verlässlich erfährt, welche Position die russische oder die chinesische Regierung offiziell zu einem Thema vertritt.“

Die lautstarke Kritik am neuen Vorgehen der Berliner Zeitung steht beispielhaft für eine unter Journalisten verbreitete Einschätzung: Demnach arbeiten „bei uns“ im Westen vor allem freie, unabhängige und um Objektivität bemühte Medien – im undemokratischen Osten hingegen dominiere autoritär gelenkte Propaganda, die man, gerade als Journalist, tunlichst zu meiden habe.

Aus dieser pauschalen Einschätzung ergeben sich jedoch Probleme, gerade bei der Berichterstattung zu internationalen Konflikten, wie dem Krieg in Syrien.

Ein Beispiel: Laut eines 2018 veröffentlichten Gutachtens des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages war Russlands Kriegseinsatz in Syrien durch das Völkerrecht gedeckt,

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Wie die “Mutter aller Bomben” Afghanistan verseucht hat

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14-02-20 09:13:00,

Achin, Provinz Nangarhar , Afghanistan. Archivbild (2012): Gemischte US-afghanische Patrouille. Pentagon. Gemeinfrei

Die langfristigen Effekte der MOAB im “Waffentestgelände” des US-Militärs

Im April 2017 warf das US-Militär die sogenannte “Mutter aller Bomben” über Afghanistan ab. Die Auswirkungen dieser monströsen Waffe blieben lange im Dunkeln. Doch nun wird immer mehr deutlich, was für einen Schaden die Bombe angerichtet hat – und wie zahlreiche Menschen im Schatten der Ignoranz darunter leiden.

Es war ein kleiner Bericht, der kaum Beachtung fand. Vor wenigen Wochen berichtete der afghanische Lokalsender Kabul News aus dem Distrikt Achin in der östlichen Provinz Nangarhar. 2017 geriet Achin kurzzeitig in die Schlagzeilen. Der Grund: Die afghanische IS-Zelle sowie die “Mutter aller Bomben” (“Massive Ordnance Air Blast oder “MOAB”), die größte nicht-nukleare Bombe des US-Militärs, die in ebenjener Region abgeworfen wurde.

Doch nun berichten Einwohner Achins von mysteriösen Krankheiten, die seit der Detonation der Bombe regelmäßig auftreten und sich mittlerweile stark verbreitet haben. Gegenüber Kabul News sprechen einige Menschen aus Achin von einer “Seuche”, die vor allem Kinder befällt. Genannt werden unter anderem auffällige Hautkrankheiten. (Ausschnitt des Beitrags von Kabul News)

Vor wenigen Wochen berichtete auch der afghanische Mainstream-Sender Tolo News, der eher US-freundlich gesinnt ist, über die Auswirkungen der Bombe in Achin, und zwar auf Mensch und Umwelt. “Nachdem die Bombe hier benutzt wurde, sind viele Krankheiten aufgetaucht. Viele Menschen haben Hautprobleme”, meint etwa Jam Roz, ein Einwohner Achins.

Der afghanische Militäranalyst Atiqullah Amarkhil betont die langfristigen Effekte, die die Bombe auf Menschen hat: “Die Bombe hat Auswirkungen auf die Augen. Betroffene spüren Irritationen im Sehfeld. Hinzu kommen Auswirkungen auf die inneren Organe. Dies wird dann deutlich, wenn man die Luft im Detonationsumfeld einatmet. Des Weiteren sind Auswirkungen auf schwangere Frau und Neugeborene wahrzunehmen.”

Eine weitere Folge sind die massive Zerstörung von Flora und Fauna. Laut den Einwohnern des Distriktes Mohmand Dara, der ebenfalls in der Provinz Nangarhar liegt, sind zahlreiche Ackerflächen aufgrund der Bombe zerstört und können nicht mehr angebaut werden. Berichtet wird auch von vertrockneten Bäumen und Pflanzen sowie von Felsen, die schnell zu Staub zerfallen.

