Die NATO braucht Russland als Feind, sonst ist sie überflüssig

30-11-19 10:30:00,

Lesezeit: 5 min

30.11.2019 09:46

Kommenden Mittwoch findet in London die große Geburtstagsfeier der NATO statt: Die Organisation wurde vor siebzig Jahren gegründet. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stört seit Tagen die Geburtstagslaune mit peinlichen Fragen: Was ist der Sinn der NATO heute, wer und wo ist der Feind, vor dem die NATO schützt?

avtor

Die NATO braucht Russland als Feind, sonst ist sie überflüssig

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Frieden braucht Toleranz

03-10-19 07:25:00,

Das Jahr 2019 war in Sachen Integration und Dagegenhalten gegen Spaltungsaktionen ein großer Erfolg. Owe Schattauer interviewte im Juni Ken Jebsen im Friedenscamp Ramstein (Ramstein-Kampagne) zu seiner Meinung über die Friedensbewegung insgesamt (1). Der zentrale Satz Jebsens für mich lautete sinngemäß: „Wir müssen es hinbekommen, dass auch die konservativen Kräfte mitmachen, wenn es um Frieden geht.“

Ich glaube, auf solch einen integrativen Gedanken hatten, seit Spaltung der Mahnwachen, viele gehofft. Beim Pax-Terra-Musica-Festival im Juli zeigte sich für mich dann deutlich, dass es an der Zeit ist, etwas gegen die Spaltungstendenzen zu unternehmen.

Aber ich will der Reihe nach erzählen: Jemand sollte vom Friedensfestival ausgeschlossen werden. Er wurde gebeten, den Platz — Zelt wie Festplatz — sofort wieder zu verlassen, da die Orga beschlossen habe, dass man ihn nicht dabei haben wolle. Begründung: Der Orga liege ein Video vor, welches deutlich zeige, dass diese Person nicht tragbar sei. Ihr wurde „faschistisches Gedankengut“ vorgeworfen. Jeder, der dabei war, weiß, um wen es sich handelt — was aber eigentlich nichts zur Sache tut.

Auf die Fragen des Ausgeschlossenen, ob er sich denn in einem Gespräch verteidigen könne und welches der Orga-Mitglieder mit ihm reden wolle, bekam er die Auskunft: Nein, man wolle jetzt weder mit ihm reden noch sagen, wer diejenigen seien, die seinen Ausschluss beantragt und befürwortet hätten.

In der tumultartigen Auseinandersetzung entschlossen sich unter anderem Aktivisten von Human Connection, eine Wagenburg um das Auto des Ausgeschlossenen zu bilden, was großen Zuspruch fand. Die Orga musste sich fügen, aber das Verbot, den Festplatz zu betreten, blieb bestehen. Das war der Stand am Freitagabend. Und allen Beteiligten war klar, dass diese Anmaßung sofort ein Ende finden musste.

Der gemeinschaftliche Konsens war deutlich spürbar: „Frieden geht nur gemeinsam!“ und „Wir lassen es nicht länger zu, dass immer dieselben Leute oder dieselben ‚Lager‘ versuchen, andersdenkende Menschen auszuschließen.“ Denn wer kommt schon gerne zu einer Veranstaltung, bei der es um Frieden geht, er aber befürchten muss, wegen seiner persönlichen Überzeugung wieder weggeschickt zu werden? Allen war klar: Das muss aufhören!

Und es hörte auf — trotz Interventionsversuchen derjenigen, die gewisse Gedankeninhalte und Äußerungen pauschal aussortieren wollten. Sie haben es nicht geschafft! Diesmal hatte sich der Wille, wirklich Frieden zu machen ohne Bedingungen — solange man nicht gegen die Menschenrechte und die Freiheit anderer verstößt — deutlich durchgesetzt.

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“Amerika braucht eine ‘Tote Hand'” zur nuklearen Abschreckung

13-09-19 07:54:00,

Die russische Interkontinentalrakete Satan (R-36M) kann angeblich zehn Atomsprengköpfe je 170 Kilotonnen über 15.000 km “zielgenau” transportieren. Bild: Sputnik / Maxim Bogodvidov

Mit der US-Luftwaffe verbundene Wissenschaftler schlagen ein autonomes KI-System vor, da neue Waffen wie Hyperschallraketen kein Zeitfenster mehr für menschliche Entscheidungen lassen

Curtis McGiffin, Vizedekan des Air Force Institute of Technology, und Adam Lowther vom Louisiana Tech Research Institute, das auch mit der US-Luftwaffe verbunden ist, haben in einem Artikel einen eigenwilligen Vorschlag gemacht. Sie schreiben unter dem Titel “Amerika braucht eine ‘Tote Hand’”, dass die USA im neuen Wettrüsten ein “auf Künstlicher Intelligenz basiertes automatisches strategisches Reaktionssystem” entwickeln müsse. Das amerikanische NC3-System (nuclear command, control, and communications) stamme weitgehend noch aus dem Kalten Krieg, als es noch genügend Vorwarnzeit gegeben habe, auch wenn diese zuletzt mit den von U-Booten abgefeuerten Raketen schon auf 15 Minuten geschrumpft ist.

