Lesungen aus einem verbotenen Buch

lesungen-aus-einem-verbotenen-buch

16-05-19 09:51:00,

Beginnen wir mit einem Zitat. Die Schweizer Psychologin mit polnisch-jüdischen Wurzeln, Alice Miller, hat über Adolf Hitler das Folgende gesagt (1):

„Hitler kam, wie jedes Kind, unschuldig zur Welt, wurde von seinen Eltern, wie viele andere Kinder damals, destruktiv erzogen, und später hat er sich selbst zum Monster gemacht. Er war Überlebender einer Vernichtungsmaschinerie, die im Deutschland der Jahrhundertwende ‚Erziehung‘ genannt wurde und die ich als das verborgene KZ der Kindheit bezeichne, das nie erkannt werden darf.“

Über diese „Vernichtungsmaschinerie“, der Adolf Hitler und mit ihm eine ganze Generation unterworfen war, die das Kind im Menschen tötete, um es zu drillen, habe ich in den beiden ersten Teilen dieser Artikelreihe geschrieben. Diese Vernichtung an der Seele eines Menschen, so sie keine Aufarbeitung und nicht ein Mindestmaß an Heilung findet, schlägt irgendwann auf die Umwelt zurück, wenn der Betroffene sich nicht selbst auslöschen will.

Kinder wurden von Anfang an zu Soldaten erzogen. Sie wurden erzogen, um für etwas außerhalb von ihnen zu funktionieren. Damit wurde ihnen die jedem Menschenkind innewohnende Einzigartigkeit ausgetrieben und durch eine Normierung ersetzt. Von Anfang an lernten Kinder, sich ihre Identifikation, ihren Selbstwert, nicht etwa aus der Einzigartigkeit des Ichs zu entnehmen, sondern von vorgegebenen Idealen, von ethisch-moralisch aufgepeppten Handlungsanweisungen.

Hinter dieser künstlich geschaffenen Ethik und Moral konnten die größten Schweinereien, die schlimmsten Abgründe menschlichen Handelns versteckt werden. Der unbedingt einzuhaltende Kodex, der durch die Autoritäten als anerkannte Vertreter dieser fremdbestimmten Moral vorgegeben wurde, machte die Selbstverleugnung möglich. Menschen mit gleichgesinnter Fremdbestimmung fanden sich auf diese Weise als Opfer verbunden wieder und bildeten so äußerst fragile soziale Gemeinschaften.

Soziale Gemeinschaften sind ein Muss, sonst stirbt der Mensch. Menschen aber, die nicht gelernt haben, autonom zu denken und zu handeln, denen das bereits als Kind ausgetrieben wurde, bilden diese Gemeinschaft nicht konstruktiv selbst, sondern suchen Gruppen, denen sie sich anschließen können. Ein Hauch von Wärme und Zuneigung innerhalb dieser Gruppe kann rasch Abhängigkeiten erzeugen. Angst vor dem Verlust dieser ersehnten Wärme und Schuld in Unterwerfung bestimmt das Leben.

Oder aber es gelingt die Führerschaft innerhalb der Gruppe und damit die Akzeptanz durch die Masse. Auch das ist eine Art Liebe, besser ein Ersatz dafür. Herrschen oder beherrscht werden, darum geht es und beide Gruppen leiden darunter.

 » Lees verder

Lesungen aus einem verbotenen Buch

lesungen-aus-einem-verbotenen-buch

04-04-19 09:13:00,

Vorab für Interessierte der Link zu den bisherigen Artikeln dieser Reihe: Lesungen aus einem verbotenen Buch.

Wehmütig schaute der junge Hitler regelmäßig in Richtung des deutschen Kaiserreiches, wenn ihm die eigene erbärmliche Lage wieder einmal bewusst wurde. So wie er auf der einen Seite den Nachbarn im Norden glorifizierte — sich anlehnend an das idealisierte Kindheitsbild von edlen deutschen Helden, welche die deutsche Nation durch Krieg zusammen schweißten —, ließ er andererseits kein gutes Haar an der Habsburger Monarchie. Sein Elend machte er unter anderem an der Struktur des Vielvölkerstaates fest.

Adolf Hitler suchte seit seiner Jugend einfache, schnelle Lösungen. Lösungen, von denen er überzeugt war und die er — aufgrund seiner mangelhaft entwickelten sozialen Kompetenz — rücksichtslos verfolgte. Entsprechend entfaltete sich in ihm ein äußerst einfaches Bild menschlicher Gesellschaften.

