Armenbeschimpfung

Armenbeschimpfung

05-05-18 09:19:00,

Die Systemmedien parieren diesen Angriff auf den Repressionsbesitzstand der neoliberalen Ära mit einer Doppelstrategie: Sie greifen erstens das Thema auf und geben sich unheimlich sozial. Doch zweitens wälzen sie die Verantwortung dann doch wieder auf Arbeitslose ab. Ihr Argument:

„Es kommt darauf an, was du daraus machst.“

Nehmen wir an, Sie wären Politikerin oder Politiker und hätten vor, Tausenden von Menschen im Land ihre Rechte zu nehmen, sie systematisch zu demütigen und so kaputt zu sparen, dass sie um ihr Existenzminimum zittern müssen. Ein leichtes Unterfangen wäre das nicht, denn dem stünde das Grundgesetz entgegen und außerdem im Normalfall das gesunde Empfinden der Mehrheit der Bevölkerung. Lassen wir die Sache mit dem Grundgesetz mal beiseite. Es haben sich schon immer gewiefte Juristen gefunden, die die Grundrechte so zurechtbiegen, dass es aussieht, als hätte niemand sie verletzt.

Schwieriger ist es mit der Volksmeinung. Viele haben sich in den Nachkriegsjahrzehnten an einen gewissen Standard in punkto Menschenwürde gewöhnt und auch den Sozialstaat als Errungenschaft unseres Gemeinwesens schätzen gelernt. Wenn Sie die Sozialromantik der Deutschen, dieses unflexible Besitzstandsdenken, hinter dem sie sich verschanzt haben, schleifen wollen, brauchen Sie schon eine ausgefeilte Strategie. Und Sie brauchen die Zuarbeit der Medien.

Zu grob sollten Sie dabei auch nicht vorgehen. „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“, ist ein Spruch von Franz Müntefering, den manche in den falschen Hals gekriegt haben. Aber wie wäre es mit: „Sozial ist, was Arbeit schafft.“ Klingt schon besser, denn wer würde sich nicht zutiefst nach einem Arbeitsplatz sehnen – so beschissen oder schlecht bezahlt er auch sein mag? Sie können fest damit rechnen, dass die meisten die Finte nicht merken.

Genau betrachtet, könnte man mit dem Satz “Sozial ist, was Arbeit schafft” auch Sklaverei begründen.

Die Medien sind heute geschickter als früher, denn Hartz IV sitzt nicht mehr überall so fest im Sattel wie noch vor 10 Jahren. Die Leute sind hellhörig geworden. Über Schikanen der Behörden sind zu viele Geschichten im Umlauf. Nicht jeder ist betroffen, aber fast jeder fühlt sich bedroht.

Sehen Sie sich zum Beispiel mal die Sendung „Hart aber fair“ mit Plasberg vom 26. März an. Thema: „Wann ist ein Mensch in diesem Land arm?“ Dem war eine aufgeregte Armutsdebatte vorangegangen, losgetreten von Meinungsführer und Kanzlerhoffnung Jens Spahn,

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