Das Attentat

Das Attentat

09-08-18 08:17:00,

Hej, Nachbar, hast du diese Tagesschau gesehen? Über Venezuela? Da haben die Hamburger Qualitätsjournalisten uns mal wieder eine AgitProp-Tablette in homöopathischer Dosis verabreicht. Du hast geschluckt und nichts bemerkt? Zugegeben: Uns ist der fiese Geschmack auch erst beim zweiten Schlucken aufgefallen. Es soll uns Anlass sein, einmal nicht über Soozis zu blödeln.

Das war’s: Reiner Tendenzjournalismus im Dienste der Westlichen Wertegemeinschaft, WWG: Die Tagesschau, wichtigster Fernsehnachrichten-Anbieter der Nation, lieferte mit ihrer Berichterstattung über den Attentatsversuch auf Venezuelas Staatspräsident Maduro am 5. August dafür Anschauungsmaterial vom Feinsten.

Chefredakteur Dr. Gniffkes Qualitätsjournalisten sahen auch zwei Tage danach keinen Grund, ihre schräge Darstellung zu korrigieren und wesentliche Informationen nachzureichen – gesetzliche Verpflichtung zu wahrheitsgetreuer Nachrichtenarbeit hin oder her.

Auch im Venezuela-Fall geht es uns nicht um das Ereignis an sich – das wäre aktueller Nachrichtenjournalismus –, sondern um die Art der journalistischen Verarbeitung des Attentatsversuchs in den gleichgeschalteten deutschen Massenmedien. Für diesen „Mainstream“ stehen das Erste Deutsche Fernsehen und seine Hauptabteilung ARD-aktuell mit ihren Sendungen Tagesschau, Tagesthemen, tagesschau.de, Tagesschau24 und so weiter federführend.

Ihre Venezuela-Nachricht vom 5. August in voller Scheinsachlichkeit:

„Venezuelas sozialistischer Staatschef Maduro ist möglicherweise einem Attentat entgangen. Laut Regierung explodierten während einer Rede Maduros in Caracas mit Sprengstoff beladene Drohnen. Sieben Soldaten seien verletzt worden. Die Opposition bezweifelt, dass es sich tatsächlich um ein Attentat handelte, zumal es von den Drohnen offenbar keine Bilder gibt. Sie befürchtet, Maduro könnte den Vorfall instrumentalisieren und härter gegen Regierungskritiker vorgehen“ (1).

Schon das zweite Wort im ersten Satz betont, was im Zusammenhang mit dem Mordversuch an einem demokratisch gewählten Staatsoberhaupt vollkommene Nebensache ist: Das Zielobjekt ist sozialistisch (das insinuiert: nur ein weniger wertvoller Politiker).

Das sechste Wort – „möglicherweise“ – enthält eine absurde Infragestellung, denn Maduro entging dem Attentat unübersehbar, nicht bloß eventuell.

Der zweite Satz beginnt mit „Laut Regierung…“; diese Formel ignoriert das umfangreiche Filmmaterial und unterschlägt zugleich die Aussagen internationaler Zeugen sowie der Nachrichtenagenturen.

Schon im vierten Satz der Meldung wird der Anschlag bagatellisiert und eine staatliche Inszenierung – „zumal es von den Drohnen offenbar keine Bilder gibt“ – angedeutet: eine bösartige Geheimdienst-Nummer also, wie man sie auch in Deutschland seit dem „Celler Loch“ zur Genüge kennt (2).

Im fünften und letzten Satz schließlich folgt eine nicht begründete Unterstellung seitens der vage so genannten „Opposition“.

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Das Attentat in Caracas – Zwischen Gänsefüßchen und Bekenner-Schreiben – www.NachDenkSeiten.de

Das Attentat in Caracas – Zwischen Gänsefüßchen und Bekenner-Schreiben – www.NachDenkSeiten.de

06-08-18 01:04:00,

6. August 2018 um 12:41 Uhr | Verantwortlich:

Das Attentat in Caracas – Zwischen Gänsefüßchen und Bekenner-Schreiben

Veröffentlicht in: Erosion der Demokratie, Länderberichte

Caracas. Samstag, 4. August 2018, 5:41 Uhr des späten Nachmittags. Auf der über die Landesgrenzen hinaus bekannten Avenida Bolívar ehrt die venezolanische Regierung mit einer festlichen Gala-Parade den 81. Jahrestag der Gründung der Bolivarischen Nationalgarde. Auf einer Tribüne hält Präsident Nicolás Maduro eine kämpferische Festrede mit einem Aufruf, nun sei die Zeit für die wirtschaftliche Erholung Venezuelas gekommen. Ein Bericht von Frederico Füllgraf.

In der Video-Live-Übertragung ist plötzlich ein Knall zu hören. Maduro und die ihn Umgebenden, darunter seine Ehefrau Cilia Flores, zucken zusammen, schauen besorgt nach oben. Für Momente wird die Rede unterbrochen. Im Schnittbild einer zweiten Kamera ist zu sehen, wie die auf der Allee strammstehenden Soldaten die Reihen der Gedenkfeier brechen und in sämtliche Himmelsrichtungen davonlaufen, um in Deckung zu gehen. Die Übertragung wird nun endgültig unterbrochen.

Über soziale Netzwerke wird Minuten später ein Videoausschnitt verbreitet, der die blitzschnelle Sicherung Maduros mit Schildern und selbst einem Regenschirm durch seine Leibwächter zeigt. Im Hintergrund sind der geschriene Befehl „In Deckung, in Deckung – abschotten, Castillo!“ und die aufheulenden Sirenen losbrausender Regierungsfahrzeuge zu hören.

Drohnen mit Sprengstoff und offizielle Reaktionen

In einer schon kurze Zeit später landesweit ausgestrahlten Fernsehübertragung erklärte Informationsminister Jorge Rodríguez, erste Untersuchungen hätten „eindeutig belegt, dass es sich um ein Attentat mit drohnenähnlichen Fluggeräten auf die Person des verfassungsmäßigen Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela, Nicolás Maduro Moro”, gehandelt habe. Laut Rodríguez hätten „mehrere Fluggeräte in der Nähe der Präsidenten-Tribüne und Teilbereichen der Parade Sprengladungen detonieren lassen”. Innenminister Néstor Reverol machte am 5. August nähere Angaben zum Geschehen. So seien zwei Drohnen, beladen mit je 1,0 Kg des C4-Plastiksprengstoffs, explodiert, bevor sie ihr Ziel erreichten. Der Anschlag habe niemanden getötet, jedoch sieben Gendarmen der Bolivarischen Nationalgarde verletzt.

In einem halbstündigen Fernsehauftritt am späteren Samstagabend schilderte der Staatspräsident die Vorgänge aus erster Hand. „Ein Fluggerät explodierte vor mir – eine beeindruckende Explosion, Kameraden! … Zunächst dachte ich, da seien Feuerwerke außer Kontrolle geraten oder so ein Ding sei zum Abschluss des Festakts abgefeuert worden … Doch dann bemerkte ich,

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