Eine gute Nachricht: Corona-Dunkelziffer ist wohl viel höher

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26-03-20 11:47:00,

Urs P. Gasche

Urs P. Gasche / 26. Mär 2020 –

In China blieben 90 Prozent der Infektionen unbemerkt. Jetzt sind viele immun. Das enthüllt eine Studie in Fachzeitung «Science».

Die im «Science» am 16. März online veröffentlichte «bahnbrechende» Studie sei «fast unbemerkt an uns vorbeigegangen», schreibt Professor Pietro Vernazza auf der Webseite der Klinik für Infektiologie des Kantonsspitals St. Gallen. Epidemiologen untersuchten die Ausbreitung von COVID-19 in China und gingen der Frage nach, wie oft denn die neuen Infektionen überhaupt entdeckt wurden. Das Resultat:

  • Rund 85% (82-90%) aller Infektionen sind erfolgt, ohne dass jemand die Infektion bemerkt hat, weil nur milde oder gar keine Symptome auftraten.
  • Etwa 55% der unbemerkt Infizierten haben weitere Personen angesteckt.
  • «Eigentlich vermuten wir dies schon lange», erklärt der Chefarzt der Infektiologie. Anders wäre es gar nicht erklärbar gewesen, dass die Infektionszahlen in China nach einigen Wochen gegen Null gesunken sind. Denn mit einer Immunitätsrate von weniger als 1% der Bevölkerung kann man das nicht erklären. Es würde nicht mal verwundern, wenn weitere Untersuchungen die Rate von stummen Infektionen noch höher beziffern werden.

    Aus diesem Grund sei es richtig, erklärt Vernazza, die breite Testaktivität zu stoppen und auf Patienten mit schweren Infektionen in Spitälern zu beschränken.

    Professor Pietro Vernazza kommentiert:

      «Informiert endlich die Bevölkerung und redet Klartext!Diese Infektion ist für junge Menschen mild. Angst ist kein guter Ratgeber. Die meisten Menschen sehen eine schreckliche gefährliche Krankheit vor sich. Ja, es ist wahr. In Italien stirbt etwa eine von zehn diagnostizierten Personen. Doch wie wir jetzt nach dieser Science Arbeit wissen, dürfte das eher eine von 1000 angesteckten Personen sein. Und was wir auch aus Italien und China wissen: Rund 50% der verstorbenen Patienten sind über 80 Jahre alt, fast 90% sind über 70 Jahre alt. Das heisst nicht, dass hinter diesen Zahlen nicht auch tragische Einzelschicksale stecken. Doch oft trifft es – ähnlich wie wir das von der Grippesaison kennen – Personen, die am Ende ihres Lebens stehen. An einem Punkt, an dem sie sich vielleicht selbst sogar auf den Tod vorbereiten oder aufgrund ihres Zustands immer damit rechnen, dass es passieren könnte. Das Leben ist endlich.

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