Der Kampfruf „in Volk, ein Reich, ein Führer“, mit dem Österreich im Jahre 1938 dem Deutschen Reich „angeschlossen“ wurde, war keine wirklich neue Idee. Er — Hitler — hat sie nur populär gemacht (1). Propagandistisch ist das Motto geradezu genial. Es betont die Einheit, die wiederum Stärke und Macht impliziert. Es bietet einen Führer an, der Strategien entwickelt und auf deren Basis die Massen anleitet. So kitschig das Motto heute — vor allem im Kontext zahlloser, oberflächlicher Dokumentationen über das Dritte Reich — auch klingen mag, fasziniert es doch aufgrund seiner emotionalen Botschaft. Auf dieser emotionalen Ebene ist es vor allem für Menschen, die Halt suchen, verlockend, einer solchen Bewegung anzugehören, sich über sie zu identifizieren.

Warum in Österreich-Ungarn vor dem Ersten Weltkrieg alles schlecht war, fasste Hitler in diesem Satz zusammen: „Das alte Österreich war ein ‚NATIONALITÄTEN-STAAT‘“ (2).

Damit kommen wir zum Kern dessen, was sich hinter dem emotional so gut klingenden „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ versteckt. Es vermittelt die Sicht, dass ein starkes Reich faktisch „reinen Blutes“ sei und nur aus einer Ethnie bestehen könnte. Diese Ethnie, der man sich zugehörig sieht, ist aber auch noch die wertvollste, allen anderen überlegene (a1). Nach eigener Aussage war Hitler bereits in jungen Jahren zum „fanatischen Deutschnationalen“ geworden (3).

Allein schon durch diese Sicht damals weit verbreitete Sicht ist dem Antisemitismus Tür und Tor geöffnet gewesen — mit oder ohne Hitler.

Doch waren es nicht die Juden allein,

 » Lees verder

Auf dem Weg zu einem neuen Sozialstaat?

auf-dem-weg-zu-einem-neuen-sozialstaat

07-02-19 02:51:00,

Was die SPD ändern muss, wenn sie Hartz IV tatsächlich hinter sich lassen will. Mit den sog. Hartz-Gesetzen wurden zahlreiche Verschlechterungen für Langzeiterwerbslose, Geringverdiener/innen und Arbeitsuchende eingeführt. Folgende neun Regelungen müssten zurückgenommen, abgeschafft bzw. geändert werden, wenn man „Hartz IV hinter sich lassen“ möchte, was sowohl Andrea Nahles wie auch Robert Habeck als Vorsitzende der SPD und der Bündnisgrünen für ihre Parteien seit Kurzem in Anspruch nehmen. Nahles möchte Hartz IV in ein „Bürgergeld“ (so nennt die FDP ihr Konzept eines Grundeinkommens, das nicht bedingungslos ist) umwandeln und schlägt mehrere Änderungen vor, die zur Belebung der Diskussion über eine Erneuerung des Sozialstaates beitragen, jedoch nicht befriedigen können. Von Christoph Butterwegge[*].

  • Die Höchstbezugsdauer des Arbeitslosengeldes (I) wurde auf höchstens 18 Monate verringert; die Anwartschaftszeit, während der man Beiträge in die Arbeitslosenversicherung gezahlt haben musste, um Leistungsansprüche zu erwerben, verlängert; die Rahmenfrist, in der das geschehen sein musste, von drei Jahren auf zwei Jahre verkürzt.

    Mehr als zwei Drittel aller Erwerbslosen befinden sich heute im Hartz-IV-Bezug und bloß noch ein knappes Drittel im Versicherungssystem. Immer mehr Erwerbslose erhalten nie Arbeitslosengeld (I), sondern fallen gleich in Hartz IV.

    Deshalb müssen die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes (I) und die Rahmenfrist über die ab 1. Januar 2020 geltenden 30 Monate verlängert werden, während die Anwartschaftszeit von zwölf (bzw. unter bestimmten Voraussetzungen sechs Monaten) verkürzt werden sollte, um bei einer größeren Zahl der Erwerbslosen den sofortigen Fall in die Grundsicherung zu verhindern.

