Chile – Sebastián Piñera, die Ein-Prozent-Elite und die Militärs

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30-11-19 01:14:00,

Teil 1: zwischen Absturz in den Abgrund und autoritärem Abenteuer. Seit 40 Tagen wird Chile von barbarischen Polizeieinsätzen gegen überwiegend friedliche Massenproteste geschüttelt. Indes liefert sich eine Minderheit vermummter Jugendlicher hinter Barrikaden – angebliche Anarchisten, die sich „Primera Línea“ („Vordere Reihe“) nennen, doch laut Mutmaßungen von Regierung und Teilen der Medien mit (sic!) „Kriminellen und Drogenhändlern gemeinsame Sache zur Zerstörung Chiles“ machen – kriegsähnliche Straßenschlachten mit Chiles Carabineros. Das Bombardement mit Tränengas, mit ätzenden Chemikalien versetztem Wasser und falschen, tödlichen Gummigeschossen mit 80 Prozent Bleischrot sowie die aus der Gegenrichtung fliegenden Pflastersteine und Molotov-Cocktails haben mehrere Innenstädte des Landes in rasende, krachende und rauchende Schlachtfelder verwandelt. Von Frederico Füllgraf.

Die obendrein praktizierten Brandstiftungen und Plünderungen befeuern allerdings die Kriminalisierung und Austrocknung der Kundgebungen mehrerer Millionen Menschen, die quer durch oder fern sämtlicher Parteien seit dem 18. Oktober „Schluss!“ sagen zum seit 40 Jahren herrschenden, ultraliberalen Wirtschaftssystem mit der von seiner skrupellosen 1-Prozent-Elite errichteten katastrophalen sozialen Ungleichheit.

Aus der Sicht der Arbeiter und Angestellten bedeutet die Brandstiftung und Plünderung eines verhassten, hochversicherten Supermarktes einen Schuss in den Ofen. Juan Moreno, Vorsitzender der Angestellten-Gewerkschaft der Walmart-Handelskette in Chile, richtete daher einen Appell an die Gelegenheits-Kriminellen: „Wenn sie einen Supermarkt ausplündern, nehmen sie nicht nur die Waren, sondern auch unseren Arbeitsplatz mit“. Die Warnung Morenos wird jedoch von tausenden, nicht versicherten Kleinhändlern geteilt, deren Läden, wenn nicht ebenso von erbosten Feuerlegern oder opportunistischen Plünderern angegriffen, zumindest in Mitleidenschaft gezogen werden und bankrott gehen.

Dass die US-Handelskette Walmart Zielscheibe von Hassentladungen ist, wundert nicht, gehört sie doch in den Augen der meisten Chilenen zur Gruppe der abusadores, also der Kartellbetreiber und finanziellen Notzüchtiger, wie die privaten Krankenkassen, Papierhersteller und großen Apotheken. Ja, über Walmart – insbesondere über seinen nach Chile emigrierten Miterben Benjamin Walton, die Liaison dessen chilenischer Ehefrau mit der rechtsradikalen Szene, die milliardenschweren Steuerschulden und den Teilbankrott des Konzerns in Lateinamerika – ist allerdings eine Menge zu berichten, doch das wird Inhalt eines weiteren, zukünftigen Artikels auf den NachDenkSeiten sein.

Divide et impera: Piñeras Umformung der Forderungen und Spaltung der Opposition

Jedenfalls gelingt es Präsident Sebastian Piñera, krakeelende Rechte und Salonlinke gegen den gemeinsamen Feind zu vereinen: das „Lumpenproletariat“. Seit Ausbruch der Proteste macht der Marxsche Begriff mit abwertendem Unterton wieder die Runde.

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Chile: Die 230 Augen des Sebastián Piñera

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21-11-19 09:39:00,

Auf “Kommando von oben” wütet in Chile die brutalste Polizei des Kontinents . Trotzdem: Zur feierlichen Begehung der seit 30 Tagen andauernden sozialen und politischen Proteste, die am 18. Oktober 2019 mit dem Fahrpreisboykott der U-Bahn begannen, versammelten sich erneut zigtausende Demonstranten auf dem Plaza Italia, der als Protest-Ikone mittlerweile in „Plaza de la Dignidad – Platz der Würde“ umgetauft wurde. Ein Bericht aus Santiago de Chile von Frederico Füllgraf.

