Arbeitsplätze oder Klima?

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13-01-20 08:51:00,

Bild: Classy Melissa/CC0

Die Katastrophe in Australien lässt die Unvereinbarkeit von Kapitalismus und Klimaschutz offen zutage treten

Es scheint angesichts der apokalyptischen Bilder aus Australien unbegreiflich, dass die Rechtsregierung in Canberra weiterhin auf Kohleförderung und fossile Energieträger setzen will. Die größte, keinesfalls bereits ausgestandene Feuerkatastrophe in der modernen Geschichte des Kontinents kann Premier Scott Morrison, ein bekennender Klimawandelskeptiker und Kohlefan, nicht davon abhalten, weiterhin auf den klimaschädlichen Energieträger zu setzen.

Eine radikale Abkehr von der Kohle ist in Australien, einem der größten Emittenten von Treibhausgasen, nicht in Sicht. Regierungsmitglieder bezweifeln weiterhin den Zusammenhang zwischen der Feuerkatastrophe und dem Klimawandel, während Morrison Anfang Januar abermals zusätzliche Anstrengungen zur Absenkung der CO2-Emissionen ausschloss.

Angesichts dieses starrsinnigen Festhaltens am Klimakiller Kohle – inmitten einer apokalyptisch anmutenden Brandkatastrophe – stellt sich die simple Frage nach den Ursachen für diese absurd anmutende Haltung Canberras. Was treibt Morrison um? Wie viel Land müsse noch abbrennen, bis “Morrison zur Vernunft” komme, fragte etwa die Frankfurter Rundschau. Die Tageszeitung wusste Anfang Januar zu berichten, dass sich Down Under im Würgegriff der “Kohlelobby” befinde, die die Energiepolitik der Regierung Morrison bestimme.

Bei Spiegel-Online hieß es Anfang Januar, dass Morrison einen Verrat an der Bevölkerung seines Landes begangen habe, indem er ihren Schutz den “Interessen der fossilen Industrie” geopfert habe. Es sei “eine kleine Gruppe in den Führungsetagen der Kohle-, Öl- und Gaskonzerne”, die sich an der “fortwährenden Zerstörung des Planeten” bereichere, so SPON, “während die Mehrheit der Menschen die Folgen zu ertragen” habe.

Selbstverständlich sind diese Schilderungen partiell zutreffend, doch geben sie nicht die ganze bittere Wahrheit über den Widerspruch zwischen Kapital und Umwelt wieder. Dass Morrison ein “Kohle-Mann” ist, der nur dank der massiven Schützenhilfe mächtiger Kapitalfraktionen sich an der Macht halten konnte, wussten Telepolis-Leser schon Mitte Dezember (Verbrannte Erde im Murdoch-Land). Doch erklärt dies nicht den unzweifelhaft gegebenen Massenzuspruch, den seine reaktionäre Politik erfuhr. Die massive Propagandakampagne, die Morrison im vergangenen Wahlkampf seitens des reaktionären Medienmoguls Rupert Murdoch erhielt, muss ja tatsächlich eine Mehrheit der Wähler dazu gebracht haben, für den Klimaleugner freiwillig zu stimmen – noch werden die Wähler nicht dazu gezwungen,

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