  • In seiner berühmt-berüchtigten „Agenda“-Rede hat Gerhard Schröder mit der Forderung nach einer „Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe“ am 14. März 2003 die zentrale Legitimationsformel für Hartz IV präsentiert. Dabei wurde am 1. Januar 2005 gar nichts zusammengelegt, sondern mit der Arbeitslosenhilfe zum ersten Mal seit 1945 eine den Lebensstandard von Millionen Erwerbslosen (noch halbwegs) sichernde Lohnersatzleistung abgeschafft. An deren Stelle trat mit dem Arbeitslosengeld II eine höchstens noch das soziokulturelle Existenzminimum sichernde Fürsorgeleistung, die als Lohnergänzungsleistung gedacht war.

    Dies war der harte, materielle Kern von Hartz IV, dem heute öffentlich kaum noch Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es gab im Jahr 2004 ca. 2,2 Millionen Bezieher/innen von Arbeitslosenhilfe, die für Kinderlose 53 Prozent und für Eltern mit unterhaltsberechtigten Kindern 57 Prozent ihres letzten Nettogehalts vor der Entlassung betrug.

  •  » Lees verder

    USA: Kommt es zu einem (gescheiterten) Putsch gegen Donald Trump? | www.konjunktion.info

    USA: Kommt es zu einem (gescheiterten) Putsch gegen Donald Trump? | www.konjunktion.info

    04-09-18 02:45:00,

    Regime Changes, Coup d’etats, Putsche und Umstürze. In den vergangenen Jahren wurde weltweit das eine eingefordert (Syrien), das andere durchgeführt (Ukraine, Türkei) oder befürchtet (USA). Dabei sind echte oder auch falsche Putsche das perfekte Mittel, um als Regierung die eigene Macht zu festigen und diktatorische Maßnahmen einzuleiten. In manchen Fällen mussten dabei nicht einmal konkrete Beweise für einen solchen “Putsch” präsentiert werden, um die eigene Machtbasis ausweiten zu können.

    RecepTayyip Erdogan - Bildquelle: Wikipedia / Cancillería del Ecuador, Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generischRecepTayyip Erdogan - Bildquelle: Wikipedia / Cancillería del Ecuador, Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch

    RecepTayyip Erdogan – Bildquelle: Wikipedia / Cancillería del Ecuador, Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch

    Als 2016 die Türkei “erfolgreich” ihren “Umsturzversuch” überstand, in dem angeblich Regierungsmitarbeiter und Militärpersonal involviert gewesen sein sollen, machte Erdogan seinen politischen Gegner, die Gülen Bewegung als Teil des Umsturzversuches aus. Die Gülen Bewegung wird von Fethulla Gülen, einem ehemaligen Verbündeten Erdogans, der seit 1999 in den USA wohnt und der sich 2013 mit Erdogan aufgrund dessen Korruption “zerstitten” hatte, angeführt.

    Bis heute sind die Belege von “Kämpfen” gegen türkische Putscheinheiten eher dünn gesät, so dass nach wie vor die Frage im Raum schwebt, ob es wirklich einen echten Putsch gegeben hat. Die meisten Berichte sprechen von Schüssen mittels Panzern und von Angriffen durch Flugzeuge, bei denen 300 Menschen starben. Videoaufnahmen zeigen gelegentliche Schüsse, einige Explosionen in zivilen Bereichen als auch türkische Bürger, die sich um Panzer versammelt haben. Zehntausende Regierungsmitarbeiter wurden nach den Ereignissen inhaftiert bzw. “freigestellt”, was eine wieder erstarkende Opposition gegen Erdogan äußerst unwahrscheinlich machte.

    Zwei Jahre später gibt es immer noch keine handfesten Beweise für einen Putsch – natürlich auch keinerlei Beweise, dass die Gülen Bewegung dahinter steckte. Im Juli 2018 veröffentlichte Erdogan dann “Beweise”, die als Auslieferungsbegründung gegen Gülen ausreichen sollten. Die Beweise drehten sich dabei, um angebliche Besuche von Putsch-Mitgliedern auf dem Gelände der Gülen Bewegung in Pennsylvania, aber sie sind bei genauer Betrachtung eher Hinweise als Beweise für eine Beteiligung Gülens.

    Der chaotische Putsch hat bis heute etwas von “Wag the dog”; eine komplette Inszenierung, die durchaus von Erdogan selbst durchführt worden sein könnte, um damit die totale Kontrolle über die Türkei zu erhalten und kritische Geister in der Regierung, beim Militär und in der Öffentlichkeit mundtot zu machen.

