Die Diktatur-Versteher

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31-07-20 01:24:00,

Die Linke ist generell keine genuine Freiheitspartei. Sie ist es nie gewesen — von den Anfängen zu Zeiten der „Ersten Internationale“ einmal abgesehen. Ich habe versucht, diese geschichtlichen Vorgänge in meinem Artikel „Sozialismus ohne Freiheit“ überblicksweise darzustellen und auch Beispiele für die irritierend regierungstreue Haltung von Linken in der Corona-Frage genannt.

Liegen die Gründe für die befremdliche Weigerung von Kipping, Wagenknecht & Co., sich für die Freiheitsrechte einzusetzen, tatsächlich nur in gewissen antilibertären Traditionen der Linken? Es scheint als ob hier auch neuere Entwicklungen eine große Rolle spielen. Dazu gehört ganz allgemein das „Angekommen-Sein“ der Partei Die LINKE im bundesdeutschen Politikbetrieb. Aber auch die massive, den Zeitgeist prägende Kampagne gegen „Verschwörungstheorien“ hat in den Äußerungen von Linken zu Corona unübersehbare Spuren hinterlassen.

Der Sachbuchautor Elias Davidsson hat in einem Artikel für Rubikon ein paar Spekulationen zu diesem Thema angestellt. Er diagnostiziert bei der Linken Kampfesmüdigkeit und einen gewissen Anpassungswillen. „Man wolle endlich von der herrschenden Politik ernst genommen werden und auf Augenhöhe mit den Großen und Mächtigen am Tisch sitzen.“ Davidsson nennt außerdem ein historisch bedingtes Unbehagen von Linken gegenüber Verschwörungstheorien, das sie mitunter blind macht für reale nicht-öffentliche Machenschaften von Machteliten. „Der Begriff der Verschwörung ist dem dogmatischen Marxisten fremd oder suspekt, da die Nazis den Begriff einer jüdischen Weltverschwörung verbreiteten.“

Dieser Fehlschluss — weil es mindestens eine falsche und gefährliche Verschwörungstheorie in der Geschichte gegeben hätte, müssten auch alle anderen Verschwörungstheorien falsch und gefährlich sein — spielt in den aktuellen linken Stellungnahmen sicher eine große Rolle, teils explizit, teils auch als ideologisches Hintergrundrauschen. Schließlich vermutet Davidsson, etliche Linke wüssten zwar eigentlich, was gespielt würde, wählten aber den Weg der Anpassung aus Angst vor Diffamierung. „Hier geht es vielleicht um Existenzangst und nicht um einen Wunsch, sich bei den Mächtigen anzubiedern.“

Diese Vermutungen von Elias Davidsson sind für mich plausibel. Ich will sie hier aber durch ein paar eigene Beobachtungen ergänzen. Ich gebe typische Argumentationsmuster der Linken in vereinfachender Form wieder. Alle haben sie auch einen wahren beziehungsweise legitimen Kern, wenn auch die Schlussfolgerung daraus — Zustimmung zur Corona-Agenda der Regierung — fragwürdig bleibt.

Die frühe Beendigung des Shutdowns entspräche den Profitwünschen des Kapitals. Linke müssen demnach für eine Verlängerung eintreten.

Dieses Argument findet man häufig.

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