Interview: „Antirussische Meinungsmache dominiert in Großbritannien – so wie auch in Deutschland“

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20-03-19 10:06:00,

Parallelen zwischen der gegen Russland gerichteten Berichterstattung in Großbritannien und Deutschland beschreibt Nicholas Cobb von der britischen Initiative „Westminster Russia Forum“. Cobbs sieht im Interview mit den NachDenkSeiten die Verantwortung für das vergiftete britisch-russische Verhältnis vor allem bei den großen Medien: die würden eine Stimmung entfachen, die auch gutmeinende Menschen abhält, sich öffentlich zum Dialog mit Russland zu bekennen. Das Interview führte Tobias Riegel.

Herr Cobb, die Berichterstattung der großen deutschen Medien zu Russland muss als einseitig, verzerrt und verkürzt bezeichnet werden. Etwa die Berichte zur Krim setzen meist nicht mit dem Umsturz in Kiew ein, sondern erst mit den russischen Reaktionen darauf. Zudem wird das Land oft unseriös auf die Person des russischen Präsidenten Wladimir Putin reduziert. Sie sind Teil der britischen Initiative „Westminster Russia Forum“ (WRF), die sich für einen Austausch mit Russland stark macht. Beobachten Sie diese Art der Meinungsmache auch in Großbritannien?

Absolut, es gibt da offensichtlich viele Parallelen zwischen Deutschland und Großbritannien, was die Berichterstattung anbelangt. Die Medien in Großbritannien bringen zwar auch viele gute Stories – aber meist nicht zu Russland. Fast alles fokussiert sich auf den Präsidenten Wladimir Putin. Etwa nach dem MH17-Abschuss waren die Schlagzeilen: „Putins Rakete schießt Passagierflieger ab“. Die Medien geben den Menschen klare Schurken, jemanden, gegen den sie sich verbünden können. Dieser Schurke ist momentan Russland.

Auch ist beim Thema eine weitgehende Gleichförmigkeit unter den großen deutschen Medien festzustellen.

Echte Unterschied gibt es zum Thema auch unter den großen Medien in Großbritannien nicht: Die Russophobie dominiert die Presse – in Deutschland wie in Großbritannien. Ich sehe auch nicht, dass sich das in naher Zukunft ändern wird. Russland ist laut dem Tenor der großen britischen Zeitungen eine homophone Diktatur und fördert internationale Konflikte. Aber immerhin werden nicht die russischen Menschen attackiert.

In Deutschland kommt es aber vor, dass Menschen, die sich für einen deutsch-russischen Dialog einsetzen, dafür scharf attackiert werden.

Das passiert in Großbritannien ebenfalls. Einige Parlamentarier etwa hatten sich hinter den Kulissen verständigt, dass sie eine Position der Entspannung gegenüber Russland vertreten. Aber sie sagten auch, dass sie für diesen Dialog nicht öffentlich eintreten würden. Einer hat sich dennoch getraut: Er wurde von allen Seiten so scharf attackiert, dass sich das wohl nicht so bald wiederholen wird.

Bei einem anderen Beispiel hatte ein schottischer Ex-Politiker eine Sendung beim russischen Staatssender RT moderiert und ist dafür übel attackiert worden.

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Antirussische Berichterstattung im Deutschlandfunk – drei kleine Fallbeispiele

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13-03-19 11:42:00,

Aufmerksame NachDenkSeiten-Leser werden schon mitbekommen haben, dass vor allem der vermeintlich so seriöse und ausgewogene Deutschlandfunk in steter Regelmäßigkeit in unseren Hinweisen des Tages mit Beiträgen verlinkt ist, die sich durch eine besonders üble propagandistische Linie gegenüber Russland auszeichnen. Das heutige Morgenprogramm lieferte wieder drei Fallbeispiele, die sehr bezeichnend sind für die antirussische Schlagrichtung der Berichterstattung.
 

Den Anfang machte heute morgen die Meldung, dass in Russland zehntausende Menschen gegen die russischen Internet-Pläne protestieren würden.

Es ist natürlich nicht uninteressant, etwas über die „Internet-Pläne“ Russlands zu erfahren. Dies aber just an dem Tag so prominent auf Sendung zu nehmen, an dem der Bundestag sich in einer aktuellen Stunde kritisch mit den „Internet-Plänen“ der EU beschäftigt, zeugt schon von einem merkwürdigen Koordinatensystem.

