Die Erschossene im Kapitol: Eine eigenartig zurückhaltende Medienberichterstattung

14-01-21 11:17:00,

Wie sollen Medien über den Tod einer jungen Frau, die im Kapitol bei der Erstürmung erschossen wurde, berichten? Wer sich in ausländischen Medien informiert, sieht, wie die Berichterstattung aussieht. Es gibt einen Namen. Es gibt Fotos. Es gibt Hintergründe zum Leben der Frau. Und die Umstände des Todes werden genau angesprochen. So erfährt der Mediennutzer zum Beispiel, dass der Sicherheitsbeamte, der die Frau erschossen haben soll, vom Dienst freigestellt wurde. Vom Dienst freigestellt? „Warum das?“ mag sich der geneigte Leser fragen. Und mit dieser Frage beginnt das Problem. Von Marcus Klöckner.

Noch vor 1 Uhr Ortszeit in Deutschland war auf amerikanischen News-Seiten ein Video zu sehen, das den Tod der Frau zeigt. Sie befand sich im Kapitol mit einer aufgebrachten Menge vor verschlossenen Türen in einen weiteren Bereich des Kapitols. In der Menge waren auch Sicherheitsbeamte. Augenscheinlich steht die Frau an der Tür oder sie klettert an dem Türrahmen ein Stück hoch. Ein Schuss ist zu hören. Die Frau fällt getroffen auf den Boden, blutet aus dem Mund. Später wird man erfahren: Sie ist an der Schussverletzung verstorben.

Müssen Medien das thematisieren? Müssen Medien in dem Fall sagen, „was ist“? Ja, das müssen sie!

Eine Bürgerin der USA wurde im Kapitol erschossen. Das ist eine ziemlich gewichtige Nachricht – und zwar unabhängig davon, ob es sich bei der Erschossenen um eine Trump-Anhängerin handelt oder man den Sturm auf das Kapitol verurteilt. Medien sollten sehr schnell und sehr genau schauen, was es mit diesem Tod auf sich hat, um die Informationen auch an die deutschen Mediennutzer weiterzugeben – im Sinne einer umfassenden Berichterstattung.

Für Medien hierzulande, die umfangreich über die dramatischen Ereignisse in den USA berichtet haben, spielt der Tod von Ashli Babbitt kaum eine Rolle. Am Freitagabend spuckt Google News genau zwei Treffer aus: vom Münchner Merkur und Focus Online. Am darauffolgenden Montagabend sind es 3 Treffer. Zwar führte eine weitere Suche durchaus zu einigen Berichten, doch im Großen und Ganzen fällt auf: Medien hielten sich stark zurück. Während Marietta Slomka an prominenter Stelle direkt zu Beginn des heute journals davon spricht, dass eine „junge Frau“ „starb“, erwähnt sie nicht deren Namen. Sie geht mit keiner Silbe auf die Umstände des Todes ein, sie sagt nicht einmal, dass die Frau durch die Auswirkungen der Kugel,

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