Doch anders als in den vorangegangenen, allwöchentlichen, teils alltäglichen Aufmärschen und Kundgebungen handelte die Carabinero-Bereitschaftspolizei diesmal mit unerwarteter Taktik. Sie fuhr Panzerwagen und Wasserwerfer auf, riegelte das mehrere Quadratkilometer messende Areal rund um den Platz ab, schaltete die Laternen der öffentlichen Beleuchtung ab, kesselte die tausendköpfige Menschenmenge in der Dunkelheit ein, beschoss sie mit Tränengas und ätzendem Wasser und knüppelte innerhalb weniger Minuten den Platz mit derart brutalem Gewalteinsatz leer, dass mehrere Dutzend entsetzter und verzweifelter Menschen sich in den angrenzenden Mapocho-Fluss stürzten, der mitten durch die chilenische Hauptstadt strömt.

Am nächsten Nachmittag, dem 19. November, strömten dennoch einige tausend Demonstranten auf den Platz zu. Doch bevor die Menge überhaupt den Mittelpunkt des populären Kundgebungsortes erreicht hatte, brachen Carabineros einen barbarischen Einsatz mit Wasserwerfern, Tränengas und knochenbrechenden Knüppeln vom Zaun. Der Einsatz gipfelte diesmal in blankem Verbrechen, als Polizisten Demonstranten über die Mauer vor dem 10 Meter tiefer liegenden, steinigen Mapoch-Ufer stürzten.

Die korrupten „Bluthunde“ der Ein-Prozent-Elite

Von mehreren schwerbewaffneten Beamten blutig zusammengeschlagene, mit hinterlistigen Fußtritten misshandelte, an den Haaren geschleifte, gewürgte, mit Motorrädern brutal angefahrene und überfahrene, auf Revieren zwangsentkleidete, befummelte und vergewaltigte Demonstranten gehören seit Ausbruch der Proteste zum Alltag der Polizei-Willkür, die mit aller Schärfe von Opfern, Juristen und Teilen der Medien als eklatante und systematische Verletzung der Menschenrechte angeklagt werden.

Chiles Carabineros gelten zurzeit als die brutalste Polizei Lateinamerikas. Das 1927 vom Armeegeneral und Diktator Carlos Ibáñez del Campo gegründete Polizeikorps hat in den 81 Jahren seines Bestehens mit dem Niederschlagen von Streiks, Kundgebungen und als Hilfstruppe des Heeres zigtausende Menschen auf dem Gewissen. In verschiedenen chilenischen Landkreisen ermittelt die Justiz 30 Jahre nach Ende der Pinochet-Diktatur immer noch gegen bisher protegierte, alternde Carabinero-Beamte, die abscheuliche Folterungen und Mordtaten gegen Anhänger der Regierung Salvador Allende zu verantworten haben.

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“Wir wollen nicht ein Chile für wenige. Wir wollen ein Chile, das allen gehört!” Das sagten chilenische Nationalspieler.

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15-11-19 02:32:00,

Die NachDenkSeiten kritisieren in der Regel und aus gutem Grund andere Medien. Aber wir zitieren sie mit Wohlwollen und großem Respekt, wenn sie aufklären, wenn sie gegen den Stachel löcken. Das tut die Süddeutsche Zeitung heute im Sportteil. Hier der Link – Wir verdanken diesen Hinweis dem NachDenkSeiten-Leser Ludger Elmer. Er zitiert eine zentrale Aussage des Nationaltorwarts Claudio Bravo zur maßlosen Privatisierung in Chile. Das ist interessant, weil dieser Wahnsinn nahezu überall auf der Welt begangen worden ist. Und jetzt zum Beispiel auch in Bolivien so losgeht. Albrecht Müller.

Ludger Elmers Mail:

Anbei ein Link aus dem Sportteil (!) der SZ, der einen Beitrag in den Hinweisen des Tages wert ist. Die Nationalspieler streiken und kritisieren den Zustand ihres Landes. Ein Auszug:

“Während in internationalen Medien noch das Wort von Staatschef Piñera nachhallte, Chile sei “eine Oase”, fasste Nationaltorwart Claudio Bravo die über Jahrzehnte gewachsenen Gründe für die angeblich überraschende Rebellion zusammen: “Sie haben unser Wasser, den Strom, das Gas, die Bildung, die Renten, die Medikamente, die Straßen, die Wälder, die Salzfelder der Atacama-Wüste, die Gletscher und den Transport privatisiert. Wir wollen nicht ein Chile für einige wenige. Wir wollen ein Chile, das allen gehört”, schrieb Bravo.