     » Lees verder

    Wird der Verfassungsschutz von einem AfD-Freund geleitet? – www.NachDenkSeiten.de

    Wird der Verfassungsschutz von einem AfD-Freund geleitet? – www.NachDenkSeiten.de

    15-08-18 01:08:00,

    15. August 2018 um 13:14 Uhr | Verantwortlich:

    Wird der Verfassungsschutz von einem AfD-Freund geleitet?

    Veröffentlicht in: AfD, Erosion der Demokratie, Rechte Gefahr, Staatsorgane

    Hans-Georg Maaßen

    Hans-Georg Maaßen ist wieder einmal unter Beschuss. 2012 trat er als Präsident des Verfassungsschutzes an, um das durch die NSU-Morde zerstörte Vertrauen in seine Behörde „wieder“ herzustellen. Zumindest an dieser Aufgabe scheiterte er kläglich. Stattdessen geriet er immer wieder selbst durch Skurrilitäten in die Schlagzeilen. Nun steht der Verdacht im Raum, er habe der AfD-Spitze aus Sympathie Ratschläge gegeben, wie die Partei eine Überwachung durch den Verfassungsschutz vermeiden kann. Maaßen streitet dies ab und da in der Causa Aussage gegen Aussage steht, wird er wohl mit seinem Dementi durchkommen. Kann sich Deutschland einen Inlandsgeheimdienst leisten, der mehr oder weniger offen seine schützende Hand über den rechten Rand hält? Von Jens Berger.

    Wenn man ein wenig über Hans-Georg Maaßen recherchiert, stößt man schnell auf den Prototypen eines blutleeren Technokraten, wie ihn die juristischen Fakultäten leider immer noch zuhauf produzieren. Wer den Juristen und Beamten Maaßen im Ansatz verstehen will, dem sei ein Blick in einen Fachaufsatz empfohlen, den er 1998 als Beamter im Bundesinnenministerium zum Thema „Kirchenasyl“ verfasst hatte. Dass er das „Kirchenasyl“ als eine Form der „Selbstjustiz“ ablehnt, überrascht nicht. Aber dass er Gemeindemitgliedern, die sich für ein Kirchenasyl einsetzen, sogar die „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ vorwirft, ist schon harter Tobak. Drei Jahre später sollte Maaßen im Auftrag der Bundesregierung für das Bundesinnenministerium ein Gutachten über den Fall „Murat Kurnaz“ erstellen – den aus Bremen stammenden türkischen Staatsbürger, der 2001 bei einem Aufenthalt in Pakistan gekidnappt, als „Terror-Verdächtiger“ an das US-Militär verkauft und daraufhin ohne Anklage von den USA im Folterlager Guantanamo interniert wurde. Maaßen erklärte in seinem an Zynismus kaum zu übertreffenden Gutachten, Kurnaz sei durch die Internierung in Guantanamo nun schließlich mehr als sechs Monate außer Landes gewesen, ohne dies den deutschen Behörden zu melden und habe damit sein unbegrenztes Aufenthaltsrecht verloren. Daher konnten die USA, die offenbar recht früh von Kurnaz´ Unschuld überzeugt waren, ihn nicht nach Deutschland überstellen. Erst vier Jahre später konnte Kurnaz, nachdem ein deutsches Gericht Maaßens Gutachten förmlich in der Luft zerrissen hatte,

     » Lees verder

    Stirb an einem anderen Tag: Für tot erklärtes Unfallopfer erwacht in Kühlschrank der Leichenhalle

    Stirb an einem anderen Tag: Für tot erklärtes Unfallopfer erwacht in Kühlschrank der Leichenhalle

    02-07-18 09:27:00,

    Stirb an einem anderen Tag: Für tot erklärtes Unfallopfer erwacht in Kühlschrank der Leichenhalle

    Gerichtsmediziner aus der südafrikanischen Stadt Johannesburg waren verblüfft, als sie eine angeblich tote Frau aus dem Kühlschrank zogen und herausfanden, dass sie immer noch am Leben war. Sie wurde fälschlicherweise von Sanitätern nach einem schweren Unfall für tot erklärt, der sich auf einer Straße in der Nähe von Johannesburg ereignete.

