Die angebliche „Destabilisierung des Westens“ ist Doppeldenk in Reinkultur

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15-04-19 02:34:00,

Clintons Wahlniederlage, der Brexit und der Aufstieg der Rechten im gesamten Westen … glaubt man den Spin-Doktoren, haben all diese Phänomene eines gemein: Sie sind Folgen einer weitreichenden Strategie Russlands, deren Ziel die „Destabilisierung“ des Westens sein soll. Wer dies „nur“ als fadenscheinige Taktik abtut, um Russland zu dämonisieren, erkennt die perfide Genialität dieser PR-Strategie nicht: Gemäß dieser Logik stünde dann nämlich vor allem jegliche Kritik an der Außen- und Sicherheitspolitik des Westens im Verdacht der Interessensteuerung durch Moskau. Auch andere potentiell destabilisierende Kritik wäre dann als „fremdgesteuert“ gebrandmarkt. Ein Rückfall in die längst überwundene McCarthy-Ära, dem wir uns mit aller Macht entgegenstellen müssen. Von Jens Berger.

Wenn man Artikel wie den jüngsten SPON-Bericht über Russlands vermeintliche Taktik der Wahlbeeinflussung bei den kommenden Europawahlen liest, braucht man entweder gute Nerven oder eine gesunde Portion Zynismus. Einer Nachrichtenagentur werden von nicht näher spezifizierten „Geheimdienstkreisen“ angebliche „Erkenntnisse“ über „russische Kampagnen zur Wahlbeeinflussung“ mitgeteilt, die dann in einem Artikel als Tatsachen weitergegeben werden. Das gipfelt in der Feststellung, dass „die politische Führung in Moskau strategische Ziele ausgegeben“ habe, die „zum Beispiel lauten [könnten], russlandfreundliche Kräfte zu fördern oder Streit innerhalb der EU oder NATO zu schüren“. Russlands Instrumente bei dieser Strategie sollen demnach nicht näher genannte Akteure in den „sozialen Netzwerken und Medien“, nicht näher genannte „russlandfreundliche Parteien“ und natürlich der russische Nachrichtensender RT sein. Belege oder gar Beweise? Fehlanzeige. Willkommen im Zeitalter des postfaktischen Qualitätsjournalismus.

Hat Putin Griechenland hungern lassen?

Es ist erstaunlich, dass dieser irreale Narrativ derartige Verbreitung findet und Redakteure ihn pausenlos gebetsmühlenartig wiederholen. Dabei muss man doch seinen Verstand nur im Leerlauf laufen lassen, um zu erkennen, dass derartige Aussagen komplett absurd sind.

Warum hat Hillary Clinton denn die Wahl verloren? Die NachDenkSeiten hatten schon nach Trumps Wahlerfolg bei den Vorwahlen eine kritische Analyse erstellt, die die Gründe für Trumps Erfolg beim Namen nennt. War es Moskau, das dafür gesorgt hat, dass sich ein großer Teil der amerikanischen Mittelschicht abgehängt fühlt und Angehörigen des politischen Establishments nicht mehr über den Weg traut? Waren es die Russen, die es versäumt haben, im „Rostgürtel“ der USA neue Jobs zu schaffen, nachdem die produzierende Industrie in Billiglohnländer abgezogen ist? War es Putin, der der Wall Street den Schlüssel zum Weißen Haus auf dem Silbertablett gereicht hat?

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