Den vielleicht spektakulärsten Auftritt aber legte der stillste Profi von allen hin: Charles Aránguiz, Mittelfeldspieler bei Bayer Leverkusen und – wie Kapitän Gery Medel, der frühere Bayern-Profi Arturo Vidal und Bravo – eine Säule der chilenischen Teams, die 2015 und 2016 die Copa América gewannen: “Wenn ich zu Hause wäre, würde ich an der Seite meiner Leute mitmarschieren und kämpfen”, sagte Aránguiz in einem Radiointerview.”

Anmerkung Jens Berger: In diesem Zusammenhang ist auch eine 2015 ausgestrahlte Arte-Doku mit dem Titel “Rebellen am Ball” zu empfehlen, in der unter anderem die Geschichte des chilenischen Fußballers Carlos Caszely erzählt wird, der Pinochet aus Überzeugung den Handschlag verweigert hat und dafür büßen musste. Die Doku ist unter diesem Link bei YouTube verfügbar.

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Warum in ganz Chile Statuen stürzen

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07-11-19 12:04:00,

Zerstörung der Statue von Kolumbus in Arica. Bild: Marcela/Biobiochile

Der Bildersturm in dem südamerikanischen Land zeigt, dass es um mehr geht als nur Sozialreformen

In Chile kommt es im Zuge der Massenproteste gegen die Regierung von Präsident Sebastián Piñera zunehmend zu Angriffen auf historische Statuen und Monumente, die Persönlichkeiten des Kolonialismus und der Oberschicht ehren. Der Sturz zahlreicher Monumente macht deutlich, dass die Proteste weit tiefgreifender sind als sie in westlichen Medien dargestellt werden. Dort kommen diese und andre Entwicklungen kaum vor (eine Ausnahme aus Großbritannien hier). Es geht den Demonstranten nicht nur um Sozialreformen und den Abtritt Piñeras, sondern um eine grundlegende Abrechnung mit der Oligarchie, die das Land mit Unterbrechung der Regierung von Salvador Allende (1970-1973) fest im Griff hat und ihre Macht – wenn nötig – brutal verteidigt.

Ein prominentes Beispiel für den chilenischen Bildersturm ist die Plaza Italia der Hauptstadt Santiago de Chile. Das Denkmal von General Manuel Baquedano, das an dessen Rolle im Pazifikkrieg mit Peru und Bolivien vor mehr als 100 Jahren erinnert, weist inzwischen schwere Schäden auf. Auch zwei Begleitskulpturen, eine Frauenfigur, die für Freiheit stehen soll, und ein “unbekannter Soldat der Heimat”, wurden attackiert. Ein online verbreitetes Handyvideo zeigt, wie die Figur des Soldaten vom Sockel gerissen wird. Das Reiterstandbild wurde inzwischen zu einem Symbol der Demonstranten gegen die Regierung Piñera.

In der Stadt Arica zerstörten Unbekannte ein Denkmal von Christoph Kolumbus. Der steinerne Sockel und die Büste standen seit 1910 auf dem Platz. Wie in anderen Orten zogen die Demonstranten eine Seilschlinge um das Standbild und zogen es gemeinsam um. Nach Angaben des Bürgermeisters Gerardo Espíndola will die Denkmalschutzbehörde CMN das Monument nun sichern und wieder aufbauen.

Am Montag dieser Woche zogen Demonstranten in der Stadt Punta Arenas die Büste des Oligarchen José Menéndez Menéndez (1846-1918) vom Sockel und warfen sie vor ein Denkmal für die Indigenen der Region Patagonien. Menéndez gilt in der Region als Mitverantwortlicher für den Völkermord an den des Selk’nam-Indigenen, die Menéndez vertreiben und ermorden ließ, um Platz für seine Schafherden zu haben.

In der Gemeinde Cañete in der südlichen Provinz Arauco folgten rund 500 ortsansässige Mitglieder der Mapuche-Volksgruppe einem Demonstrationsaufruf.

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Massenproteste in Chile: Was wir in den deutschen Medien darüber NICHT erfahren | Anti-Spiegel

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02-11-19 06:32:00,

Die Demonstrationen in Chile machen weiterhin Schlagzeilen, nur erfährt der deutsche Leser nichts über die Hintergründe. Und das aus gutem Grund, wie eine Analyse zeigt.

