Der Beginn des 2. Weltkriegs: Eine differenzierte Betrachtung

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23-08-19 09:00:00,

Am kommenden 1. September 2019 sind es 80 Jahre her, dass Hitler die deutsche Armee  in Polen einmarschieren ließ und damit – nach Lesart der offiziellen Geschichtsschreibung – den Zweiten Weltkrieg auslöste. Doch die Dinge sind vielschichtiger. Wolfgang Effenberger weist im folgenden Artikel  auf Hintergründe hin, die eine dringende Revision (Überprüfung) der weitgehend von den Siegermächten diktierten Geschichtsschreibung nötig machen. Damit wird nicht versucht – dies scheint nicht unnötig zu betonen – das Nazi-Verbrechersystem zu rechtfertigen, sondern ein Bild aller tatsächlichen Vorgänge zusammenzutragen. (hl)

Ein Gastbeitrag von Wolfgang Effenberger

Der 1. September 1939 gilt für die westlichen Geschichtsbücher als ultimativer Beginn des 2. Weltkriegs. In der Nacht auf den 1. September 1939 wurde der von der SS inszenierte polnische Überfall auf den oberschlesischen Sender Gleiwitz gemeldet; er wird heute im gleichen Atemzug mit dem sogenannten Tonkin-Zwischenfall vom 4. August 1964 genannt. Einen Tag nach diesem Zwischenfall bombardierte ein amerikanisches Bombergeschwader Hanoi (auch das ist in der kurzen Zeit nur schwer möglich) –  nur Stunden nach dem Überfall auf den Sender Gleiwitz (hier ist ein Kausalzusammenhang völlig unmöglich) marschierte ein Millionenheer in Polen ein. In den frühen Morgenstunden hatte Hitler – ohne Gleiwitz zu erwähnen – verkündet: „Seit 5.45 wird zurückgeschossen“.1

Damit war aber nicht Gleiwitz gemeint. In den Monaten zuvor hatte sich das deutsch-polnische Verhältnis durch intrigante britische Einflussnahme auf die polnische Außenpolitik dramatisch verschlechtert. In der Folge hatte Hitler den mit Josef Pilsudski am 26, Januar 1934 geschlossenen Nichtangriffspakt mit Polen – künftige Streitfragen sollten friedlich gelöst werden – am 28. April 1939 aufgekündigt.  Und das vier Wochen nach der britisch-französischen Garantieerklärung für Polen. Die Spannungen nahmen zu und im Sommer war die Kriegsbereitschaft auf beiden Seiten dramatisch angestiegen.

Der aus einer jüdischen Gelehrtenfamilie stammende Journalist Immanuel Birnbaum (1894-1982) – er hatte nach der Machtübernahme Zuflucht in Warschau gefunden – schildert eindrücklich seine Erlebnisse auf der Bahnfahrt im Sommer 1939 nach Riga. In seinem Abteil wurde er Zeuge, wie polnische Offiziere davon schwärmten, „daß sie ein paar Tage nach dem sicher bevorstehenden Kriegsausbruch in Berlin einrücken würden.“2 Für Birnbaum stand der Krieg unverrückbar fest. Schon Ende April 1939 hatte er eine wichtige außenpolitische Erklärung des polnischen Außenministers und Oberst der polnischen Armee Józef Beck für die Basler Nachrichten dahingehend kommentiert, dass ein Krieg durch die Ablehnung der Vorschläge Hitlers unvermeidlich und ein Kriegsausbruch auch zwischen Deutschland und Polens westlichen Verbündeten wahrscheinlich geworden sei.3

Ein noch eindrucksvollerer Zeitzeuge ist der ehemalige polnische Präsident,

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Am Beginn der Weimarer Republik standen Staatsmassaker

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13-03-19 11:29:00,

An den Märzkämpfen beteiligt: Freikorps Reinhard (in der Straße Unter den Linden, Berlin 1919). Foto: Bundesarchiv, Bild 183-S60769 / CC-BY-SA 3.0 de

  1. Am Beginn der Weimarer Republik standen Staatsmassaker

  2. Antisemitismus war von Anfang dabei


  3. Auf einer Seite lesen

In diesen Tagen jähren sich Ereignisse, die zeigen, wie schmal die Trennung zwischen bürgerlichem Staat und Faschismus ist

Paul Brandt, Ernst Bursian, Werner Weber: Das sind nur drei von 29 Namen, die am Montagvormittag vor dem Gebäude der Französischen Straße 32 in Mitte in die Höhe gehalten wurden. Dort waren diese Männer am 11. März 1919 erschossen worden.

Etwas mehr als 100 Jahre später trafen sich nun etwa 50 Menschen zu einer Gedenkveranstaltung. Initiiert wurde sie vom Regisseur und Buchautor Klaus Gietinger. Er hat in den letzten Jahren über die Gewalt geforscht, mit der im Frühjahr 1919 rechte Freikorps gegen aufständische Arbeiter und sie unterstützende Soldaten vorgegangen sind.