Derartige Berichte sind äußerst besorgniserregend und müssen ernst genommen werden. Die “Mutter aller Bomben” und andere Waffen haben Afghanistan im Laufe der Jahre verseucht und die Lebensgrundlage vieler Menschen zerstört.

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Wie die „Mutter aller Bomben“ Afghanistan verseucht hat

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04-01-20 11:36:00,

Im April 2017 warf das US-Militär die sogenannte „Mutter aller Bomben“ über Afghanistan ab. Die Auswirkungen dieser monströsen Waffe blieben lange im Dunkeln. Doch nun wird immer mehr deutlich, was für einen Schaden die Bombe angerichtet hat – und wie zahlreiche Menschen im Schatten der Ignoranz darunter leiden. Von Emran Feroz aus Kabul und Jalalabad.

Es war ein kleiner Bericht, der kaum Beachtung fand. Vor wenigen Wochen berichtete der afghanische Lokalsender Kabul News aus dem Distrikt Achin in der östlichen Provinz Nangarhar. 2017 geriet Achin kurzzeitig in die Schlagzeilen. Der Grund: Die afghanische IS-Zelle sowie die „Mutter aller Bomben“ („Massive Ordnance Air Blast oder „MOAB“), die größte nicht-nukleare Bombe des US-Militärs, die in ebenjener Region abgeworfen wurde. Doch nun berichten Einwohner Achins von mysteriösen Krankheiten, die seit der Detonation der Bombe regelmäßig auftreten und sich mittlerweile stark verbreitet haben. Gegenüber Kabul News sprechen einige Menschen aus Achin von einer „Seuche“, die vor allem Kinder befällt. Genannt werden unter anderem auffällige Hautkrankheiten.

Vor wenigen Tagen berichtete auch der afghanische Mainstream-Sender Tolo News, der eher US-freundlich gesinnt ist, über die Auswirkungen der Bombe in Achin, und zwar auf Mensch und Umwelt. „Nachdem die Bombe hier benutzt wurde, sind viele Krankheiten aufgetaucht. Viele Menschen haben Hautprobleme“, meint etwa Jam Roz, ein Einwohner Achins. Der afghanische Militäranalyst Atiqullah Amarkhil betont die langfristigen Effekte, die die Bombe auf Menschen hat: „Die Bombe hat Auswirkungen auf die Augen. Betroffene spüren Irritationen im Sehfeld. Hinzu kommen Auswirkungen auf die inneren Organe. Dies wird dann deutlich, wenn man die Luft im Detonationsumfeld einatmet. Des Weiteren sind Auswirkungen auf schwangere Frauen und Neugeborene wahrzunehmen.“

Eine weitere Folge ist die massive Zerstörung von Flora und Fauna. Laut den Einwohnern des Distriktes Mohmand Dara, der ebenfalls in der Provinz Nangarhar liegt, sind zahlreiche Ackerflächen aufgrund der Bombe zerstört und dort könne nichts mehr angebaut werden. Berichtet wird auch von vertrockneten Bäumen und Pflanzen sowie von Felsen, die schnell zu Staub zerfallen. „Derartige Berichte sind äußerst besorgniserregend und müssen ernst genommen werden. Die „Mutter aller Bomben“ und andere Waffen haben Afghanistan im Laufe der Jahre verseucht und die Lebensgrundlage vieler Menschen zerstört. Viele der betroffenen Regionen sind abgelegen und schwer zu erreichen, weshalb es noch lange dauern wird, bis wir uns über alle Folgen bewusst sind“, meint der afghanische Anthropologe Sayed Jalal Shajjan gegenüber den NachDenkSeiten.

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40 Prozent aller «Investments» gehen in Briefkastenfirmen

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25-09-19 09:10:00,

Nicht nur Südseeinseln, auch europäische Länder dienen als günstiger Geldparkplatz. © SRH

Menge und Anteil an Phantomgeld bei den globalen Direktinvestitionen der vergangenen Jahre © Damgaard, Elkjaer, Johannesen

Daniela Gschweng / 25. Sep 2019 –

Zehntausende Milliarden Dollar sind in wenigen Steueroasen geparkt. Produktiv ist dieses Geld nicht, aber günstig.

Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF), der dazu in Zusammenarbeit mit der Universität Kopenhagen eine Analyse durchgeführt hat, sind zwei Fünftel aller globalen Direktinvestitionen «Phantomkapital» und dienen der Steuerflucht.

Um die 15‘000 Milliarden Dollar liegen in «leeren Firmenhüllen ohne Geschäftsaktivität», stellten die Ökonomen Jannick Damgaard, Thomas Elkjaer und Niels Johannesen in einem Artikel in «Finance & Development» fest. Die Forscher haben Daten zu ausländischen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investments, FDI) der vergangenen Jahre analysiert. Eine erschreckende Zahl, wenn man bedenkt, was das bedeutet.

Wenn Geld im Ausland investiert wird, ist das zunächst einmal nicht schlecht. Es fördert Mehrwert und bringt Arbeitsplätze. Dass an dieser Idealvorstellung irgendetwas nicht stimmen kann, legen schon die Zahlen nahe. In Luxemburg, das 600‘000 Einwohner hat, liege so viel ausländisches Investitionskapital wie in den gesamten USA, rechnen Damgaard, Elkjaer und Johannesen vor. Bei vier Billionen Dollar kommen auf jeden Einwohner 6,6 Millionen Dollar – eine riesige Zahl.

Der Grossteil des Phantomkapitals liegt in nur zehn Orten

«Investition» heisst oft schlicht, Geld von einem Firmenteil in einen anderen zu verschieben, als Kredit an eine Tochterfirma in Irland zum Beispiel. Von dort geht es vielleicht auf die Bahamas und liegt dort auf einem Bankkonto einer weiteren Briefkastenfirma. Produktiv sind die Milliarden damit nicht, aber günstig. Im Ursprungsland sind sie aus der Bilanz verschwunden und die Tochterfirma ist eine leere Hülle. Sie hat wenige bis gar keine Angestellten und erwirtschaftet keine Umsätze. Deshalb zahlt sie auch wenig Steuern.

Und dies meist dort, wo Steuern ohnehin günstig sind. Der Grossteil der «Phantominvestitionen» liegt in wenigen Steueroasen, fast die Hälfte davon in Luxemburg und den Niederlanden. Zusammen mit Hong Kong, den britischen Jungferninseln, den Bermudas, Singapur, den Cayman-Inseln, Mauritius, der Schweiz und Irland halten dabei zehn Orte 85 Prozent des globalen Phantomkapitals.

Es geht um Milliarden: Menge und Anteil an Phantomgeld bei den globalen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment,

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Jenseits aller Moral

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21-08-19 09:16:00,

von Peter König

Stellen Sie sich einmal kurz vor, die Welt würde sich gemeinsam erheben — sie hätte endlich genug von der aggressiven Killer-Arroganz der USA und ihrer Vasallen sowie deren gemeinsamer Kriegsmacht, der NATO. Stellen Sie sich weiter vor, diese Welt — unsere Welt, ohne Washington und seine Brüsseler Alliierten — würde auf einen Schlag alle Lieferungen für die USA blockieren; jeden Hafen, Flughafen, alle Zufahrten. Hermetisch abriegeln — es würde nichts mehr eingeführt werden. Nichts. Keine Lebensmittel, keine Medikamente, keine Elektronik, keine Autos — rein gar nichts. Und nichts könnte das Land verlassen. Keine Exporte, kein Treibstoff, kein Getreide, kein Fleisch, keine Arzneimittel und — vor allem — keine Waffen. Gar nichts.