Es ist, wie so oft: Wer die Vorgeschichte nicht kennt, der kann die aktuellen Ereignisse nicht verstehen. Die massiven Proteste in Chile haben in der Tat eine wirklich lange Vorgeschichte, die den Konsumenten der deutschen „Qualitätsmedien“ aber nicht erzählt wird. In Chile geht es keineswegs um die Politik der aktuellen Regierung oder um den aktuellen Präsidenten. Die Gründe liegen weitaus tiefer und sind auch viel älter. Die Fahrpreiserhöhungen für die chilenische U-Bahn sind nicht der Grund der Proteste, sondern nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Daher will ich auf die Vorgeschichte eingehen.

Die Geschichte geht zurück ins Jahr 1973. Damals hatte sich General Pinochet mit massiver Unterstützung der CIA gegen den demokratisch gewählten Präsidenten an die Macht geputscht. Chile wurde unter Pinochet zu einem wirtschaftspolitischen Experminetierfeld. Er holte chilenische Wirtschaftswissenschaftler ins Land, die in Chicago studiert hatten und sich daher „Chicago Boys“ nannten. Sie krempelten Chiles Wirtschaft komplett um, indem sie auf eine marktradikale, neoliberale Politik in Reinkultur setzten. Regulierungen wurden abgeschafft und es wurde wirklich alles privatisiert. In Chile kann man also die Auswirkungen einer neoliberalen Wirtschaftspolitik besser beobachten, als überall sonst auf der Welt.

Oft sind in ärmeren, aber einigermaßen entwickelten Ländern die Lebenshaltungskosten niedriger, als in Deutschland, weil manches subventioniert wird, damit es für die Menschen zu Leben reicht. Das kann Lebensmittel betreffen, den Nahverkehr, Benzin und Heizung und so weiter. In Russland zum Beispiel reichen die minimalen Renten trotzdem mehr oder weniger zum Leben, weil die Rentner sehr viel umsonst bekommen. Jede russische Region kann dazu eigene Regeln aufstellen, aber meist ist der ÖPNV für Rentner gratis, auf Medikamente und Wohnnebenkosten gibt es große Rabatte, in manchen Regionen bekommen sie sogar einen jährlichen Urlaub in einem Kurort bezahlt. Ich habe das hier mal analysiert.

In Chile gibt es keinerlei Subventionen für den Bedarf der einfachen Menschen. Die Lebenshaltungskosten in Chile sind etwa so hoch, wie in Deutschland. Nur sind die Einkommen dort wesentlich niedriger, wie wir gleich sehen werden.

In Chile wurde vor 40 Jahren alles privatisiert, angefangen bei der Rente. Einige Staatsfonds sammeln die Beiträge ein und legen das Geld an,

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Wendepunkt in Chile

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29-10-19 08:45:00,

Über eine Million Chilenen demonstrieren am Freitag in Santiago. Bild: Twitter

Der Ausnahmezustand ist beendet. Massendemonstrationen zwingen Piñera, seinen Ton zu ändern, das Kabinett soll neu besetzt werden

Die Proteste in Chile für tiefgreifende Reformen zeigen ihre Wirkung. “Eine harte und ernüchternde Woche” resümiert Präsident Sebastian Piñera und zieht Konsequenzen aus der knapp zweiwöchigen Staatskrise. In einer Ansprache am Samstag sagte er, es sei an der Zeit, Änderungen im Kabinett vorzunehmen, er habe alle Minister zum Rücktritt aufgerufen. Am Sonntag verkündete er zudem die Aufhebung des Ausnahmezustands und das Ende der Ausgangssperre. In wenigen Wochen findet in Chile der Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) statt, kurz darauf der Weltklimagipfel. Piñera will schnell zurück zur Normalität.

Ausgelöst durch eine Tariferhöhung der U-Bahntickets entwickelten sich binnen kürzester Zeit erste Proteste zu landesweiten Unruhen und Streiks. Der Unmut über die Ticketpreise wandelte sich binnen weniger Tage in massive Proteste gegen soziale Ungleichheit und aus wachsender Frustration über steigende Kosten in vielen Bereichen, wie Gesundheit, Bildung, Strom- und Wasserversorgung, aber auch zunehmend gegen die staatliche Gewalt. Präsident Piñera sprach zunächst von “Krieg” und schickte das Militär auf die Straße. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen und eine Ausgangssperre verhängt. Es gab über 7.000 Festnahmen. Mindestens 19 Menschen kamen bisher ums Leben. Vier wurden von Polizisten oder Soldaten erschossen.

