Vergiftete Atmosphäre

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08-09-20 04:45:00,

„Ich sehe das jetzt eigentlich als den Fall Skripal 2.“ Das meint Walter Katzung, international rennommierter Chemiewaafenexperte, zu dem Fall des angebich vergifteten russischen Anwalts und Aktivisten Alexander Nawalny. Im Gespräch sagte er:

„Das läuft nach der gleichen Methode ab. Wenn man die Mitteilungen verfolgt, merkt man, dass es einen großen Widerspruch gibt. Die russischen Behörden und Institute behaupten von Anfang an, dass sie in den Blutproben und anderen biologischen Proben von Nawalny keinerlei Giftstoffe, die in diese Richtung deuten, gefunden haben.“

Katzung verwies auf eine Mitteilung aus dem Moskauer Toxikologischen Institut, dass dort das neueste US-Massenspektrometer eingesetzt werde. Dabei werde mit der aktuellen Spektrum-Bibliothek NIST gearbeitet, die von dem NIST-Institut in den USA kommt. Damit sei in den Proben von Nawalny nichts festgestellt worden.

Dagegen habe nun das Labor an der Bundeswehr-Akademie in München erklärt, es habe in den Nawalny-Proben aus der Berliner Charité eine Substanz aus der Nowitschok-Gruppe gefunden. Das Bundeswehrlabor arbeite garantiert auch mit gleichwertigen hochauflösenden Geräten und mit der gleichen aktuellen US-NIST-Spektrum-Bibliothek, so Katzung. Es sei aber nicht gesagt worden, welcher von den zahlreichen Nowitschok-Stoffen gefunden wurde. Der Experte betonte, er zweifle absolut nicht an den Aussagen und der fachlichen Wahrhaftigkeit der Wissenschaftler in München. Doch es bleibe für ihn die Frage, wie der Nervenkampfstoff in die Probe von Nawalny kam.

Katzung erinnerte an die Fragezeichen im Fall Skripal: So ist bis heute nicht einmal das weitere Schicksal des Ex-Agenten bekannt. Ebenso unbekannt ist, wer die Skripals mit der später im Labor in Porton Down festgestellten Nowitschok-Substanz vergiftet hat. Der Bericht der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) spricht nur von „einer toxischen Substanz“. Doch in beiden Fällen, Skripal und Nawalny, ist angeblich klar, dass nur Russlands Präsident Wladimir Putin dahinter stecken kann. Katzung hat an dieser vermeintlichen Klarheit deutliche Zweifel.

Er sieht „viele Fragezeichen“ im Fall Nawalny und dessen angeblicher Vergiftung am 20. August. Dazu gehöre, dass der russische Anwalt und Aktivist als ein äußerst vorsichtiger Mensch gelte. So habe er immer mehrere Hotels für Übernachtungen vorbestellt, aber jeweils kurzfristig ganz woanders geschlafen. Sein Umfeld, sein Stab, sei immer um ihn herum gewesen. Das müsse auch der Fall gewesen, als Nawalny auf dem Flughafen von Omsk einen Tee bestellte und trank.

Das Gift hätte von der Bedienung an der Bar zum Beispiel unter dem Tisch oder anderswo eingefüllt werden müssen.

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