Der neue CDU-Vorsitzende Armin Laschet: Gelernter Mehrfach-Populist – mit Hintermännern, …

25-01-21 07:49:00,

… und wohl nur eine Zwischenlösung. Langzeitkanzlerin Angela Merkel hält ihre ermattende Regierungspartei CDU mühsam über knappem „Volks“partei-Niveau. Der neue Parteivorsitzende Laschet soll die nächste Bundestagswahl im September 2021 gewinnen. Er kann Populismus. Doch die unter Merkel still und komplizenhaft losgelassenen Kapitalmächtigen fordern mehr offene Präsenz. Laschet als „Deutschlands next Mutti“ ist erstmal eine rettende Übergangslösung. Ein Einblick in das Milieu mit Strategen im Vorder- und Hintergrund. Von Werner Rügemer.

Gelernter Mehrfach-Populist

Laschet kann Populismus, mehrfach. Er ist ein Meister der Anbiederung, mehr noch als „Mutti Merkel“. Er verspricht dem ganzen Volk das gute Leben.

Ich, der Bergmanns-Sohn

Wenn es bei Gelegenheit drauf ankommt, dann gibt Laschet den Proletarier-Sohn. In seiner Bewerbungsrede beim CDU-Parteitag am 16.1.2021 zog er die Bergmanns-Marke seines Vaters aus der Hosentasche und hielt sie in die Kameras. Der Vater war Bergmann im Aachener Kohlerevier; wenn die Kumpels tausend Meter unter Tage waren, so Laschet, habe sein Vater nicht danach gucken können, wer welcher Nationalität sei – „Vertrauen“ war entscheidend.

Der Vater habe ihm die kleine Marke als Glücksbringer zum Parteitag mitgegeben. „Sag den Leuten: Sie können dir vertrauen“, verriet Laschet freundlich lächelnd den Delegierten. Er kommt aus „bescheidenen Verhältnissen“. Bescheiden, aber aufstiegsbereit, wie er immer wieder betont: Seine Mutter war Hausfrau. Sein Vater konnte nach dem Ende des Kohleabbaus umschulen und brachte es zum Leiter einer Grundschule.

Ich, der gute Katholik

Als ungleich intensiver eingesetzte Komponente des Populismus gibt Laschet den guten Katholiken. „Ich bin christlich“, wiederholt er, „nicht konservativ“. Er tut was für Familien, Kinder, „für die Menschen“.

Zwei Monate vor dem CDU-Parteitag bekam er eine Privataudienz bei Papst Franziskus. Privataudienz bedeutet: Die ist besonders wichtig, und Laschets Medienhelferchen streuen die Bilder mit Laschet beim Papst weit herum.

Laschet setzte auch darauf, dass Konkurrent Merz, ebenfalls Katholik, keine solche Audienz im Vatikan bekommt, denn Merz „muss mangels Amt auf solch höhere Weihen verzichten,“ wie die Vatikan-Korrespondentin des vom katholischen Bundeskanzler Adenauer gegründeten Staatssenders ZDF genüsslich berichtete. Und das war nach 2018 schon die zweite Privataudienz beim Katholiken-Weltchef.[1]

„Ich, der Öcher“

Auch mit einer weiteren Populismus-Komponente will der CDU-Politiker Stimmen der Wahlschafe und Wahlschäfinnen einsammeln. Laschet kommt aus Aachen, hier hat er seinen Wahlkreis.

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