Berufsverbände schlossen sich vergangene Woche den Protesten an, Lehrer, Krankenhauspersonal, und vor allem Bergbauarbeiter streikten. Autobahnen wurden blockiert, wichtige Verkehrsadern lahm gelegt. Der Stillstand der für Chile wichtigen Lithium- und Kupferproduktion drohte. Statt mit noch mehr Militär reagierte Piñera mit Zugeständnissen und näherte sich den Forderungen der protestierenden Bürger an. Er versprach eine Sozialreform, höhere Steuern für die Reichen und eine Erhöhung des Mindestlohns sowie der Renten um 20%.

Doch die Proteste ließen sich dadurch nicht eindämmen. Es werden Forderungen nach grundlegenden Änderungen des politischen und wirtschaftlichen Systems laut. Am Freitag ging über eine Million Chilenen, knapp ein Fünftel der Stadtbevölkerung, in Santiago auf die Straße, um weiter für Reformen des Sozial- und Wirtschaftsmodells des Landes zu demonstrieren. Viele fordern auch den Rücktritt des Präsidenten, der als einer der reichsten Chilenen gilt.

Piñeras Umfragewerte liegen im Keller

Piñera will nun sein Kabinett komplett austauschen, doch mit wem, ist noch unklar. Viele Optionen bleiben nicht,

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Chile: Proteste gegen die neoliberale Politik

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21-10-19 03:59:00,

Bei den Protesten in Chile eskaliert die Gewaltbereitschaft. / Bild: Twitter

In nur wenigen Tagen gerät Chile außer Kontrolle. Das Land protestiert gegen die Blüten neoliberaler Politik. Präsident Piñera setzt nun das Militär ein

Am Wochenende kam es in Santiago und weiteren Städten in Chile zu heftigen Ausschreitungen. Über 200 Personen wurden verletzt, es kam zu etwa 1500 Festnahmen. Mindestens zehn Menschen sind bisher gestorben. Das Land befindet sich in der schwersten Krise seit Ende der Militärdiktatur, heißt es. Eine erneute Erhöhung der Ticketpreise binnen eines Jahres für den öffentlichen Nahverkehr löste die massiven Proteste aus. Zwar ist Ticketerhöhung wieder gestrichen, doch richten sich die Proteste nun gegen soziale und wirtschaftliche Missstände und hohe Lebenshaltungskosten im “Vorzeige”-Land Südamerikas.

Bereits im Januar waren die Metrotickets um 20 Peso gestiegen. Eine weitere Erhöhung, von 800 auf 830 Peso (1,04 Euro), wollen nun viele nicht mehr hinnehmen. Anfang vergangener Woche demonstrierten zunächst tausende Studierende gegen die Preiserhöhung, die mit steigenden Ölpreisen und dem schwachen Peso begründet worden war. Am Freitag kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Wasserwerfer und Tränengas wurden eingesetzt.

Am Wochenende demonstrierten tausende Menschen in Santiago friedlich, aus Solidarität mit jenen, die von der niedrigen Rente oder vom Mindestlohn leben, und bis zu einem Sechstel ihres Einkommens für Tickets ausgeben müssen. Gleichzeitig kam es zu weiteren Plünderungen und Ausschreitungen. U-Bahnhöfe, Busse und Geschäfte wurden in Brand gesetzt. Über 70 der insgesamt 168 U-Bahn-Stationen seien verwüstet, der öffentliche Verkehr in der Sieben-Millionen-Metropole wurde ausgesetzt. Die Schäden sollen sich schon jetzt auf mehr als 300 Millionen Dollar belaufen. Teile des Netzes sollen monatelang ausfallen.

Präsident Sebastian Piñera nahm am Samstagabend schließlich die Tariferhöhung zurück, erklärte kurz darauf den Ausnahmezustand und verhängte eine Ausgangssperre in Santiago und vier weiteren Städten. Der Ausnahmezustand soll zunächst für 15 Tage gelten und kann um weitere 15 erweitert werden. Laut Angaben des Verteidigungsministeriums sollen zudem mehr als 9.000 Soldaten die Krawalle eindämmen.

Zum ersten Mal seit Ende der Militärdiktatur 1990 patrouillieren nun wieder Soldaten auf den Straßen, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Die Regierung ergreift damit Maßnahmen, die nur bei Naturkatastrophen von der Bevölkerung geduldet wurden, und die bei jenen, die unter der Militärdiktatur gelebt haben, nun alte Wunden aufzureißen droht.

