Autoritäre Männerbilder prägen Regierungskrise

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24-05-19 09:32:00,

«Vaterinszenierung»: Strache mit Krawatte und zwei Ministerinnen bei seiner Rücktrittserklärung
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«Vaterinszenierung»: Strache mit Krawatte und zwei Ministerinnen bei seiner Rücktrittserklärung

Barbara Marti / 24. Mai 2019 –

Macho, Vater, Retter: Die gestrauchelten Politiker Heinz-Chr. Strache und Sebastian Kurz inszenieren traditionelle Männlichkeit.

Österreichs ehemaliger Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) entschuldigte sein Verhalten im «Ibiza-Video» als «typisch alkoholbedingtes Machogehabe». Sein Parteikollege Johann Gudenus posiert in diesem Video in Pistolenpose als starker Mann. Regierungschef Sebastian Kurz (ÖVP) inszeniert sich als Retter, der im Alleingang die Nation aus der Krise führen will.

Strache, der Vater

Die österreichischen Politiker sind mit dieser Inszenierung traditioneller Männlichkeit keine Ausnahme. Die bekannteste zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd. Als Strache vor die Presse trat, tat er dies in Anzug und Krawatte, die er sonst nur selten trägt. Er stellte sich als Ehemann und Familienvater dar. Die Politikwissenschaftlerin Gundula Ludwig kommentierte auf «diestandard.at»: «Dass er bei diesem Auftritt von zwei Ministerinnen gesäumt wurde, unterstrich die Vaterinszenierung als Anleihe an die Figur der Familie, um den Schaden abzuwenden.»

Strache, der Säufer

Seine Ausrede, es habe sich um eine «b’soffene G’schicht» gehandelt, sollte ihn entlasten. Eine typische Ausrede, die Männer auch bei Straftaten gerne anbringen, statt Verantwortung zu übernehmen. Laut Ludwig wird Straches Verhalten in der Ibiza-Villa so zum «dummen Fehler»: «In seinem Verweis, er habe sich ‹prahlerisch wie ein Teenager verhalten›, reaktivierte Strache zudem einen weiteren maskulinistischen Erklärungsmodus: Sexistische Männlichkeit wird als akzeptables und normales Verhalten jugendlicher, noch nicht zur Gänze gereifter Männlichkeitsentwicklung dargestellt. Dieses Narrativ setzte auch Strache ein, um sein Missverhalten als Politiker zu legitimieren.»

Kurz, der Retter

Bundeskanzler Kurz inszeniert sich in der Regierungskrise als Retter der Nation. Nicht zum ersten Mal, wie Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl in der Wochenzeitung «Falter» analysierte. Schon vor zwei Jahren habe er mit dieser patriarchalen Figur Wahlkampf gemacht. Auch jetzt präsentiere er sich als Retter, Held und Heilsbringer. Ihm gehe es dabei einzig um seine Person und nicht darum, Verhalten und Aussagen der FPÖ-Politiker inhaltlich aufzuarbeiten.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Die Autorin ist Herausgeberin und Redaktorin der Online-Zeitschrift FrauenSicht.

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Frankreich: “Autoritär agierende Polizei ohne Kontrollinstanz”

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23-04-19 12:45:00,

Demonstrant und Polizisten, Bordeaux, 2. März 2019. Bild: Patrice Calatayu/CC BY-SA 2.0

Festnahmen von unabhängigen Journalisten bei Gelbwesten-Demonstrationen

Von den politischen Forderungen der Gelbwesten-Demonstrationen ist in Medien keine Rede mehr. Die samstäglichen Akte der Gilet jaunes tauchen noch in den Medienberichten auf, aber das politische Moment des Teils der Protestbewegung, der sich auf den Straßen zeigt, ist vergangen.

Im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen seit mehreren Wochen schon Sicherheit, Aufrechterhaltung der Ordnung und Gewalt. Die Gelbwesten-Demonstrationen werden im Spiegel der Medienberichte vor allem mit Gewalt assoziiert. Das Etikett klebt an ihnen, auch wenn ein genauerer Blick zeigt, dass die Ordnungsmächte daran wesentlich mitwirken.

Lieber woanders hingehen

Am vergangenen Samstag, dem 23. in der Folge, konnten bei schönstem Wetter nach offiziellen Angaben nur mehr knapp 28.000 in ganz Frankreich dazu mobilisiert werden, sich auf der Straße zu zeigen. Die “Gelbe Zahl” (Nombre jaune), die eine eigene Zählweise postuliert, kam am 21. April zwar auf eine Schätzung von immerhin etwa 100.000, was Unverdrossenheit und Konstanz anzeigt, aber an die früheren Zahlen nicht heranreicht.