Hyperschallraketen, Stealth-Marschflugkörper und KI würden die Zeitspanne so schrumpfen lassen, dass der US-Präsident nicht mehr vernünftig entscheiden könne oder jeder “human in the loop” die erforderliche Reaktionsgeschwindigkeit nur behindern würde. Konkret benannt werden neue, in der Entwicklung befindliche russische Waffen wie die Marschflugkörper Kaliber-M and Kh-102, das nuklear betriebene Poseidon-U-Boot oder der manövrierbare Hyperschallraketengleiter Avangard Objekt 4202, die das amerikanische NC3-System unwirksam machen könnten (Gefährliches Wettrüsten mit Hyperschallraketen).

Die sowjetische “Tote Hand” für das Gleichgewicht des Schreckens

Es geht also darum, das sowjetische Konzept der “Toten Hand” aus dem Kalten Krieg auf der Grundlage autonomer Systeme zu übernehmen. Auch die USA hatten im Kalten Krieg NC3-Systeme entwickelt, die auf KI basierten, die aber angeblich keinen Angriff automatisch auslösen konnten. Mit dem Konzept wollte die Sowjetunion mit einem System sicherstellen, dass dann, wenn die sowjetische Führung durch einen Erstschlag gezielt ausgeschaltet werden sollte, automatisch ein nuklearer Gegenangriff gestartet wird, um so die gegenseitig zugesicherte Zerstörung (MAD) aufrechtzuerhalten.

Mit der “Toten Hand” oder “Perimetr” reagierte die sowjetische Führung auf die Entwicklung von Präzisionsraketen, die einen Enthauptungsangriff auf die politische und militärische Führung ermöglichen oder deren Kommunikation mit den strategischen Einsatzkräften unterbrechen könnten, um das Gleichgewicht des Schreckens wiederherstellen. Der Gegner – die USA – könnte zwar davon ausgehen, die Führung ausschalten zu können, würde damit aber einen Gegenangriff auslösen. 1985 soll das System einsatzbereit gewesen sein.

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„Was die Friedensbewegung braucht sind eigene Gedanken“ | KenFM.de

19-06-19 09:05:00,

Daniele Ganser sprach in Hamburg über Wahrheit, Mut und Liebe

Eine Rezension von Christiane Borowy.

Insgesamt elf Vorträge hat Daniele Ganser in Hamburg schon gehalten. Am 13. und 14. Juni 2019 hat es wieder mehrere hundert Menschen, die seine Einschätzungen zur internationalen Politik hören wollen, in die Hansestadt gezogen. Themenschwerpunkt diesmal war „Wahrheit, Mut und Liebe“. Dies sind Werte, die der Friedensbewegung, also allen Menschen, die das gewaltsame „Lösen“ von Konflikten ablehnen, als Leitstern und zur Stärkung dienen können. Wahrheit, Mut und Liebe dienen als universelle Prüfkriterien von: UNO-Gewaltverbot, UN-Sicherheitsrat, illegalen Kriegen seit 1945, den Medien vor und bei Kriegsausbruch, Kriegsverbrechern, Geheimdiensten, der individuellen Weiterentwicklung und Bewusstseinsbildung sowie der Stärkung der Friedensbewegung. Niveau und Spannungsbogen waren also gewohnt hoch.

20 Jahre forscht Ganser inzwischen zu Krieg, Terror und Lügen. Das alles bedeutet Chaos und wenn man als Wissenschaftler zu diesem Thema recherchiert, aufwühlende Texte liest und Bilder sieht, ist es keine leichte Aufgabe, im Gefühls- und Gedankenchaos die Ruhe zu behalten. Ganser ist also nicht nur Experte in Fragen des Zeitgeschehens seit 1945, sondern versteht auch etwas davon, einerseits die thematisch „heißen Eisen“ anzupacken und andererseits körperlich und seelisch bei Gesundheit zu bleiben. Wie macht er das?