Und jetzt denken Sie einen Schritt weiter und stellen Sie sich genau dasselbe für Israel vor, eine totale und vollkommene Blockade Israels — auch hier würde nichts eingeführt werden: keine Lebensmittel, kein Treibstoff, keine Medikamente, keine Maschinen und vor allem keine Waffen; und nichts würde das Land verlassen — eine totale und vollkommene Blockade.

Natürlich wäre dies absolut illegal — nach dem Völkerrecht, nach den Standards der UN-Charta, nach Menschenrechtsnormen und -verordnungen und nach jeglichen ethischen Werten menschlicher Moral illegal und unakzeptabel. Oder nicht? — Und trotzdem ist dies genau das, was diese Länder tun, jahrzehntelang bis heute getan haben: Sanktionen aufzuerlegen, um ganze Völker zu strangulieren und zu ermorden — bis in den Tod oder in die Unterwerfung. Die USA haben dies mit Kuba getan, Israel mit Palästina. Und der Zwang und die Unterdrückung gehen unvermindert weiter.

Das längste Embargo — illegal, unmenschlich und durch und durch kriminell — währte 60 Jahre und wurde von Washington gegen Kuba verhängt. Weil Kuba den Sozialismus als Staats- und Regierungsform gewählt hat. Kuba hat überlebt und wird sich dem Tyrannen aus dem Norden niemals ergeben.

Die USA erweitern nun ihr Repertoire an straffreien Tötungsmethoden, um eine Nation nach der andern zu beherrschen und zu unterjochen — Nationen, die sich ihrer Meinung nach nicht in ausreichendem Maße dem Diktat ihrer Herren unterwerfen. Venezuela wird seit zwei Jahrzehnten bekämpft — seit Präsident Hugo Chavez 1998 demokratisch gewählt wurde. Dasselbe gilt für den Iran, seit vor genau vierzig Jahren der von den USA eingesetzte Schah 1979 während Irans islamischer Revolution abgesetzt wurde. Sowohl Venezuela als auch der Iran verfügen über große Rohstoffvorkommen — vor allem Erdöl,

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Unter aller Augen | KenFM.de

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07-08-19 09:22:00,

Das Töten in Gaza geht weiter, doch Politik, Medien und Öffentlichkeit lassen die israelischen Mörder gewähren.

Von Anette Groth.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

Im Juli 2014 begann der letzte Krieg gegen Gaza, aber der „stille“ Krieg hat nie aufgehört. Zum siebzigsten Jahrestag der Vertreibung der Palästinenser im Jahr 1948 riefen palästinensische Aktivisten und Aktivistinnen zum „Großen Marsch der Rückkehr“ auf, um die Welt auf ihre katastrophale Situation aufmerksam zu machen. Seit März 2018 protestieren jeden Freitag Tausende Menschen in Gaza für ihr Rückkehrrecht, gegen die völkerrechtswidrige Blockade und gegen die zunehmende Verelendung, weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit. Viele Demonstranten wurden gezielt von israelischen Scharfschützen erschossen, Tausende verletzt, viele gezielt zu Krüppeln geschossen. Trotz dieses Tötens und der verheerenden Menschenrechtsverletzungen gibt es nur wenig Protest von der internationalen Gemeinschaft, im Gegenteil, die militärische Kooperation mit Israel blüht, auch in Deutschland.

Nach dem letzten Krieg gegen Gaza im Juli vor fünf Jahren hat der „stille“ Krieg nie aufgehört. Am 17. Juli veröffentlichte das Palästinensische Zentrum für Menschenrechte (PCHR) einen Hilferuf, um auf die katastrophale Lage der medizinischen Versorgung in Gaza aufmerksam zu machen. Aufgrund der Blockade und der hohen Zahl der Verletzten hat der Mangel an Medikamenten und anderen medizinischen Hilfsmitteln einen neuen Höhepunkt erreicht, sodass viele Patienten nicht mehr versorgt werden können. Laut dem Gesundheitsministerium in Gaza stehen den Ärzten nur 25 von insgesamt 65 Krebsmitteln zur Verfügung, sodass viele Krebskranke gar nicht behandelt werden können.

