Die Erfindung der grausamen Natur

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16-10-19 10:00:00,

Im Jahre 1848 schrieb der Forscher Major Mitchell, einer der ganz wenigen frühen europäischen Siedler des australischen Kontinentes, die sich respektvoll den dortigen jagenden und sammelnden Ureinwohnern widmeten, über deren von ihm weitreichend bezeugte Existenz:

„Solch eine Intensität des Daseins, dies muss, kurz gesagt, sehr weit über allen Genüssen des zivilisierten Menschen liegen, über allem, was ihm die Künste je erbringen könnten“ (1).

Ganz ähnlich äußerte sich Tom Petrie, der sogar mehrere Jahre seiner Jugend bei reinen Jägern und Sammlern lebte, ihre Sprachen lernte und ihre Lebensweise so intensiv kennenlernte wie wohl kaum irgendein anderer Europäer. Er erinnerte sich als alter Mann im Jahr 1904:

„Für sie war es ein wirkliches Vergnügen, sich die Nahrung in der Natur zu beschaffen. Sie waren so leichtherzig und fröhlich, es gab nichts, was sie belastete“ (2).

Diese Sätze von Mitchell und Petrie passen überhaupt nicht zu den allermeisten zeitgenössischen Darstellungen der europäischen Kolonialisten zur Existenz der australischen Ureinwohner. Die beschrieb man nämlich in der Regel als elendig, hungernd und degeneriert. Wie extrem niedrig das Dasein der Ureinwohner im Blickwinkel der neuen Siedler erachtet wurde, lässt sich auch daran erkennen, dass es regelrechte Jagden gab, bei denen die „Wilden“ mit Hunden gehetzt und mit Gewehren abgeknallt wurden. In vielen Regionen, wie etwa Tasmanien, löschten die Kolonialisten die ursprünglichen Stämme bis auf den letzten Menschen aus.

Nun mag es auf den ersten Blick so erscheinen, als seien die drastischen Widersprüche zwischen den äußerst positiven Zeugnissen des natürlichen Daseins der Jäger und Sammler durch die Praktiker Mitchell und Petrie einerseits und den nicht mehr steigerbaren Erniedrigungen durch das kolonialistische System andererseits etwas, das mittlerweile längst überwunden wurde. Aber das stimmt nicht.

Zunächst einmal ist es, auch über die Grenzen politischer Lager und sonstiger Bewegungen hinweg, auch heute noch ganz üblich, die gesamte Existenz der vorzivilisatorischen Kulturen als ein von Fressfeinden, Angst und Hunger gehetztes Dasein anzunehmen. In filmischen Animationen erfährt man, dass die Menschen vor dem Aufkommen der Landwirtschaft in einer düsteren Welt ums nackte Überleben kämpften und sich dabei ständig unsicher umschauten.

Noch drastischer als das Dasein der menschlichen Jäger und Sammler in der Natur wird ganz aktuell jenes anderer Tiere verzerrt und verdreht. In den größten Nachrichtenmagazinen des Internets wie „Spiegel Online“ oder „bild.de“ lässt sich dieses Phänomen gut beobachten.

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Die Erfindung der katalanischen Rebellion durch die “unabhängige” spanische Justiz

Die Erfindung der katalanischen Rebellion durch die “unabhängige” spanische Justiz

22-09-18 08:14:00,

Demonstration am Donnerstag zum angeblichen Jahrestag der Rebellion in Barcelona. Bild: CDR

  1. Die Erfindung der katalanischen Rebellion durch die “unabhängige” spanische Justiz

  2. “Es herrscht ein klarer Wille vor, sich von der Repression nicht unterkriegen zu lassen”


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Vor einem Jahr fiel der Startschuss mit der Belagerung des katalanischen Wirtschaftsministeriums für das Märchen einer “gewaltsamen Erhebung” in Katalonien

Laura Masvidal ist die Frau des ehemaligen Innenministers Joaquin Forn, der seit fast einem Jahr wegen einer angeblichen “gewaltsamen Erhebung” der Katalanen gegen Spanien im Knast sitzt, die vor einem Jahr gestartet sein soll. Er wird im Herbst mit weiteren Politikern und Führungspersönlichkeiten der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung wegen “Rebellion” angeklagt, obwohl die Vorwürfe längst wie ein Kartenhaus in sich zusammengebrochen sind.

Masvidal ist eine der Frauen und Männer, die den Angehörigen der politischen Gefangen seit den Vorgängen vor genau einem Jahr in Katalonien ein Gesicht geben. Sie klagt im Telepolis-Gespräch die “Märchen” an, mit denen versucht wird, Mitglieder der ehemaligen katalanischen Regierung, die ehemalige Parlamentspräsidentin und die beiden Aktivisten Jordi Cuixart und Jordi Sànchez für bis zu 30 Jahre hinter Gitter zu bringen. Sie spricht auch von ihren tiefgreifenden persönlichen Veränderungen, von zunehmenden “Spannungen” und davon, dass “lange und dunkle Jahre” bevorstehen können.

Ausgangspunkt der spanischen Gewalt-Phantasien, auf der das gesamt Anklagekonstrukt basiert – oder das “Komplott zur Inhaftierung”, wie französische Medien es nennen – ist der 20. September 2017. An diesem Tag stürmten spanische Paramilitärs diverse katalanische Ministerien auf der Suche nach Material für das bevorstehende Referendum am 1. Oktober und nahmen 14 Personen fest. Ohne jede richterliche Genehmigung drangen spanische Sicherheitskräfte auch in den Sitz der linksradikalen CUP in Barcelona ein, denn die Regierung hatte die Devise ausgegeben, dass das Referendum “mit allen Mitteln” verhindert werde.

Auf den Vorgängen am Wirtschaftsministerium, woran am Donnerstag viele Menschen auf verschiedenen Protesten in Katalonien erinnert und die Freiheit der politischen Gefangenen gefordert haben, hat der Ermittlungsrichter Pablo Llarena seine “Rebellion” aufgebaut. Sein Problem ist, dass es die dafür notwendige “öffentliche gewaltsame Erhebung” nicht gab, wie mit Rebellion eine Art “Putsch”

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