COVID-19 aus datenwissenschaftlicher Sicht

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04-05-20 02:32:00,

Bild: NIAID/CC BY-2.0

Wie uns repräsentative Untersuchungen dabei helfen die Zahlen korrekt zu deuten

Im nachfolgenden Artikel wird betrachtet, wie die momentane Datengrundlage bei den offiziellen Statistiken zu COVID-19 aussieht. Es wird darauf eingegangen, warum repräsentative Untersuchungen benötigt werden und welche bisher vorliegen. Weiterhin wird dargelegt, dass rund die Hälfte der mit COVID-19 infizierten Personen keine Symptome aufweist. Anhand der repräsentativen Untersuchungen wird berechnet, dass die wahrscheinliche Letalität von COVID-19 bei rund 0,3% liegt und wie hoch die statistische Unsicherheit dieses Wertes ist. Außerdem wird gezeigt, warum Deutschland im Gegensatz zu anderen stark von der Pandemie betroffenen Länder gut auf Spitzen in der intensivmedizinischen Betreuung durch ein Pandemiegeschehen vorbereitet ist und auch noch größere Spitzen intensivmedizinisch betreut werden können.

Datengrundlage

Für Datenwissenschaftler ist es wünschenswert, dass Daten möglichst vollständig und genau erhoben werden und damit möglichst fehlerfrei sind. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass aus den Daten korrekte Informationen abgeleitet werden können und somit die Möglichkeit von Fehlinterpretationen minimiert wird. Es stellt sich daher die Frage, ob dieser wünschenswerte Zustand auch auf die Daten zu COVID-19 zutrifft.

Nach der anfänglichen Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) sollten Personen auf COVID-19 getestet werden, die den nachfolgenden Kriterien entsprechen1

Kann dieses Vorgehen jedoch dazu führen, dass wirklich alle COVID-19-Fälle bekannt gemacht werden und damit die offizielle Zahl der Infektionen korrekt ist?

Wenn man tatsächlich alle Kontaktpersonen eines Infizierten ausfindig machen könnte, wäre das denkbar. Das Virus hat eine mittlere Inkubationszeit von 5 – 6 Tagen, wobei die Spannweite sogar von 1 – 14 Tagen reichen kann.2 Erst nach mehreren Tagen macht sich somit eine Infektion bemerkbar. Zu Beginn der Pandemie konnten so Infizierte, die nichts von ihrer Infektion wussten, den eng besetzten ÖPNV nutzen und an Veranstaltungen teilnehmen, die einen engen Personenkontakt ermöglichen, wie Diskothekenbesuche oder der Besuch von Fußballstadien. Anfänglich wurden diese Personen auch bei Auftreten von Symptomen nicht getestet, wenn sie nicht mit einem nachweislich Infizierten in Kontakt waren oder aus einem Risikogebiet zurückgekehrt waren. Viele Infizierte konnten so nicht entdeckt werden.

Aus Sicht des RKI war die Empfehlung damals sicherlich verständlich, da die Testkapazitäten nur begrenzt vorhanden waren und die Labore nicht überfordert werden sollten. So musste sich auf die wahrscheinlichsten Fälle konzentriert werden.

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