    Mitarbeiter der Leichenhalle luden die Unfallopfer in die Kühlschränke und füllten Papiere aus, berichtete die Zeitung Mirror. “Als ein Mitarbeiter den Körper der Frau herauszogen hat, hat er bemerkt, dass sie atmet”, hieß es weiter. “Sanitäter sind darauf trainiert, den Tod zu bestimmen, nicht wir. Man erwartet nie, einen Kühlschrank zu öffnen und jemanden lebend vorzufinden. Können Sie sich vorstellen, dass wir mit der Autopsie begonnen und sie getötet hätten?”

    Die Frau befindet sich nun in einem Krankenhaus.  Ermittler versuchen derzeit herauszufinden, wie es zu dem peinlichen Fehler gekommen ist.

    Mehr zum Thema – Geburt nach dem Tod: Verstorbene entbindet im Sarg

     » Lees verder

    „Es wird zu Recht von einem neuen Kalten Krieg gesprochen“ – www.NachDenkSeiten.de

    „Es wird zu Recht von einem neuen Kalten Krieg gesprochen“ – www.NachDenkSeiten.de

    19-06-18 08:37:00,

    „Es wird zu Recht von einem neuen Kalten Krieg gesprochen“

    Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Audio-Podcast, Euro und Eurokrise, Europäische Union, Finanzen und Währung, Interviews

    Andreas Wehr

    Es gab eine Zeit, da sprachen Politiker immer wieder von einem „gemeinsamen Haus Europa“. Alle Völker dieses Kontinents sollten gemeinsam in dem Haus zusammenfinden. Das ist viele Jahre her. Andreas Wehr, der sich seit langem mit der Europäischen Union und mit ihrer Entwicklung auseinandersetzt, wirft im NachDenkSeiten-Interview einen kritischen Blick auf die EU unserer Zeit. Der Jurist warnt vor einer Institution, die sich hin zu einer Militärmacht entwickeln möchte und zugleich Russland als „traditionelles westliches Feindbild“ wiederbelebt. Ein Interview über eine EU, deren verantwortliche Köpfe viele Weichen falsch gestellt und scheinbar nichts dazugelernt haben. Von Marcus Klöckner.

    Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

    Über viele Jahre haben Politiker gerne von einem „gemeinsamen Haus Europa“ gesprochen. Da war die Rede von Friede unter den Völkern Europas, von Wohlstand, von einer engen Gemeinschaft. In welchem Zustand befindet sich heute dieses „gemeinsame“ Haus?

    Die Redewendung vom „gemeinsamen Haus Europa“ wurde vor allem von Michael Gorbatschow gebraucht und beschrieb die Ende der 80-er Jahre weitverbreitete Hoffnung, dass anstelle des Kalten Krieges eine europäische Friedensordnung treten könnte, in der das Haus Europa für alle auf diesem Kontinent lebenden Völker eine gemeinsame Heimstatt ist. Dies hätte aber die Auflösung der NATO und die Schaffung eines kollektiven Sicherheitssystems unter Einbeziehung Russlands bedeutet. Dazu ist es nicht gekommen.

    Was ist passiert?

    Nach der Auflösung der sozialistischen Staatengemeinschaft in Osteuropa und dem Ende der Sowjetunion fiel der Westen bald wieder in das alte Schema der Konfrontation mit Russland zurück, spätestens mit Beginn der Präsidentschaft Wladimir Putins im Jahr 2000. Entgegen den anfänglichen Zusicherungen, die NATO nicht nach Osten auszuweiten, nahm man ein osteuropäisches Land nach dem anderen in das westliche Bündnis auf.

    Viele westliche Politiker würden die Entwicklung anders beschreiben.

    Im Westen nimmt man leider die historisch berechtigten russischen Ängste vor Einkreisung und Invasionen nicht zur Kenntnis.

     » Lees verder

    Ukraine: Der Mord an einem russischen Journalisten, der keiner war

    Ukraine: Der Mord an einem russischen Journalisten, der keiner war

    31-05-18 11:23:00,

    Der ukrainische Präsident Poroschenko mit Babchenko, dem SBU-Chef und dem Generalstaatsanwalt. Bild: president.gov.ua/CC BY-SA-4.0

    In einer grotesken, bis hinauf zum Präsidenten gefeierten Inszenierung wurde angeblich ein von russischen Geheimdiensten geplanter Terroranschlag verhindert

    Die ukrainische Regierung und der Geheimdienst SBU haben mit der vorgetäuschten Ermordung des kremlkritischen russischen Journalisten Arkady Babchenko das Vertrauen verspielt. Am Dienstag war seine Ermordung berichtet worden. Er sei von seiner Frau blutüberströmt in seiner Wohnung gefunden wurden und auf dem Weg ins Krankenhaus im Krankenwagen verstorben. Angeblich sei er, als er vom Brotholen in die Wohnung zurückkehrte, mehrere Male in den Rücken geschossen worden.