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Chile: “Renten reichen kaum für die Leichenbestattung” – Selbsttötungen der Pensionäre auf Höchststand

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20-10-19 11:16:00,

Tausende von Chileninnen und Chilenen gingen Anfang Oktober 2019 zum wiederholten Male auf die Straßen, um gegen das unzumutbare Rentensystem im Andenland zu protestieren. Nahezu zeitgleich verbreiteten verschiedene Medien des Landes eine Alarmmeldung der in Paris ansässigen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), wonach die Selbsttötungsrate in Chile am Ende dieses Jahrzehnts um 90 Prozent angestiegen sei und bereits zwei Prozent der allgemeinen Todesursachen ausmache. Von Frederico Füllgraf.

Aus der Statistik geht hervor, dass die sehr jungen Heranwachsenden und, am anderen Ende, die Senioren, zumeist über 70 Jahre, die tödliche Rangliste anführen; Erstere wegen Schulstress und anderen Formen von Druckausübung, Letztere wegen Aussichtslosigkeit und Depressionen.

„Neoliberalismus ist tödlich“

Wie besorgniserregend es um den Geistes- und Seelenzustand der Chilenen bestellt ist, ermittelte der einheimische Gesundheitsdienst für den Zweijahreszeitraum 2016-2017, in dem 6,2 Prozent der 17 Millionen Chilenen an Depressionen litten, jedoch nur 1,6 Prozent in Behandlung waren. Eugenio Oleam, Psychiater an der Klinik der Universidad de Chile, erhebt schwere Vorwürfe gegen den Staat. Obwohl die psychischen Erkrankungen 20 Prozent aller Krankheiten ausmachen, stehen für ihre Behandlung allerdings nur zwei Prozent des Haushalts zur Verfügung.

Eine aufschlussreiche Studie mit dramatischen Erkenntnissen der Gerontologin an der Katholischen Universität Chiles, Ana Paula Vieira, offenbarte, dass allein zwischen 2010 und 2015 insgesamt 935 Menschen im Alter über 70 Jahren Selbsttötung begingen; eine weltweit alarmierende Selbsttötungsrate von 17,7 Opfern je 100.000 Einwohner.

Warum beenden ältere Erwachsene am häufigsten ihr Leben? Die Antwort von Ärzten und Medien lautet: „Verlassenheit, Vereinsamung, Erkrankungen, Verlust an Autonomie und Verarmung“. Die chilenische Buchautorin Daniela Belmar widmete dem Thema eine akribische Abrechnung mit dem chilenischen Gesundheitssystem mit dem Titel „A nadie se culpe de mi muerte“ (Auf dass niemand für meinen Tod verantwortlich gemacht werde). Ihr Fazit: Das auch im Staat tief verankerte neoliberale System ist skrupel- und erbarmungslos.

Die Selbstaufgabe der Ausgegrenzten

Indes geht aus einer Untersuchung der Wochenzeitung Cambio21 hervor, dass enge Zusammenhänge zwischen der Verarmung von Chiles Senioren und den an sie gezahlten Hungerrenten bestehen. Demnach hatten 50 Prozent der Chileninnen und Chilenen, die 2018 in den Ruhestand gingen, Anspruch auf eine miserable Rente von 48.000 Pesos – gerade mal 60 Euro. Der Spiegel ihrer „Ersparnisse“ und der damit erzielten „Rendite“ wurde ihnen von den AFPs – das Akronym der privaten Pensionsfonds-Verwalter – vorgehalten.

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Chile, September 11, 1973: The Inauguration of Neoliberalism, “Shock Treatment” and the Instruments of Economic Repression: The Junta’s Deadly “Economic Medicine” – Global Research

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11-09-19 12:47:00,

“Workers of my country, I have faith in Chile and its destiny.

Other men will overcome this dark and bitter moment when treason seeks to prevail.

Keep in mind that, much sooner than later, the great avenues will again be opened through which will pass free men to construct a better society.

Long live Chile! 

Long live the people! Long live the workers!”  President Salvador Allende’s farewell speech, 11 September 1973.

