Neues aus der Anstalt

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24-03-20 11:31:00,

Selbst ein fachfremder Bundesgesundheitsminister kann sich die wenigen Zahlen, die für ein sachliches Bild von dem Gefahrenpotenzial des Coronavirus notwendig sind, von der Weltgesundheitsorganisation und dem Robert-Koch-Institut herunterladen und auswerten.

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Eigene Darstellung des Autors (1).

Auch wenn man nach Ansicht von Virenforschern bekannte Grippeviren und das Coronavirus nicht in einen Topf werfen darf, wird das mangelnde Gefahrenpotenzial der Epidemie anhand der Darstellung ziemlich deutlich. Vernünftig und wahrscheinlich vollkommen ausreichend wäre es gewesen, die Risikogruppe der Bevölkerung über 70 Jahren und mit Vorerkrankungen der Atemwege für einen geeigneten Schutz zu sensibilisieren. Vollkommen übertriebene Maßnahmen, welche fast das gesamte öffentliche Leben lahmlegen, verringern das Vertrauen in Politik und Medien, die das geringe Gefahrenpotenzial weiter aufbauschen. Und das ist gut so.

Die aktuellen Entscheidungen erinnern an Ereignisse in der Vergangenheit, bei denen man den Eindruck bekommen kann, die Welt sei verrückt geworden. Ich bin Jahrgang 1968. In meinem Leben ist die Welt bisher nur einmal vernünftiger geworden, jedenfalls schien es für eine kurze Zeit so. Das war am 09. November 1989, als in Berlin die Mauer fiel. Die Abrüstungen, die nach dem Ende des Kalten Krieges in Ost und West stattfanden, machten der Menschheit Hoffnung, dass sich nun eine Zeit des Friedens anschließen würde. Mit dem Eingreifen der USA und einer Koalition von weiteren Staaten — darunter auch Deutschland als Geldgeber — in einen lokalen Konflikt zwischen dem diktatorisch regierten Irak und der absoluten Monarchie Kuwait Anfang 1991 wurden diese Hoffnungen wieder begraben.

Statt vernünftiger zu werden, wurde die Welt danach immer verrückter: der völkerrechtswidrige Krieg gegen Serbien 1999, dessen deutsche Beteiligung durch eine ehemalige Friedenspartei mit beschlossen wurde; der Anschlag vom 11. September 2001 und der völkerrechtswidrige Krieg gegen Afghanistan bereits drei Wochen später; die Hartz-Gesetzgebung und die Verschlechterung der rechtlichen Stellung von Arbeitslosen durch eine sozialdemokratisch geführte Regierung ab 2002; der auf nachgewiesenen Kriegslügen beruhende, völkerrechtswidrige Krieg gegen den Irak 2003; die Finanzkrise ab 2007 ohne große Folgen für die Finanzindustrie; die Griechenland- und Eurokrise ab 2010 mit drastischen Folgen für den griechischen Sozialstaat und hohen Bürgschaften für die Steuerzahler in den restlichen Euroländern; das völkerrechtswidrige Eingreifen westlicher Staaten in den Syrienkonflikt ab 2011; der Sturz der demokratisch gewählten Regierung in der Ukraine mit westlicher Unterstützung 2014; die Pegida-Bewegung in Dresden ab 2015 und das Aufkommen der rechtsgerichteten AfD auf dem Rücken von Kriegsflüchtlingen — und nun das Coronavirus.

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Wo die „Anstalt“ nicht nur aufklärt, sondern Wirkung zeigt: als Kontaktbörse von Leiharbeitern und Arbeitsrechtlern

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15-02-19 07:32:00,

Satire, egal wie scharf und erhellend, bleibt in der Regel wirkungslos. Auch manche NachDenkSeiten-Leser finden, dass selbst ein aufklärerisches Kabarett-Format wie die ANSTALT eher dafür sorgt , ungerechte Verhältnisse zu stabilisieren. Denn statt den Mächtigen ordentlich den Marsch zu blasen, mache der Bürger seinem Ärger nur im Kabarett Luft, wo der angestaute Unmut über politische Missstände sein ungefährliches Ventil finde – am Ende ist dann die Luft raus aus der Gesellschaftskritik. Im Gespräch mit NachDenkSeiten-Herausgeber Albrecht Müller, das nächste Woche auch auf den NachDenkSeiten erscheint, verweist ANSTALTsautor Dietrich Krauß nun auf eine Ausgabe der Sendung, die im Verborgenen weit über den Tag hinaus Wirkung entfaltete.

Im Mai 2017 stellte die ANSTALT die brisante Frage, ob die Behandlung deutscher Leiharbeiter, die unter prekären Bedingungen für wenig Geld arbeiten, gegen EU-Recht verstößt: Im Grundsatz dürfen Leiharbeiter demnach nicht schlechter behandelt werden als normale Arbeitnehmer. Gerne hätte Arbeitsrechtler Professor Wolfgang Däubler überprüfen lassen, ob die deutschen Leiharbeitsgesetze europarechts-konform sind. Allein es fehlten ihm Leiharbeiter, die bereit waren, sich juristisch zu wehren – bis die ANSTALT im Mai 2017 klagewillige Leiharbeiter aufgerufen hatte, sich zu melden. Im Buch von Dietrich Krauß zu fünf Jahre ANSTALT beschreibt Wolfgang Däubler zusammen mit der Industriesoziologin Mag Wompel, was danach passierte: Über 500 Leiharbeiter schrieben dem Arbeitsrechtler und aktuell laufen mehrere Prozesse. Ziel: Ein Urteil vom EUGH und ein Prozess, an dessem Ende womöglich die Deutsche Leiharbeitsgesetzgebung kippt.

Die NACHDENKSEITEN veröffentlichen exklusiv aus dem Buch von Dietrich Krauß: „Die Rache des Mainstream an sich selbst“ den Beitrag von Wolfgang Däubler und Mag Wompel, Die Anstalt und die Folgen: Der Kampf der Leiharbeiter.

Im Mai 2017 widmete sich die Sendung dem medial wenig beachteten Thema der Leiharbeit. Anlass war eine Reform des sogenannten Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes, in die die DGB-Gewerkschaften große Hoffnung gesetzt hatten, weil sie Leiharbeit neu regulieren sollte. Die Leiharbeit, von die die Gewerkschaften noch vor über 15 Jahren in der Schmuddelecke sehen wollten, boomt: Bereits 2015 gab es so viele Zeitarbeiter wie nie zuvor, vom IT-Spezialisten über Lehrer bis zum Gebäudereiniger. Ende 2016 wurde erstmals die eine Million Marke geknackt. Und längst werden Leiharbeiter nicht mehr nur kurzfristig eingesetzt, um Auftragsspitzen abzufangen, sondern verdrängen langfristig immer mehr Stammbeschäftigte. Dabei sind sie nicht nur befristet beschäftigt und weniger abgesichert, sondern auch noch schlechter bezahlt. Daran konnten auch die DGB-Tarifverträge zur Leiharbeit nichts Entscheidendes ändern.

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