Doppelte Gewalt

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06-10-20 04:03:00,

Die Rechtsanwältin Raphaela Dichtl wurde auf dieser Demonstration zunächst von einem Mann aus den Reihen der Antifa angegangen und dann sogar geschlagen. Als sie diesen abwehrte, wollte sie bei der Polizei direkt Anzeige erstatten. Nach Aufnahme der Personalien erklärte sie den Polizeibeamten, sie wolle nun direkt weiter zur Demonstration auf die Theresienwiese gehen und von ihrem Recht Gebrauch machen, die Anzeige innerhalb der nächsten drei Monate aufzugeben. Als die Beamten ihr erklärten, sie müsse nun aber auf die Wache mitkommen, gab sie — etwas keck, wie sie im Nachhinein zugab — diesen zu verstehen, dass sie Jura studiert habe und ihre Rechte sehr wohl kenne. So zog sie mit einem Freund weiter.

Nach nur vier Minuten ereignete sich ein Akt von Polizeigewalt, der selbst für bayerische Verhältnisse äußerst brutal ist. Von hinten stürzten sich mehrere Polizeibeamte in schwerer Montur auf sie und ihren Freund, drückten sie gewaltsam zu Boden und legten ihnen Handschellen an. Zusammen mit dem Vertreter der Antifa, der sie zuvor geschlagen hatte und auf ihre Anzeige prompt eine Gegenanzeige folgen ließ, wurde sie zur Gefangenensammelstelle transportiert, wobei dem körperlich überlegenen Antifa-Vertreter im Gegensatz zur ihr keine Handschellen angelegt wurden.

Auf der Wache wurden ihre Verletzungen nicht dokumentiert, ein Toilettengang wurde ihr ebenfalls verwehrt. Bald darauf wurde sie erneut in Handschellen und zusammen mit dem Mann der Antifa zu einer weiteren Wache gebracht — ohne dass sich dieses Mal ein Polizeibeamter in der Kabine des Gefangenentransportes aufhielt. Auf dem Weg dorthin hätte dieser Mann alles Mögliche mit ihr anstellen können. Die junge Anwältin wurde zum Glück noch am selben Tag aus der Haft entlassen. Im Interview auf der Querdenken-Demo in Ulm am 19. September spricht sie über dieses Erlebnis.

Nicolas Riedl: Das, was dir widerfahren ist, kann selbst Menschen schockieren, die schon viel über Polizeigewalt und Beamtenwillkür in Bayern gehört und gelesen haben. In deiner Gesprächsrunde mit den Anwälten Markus Haintz, Dirk Sattelmeier und David Mühlberger hast du auf mich einen sehr unerschütterlichen Eindruck gemacht. Du hast dein Lachen scheinbar trotz dieses Ereignisses nicht verloren und gehst dennoch — so wie heute hier in Ulm — wieder auf die Straße. Woher nimmst du diese Kraft?

Raphaela Dichtl: Sehr viele Dinge, die mir in meinem Leben widerfahren, verarbeite ich mit Lachen. Je schlechter es mir geht, umso mehr lache ich.

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