Befreite Zeit

befreite-zeit

11-02-20 09:46:00,

Ein sich auf eine Ideologie berufendes psychisches Machtverhältnis, also ein institutionalisiertes politisches oder religiöses Dogma, wie der Kommunismus oder das Christentum, führt zuallererst immer ein neues Kalendersystem ein. Damit will man sich zum einen vom alten abgrenzen, vor allem aber entscheidend auf das Leben der Untergebenen einwirken und zwar durch die Strukturierung und Reglementierung der Zeit. Durch Feiertage, festgelegte arbeitsfreie und festliche Zeiten wird die aufgezwungene Ideologie quasi zu einem nicht hinterfragbaren lebens- und alltagsbestimmenden Naturgesetz. So lässt sich ein absoluter Konformismus erzwingen, an den selbst diejenigen gebunden sind, die die jeweilige Ideologie eigentlich ablehnen.

Ein Jahr ist die Zeitspanne, welche die Erde für eine Umkreisung der Sonne benötigt — ein gutes Beispiel für den zyklischen und nicht linearen Charakter der Zeit. Jedes scheinbar lineare Geschehen ist eingebettet in einen größeren zyklischen Kreislauf. Die westliche lineare Perspektive der Zeit blendet den ewigen Kreislauf des Seins meist aus.

Während die Naturwissenschaften den Urknall der Schöpfung als den Beginn der Zeit ansehen, wird im Hinduismus der Kosmos nicht als singuläre Erscheinung, sondern als wiederkehrendes Phänomen verstanden. Genauso wird Leben und Sterben nicht als einmaliger Vorgang aufgefasst.

Geburt, Tod und Wiedergeburt werden als ein ewiger Kreislauf gewusst. Dieser Zyklus spiegelt sich in einem Erdenjahr.

In welchem Jahr leben wir? Die jeweils vorherrschende Religion gibt uns dieses Jahr vor. Und wenn wir dieser Zählweise Glauben schenken, ordnen wir uns einem kollektiven Zeitverständnis und Empfinden unter und negieren unser eigenes. Denn für jeden von uns ist das Jahr Null eigentlich das eigene Geburtsjahr. Hier beginnt für ihn die Zeit und das Leben auf der Erde. Zudem verschleiern wir, wenn wir dem Jahr eine Zahl geben, was es eigentlich ist: das Hier und Jetzt. Alle Menschen, Tiere und Pflanzen dieses Planeten leben gleichzeitig hier und jetzt. Darüber hinaus existiert der gesamte Kosmos mit all seinen Lebensformen und -welten gemeinsam mit uns hier und jetzt.

Nicht in der Vergangenheit, nicht im Jahr 2020 und auch nicht in ferner Zukunft!

Deutlich wird, welche Absicht wohl mit der diktierten linearen Zeitauffassung und Zählweise verfolgt wurde: dem Menschen die zyklische Beschaffenheit der Zeit zu verbergen, ihn von seiner Präsenz zu entfremden, um so seine Spiritualität zu schwächen und ihn leichter in Dogma und Angst einsperren zu können.

Vor der Missionierung mit dem Schwert lebten unsere Vorfahren im zyklischen Zeitverständnis.

 » Lees verder

Das “befreite” Mosul liegt noch immer in Trümmern

Das “befreite” Mosul liegt noch immer in Trümmern

10-07-18 09:18:00,

Bild:Tom Peyre-Costa/NRC

In den Wiederaufbau kommt von den internationalen Spendern viel zu wenig Geld, noch immer gibt es 380.000 Flüchtlinge, 90 Prozent von West-Mosul ist noch verwüstet

Am 10. Juli 2017 erklärte der irakische Regierungschef Haidar al-Abadi die vollständige Befreiung Mosuls vom Islamischen Staat. Er hätte auch sagen können, dass Mosul (Mossul) durch die Angriffe weitgehend zerstört wurde. Als die “Schlacht um Mosul” neun Monate zuvor begann, hatte die irakische Regierung die Bewohner aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben und nicht zu fliehen. Man hatte Sorge, die vielen Flüchtlinge nicht versorgen zu können.

Gleichwohl waren vor der gänzlichen Einnahme nach UN-Angaben vom Mai 2017 über 600.000 Menschen seit Oktober 2016, als der Angriff begann, aus Mosul und Umgebung geflohen oder vertrieben worden. Darunter 430.000 seit Februar 2017 aus West-Mosul, das der IS bis zuletzt verteidigte und das durch Luftangriffe und Artillerie fast völlig zerstört wurde.

Die schiitischen Milizen und dann die irakische Regierung hatten auch verhindert, dass IS-Kämpfer aus der Stadt abziehen konnten, indem sie diese im Norden abschlossen. Sie wollten verhindern, dass sie sich nach Syrien absetzen und dort gegen die syrischen Truppen und ihre Verbündeten, darunter viele schiitische Milizen aus dem Iran, aus dem Irak und dem Libanon, kämpfen. Das dürfte den Kampf um die Stadt verlängert und zahlreiche Opfer unter den mit den IS-Kämpfern und ihren Familien eingeschlossenen Zivilisten gefordert haben.

Die Zahlen sind sehr grobe Schätzungen. Nach einem anderen UN-Bericht vom Juni 2017 sollen über 860.000 Menschen aus Mosul geflüchtet sein, über 600.000 aus West-Mosul. Dort sollen sich noch im Juni 100.000 Zivilisten aufgehalten haben. Nach Ost-Mosul, das schneller befreit und wenig zerstört wurde, waren schon im Juni 2017 wieder 200.000 Menschen zurückgekehrt. Ende 2017 wollte die irakische Regierung wieder alle vor dem IS Geflüchteten in ihre Heimat zurückgebracht haben. Das war schon angesichts der Zerstörungen in Mosul völlig irreal.

Bild: Tom Peyre-Costa/NRC

8-10 Millionen Tonnen Schutt müssen in Mosul beiseite geräumt und die Infrastruktur wiederhergestellt werden

Viele derjenigen, die wieder nach Mosul zurückgekehrt waren, gingen wieder zurück in die Lager, wo sie einigermaßen versorgt waren. Nicht nur,

 » Lees verder