Danach ging es um ein US-Bundesgericht, das ein höheres Strafmaß für den ehemaligen Trump-Berater Paul Manafort wegen „antiamerikanischer Agententätigkeit“ fordert. Man hätte aus dem Prozess gegen Manafort ein lehrreiches Stück über das ausufernde Geschäft der politischen Berater und PR-Agenturen in den USA und dem Rest der Welt machen können. Man hätte das geforderte Strafmaß für die Whistleblowerin Chelsea Manning ins Verhältnis setzen können, die 35 Jahre Haft dafür bekommen hat, dass sie Kriegsverbrechen der USA offenkundig gemacht hat, während Paul Manafort für ein Potpourri an Straftaten weniger als vier Jahre Haftstrafe drohen – übrigens nicht wegen „antiamerikanischer Agententätigkeit“, wie der Deutschlandfunk suggeriert, sondern wegen Betrugs und Steuerhinterziehung. Der Deutschlandfunk ignoriert jedoch den Zusammenhang und nutzt den Fall Manafort, um weiter an der abstrusen Geschichte über die angeblich von Russland manipulierten Präsidentschaftswahlen in den USA zu stricken.

Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, wies der Deutschlandfunk nach diesen beiden Meldungen noch in einem Trailer auf die aktuelle Sendung von „Europa heute“ hin, in der es – mal wieder – um die Missstände in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien geht. Auch dies wäre sicherlich ein interessantes Thema, wenn man es nicht isoliert aus antirussischer Perspektive, sondern im globalen Kontext betrachten würde. In den letzten sechs Sendungen von „Europa heute“ ging es viermal um Tschetschenien und zweimal um Russland – natürlich jedes Mal in einem negativen Kontext. Missstände, die im Zusammenhang mit der Außenpolitik der USA oder der NATO stehen, kamen kein einziges Mal vor.

Diese drei Fallbeispiele hat uns heute morgen ein aufmerksamer Leser geschickt.

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Die antirussische Kriegspropaganda des deutschen Militarismus und der Rechten | KenFM.de

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04-12-18 04:15:00,

von Bernhard Trautvetter.

Der Antikommunismus war nach Thomas Mann die Grundtorheit seiner Epoche im 20. Jahrhundert. (1)

Die Nazis malten eine jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung an die Wand. (2) Darin sahen sie eine von der Sowjetunion ausgehende Verbindung der von ihnen beschworenen russischen und jüdischen Gefahr.

Kaiser Wilhelm erklärte eine russische Mobilmachung zu einem Angriff auf das Deutsche Kaiserreich und er eröffnete mit dieser Lüge den ersten Weltkrieg. (3)

Hitler erklärte den Angriff auf die Sowjetunion mit dem „Unternehmen Barbarossa“ mit der Aufgabe, die europäische Kultur zu retten. (4) Damit eröffnete er den bisher tödlichsten Feldzug aller Zeiten, der unter der Devise „Verbrannte Erde“ circa 27 Millionen tote Sowjetbürger zurückließ. Von all diesen Verbrechen hat sich Deutschland, hat sich Europa, hat sich die Welt bis heute nicht erholt. Dies schon alleine deshalb, weil eins ihrer Ergebnisse die Nuklear-Rüstung ist.

Die antirussischen Lügen zum Koreakrieg hat Peter Frey in seiner großartigen KenFM-Serie „Die UNO – Machtinstrument gegen Korea“ vorbildlich herausgearbeitet.

Die Hochrüstung der NATO wurde immer schon mit den Fake-News einer sowjetischen Gefahr und Vor-Rüstung legitimiert, was immer eine Umkehrung der Tatsachen war, wie alle entsprechenden Jahres-Berichte des auch im Westen hoch angesehenen Friedensforschungsinstituts SIPRI beleg(t)en; dies wird zum Glück von einigen kritischen ZeitgenossInnen wahrgenommen. (5) Im Ergebnis der in Deutschland immer noch weit verbreiteten Vorbehalte gegen Kriegspropaganda, zieht die Stimmungsmache (6) gegen Russland in den Narrativ der militärisch-strategischen Kommunikation der NATO nicht. Sogar in der SPD-Spitze regt sich Widerstand gegen eine Eskalation gegen Russland. (7)

Die Essener NATO-Konferenz 2015 unter dem Titel „Strategische Kommunikation“ suchte nach Wegen, die Erfolge der Friedensbewegung zu durchkreuzen, die dazu führen, dass es große Vorbehalte gegen das Handeln der NATO-Militärs in der Öffentlichkeit gibt. (8)

Die Erfolge der Friedensbewegung seit den 80er Jahren wirken nach. Damals ging es gegen die Lüge von der vermeintlichen Notwendigkeit einer so genannten Nach-Rüstung mit Atomraketen, die von Europa aus – vor allem von Deutschland aus – auf die Sowjetunion gerichtet waren. Um diese Lüge aufzubauen, zählte die NATO einfach ihre britischen und französischen Systeme – anders als die Sowjetunion – nicht mit. Daraus ergab sich dann in der Propaganda die Lüge von einer notwendigen Antwort.

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