Die Hinrichtung des Boten

die-hinrichtung-des-boten

14-02-20 10:45:00,

Republik: Nils Melzer, warum befasst sich der Uno-Sonderberichterstatter für Folter mit Julian Assange?

Nils Melzer: Das hat mich das Auswärtige Amt in Berlin kürzlich auch gefragt: Ist das wirklich Ihr Kernmandat? Ist Assange ein Folteropfer?

Was haben Sie geantwortet?

Der Fall berührt mein Mandat in dreifacher Hinsicht. Erstens: Der Mann hat Beweise für systematische Folter veröffentlicht. Statt der Folterer wird nun aber er verfolgt. Zweitens wird er selber so misshandelt, dass er heute selbst Symptome von psychologischer Folter aufzeigt. Und drittens soll er ausgeliefert werden an einen Staat, der Menschen wie ihn unter Haftbedingungen hält, die von Amnesty International als Folter bezeichnet werden.

Zusammengefasst: Julian Assange hat Folter aufgedeckt, er wurde selber gefoltert und könnte in den USA zu Tode gefoltert werden. Und so etwas soll nicht in meinen Zuständigkeitsbereich fallen? Zudem ist der Fall von emblematischer Bedeutung, er ist für jeden Bürger in einem demokratischen Staat von Bedeutung.

Warum haben Sie sich denn nicht viel früher mit dem Fall befasst?

Stellen Sie sich einen dunklen Raum vor. Plötzlich richtet einer das Licht auf den Elefanten im Raum, auf Kriegsverbrecher, auf Korruption. Assange ist der Mann mit dem Scheinwerfer. Die Regierungen sind einen Moment lang schockiert. Dann drehen sie mit den Vergewaltigungsvorwürfen den Lichtkegel um. Ein Klassiker in der Manipulation der öffentlichen Meinung. Der Elefant steht wieder im Dunkeln, hinter dem Spotlight. Stattdessen steht jetzt Assange im Fokus, und wir sprechen darüber, ob er in der Botschaft Rollbrett fährt, ob er seine Katze richtig füttert. Wir wissen plötzlich alle, dass er ein Vergewaltiger ist, ein Hacker, Spion und Narzisst. Und die von ihm enthüllten Missstände und Kriegsverbrechen verblassen im Dunkeln. So ist es auch mir ergangen. Trotz meiner Berufserfahrung, die mich zur Vorsicht mahnen sollte.

Das ganze, äußerst lesenswerte Gespräch hier.


Spenden per SMS

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer 10,- Euro Spende per SMS. Senden Sie einfach eine SMS mit dem Stichwort Rubikon10 an die 81190 und mit Ihrer nächsten Handyrechnung werden Ihnen 10,- Euro in Rechnung gestellt, die abzüglich einer Gebühr von 17 Cent unmittelbar unserer Arbeit zugutekommen.

Mathias Bröckers

Mathias Bröckers,

 » Lees verder

Härter die Boten nie schuften, als zu der Weihnachtszeit – www.NachDenkSeiten.de

Härter die Boten nie schuften, als zu der Weihnachtszeit – www.NachDenkSeiten.de

21-12-17 11:26:00,

20. Dezember 2017 um 12:34 Uhr | Verantwortlich:

Härter die Boten nie schuften, als zu der Weihnachtszeit

Veröffentlicht in: Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Audio-Podcast, Wertedebatte

Der Glühwein fließt und der Tannenbaum steht. Weihnachten steht vor der Tür. Das Fest der Nächstenliebe ist bekanntlich heute eher das große Fest des Schenkens und Beschenkens. Während der Onlinehandel zum Fest schon mal den Champagner kühlstellen und die fette Weihnachtsgans schlachten kann, brechen die Menschen, denen wir die glücklichen Augen unserer beschenkten Lieben zu verdanken haben, unter dem Stress zusammen. Denn weder das Christkind noch der Weihnachtsmann bringen die Geschenke, sondern die Boten von DHL und Hermes, denen die fleißigen Elfen bei Amazon und die unsichtbaren kleinen Helfer im fernen China die Pakete gepackt haben. Alle zweieinhalb Minuten müsste ein Zusteller ein Paket ausliefern, um in der Vorweihnachtszeit den Plan zu erfüllen. Dabei ist gerade die Paketzustellung immer noch ein Dorado für systematische Ausbeutung der Mitarbeiter und massenhafte Umgehung des Mindestlohns. Von Jens Berger.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Podcast: Play in new window | Download

Am Heiligabend noch schnell in die überfüllte Stadt, keinen Parkplatz finden, im Gedränge Platzangst bekommen und dann völlig entnervt nach Hause kommen, um die übellaunige Verwandtschaft zu verköstigen … dieser Weihnachtsalbtraum gehört schon lange der Vergangenheit an. Wenn der Heiligabend ein normaler Werktag ist, kann man seine Geschenke noch am Vormittag bequem am Rechner online einkaufen und mit Amazon Prime vom DHL-Paketboten just in time unter den Weihnachtsbaum liefern lassen. Dies klappt zumindest in zahlreichen Städten und Metropolregionen. Wer auf dem Land lebt, sollte seine Online-Weihnachtseinkäufe lieber schon am 23. Dezember tätigen. Schöne neue Welt. Und dies ist wohl erst der Anfang.

Wer etwas mehr Zeit hat, kann schon heute den kompletten deutschen Einzelhandel auch online überspringen und direkt beim Produzenten in China einkaufen. Eine neue Maus für den Computer für 1,68 Euro, ein Baumwoll-T-Shirt für 2,99 Euro oder eine Herren-Uhr mit Kunstlederarmband für 1,51 Euro – wohlgemerkt inklusive Versandkosten, also Porto für die Luftfracht aus China und Zustellungen per Einschreiben durch DHL. Das klingt verrückt? Ist es auch. Die Globalisierung hat längst auch den Privatkonsum erreicht und solche Preise sind natürlich nur machbar,

 » Lees verder