“It’s hard to find someone with the fighting spirit, courage and the story of Allende. He was a man who actually had the branded name in history: democratically the left came to power, and by bombs he was removed from government.” Senador Pedro Simon

Chile: “Shock Treatment” and the Mechanisms of Economic Repression

Immediately following Allende’s election in September 1970 and prior to his inauguration in November 1970:

“Kissinger initiated discussion on the telephone with CIA director Richard Helm’s about a preemptive coup in Chile. “We will not let Chile go down the drain,” Kissinger declared. “I am with you,” Helms responded. Their conversation took place three days before President Nixon, in a 15-minute meeting that included Kissinger, ordered the CIA to “make the economy scream,” and named Kissinger as the supervisor of the covert efforts to keep Allende from being inaugurated. (National Security Archive)

The CIA was the lead organization behind the imposition of a neoliberal economic agenda in Chile. In August 1972, a year prior to the coup, the CIA funded a 300-page economic blueprint to be implemented in the wake of the overthrow of the Allende  government.

The ultimate objective of the September 11, 1973 military coup in Chile was the imposition of the neoliberal agenda (aka deadly “economic medicine”) leading to the impoverishment of an entire nation.

Wall Street was behind the coup, working hand in glove with the CIA, the US State Department and Chile’s economic elites. Henry Kissinger was the Go-Between.

After Allende’s election in November Wall Street’s major commercial banks (including Chase Manhattan, Chemical, First National City, Manufacturers Hanover, and Morgan Guaranty),

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Chile, September 11, 1973: The Horrors of ‘the First 9/11’ Are Routinely Overlooked – Global Research

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11-09-19 08:33:00,

This article was originally crossposted in September 2017.

On September 11, 1973, Salvador Allende’s democratic government in Chile was ousted by United States-backed forces in one of the Cold War’s defining moments. Allende himself was killed during the coup while his presidential palace, La Moneda, was extensively bombed. Many thousands of Chileans were either murdered, “disappeared”, imprisoned, and coerced to emigrate or enter exile. Allende’s widow and family were forced to go into hiding in Mexico for many years.

In replacing Allende the Americans installed General Augusto Pinochet, one of the most notorious of the post-Second World War dictators. During the next 17 years of Pinochet’s dictatorship around 40,000 Chileans were tortured – often under the most sadistic fashion and overseen by doctors in the Josef Mengele style (the Nazi doctor at Auschwitz). The doctors would ensure the victims would remain alive for as long as possible, administer medication to resuscitate them, so the torture could then recommence.

A Chilean who suffered such treatment in these chambers, but survived and later became an international lawyer, was asked where these doctors are today? He replied, “they’re practicing in Santiago”. There have been a number of Mengele-style doctors not only walking free in Chile, but resuming employment unhindered.

There have been no calls from the United States or Israel to bring these Nazi-style physicians to justice. Indeed, the Pinochet regime was already protecting Nazi war criminals such as SS Colonel Walter Rauff, creator of the gas chambers, and Mengele himself.

As the US’s population is approximately 18 times bigger than Chile’s, with an infinitely bigger landmass, the Chilean 9/11 was felt on a far greater scale. Indeed, it was also more destructive. In the US’s 9/11, the White House was not bombed, the President (George W. Bush) was not killed, its people were not imprisoned and tortured en masse after the initial crimes were committed, a brutal dictator and his death squads were not imposed.

Before the Chilean coup in 1973, the country had been a lively, vibrant place where people were welcoming and cheerful. The Pinochet years afflicted upon the population persistent feelings of terror and suspicion.

A few days after the coup was implemented National Security Adviser Henry Kissinger described the situation in Chile as,

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Tatort Chile. Am 11. September.

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11-09-19 08:11:00,

Das Unheil kam am 11. September. An diesem beging eine Mörderbande ihre furchtbare Schandtat. Eine Tat, die für immer im September der politisch engagierten Menschen eingebrannt bleiben wird. Am 11. September wurde auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zerstört. Am Abend des 10. September ahnt der Präsident noch nichts von dem Unheil, das bevorsteht. Aber die Mörder sind bereits unterwegs in die Hauptstadt Santiago. Marco Wenzel.

Die Flugzeuge kamen erst gegen Mittag zum Einsatz, die Panzer aber fuhren schon am frühen Morgen vor der Residenz des Präsidenten in der Moneda auf. Gegen acht Uhr morgens, am 11. September 1973, melden sich die Putschgeneräle zum ersten Mal öffentlich über einen Radiosender. Sie fordern Salvador Allende, den Präsidenten Chiles und Hoffnungsträger der Armen auf, sich zu ergeben. Ein Flugzeug stünde für ihn bereit, das Land zu verlassen. Das Militär hatte Chile verraten und heimlich unter seine Kontrolle gebracht. Die Drahtzieher saßen in Washington.

