Der Fall Lisa Eckhart – Cancel Culture in Deutschland

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06-08-20 01:26:00,

Die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart gehört zu den Personen, denen deutsche Medien das Attribut „umstritten“ als vorangestellten Namensbestandteil verliehen haben. Nun wurde Eckhart, wie der SPIEGEL berichtet, vom Veranstalter einer Literaturlesung in Hamburg ausgeladen. Die offizielle Begründung: Eckhart sei so umstritten, dass man im „bekanntlich höchst linken Viertel“, in dem die Veranstaltung stattfinden sollte, die „Sicherheit der Besucher und der Künstlerin“ nicht gewährleisten könne. Zuvor hatten zahlreiche Feuilletonistinnen, angeführt von taz und SPIEGEL, Eckhart Antisemitismus, Rassismus und weitere unschöne Dinge vorgeworfen und damit die Atmosphäre geschaffen, die sich nun nach Ansicht der Veranstalter gewalttätig entladen könnte. Das ist tragisch. Noch tragischer ist jedoch, dass große Teile des sich selbst als linksliberal verstehenden deutschen Feuilletons offenbar die Satire von Lisa Eckhart nicht einmal im Ansatz verstehen, fehlt ihnen doch jeglicher Sinn für kritische Selbstreflektion. Von Jens Berger.

Gerne beginnt man ein solches Stück mit dem Satz: „Die Bühnenfigur Lisa Eckhart ist darauf angelegt, zu polarisieren“. Doch das ist falsch. Lisa Eckhart geht es nicht darum, zu polarisieren. Sie will provozieren. Und das beginnt bereits mit ihrem Äußeren. In einer Zeit, in der jeder kritische Kommentar zu Äußerlichkeiten als “Lookism” verpönt ist, wirkt bereits ihr platinblondes, leicht anorektisches und bis zur Grenze ans Klischee auf sexy und elegant gestyltes Äußeres wie eine Provokation. Ihr durch und durch arroganter, von Selbstzweifeln befreiter, reaktionärer altösterreichischer Habitus unterstreicht dieses Bild in Perfektion – ein weiblicher böser Falco, den man reflexhaft unsympathisch finden muss und der den perfekten Gegenentwurf zum Klischee einer taz-Feuilletonistin darstellt.

Die Satire von Lisa Eckhart ist schwarz und bitterböse. In einem Land, das lange Zeit Satire und Kabarett nur in der Form des hochmoralischen Oberlehrers gekannt hat, ist dies ein Affront. Man muss wohl auch eine bestimmte „Satire-Sozialisation“ durchlaufen haben, um Eckharts Satire zu verstehen und zu mögen. Wer wie der Autor dieses Textes mit der ebenfalls oft schwarzen und bitterbösen Satire von Monty Pythons Flying Circus aufgewachsen ist, wird in der Regel einen guten Zugang zu dieser Form von Satire haben, die Stereotype nutzt, um zur Selbstreflektion anzuregen und dabei eben jene Stereotype zu hinterfragen.

Es ist schon ein großer Erfolg, dass dieses Stilmittel in den letzten Jahrzehnten auch in Deutschland mehr und mehr akzeptiert wurde.

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Cancel Government Secrecy: Notes From The Edge Of The Narrative Matrix

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20-07-20 12:37:00,

I’ve been publishing a lot more Notes From The Edge Of The Narrative Matrix pieces lately because something shifted here recently and I’ve been having loads more ideas for pithy tweet-sized observations, and if I don’t publish them regularly they’ll be hour-long reads. But don’t worry if you’re more of a fan of the normal essays, I’ll still be putting those out as per usual too.
– CJ

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Want a healthy world? End secrecy for the powerful, break up all media and fully democratize it, and decriminalize psychedelics. Stop interfering in people’s ability to clearly see what’s going on in their world, in their nation and in themselves, and a healthy system will naturally arise.

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The amount of power you have over other people should have an exactly inverse relationship to your right to privacy. The more power you have, the less secrecy you should be entitled to. Once your power reaches governmental level or its corporate/financial/political/media equivalent, that secrecy should be zero.

