Die Grenzüberschreitung

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12-04-19 07:11:00,

Reden wir also im Folgenden von zwei grundsätzlichen Herangehensweisen an einen Konflikt, verbunden mit zwei sich strikt unterscheidenden Selbstverständnissen. Beim einen ist man sich des äußeren wie inneren Konflikts bewusst und handelt daher auch bewusst mit Achtung und Respekt. Beim anderen ist man sich vor allem des inneren Konflikts unbewusst und handelt in der Folge unbewusst respektlos und ohne die angemessene Achtung. Wir erkennen hier schon die sich stellende Herausforderung: sich dessen bewusst zu werden, was man unbewusst tut.

Eindringlinge unterschiedlicher Couleur gibt es in Syrien nicht wenige. Die einen kommen mit Waffen, andere als Politiker und dann gibt es auch welche, die bewaffnet sind mit Mikrofon und Kamera. Ja, bewaffnet, denn sie erfüllen dort, wo sie rote Linien überschreiten — nämlich Staatsgrenzen — ihre Mission. Sie sind parteiisch, solidarisieren sich mit den Einen gegen die Anderen, denen sie die Achtung entziehen. Wenn ich jemandem die Achtung entziehe, dann missachte ich ihn. Das ist ein normales, unterbewusstes Verhalten und wird dann gelebt, wenn man sich — emotional gefangen — im Kampf, im Krieg befindet.

Missionen werden durch Missionare geführt. Ihrem ideologischen Auftrag verpflichtet, ziehen sie in einen geistigen Krieg — vordergründig für „das Gute“ — hintergründig und grundlegend, um den Gegner zu bekämpfen, letztlich zu schlagen, idealerweise vollständig zu unterwerfen oder gar zu vernichten.

Zuvor hat man sich selbst — auch das unterbewusst — geistig unterworfen, hat sich zum affektiv handelnden Sklaven einer Ideologie gemacht. Das gesellschaftliche Bewusstsein hier in Deutschland wird ohne Zweifel von Ideologien — im wahrsten Sinne des Wortes — beherrscht.

Solange wir uns der emotionalen Verstrickung in Ideologien nicht bewusst werden, können wir uns aus dieser Verstrickung auch nicht lösen. Halten wir uns das vor Augen, dann ist die parteiische (!) Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien zu innen- und außenpolitischen Brennpunkten absolut nachvollziehbar.

Habe ich jemals in den öffentlich-rechtlichen Medien erfahren dürfen, dass Staaten als Völkerrechtssubjekte ein Recht auf die Achtung ihrer Grenzen haben? Oder erfuhren wir es nur, wenn es in den (inneren) Auftrag der medialen Parteisoldaten hineinpasste?

Menschen wollen sich gut fühlen. Sie wollen es auch dann, wenn ihnen ihr Gefühl sagt: Ich bin gerade dabei, etwas zu tun, was nicht gut ist — also nicht nur schlecht für andere, sondern auch schlecht für mich selbst. In diesen Momenten haben wir die Möglichkeit,

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