Als Allende sich weigerte aufzugeben, beschossen die Putschisten seine Residenz und ab Mittag bombardierten sie es aus der Luft. Allende kämpfte bis zur letzten Patrone, wohl wissend, dass er dabei sterben wird. Er stellte es jedem seiner Getreuen und Mitarbeiter frei, sich zu ergeben und das Haus zu verlassen. Dann koordinierte er die Verteidigung, zusammen mit denen, die sich den Verrätern des Vaterlandes nicht ergeben wollten. „Allende ergibt sich nicht, mierda“, waren seine letzten Worte. Er starb als Held. Pablo Neruda, sein Freund, der Dichter, starb wenige Tage später, untröstlich, an einem Krebsleiden. Oder an einem weiteren heimtückischen Mord, die Umstände um den Tod des Dichters sind immer noch nicht geklärt. In diesem düsteren Tag dem 11. September des Jahres 1973 hat Chile seine Besten verloren. Sie wurden ermordet von einer Allianz aus Kapital, Armee und der USA.

Nach dem Putsch begann eine Welle von Mord und Totschlag, wie Chile sie noch nicht erlebt hatte. Die Militärjunta ernannte General Augusto Pinochet, den Judas, zu ihrem Vorsitzenden.

Die chilenische Wirtschaftspolitik bestimmten von nun an die Chicago-Boys, eine neoliberale Truppe um Milton Friedman, ein Wirtschaftsprofessor aus Chicago und Mitglied der Mont-Pèlerin Society. Sie führten in Chile das erste Experiment ihrer neuen Wirtschaftsdoktrin durch. Dabei konnten Demokratie und Freiheit das Experiment nur stören, die Militärdiktatur Pinochets lieferte ihnen das ideale Umfeld.

Die meisten von Allendes Gefährten überlebten den anschließenden Terror nicht.

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Chile, September 11, 1973: The Ingredients of a Military Coup. The Imposition of a Neoliberal Agenda – Global Research

Chile, September 11, 1973: The Ingredients of a Military Coup. The Imposition of a Neoliberal Agenda – Global Research

11-09-18 10:11:00,

Forward

Forty-five years ago on September 11, 1973, the Chilean military led by General Augusto Pinochet, crushed the democratically elected Unidad Popular government of Salvador Allende.

The objective was to replace a progressive, democratically elected government by a brutal military dictatorship.

The military coup was supported by the CIA. Secretary of State Henry Kissinger played a direct role in the military plot.

(Nixon and Kissinger, image right)

For details see: http://globalresearch.ca/articles/KOR309A.html  and references below.

In the weeks leading up the coup, US Ambassador Nathaniel Davis and members of the CIA held meetings with Chile’s top military brass together with the leaders of the National Party and the ultra-right nationalist front Patria y Libertad.  While the undercover role of the Nixon administration is amply documented,  what is rarely mentioned in media reports is the fact that the military coup was also supported by a sector of the Christian Democratic Party.

Patricio Aylwin, who became Chile’s president in 1989,  became head of the DC party in the months leading up to the September 1973 military coup (March through September 1973). Aylwin was largely instrumental in the break down of the “Dialogue” between the Unidad Popular government and the Christian Democrats. His predecessor Renan Fuentealba, who represented the moderate wing of the Christian Democratic (PDC), was firmly against military intervention. Fuentealba favored a dialogue with Allende (la salida democratica). He was displaced from the leadership of the Party in May 1973 in favor of Patricio Aylwin.

The DC Party was split down the middle, between those who favored “the salida democratica”, and the dominant Aylwin-Frei faction, which favored “a military solution”.

See Interview with Renan Fuentealba,   

http://www.finisterrae.cl/cidoc/citahistoria/emol/emol_22092002.htm )

On 23 August 1973, the Chilean Camera de Diputados drafted a motion,  to the effect that the Allende government “sought to impose a totalitarian regime”. Patricio Aylwin was a member of the drafting team of this motion. Patricio Aylwin believed that a temporary military dictatorship was “the lesser of two evils.”

See http://www.fjguzman.cl/interiores/noticias/tema_se/2003/julio/Patricio%20Aylwin%20y%20la%20dictadura%20transitoria.pdf ,

See also: El acuerdo que anticipó el golpe, http://www.quepasa.cl/revista/2003/08/22/t-22.08.QP.NAC.ACUERDO.html

This motion was adopted almost unanimously by the opposition parties,

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