USA im Niedergang? – Aber in der EU so mächtig wie noch nie

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23-04-19 07:21:00,

Richtig: Volkswirtschaft und Industrie in den USA schrumpfen, die Mehrheit der Bevölkerung verarmt. Das moralische Ansehen der Supermacht ist weltweit geschwunden, unter den kriegsführenden „America First“-Präsidenten Bush, Obama und noch beschleunigt unter Trump. Aber Investoren, Militärs, Geheimdienste und Berater der USA sind in der Europäischen Union präsent, mehr denn je. Und Regierungen und Leitmedien sind Komplizen – besonders in Deutschland.

Von Werner Rügemer

Seit US-Konzerne in 1980er Jahren im großen Stil den Standort USA de-industrialisieren und Produktionen in alle erreichbaren Niedriglohnregionen der Erde verlagern, seit sich in den USA selbst die systemische Massen-Erscheinung des working poor ausbreitet (arbeiten, aber arm bleiben) und seit Ghettos, Slums und Dritte Welt-Zustände im westlichen Führungsstaat zur Normalität gehören – seitdem verkünden oberschlaue Professoren wie Herwig Münkler den „Niedergang der USA“. Diese fake news dienen als Grund für die hetzerische Propaganda, „Europa“ müsse endlich an die Stelle der einst angebeteten Supermacht treten, müsse aufrüsten, aufrüsten, aufrüsten und gegen den alt-neuen Feind Russland den notfalls möglichen Krieg vorbereiten. Aber aus der US-geführten NATO will keiner aussteigen, auch nicht das Brexit-Großbritannien. Und der „Niedergang der USA“ verdeckt, dass die EU selbst in der gleichen Entwicklung steckt.

Dominanz von US-Investoren

Spätestens seit dem 2. Weltkrieg wurde die transatlantische Region mit den USA und Westeuropa zur Region mit der höchsten Kapitalverflechtung. Der Marshall-Plan war weniger eine Hilfe für die westlichen Europäer als ein Investitions- und Marktöffnungsplan für Banken und Konzerne aus den USA. Alle wichtigen Banken und Konzerne eröffneten Niederlassungen vor allem in den wichtigen Staaten wie Großbritannien, Frankreich, Bundesrepublik Deutschland und in den drei Benelux-Staaten: Morgan, Chase Manhattan, Citibank, Ford, General Motors, Coca Cola, IBM, Hewlett Packard, Exxon, Goodyear und einige tausend weitere, die McKinsey-Berater eingeschlossen.

Seit den 1980er Jahren intensivierte sich auch die Gegenrichtung: Deutsche Bank, UBS, PNB Paribas, deutsche Auto- und Chemiekonzerne, Siemens, Deutsche Telekom errichteten Niederlassungen in den USA – viele, wie auch inzwischen über 3.000 Mittelstandsfirmen allein aus Deutschland, machen in den USA teilweise größere Umsätze als am Ursprungsstandort. Konzerne aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien – z.B. BASF, Heidelberg Cement, Sanofi, BAE Systems – haben für Trumps Wahlkampf gespendet. Seine Steuersenkungen, Staatssubventionen für Unternehmen und nicht zuletzt die Russland- und Iran-Boykotte der USA haben die europäischen Investitionen in den USA nochmal beschleunigt.

Die Deregulierung unter US-Präsident Clinton hatte neue Finanzprodukte und neue Finanzakteure der Wall Street wie Hedgefonds und Private Equity Fonds legalisiert und hatte auch den ganz großen Kapitalorganisatoren wie BlackRock,

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Psychologie: Wie mächtig Framing wirklich ist

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04-03-19 08:19:00,

Halb voll oder halb leer? Die Formulierungen die wir wählen haben einen Einfluss auf unser Denken.Laden…

© imoritz / Getty Images / iStock (Ausschnitt)

Wer in das Thema Framing einsteigt, merkt schnell, dass die Forschung zum Thema ein zerklüftetes Gebiet ist. Schon Robert Entman, Koryphäe der Framing-Forschung, schrieb im Jahr 1993: »Trotz der Allgegenwart des Framing in den Sozialwissenschaften sucht man vergebens nach einer Theorie, die erklärt, wie Frames sich in Texte einbetten und sich dort manifestieren oder wie Framing das Denken beeinflusst.«

Mehr als 20 Jahre später fällt der Befund immer noch ähnlich aus. So erklärt der Psychologe und Medienwissenschaftler Jörg Matthes von der Universität Wien in seinem Buch »Framing« von 2014: »Wir finden in der Literatur kein kohärentes Theoriegebäude oder ein Netz von theoretischen Aussagen. Vielmehr gibt es eine Reihe von ganz unterschiedlichen Arbeiten, die den Frame-Begriff verwenden, ohne jedoch konkrete Vorhersagen aus einer Framing-Theorie abzuleiten.« Das mache es schwierig, die Framing-Forschung zu fassen und wissenschaftlich zu beschreiben.

Es gibt aber bereits eine ganze Reihe empirischer Studien, die die Wirkung verschiedener Framing-Ansätze aufzeigen. Ein Klassiker darunter ist eine Untersuchung zur Risikofreudigkeit von Menschen in verschiedenen sprachlichen Kontexten, die Daniel Kahneman und Amos Tversky 1981 im Journal »Science« veröffentlichten. Die beiden Psychologen legten ihren Versuchspersonen folgende Geschichte vor und baten sie dann um ihre Einschätzung (Hervorhebungen von der Redaktion):

»Stellen Sie sich vor, die USA bereiten sich auf den Ausbruch einer […] Erkrankung vor, die unbehandelt 600 Menschen töten wird. Zwei alternative Programme zur Bekämpfung der Krankheit wurden vorgeschlagen. […] Durch Programm A würden 200 Personen gerettet. Bei Programm B gäbe es eine 1/3-Wahrscheinlichkeit, dass alle 600 Menschen gerettet werden, und eine 2/3-Wahrscheinlichkeit, dass niemand gerettet wird. Welches der beiden Programme würden Sie bevorzugen?«

Vor die Wahl gestellt, entschieden sich 72 Prozent der Teilnehmer für das erste Programm, 28 Prozent für das zweite. Anschließend wiederholten die Wissenschaftler den Versuch mit einer zweiten Probandengruppe – die die Geschichte allerdings aus einem anderen Blickwinkel präsentiert bekam. Nun hieß es:

»Durch Programm C würden 400 Menschen sterben. Bei Programm D gibt es eine 1/3- Wahrscheinlichkeit, dass niemand stirbt, und eine 2/3-Wahrscheinlichkeit, dass 600 Menschen sterben werden.«

Unter den Versuchspersonen, die diese Beschreibung gelesen hatten, wählten lediglich 22 Prozent das erste Programm, 78 Prozent entschieden sich hingegen für Programm Nummer zwei.

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