Ganser schlägt vor, dass man in jeder Situation mit der Frage beginnen kann: Was ist die Wahrheit? Was würde der Mut, was die Liebe sagen?

Dabei ist die Wahrheit für Ganser ganz wesentlich eine Sache der Perspektive. So ist es bei aller Wahrheitsfindung wichtig, auch verschiedene Sichtweisen einzunehmen und nicht nur einer vorgegebenen Meinung zu einer Lage zu folgen. Das bezieht sich nicht nur auf die Medien, sondern auch auf jeden selbst. Es ist gut, die Fähigkeit zu entwickeln, sich von einer als persönliche Wahrheit gebildeten Meinung auch wieder lösen zu können anstatt zu denken: „Ich habe mich umfassend informiert, viele Perspektiven eingenommen, jetzt habe ich die Wahrheit und so ist es. Das müssen die anderen Menschen jetzt mal verstehen.“ Es kann immer sein, dass etwas dran ist an dem, was ein anderer sagt.

Beschäftigt man sich mit illegalen Kriegen braucht es Mut, die Wahrheit auszusprechen. Der Mensch ist ein soziales Wesen und wer eine Wahrheit ausspricht,

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Das System braucht den Krieg, um noch funktionsfähig zu sein

19-05-19 06:24:00,

Bild: DoD

Der permanente Krieg könnte der Hauptgrund für die seit Jahren zu beobachtende mediale Formierung sein

Ulrich Teusch analysiert seinem neuen Buch aktuelle und historische Propagandastrategien und beleuchtet die Interessen der Kriegsverkäufer in Politik, Wirtschaft, Militär und Medien. Am Dienstag, den 21.5., ist er Gast beim Telepolis-Salon auf der Alten Utting zum Thema “Desinformationskriege und kriegsvorbereitende Propaganda.

In einer idealen Welt wäre Politik gleichbedeutend mit Friedenspolitik. Politiker würden alles in ihrer Macht und Kraft stehende tun, um den äußeren und inneren Frieden zu sichern. Den äußeren Frieden durch Diplomatie, Respekt vor dem Völkerrecht, Vertragstreue, Multilateralismus, Institutionenbildung, Friedenserziehung, Abrüstung und Rüstungskontrolle, vertrauensbildende Maßnahmen, Austausch von Menschen und Ideen, Entwicklungshilfe, Interessenausgleich. Den inneren Frieden durch größtmögliche Liberalität und Toleranz, Offenheit der Diskurse, demokratische Mitsprache und Mitbestimmung, rechts- und sozialstaatliche Sicherheit, Verteilungs- und Chancengerechtigkeit.

Doch wir leben nicht in einer idealen Welt. Wir sind – global betrachtet – von Friedenszuständen im Äußeren wie im Inneren weit entfernt und entfernen uns immer mehr.

Der Krieg zwischen der NATO und Russland hat schon begonnen. Noch fliegen uns zwar keine Raketen um die Ohren, aber wir befinden uns mitten in einem Wirtschaftskrieg, einem Cyberkrieg, einem hybriden Krieg, einem Propagandakrieg – auch einem Krieg mit militärischen Provokationen oder “Nadelstichen”. Dort, wo man sich unmittelbar gegenübersteht, etwa in Syrien, bedarf es eines erheblichen Koordinationsaufwands (und manchmal auch beachtlicher Nervenstärke), um den direkten Konflikt und dessen Eskalation zu vermeiden.

Die Grenzlinien zwischen Kriegs- und Friedenszuständen werden immer poröser. Folgt man einem weitgefassten Kriegsverständnis, dann ist Krieg inzwischen zu einem Normalzustand geworden. Die westliche Führungsmacht führt seit 2001 permanent Krieg. Die politisch Verantwortlichen des Landes bezeichnen ihn als Generationenkrieg, langen Krieg, unendlichen Krieg. Krieg ist für die USA zum natürlichen Zustand geworden, zum Way of Life, zur Raison d’être. Das System braucht den Krieg, um noch funktionsfähig zu sein. Es ist einer “Kriegssucht” (Philip Giraldi) verfallen.

Krieg geht mit Kriegspropaganda einher, permanenter Krieg mit Kriegspropaganda in Permanenz. In Kriegen kommt es für gewöhnlich zu einer Quasi-Gleichschaltung der etablierten Medien. Und so ist der permanente Krieg möglicherweise der Hauptgrund für die seit Jahren zu beobachtende mediale Formierung. Unter einem Druck dieser Art wird der ohnehin schon enge Mainstream-Korridor zum Laufställchen. In einer solchen Konstellation kann nicht mehr über die Frage diskutiert werden,

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