Antirussische Berichterstattung im Deutschlandfunk – drei kleine Fallbeispiele

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13-03-19 11:42:00,

Aufmerksame NachDenkSeiten-Leser werden schon mitbekommen haben, dass vor allem der vermeintlich so seriöse und ausgewogene Deutschlandfunk in steter Regelmäßigkeit in unseren Hinweisen des Tages mit Beiträgen verlinkt ist, die sich durch eine besonders üble propagandistische Linie gegenüber Russland auszeichnen. Das heutige Morgenprogramm lieferte wieder drei Fallbeispiele, die sehr bezeichnend sind für die antirussische Schlagrichtung der Berichterstattung.
 

Den Anfang machte heute morgen die Meldung, dass in Russland zehntausende Menschen gegen die russischen Internet-Pläne protestieren würden.

Es ist natürlich nicht uninteressant, etwas über die „Internet-Pläne“ Russlands zu erfahren. Dies aber just an dem Tag so prominent auf Sendung zu nehmen, an dem der Bundestag sich in einer aktuellen Stunde kritisch mit den „Internet-Plänen“ der EU beschäftigt, zeugt schon von einem merkwürdigen Koordinatensystem.

Danach ging es um ein US-Bundesgericht, das ein höheres Strafmaß für den ehemaligen Trump-Berater Paul Manafort wegen „antiamerikanischer Agententätigkeit“ fordert. Man hätte aus dem Prozess gegen Manafort ein lehrreiches Stück über das ausufernde Geschäft der politischen Berater und PR-Agenturen in den USA und dem Rest der Welt machen können. Man hätte das geforderte Strafmaß für die Whistleblowerin Chelsea Manning ins Verhältnis setzen können, die 35 Jahre Haft dafür bekommen hat, dass sie Kriegsverbrechen der USA offenkundig gemacht hat, während Paul Manafort für ein Potpourri an Straftaten weniger als vier Jahre Haftstrafe drohen – übrigens nicht wegen „antiamerikanischer Agententätigkeit“, wie der Deutschlandfunk suggeriert, sondern wegen Betrugs und Steuerhinterziehung. Der Deutschlandfunk ignoriert jedoch den Zusammenhang und nutzt den Fall Manafort, um weiter an der abstrusen Geschichte über die angeblich von Russland manipulierten Präsidentschaftswahlen in den USA zu stricken.

Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, wies der Deutschlandfunk nach diesen beiden Meldungen noch in einem Trailer auf die aktuelle Sendung von „Europa heute“ hin, in der es – mal wieder – um die Missstände in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien geht. Auch dies wäre sicherlich ein interessantes Thema, wenn man es nicht isoliert aus antirussischer Perspektive, sondern im globalen Kontext betrachten würde. In den letzten sechs Sendungen von „Europa heute“ ging es viermal um Tschetschenien und zweimal um Russland – natürlich jedes Mal in einem negativen Kontext. Missstände, die im Zusammenhang mit der Außenpolitik der USA oder der NATO stehen, kamen kein einziges Mal vor.

Diese drei Fallbeispiele hat uns heute morgen ein aufmerksamer Leser geschickt.

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Tendenziöse Berichterstattung über die Ukraine-Krise 2014? – Putin vs. Obama

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09-03-19 11:03:00,

Mirjam Zwingli hat eine 140seitige Masterarbeit zur Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung während der Ukraine-Krise geschrieben. Für die NachDenkSeiten hat sie nun eine gekürzte kritische Analyse der Darstellung Putins und Obamas mit Bezug zur Ukraine-Krise in der Süddeutschen Zeitung verfasst. Wird die selbsterklärte Sachlichkeit des Qualitätsmediums eingehalten oder aber in erster Linie die redaktionelle Sichtweise vermittelt?

„Our ability to shape world opinion helped isolate Russia right away. (…) Because of American leadership, the world immediately condemned Russian actions.“[2]

Diese Worte sind einer Rede des amerikanischen Präsidenten Barack Obama bezüglich der Ukraine-Krise im Mai 2014 in der US-Militärakademie West Point, einer der renommiertesten Hochschulen der Vereinigten Staaten, entnommen. Selbstredend sagen sie viel über die Berichterstattung unserer deutschen Leitmedien aus. Dies wird die Analyse eines Leitmediums in Bezug auf die Darstellung der beiden Politiker Putin und Obama zeigen.[3]

Die Ukraine-Krise und stellvertretend dafür der Absturz des Fluges MH17 über der östlichen Ukraine wird im Folgenden untersucht, da dieses Ereignis die Einseitigkeit des Leitmediums Süddeutsche Zeitung in besonderer Weise manifestierte und immer noch manifestiert. Auf der Basis von Siegfried Jägers Kritischer Diskursanalyse im Gefolge des französischen Soziologen und Philosophen Michel Foucault wird das vermittelte Wissen der SZ herausgearbeitet. Ist das Credo der journalistischen Neutralität und Sorgfaltspflicht nur noch Lippenbekenntnis? Eine geradezu indoktrinierte Ausrichtung des Feinbildes Russland unter Putin wirkt in der Berichterstattung und den damit verbundenen Bewusstseinsinhalten. Wie ist das nun im Detail zu verstehen?

Die noch recht junge Diskurstheorie Foucaults (1926-1984) analysiert die Mechanismen und Institutionen in kapitalistischen und sozialistischen Gesellschaften, die Geschriebenes wie Gesprochenes restringieren, kontrollieren und determinieren, also Macht ausüben. Es geht dabei im Wesentlichen um den Macht-Wissens-Komplex und darum, mit welchen Bildern im menschlichen Bewusstsein oder dem Diskurs Normalitäten erzeugt werden. Je stärker jemand oder etwas sich im Fluss des „Normalen“ befindet, umso mehr Macht ist damit letztendlich verbunden. Dabei spielen die Medien unserer Zeit eine immer zentralere Rolle.

An dieser Stelle noch ein Wort zur Feinbildung in der Diskursanalyse. Es gibt zwei Formen der Feind“bildung“ im Kriegsdiskurs: Einmal die Entpersonifizierung des „Feindes“ zur gesichtslosen, außenstehenden Masse. Zum anderen die Personifizierung des „Feindes“ als Irrer, der zu vernünftigen

Entscheidungen nicht mehr fähig ist, somit Verhandlungen sinnlos erscheinen und gezwungenermaßen „andere (militärische?) Vorgehensweisen“ ergriffen werden müssen.

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