Die Schwierigkeiten, mit denen die Zählung seit einiger Zeit neu zu tun hat, hängt mit dem veränderten Ansatz der Sicherheitskräfte zusammen, denen sowohl ein verschärftes, von Rechtswissenschaftlern kritisiertes Gesetz gegen Randalierer (“Casseurs”) zu neuen Möglichkeiten verhalf, wie auch eine von oben angewiesene härtere Gangart nach den Ausschreitungen vom Acte 18, die noch einmal weltweit Schlagzeilen gemacht hatten (Paris: Panik auf den Boulevards). Macron war damals extra frühzeitig von seinem Skiurlaub zurückgekehrt, um eine andere Vorgehensweise anzukündigen.

Der Leiter der Ordnungskräfte in Paris wurde Tage später entlassen, u.a., wie später berichtet wurde, weil er nicht genügend entschieden auf den Einsatz der gefährlichen “nicht-tödlichen Waffen” gepocht hatte. Der Krisenstab tagte, brachte die Armee als Verstärkung ins Spiel und die Kategorie “Aufrührer” für die Gelbwesten.

Seit dem neuerlichen Ausbruch der Gewalt, für die die Zerstörungen des Restaurants Le Fouquet’s das Symbolbild abgaben, wurden markante Strecken und Orte für Gelbwesten-Demonstrationen gesperrt, allen voran die Champs Elysées in Paris wie auch der Triumphbogen, die Menge musste sich neue Wege suchen und auch neu verteilen.

So kam es dazu,

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Tagesdosis 23.05.2018 – Wenn die Autorität nicht mehr zählt: Werden Lehrer immer öfter angegriffen? | KenFM.de

Tagesdosis 23.05.2018 – Wenn die Autorität nicht mehr zählt: Werden Lehrer immer öfter angegriffen? | KenFM.de

23-05-18 02:03:00,

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Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.

Lehrer werden immer öfter angegriffen, von Schülern. Ach, ist das so? Werden Lehrer jetzt häufiger als zuvor von Schülern angegriffen, beleidigt und sogar geschlagen? Einer Umfrage des Lehrerverbandes VBE zufolge ist das so [1]. Ist das aber wirklich so? Komisch, nicht wahr, dass ich das in Frage stelle, denn ich halte das für Lobbyismus. Jetzt fragen sicher viele hier: „Woher will der denn das wissen?“ Na, weil ich seit sechzehn Jahren in dem Thema eine Menge Erfahrung und Wissen angehäuft habe[2]. Und genau deswegen halte ich das für eine Finte. Denn, sollten wirklich immer mehr Lehrer und Pädagogen angegriffen werden, körperlich oder verbal, dann müsste das inzwischen eine sehr große Menge an Gewalt gegen Lehrer sein. Alle paar Jahre nämlich häufen sich derlei Schlagzeilen und sie gehen in etwa so: „ Schüler werden immer aggressiver.“ Der Schulhof, ein Ort zunehmender Gewalt.“ „Immer mehr Hauptschulen werden zu Brennpunkten der Gewalt. Lehrer machtlos!“ Und so weiter. In Wirklichkeit soll hier ein Kontinuum der Gewalt durchlöchert werden, damit wir das Kontinuum nicht erkennen. Also, ist alle Jahre wieder das Thema Schulgewalt in aller Köpfe zu hämmern. Gelöst wird damit nichts.

Wer das hier liest oder hört, der könnte sich ja einmal ernsthaft die Frage stellen, wo diese Gewalt bei den Schülern eigentlich herkommt? Wieso sind Schüler überhaupt gewalttätig? Weil sie zu wenig Autoritäten vorfinden? Weil Eltern viel zu viel zulassen? Weil Kinder heute Wohlstandszombies werden? Weil sie zu viel Zeit mit dem Smartphone und zu wenig mit ihren Eltern verbringen? Womöglich macht Schülern Unterricht und Schule überhaupt gar keinen Spaß? Tja, bei so viel Wohlstand, so vielen Bildungs- und Berufschancen in diesem wunderbaren Land, müssten Schüler doch eigentlich vollkommen zufrieden sein. Happy ohne Ende. Das müssten sie sein. Was fehlt ihnen?

Amokläufe, so heißen School Shootings im Mainstream, damit  auch jeder irgendwie kapiert, dass es sich um ein Schulmassaker handelt. Mehr muss der verbildete Akademiker dazu auch nicht wissen. Denn stäche er in den Kern, was er Wahrheit zu nennen konditioniert wurde, dann,

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