How crazy is it that we’ve allowed people to have power over us and also keep secrets from us? That by itself is bat shit insane. And then to let them shame us and punish us when we try to work out what they’re up to behind that wall of opacity? Utter madness.

Nobody running any government should be allowed to have secrets. Yes, this will mean fewer people are interested in getting into government. That’s as it should be. It shouldn’t be enticing. It’s meant to be a vocation, dedicated to public service. Public servants, private citizens. If you want privacy, then power should be made unappealing to you.

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Government says it needs secrecy to make war on its enemies effectively, and, curiously, the more secrecy we allow it the more wars and enemies it seems to have.

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Step 1: Legalize government secrecy so you can do evil things in secret.

Step 2: Use government secrecy to do many many evil things.

Step 3: Call anyone who says you do evil things in secret a crazy conspiracy theorist.

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Government: We need to keep secrets from you.

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„Cancel Culture“ – Intoleranz im Namen der Toleranz

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16-07-20 01:52:00,

Alte Filme und Serienfolgen werden aus den Archiven gelöscht, Statuen werden gestürzt, Referenten und Dozenten ausgeladen und in Medien und Wirtschaft werden Menschen entlassen, die als falsch empfundene Positionen vertreten, die die heilige Dreifaltigkeit von Gleichheit, Diversität und Inklusion verletzen. All dies wird heute unter dem englischen, nur sehr schwer ins Deutsche zu übertragendem Begriff „Cancel Culture“ zusammengefasst. Befürworter sprechen von einem „Gerichtshof der öffentlichen Vernunft“, Gegner von der Herrschaft eines selbstgerechten Mobs, der vor allem über Shitstorms auf Twitter kommuniziert. Ziel der „Cancel Culture“ ist die systematische Boykottierung, Verbannung und Annullierung von Werken und Personen aus dem öffentlichen Leben. Eine Anti-Aufklärung, die Intoleranz im Namen der Toleranz pflegt, ein Volksgerichtshof der politischen Korrektheit. In den USA ist „Cancel Culture“ bereits allgegenwärtig und auch in Deutschland machen sich bedenkliche Tendenzen bemerkbar. Von Jens Berger.

Spätestens seit dem Mord an dem Afroamerikaner George Floyd wird der Kampf gegen den Rassismus in den USA als das grundlegende Prinzip ethischen Handelns verstanden. Dabei geht es natürlich vor allem um kulturelle und ideologische Fragen, die sich eher auf der abstrakten Ebene bewegen. Für sozioökonomische Ansätze ist da kein Raum. Es geht um Schwarz und Weiß und nicht um Oben und Unten, Reich und Arm. Der Täter ist der Weiße, privilegiert wegen seiner Hautfarbe, und insbesondere der weiße Mann, privilegiert durch Hautfarbe und Geschlecht – egal ob er in einem Penthouse in der 5th Avenue oder im Trailerpark lebt. Der Stützpfeiler seiner Macht ist in dieser Ideologie auch nicht das asoziale System der USA, das den Zugang zum Bildungs- und Gesundheitssystem und zu den einflussreichen Positionen in Politik, Medien, Kultur und Wirtschaft von der materiellen Herkunft abhängig macht, sondern die kulturelle Hegemonie der weißen „Rasse“ und natürlich das Patriarchat.

Vom Shitstorm verweht

Gemäß dieser vereinfachten und falschen, da oberflächlichen, Herleitung verschiebt sich natürlich auch das Bild des Anti-Rassismus. Da gilt es dann als anti-rassistische Großtat, den achtfach oscarprämierten Filmklassiker „Von Winde verweht“ aus dem Programm zu nehmen. Der Film sei „voller rassistischer Vorurteile“, so der US-Kabelfernsehanbieter HBO. Natürlich ist er das. Der Film ist im Jahre 1939 entstanden und damals waren die USA eine von rassistischen Vorurteilen geprägte Gesellschaft. Man darf nicht vergessen, dass das Land, das den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg mittels Re-Education den Rassismus austreiben und die Demokratie beibringen wollte,

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