Auf die Corona-Infektionen reagierte Russland zügig

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25-03-20 09:12:00,

Deutsche Medien bezweifeln die offiziellen russischen Zahlen, legen aber keine eigenen Recherchen vor. Während das Virus auch genutzt wird, um Desinformation und Stimmungsmache zu betreiben, sind russische Hilfsgüter in Italien eingetroffen. Derweil werden in Russland weitere Maßnahmen gegen das Virus eingeführt. Aus Moskau berichtet Ulrich Heyden.

Moskau wirkt in diesen Tagen sehr ruhig. Es gibt viel weniger Verkehr. Ein Großteil der Büroangestellten arbeitet jetzt von zuhause aus. Die Schulen sind geschlossen. Auch die U-Bahn ist erstaunlich leer. Immer häufiger sieht man Menschen mit Masken. Versammlungen von mehr als 50 Personen sind untersagt. An diese Regel sollen sich auch die Moskauer Kinos und Restaurants halten. Die riesigen Einkaufszentren in Moskau sind noch geöffnet. Doch in diesen Zentren – wie auch in der U-Bahn – werden regelmäßig Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt. Fitness-Studios sind geschlossen. Die Nutzung von Wasserpfeifen in Restaurants und Bars wurde verboten.

Etwas Panik gab es vor einer Woche, als in Supermärkten plötzlich Regale mit Waren des täglichen Bedarfs leergekauft wurden. Besonders gefragt waren Buchweizen-Graupen und Klopapier. Es gibt jedoch keinerlei Versorgungsengpässe, einmal abgesehen von Atemschutzmasken. Die Kauf-Panik, die inzwischen wieder abgeklungen ist, hängt damit zusammen, dass die Menschen eine stärkere Beschränkung der Bewegungsfreiheit in der Stadt befürchtet hatten.

Moskauer Bürgermeister: Alle über 65 bitte zuhause bleiben

Am Montag forderte der Moskauer Bürgermeister alle Menschen über 65 Jahre auf, zuhause zu bleiben oder auf die Datscha zu fahren. Die alten Menschen bekommen von der Stadt 50 Euro für entstehende Mehraufwendungen. Ältere Menschen, die ihre Wohnungsbetriebskosten nicht bezahlen und deren Mobil-Telefone kein Guthaben mehr aufweisen, dürfen auf Anweisung des Bürgermeisters nicht sanktioniert werden. Sozialdienste und Freiwillige sollen die Versorgung der alten Menschen übernehmen, die gebeten werden, in ihren Wohnungen zu bleiben.

Dass Russland zu langsam auf die Korona-Krise reagiert hat, kann man nicht sagen. Es gab in Deutschland schon 3.300 Infizierte, als man am 13. März begann, Schulen zu schließen. Als der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin am 16. März anordnete, die Schulen der russischen Hauptstadt zu schließen, gab es nur 109 offiziell registrierte Corona-Fälle.

Mit 495 Infizierten und bisher einem Todesfall liegt Russland bei der Corona-Pandemie deutlich im unteren Bereich. Über die Hälfte der in Russland Infizierten leben in Moskau. 93.000 Menschen stehen unter der Beobachtung der russischen Gesundheitsbehörde, weil sie aus „Corona-Ländern“ eingereist sind oder Kontakt zu Infizierten hatten.

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