Darüber hinaus gibt es einen akuten Mangel an Medikamenten zur Behandlung von Dialyse-Patienten, wodurch das Leben von 1.000 chronisch Nierenkranken gefährdet ist. PCHR appelliert darum an die Palästinensische Autonomiebehörde, die dringend benötigten Medikamente zur Verfügung zu stellen. Derzeit liefert das palästinensische Gesundheitsministerium in Ramallah nur 10 bis 15 Prozent der Medikamente und medizinisches Material nach Gaza, wobei dem Gazastreifen gemäß einer Vereinbarung zwischen Fatah und Hamas aber 40 Prozent zustände.

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Die Mutter aller Kriegsverbrechen

Die Mutter aller Kriegsverbrechen

12-10-18 10:09:00,

Haben die USA 1945 zwei Atombomben auf Japan abgeworfen, weil sie den Zweiten Weltkrieg möglichst schnell beenden und so viele Menschenleben wie möglich retten wollten? „So habe ich es in der Schule gelernt“, sagt Dirk Pohlmann zu Beginn seines Vortrages in Hannover-Langenhagen. Auch in der Wikipedia finden sich diese US-Rechtfertigungen bis heute. „Doch diese Begründungen sind falsch“, betont Pohlmann. Er bezeichnet sie sogar als „Mythos“.

Der Journalist, der zahlreiche TV-Dokumentationen für ARD, ZDF und Arte drehte, hat eine andere Erklärung für die Atombombenabwürfe, die auf deutlich weniger Humanität und mehr machtstrategischen Zynismus bei den damaligen US-Verantwortlichen schließen lassen. „Die Bomben wurden nicht aus militärischen Gründen abgeworfen, sondern zu Testzwecken.“

Der 59-Jährige hat sich lange mit den Atombombenabwürfen beschäftigt. Das liegt auch daran, dass er als Student in Mainz das Glück hatte, mit Helmut Erlinghagen einen der wenigen europäischen Zeugen und Überlebenden von Hiroshima kennenzulernen (1). Erlinghagen wurde von seinen Eltern in den 1930er Jahren als Jesuitenschüler nach Japan geschickt und befand sich am 6. August 1945 in einem Kloster in Hiroshima, erzählt Pohlmann. In den 1970er Jahren kehrte Erlinghagen nach Deutschland zurück und lehrte Philosophie in Mainz.

Pohlmann interviewte seinen Professor mehrmals zu dem Thema und freundete sich mit ihm an. „Es war unglaublich, was Erlinghagen beschrieb“, erinnert sich der Journalist. Opfern konnte man die Haut wie einen Handschuh abziehen, wenn man ihnen die Hand gab, hatte Erlinghagen berichtet. Frauen, die von der Explosion erblindet waren, zogen klagend in einer Reihe Hand auf Schulter durch die Trümmer. Kinder irrten durch die Ruinenlandschaft auf der Suche nach ihren Eltern.

Das Kloster am Stadtrand war als eines der wenigen massiv gebauten Gebäude stehengeblieben. Die meisten Häuser Hiroshimas waren hingegen in leichter Holzbauweise konstruiert und wurden beim Bombenabwurf komplett zerstört. Viele Überlebende kamen ins Kloster und hofften auf Hilfe. Doch mehr als Beistand konnten die Jesuiten nicht leisten.

40.000 Menschen nahe dem Detonationszentrum waren sofort gestorben, die meisten von ihnen verdampften in der ungeheuren Hitze der atomaren Explosion. 80.000 weitere Menschen starben in der Folgezeit an den Strahlenwirkungen. Auch Helmut Erlinghagen hatte mit den Folgen zu kämpfen: Er entwickelte eine Immunschwäche und starb 1994.

90 Prozent der Todesopfer in Hiroshima waren Frauen und Kinder, sagte Pohlmann. Dies allein spricht schon dagegen, dass hier ein militärisches Ziel angegriffen wurde.

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