    Auch Kiews Polizeichef Andriy Kryschenko war mit von der Partie und führte den angeblichen Mord auf Babchenkos “berufliche Tätigkeit” zurück, was natürlich in Richtung Moskau zeigen sollte. Auch ein Bild des vermeintlichen Mörders wurde veröffentlicht. Hinters Licht geführt wurden nicht nur die Frau von Babchenko und die Bürger der Ukraine, sondern auch die Regierungen befreundeter Länder. Besonders beeilte sich der britische Außenminister Johnsohn, selbst maßgeblich an der Inszenierung im Fall Skripal beteiligt, zu kondolieren, nachdem “wieder einmal ein russischer Journalist ermordet wurde”. Auch Bundespräsiden Steinmeier zeigte sich “erschüttert”.

    Präsident Petro Poroschenko war offenbar eingeweiht und war sich sicher, dass die Operation gelungen war. Jedenfalls schrieb er: “Ich gratuliere dem SBU. Sie haben eine brillante Operation ausgeführt, um das Leben des russischen Journalisten Arkady Babchenko zu schützen. … Moskau wird kaum nachgeben. Ich habe angeordnet, dass Arkady und seine Familie unter einen 24-Stunden-Schutz gestellt werden.”

    Ganz vorne auch wieder Generalstaatsanwalt Yuriy Lutsenko, der Russland für den Krieg und die Organisation von Terroranschlägen in der Ukraine verantwortlich machte: “Wir haben wiederholt russische Spione und Terroristen bei der direkten und indirekten Organisation von Terrorangriffen und Morden in der Ukraine aufgedeckt. Heute können wir sagen, dass wenn früher als Wege nach Rom geführt haben, heute alle Wege des Kriegs und der Terrorangriffe nach Moskau führen. Im Übrigen meinte er gestern, er sei von der Reaktion der meisten ukrainischen Politiker auf die Ermordung enttäuscht.

    Gestern stand Babchenko dann wieder auf den Toten und erklärte, die Mordinszenierung sei Teil einer Spezialoperation des Geheimdienstes SBU, um seinen wirklichen Mörder zu finden. Angeblich habe es nämlich ein Mordkomplott gegen ihn gegeben.

     » Lees verder

    „Einem Politiker wie Spahn möchte ich am liebsten sagen: Sei doch einfach ruhig, wenn Du keine Ahnung von dem Thema hast.“ – www.NachDenkSeiten.de

    „Einem Politiker wie Spahn möchte ich am liebsten sagen: Sei doch einfach ruhig, wenn Du keine Ahnung von dem Thema hast.“ – www.NachDenkSeiten.de

    07-04-18 10:43:00,

    7. April 2018 um 11:45 Uhr | Verantwortlich:

    „Einem Politiker wie Spahn möchte ich am liebsten sagen: Sei doch einfach ruhig, wenn Du keine Ahnung von dem Thema hast.“

    Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Hartz Gesetze, Interviews, Ungleichheit, Armut, Reichtum, Wertedebatte

    „Leid. Ich sehe viel Leid“, sagt der Mainzer Mediziner Gerhard Trabert im Interview mit den NachDenkSeiten zum Thema Armut. Der Professor für Sozialmedizin, der seit vielen Jahren die Ärmsten in der Gesellschaft medizinisch versorgt, findet klare Worte zu dem Verhalten der Politik, wenn es um Armut im eigenen Land geht. Trabert sagt, so mancher Politiker, der sich berufen fühlt, etwas zum Thema Armut zu sagen, solle erst einmal selbst unter realen Bedingungen erfahren, was es heißt, arm zu sein. Ein Interview über den „Armutseisberg“ und die Realitätsferne der Politik. Das Interview führte Marcus Klöckner.

    Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

    Podcast: Play in new window | Download

    Gerhard Trabert weiß, wovon er redet. Er kennt Armut. Er war als Mediziner in den ärmsten Ländern dieser Welt und hat gesehen, welche extremen Ausformungen Armut annehmen kann. Er weiß aber auch: Armut existiert nicht nur weit außerhalb von Deutschland. Auch hier im Land, mitten unter uns, leben Menschen, die Armut ausgesetzt sind. Dagegen kämpft Trabert an. Seit 1997 existiert sein Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“, der ihm und seinem Team dazu dient, direkt und unbürokratisch Hand anzulegen und den Ärmsten in unserer Gesellschaft medizinische Hilfe zukommen zu lassen. In einem zweiteiligen Interview berichtet der Mediziner von seinen Erfahrungen im Umgang mit den Armen und spricht über die Schieflagen in der aktuellen Armutsdiskussion.

    Herr Trabert, wir sitzen hier in einem schicken Café in Mainz, einer Stadt mit vielen schönen Gebäuden, der Rheinpromenade und teuren Hotels. Das sieht, oberflächlich betrachtet, doch ganz nett aus hier. Aber wie sieht es mit der Armut aus? Gibt es die hier in Mainz?

    Natürlich. Wie in jeder Stadt gibt es auch in Mainz Armut. Sichtbar wird Armut in Städten häufig durch das Wahrnehmen von obdachlosen Menschen, Obdachlosigkeit ist die sichtbare Spitze des Armutseisberges in Deutschland.

     » Lees verder

    Lesungen aus einem verbotenen Buch – Teil 2

    Lesungen aus einem verbotenen Buch – Teil 2

    24-02-18 09:35:00,

    Vorab: Hier geht es zu Teil 1 dieser Artikelreihe.

    Es ist kaum überraschend, dass auch Adolf Hitlers Kindheit und Jugend richtungsweisend für die Entwicklung seines Charakters war. Seine Selbstdarstellung im ersten Kapitel von „Mein Kampf“ steht zu dieser erworbenen Persönlichkeit. Das wirkt nachvollziehbar wie authentisch und der Autor war sichtbar stolz auf das, was er ausprägte:

    „Ich glaube, daß schon damals mein rednerisches Talent sich in Form mehr oder minder eindringlicher Auseinandersetzungen mit meinen Kameraden schulte. Ich war ein kleiner Rädelsführer geworden, der in der Schule leicht und damals auch sehr gut lernte, sonst aber ziemlich schwierig zu behandeln war.“ (1)

    Schon als Junge hatte er eine auffällige Herrschsucht entwickelt, die er offenbar auch bereits mit einer gewissen Rücksichtslosigkeit anstrebte, was sich in Jähzorn ausdrückte. Außerdem erzählt uns Hitler sehr glaubwürdig, wie Werte in jungen Menschen ausgebildet werden. Wenn die Umgebungsbedingungen Macht und Herrschaft lobpreisen, bleibt das für junge Menschen nicht ohne Folgen und so erfuhr Hitler die Sozialisierung, die ihn, wie viele tausend Altersgefährten beizeiten kriegstauglich (im Geiste) machte:

    „Beim Durchstöbern der väterlichen Bibliothek war ich über verschiedene Bücher militärischen Inhalts gekommen, darunter eine Volksausgabe des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Es waren zwei Bände einer illustrierten Zeitschrift aus diesen Jahren, die nun meine Lieblingslektüre wurden. Nicht lange dauerte es, und der große Heldenkampf war mir zum größten inneren Erlebnis geworden. Von nun an schwärmte ich mehr und mehr für alles, was irgendwie mit Krieg oder doch mit Soldatentum zusammenhing.“ (2)

    Der Krieg war so für den Jungen kein Ereignis, dass sich mit Grauen, Tod, Verwüstung und Verlust verband, sondern der Feldzug heldenhafter Ritter für das Edle und Gute auf der Welt. So wurde Ende des 19. Jahrhunderts zum Kriege gelockt und so tut man es noch immer im Deutschland des 21. Jahrhunderts.

    Womit ein weiterer Einschub mit Blick auf die deutsche Gegenwart passend erscheint. Denn Heldengemälde werden heute technisch anders realisiert. Aber die Methoden, Menschen geistig in eine Märchenwelt ethisch reiner Friedenskrieger hineinzuziehen und ihnen zu verschweigen, für wen und für was sie da Waffen einsetzen sollen und wie traumatisch die Konsequenzen – nicht zuletzt für sie selbst ausfallen, die sind geblieben. Denn das System aus Macht und Herrschaft ist ja in seinem Wesen auch geblieben. Da möge noch so viel von demokratischen Werten fabuliert werden.

     » Lees verder