Auf der Seite der Arbeiter kämpfte auch die Volksmarinedivision, über deren Geschichte Gietinger kürzlich sein neuestes Buch mit dem Titel “Blaue Jungs mit roten Fahnen” im Unrast-Verlag veröffentlichte. Auch das Massaker vom 11. Januar 1919 wird dort behandelt.

“Tausendfache Morde in den Monaten der Noske-Zeit”

An diesem Tag wurden die Matrosen mit dem Versprechen, dass ihr Sold ausgezahlt wird, in den Hof der Französischen Straße 32 gelockt. Dort wurden sie von den Freikorps mit schweren Waffen empfangen. Gietinger sprach von einem der schlimmsten Massaker der Revolution vor 100 Jahren. Den Auftrag gab der Reichswehrminister Gustav Noske (SPD).

Die unmittelbar für die Ermordung der Matrosen verantwortlichen Wilhelm Reinhard, sein Adjutant Eugen von Kessel und Leutnant Marloh wurden nie bestraft und machten im Nationalsozialismus Karriere.

Die Sozialwissenschaftlerin Dania Alasti zitiert in ihrem kürzlich erschienenen Buch “Frauen der Novemberrevolution” (ebenfalls Unrast-Verlag) die Frauenaktivistin Lydia Gustava Heymann, die die 1941 in der Schweiz erschienenen Lebenserinnerungen geschrieben hat:

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Fritz Ebert und Genossen machten nicht nur gemeinsame Sache mit diesem Bürgerstande, den sie in Erscheinung und Lebensform schon lange nacheiferten und ihm gleichten wie ein Ei dem anderen,

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Vom Beginn der Maidan-Proteste an waren die westlichen Medien Partei und betrieben Kampagnenjournalismus

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22-02-19 09:24:00,

Macht es einen Unterschied, ob Medien von „Terroristen“ oder „moderaten Rebellen“ sprechen? Macht es einen Unterschied, ob Journalisten von „oppositionellen Ukrainern“ oder feindlichen „Pro-Russen“ sprechen? Natürlich. Begriffe wie diese erzeugen Bildern in den Köpfen der Mediennutzer und eigenen sich, das Denken in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen. Im Interview mit den NachDenkSeiten zeigt der Autor und Journalist Mathias Bröckers auf, mit welch einer manipulativen Sprache Mediennutzer bei der Syrien- und Russlandberichterstattung konfrontiert werden. Von Marcus Klöckner.

Gerade hat Bröckers seinen Beststeller „Wir sind die Guten“ aus dem Jahr 2014 in aktualisierter Form veröffentlicht. Darin setzen sich Bröckers und sein Mitautor Paul Schreyer auch mit dem Verhalten der Medien im Umgang mit Russland auseinander. Anlass von dem Autor zu erfahren, wie er die Berichterstattung der vergangenen 5 Jahre in Sachen Russland wahrgenommen hat.

Herr Bröckers, der Konflikt zwischen dem Westen und Russland hat sich seit Beginn der Ukraine-Krise zugespitzt. Was ist Ihre Beobachtung: Welche Rolle spielen dabei die Medien?

Die un-journalistische und unheilvolle Einseitigkeit der Großmedien in diesem Konflikt war ja der ursprüngliche Auslöser für dieses Buch. Repräsentative Umfragen zeigten schon im Sommer 2014, dass sich mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in Sachen Ukraine einseitig oder schlecht informiert fühlten. Und das lag nicht daran, dass sie irgendwelchen „Feindsendern“ gelauscht oder ominösen „russischen Trollen“ auf den Leim gegangen waren, sie hatten vielmehr ARD, ZDF und unsere sogenannte „Qualitätspresse“ konsumiert. Ihre Verunsicherung war ihnen nicht im Rahmen „hybrider Kriegsführung“ vom Kreml eingepflanzt worden, sie durchschauten vielmehr den Schwarz-Weiß-Film vom guten Westen und bösen Russen, der ihnen von „Tagesschau“ und „heute journal“ als Realität angeboten wurde, als plumpe Inszenierung. Der Permanenz und Penetranz, mit dem die Parole „Wir sind die Guten“ verbreitet wurde, verdankte unser Buch dann auch seinen Titel – und weil es damit in der vergangenen fünf Jahren nicht aufgehört hat heißt die erweiterte Neuausgabe jetzt „Wir sind immer die Guten“. Mittlerweile ist Putin ja an allem schuld. Vom Wahlsieg Donald Trumps bis zum Wetter. Als vor kurzem in einigen Regionen der USA sehr niedrige Temperaturgrade gemessen wurde, kommentierte die bekannte Sprecherin Rachel Meadows die Wetterkarte auf MSNBC mit den Worten „Und jetzt stellen sie sich vor: die Russen könnten unser Stromnetz angreifen!“ In den Vereinigten Staaten herrscht mittlerweile eine von den Medien geschürte Hysterie,

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