Entweder-Oder, Gut oder Böse: Demokratie geht anders

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21-11-20 03:28:00,

„Deutschland ist im Kampfmodus. Andersdenkende werden verunglimpft, und statt aufeinander zuzugehen, breitet sich in der Öffentlichkeit ein aggressives Klima der Intoleranz aus.“ Das ist die Diagnose der ehemaligen ARD-Journalistin und Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz in ihrem neuen Buch „Respekt geht anders. Betrachtungen über unser zerstrittenes Land“. Unser Rezensent Udo Brandes hat es für die NachDenkSeiten gelesen.

Man könnte ja der Meinung sein, dass schlechter werdende Umgangsformen in der Gesellschaft vielleicht nicht gerade die Lebensfreude fördern, aber doch als politisches Problem eher marginal sind. Gabriele Krone-Schmalz, und da muss ich ihr zustimmen, sieht darin aber mehr, nämlich eine Gefahr für die Demokratie:

„Demokratie kann nur mit interessierten, gut informierten und kompromissfähigen Bürgern funktionieren. Null-Bock-Zeitgenossen, Hysteriker und Wutbürger fahren das System an die Wand, und die Missionarischen, die sich stets auf der moralisch richtigen Seite wähnen, legen allzu oft ein zutiefst intolerantes Verhalten an den Tag, ohne es zu merken.

In diesem Buch will ich mich mit den Mechanismen der Polarisierung beschäftigen. Ich will zeigen, wo die Fallen lauern, die aus pluralistischen Debatten polarisierende Spaltpilze werden lassen. Und ich will zum Nachdenken anregen, ob es auch nicht anders geht: ruhiger, entspannter, sachorientierter, kurz: respektvoller. Haben wir in unserer Gesellschaft nicht außerdem viel mehr gemeinsam, als es die aufgeheizten Debatten vermuten lassen?“ (S. 8).

Eine zentrale These ihres Buches lautet, dass das binäre Denken, also das Entweder-Oder-Denken, eine offene, differenzierte und vor allem argumentative Auseinandersetzung unmöglich macht:

„Wenige Wochen nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001 erklärte Präsident George W. Bush, im ‚Krieg gegen den Terror’ gebe es keine Neutralität. ‚You are either with us or against us.’ Das ist die krasseste Form vom Entweder-oder-Denken: ‚Wer nicht für mich ist, ist gegen mich’. Wurden Sie auch schon mal vor diese Alternative gestellt? Was für eine Anmaßung! Denn es läuft darauf hinaus, dass Sie ihr eigenes Gehirn abschalten sollen und in bedingungsloser Treue demjenigen folgen, der diese letztlich rhetorische Frage stellt. Das passt eher in diktatorische Denkmuster als zu demokratischen Verhaltensweisen. ‚Wer nicht für mich ist, ist gegen mich’ zwingt Sie dazu, auch Dinge zu tun oder zuzulassen, mit denen Sie persönlich nicht einverstanden sind, andernfalls werden Sie zum Feind erklärt, der bekämpft werden muss“ (S.13).

Dies sei aber noch nicht alles,

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