Seien wir uns etwas wert!

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26-05-19 11:51:00,

„Glück ist wichtig, aber wichtiger ist Sinn“, schreibt der deutsche Philosoph Wilhelm Schmid. Friedrich Nietzsche drückte es so aus: „Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie“.

Viele Menschen stellen sich die Frage nach dem Sinn anscheinend gar nicht mehr. Vielleicht unterschätzen sie die Wirkung einer sinnvollen Tätigkeit? Vielleicht haben sie Angst davor sich einzugestehen, dass ihre tägliche Arbeit, ihr Leben im Hamsterrad des Neoliberalismus gar keinen Sinn verfolgt? Dass sie immer weiter machen, weil es alle anderen auch so machen?

Mit unserer täglichen Arbeit möchten wir dazu einladen, sich etwas Zeit für die wie ein Damokles-Schwert über unserer Existenz schwebende Frage nach dem Sinn zu nehmen. Wir möchten aufrütteln und ermutigen. Darum schreiben wir nicht einfach „das Übliche“. Und darum provozieren wir auch. Denn wir alle sind ein Teil der Lösung — bis dahin aber auch jeweils ein Teil des Problems.

Niemand hat nur und mit allem Recht, und darum — Recht zu haben — geht es auf dem Weg in eine menschlichere Zukunft auch nicht.

Wie schrieb bereits Rumi so klar? „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort begegnen wir uns.“ Auf dem Weg zu diesem Ort brauchen wir Mut, Tatendrang, den festen Willen, jenseits der Matrix des Gewohnten zu denken, fühlen und handeln — und immer wieder auch die Fähigkeit, unser Denken erschüttern zu lassen und Neues zu integrieren.

Bei Erich Fromm liest sich das so:

„Was weiß ich schon von mir, wenn ich nicht weiß, dass das Bild, das ich von mir selbst habe, zum größten Teil ein künstliches Produkt ist und dass die meisten Menschen — ich schließe mich nicht aus — lügen, ohne es zu wissen? Was weiß ich, solange ich nicht weiß, dass ‚Verteidigung‘ Krieg bedeutet, ‚Pflicht‘ Unterwerfung, ‚Tugend‘ Gehorsam und ‚Sünde‘ Ungehorsam?

Was weiß ich, solange ich nicht weiß, dass die Vorstellung, dass Eltern ihre Kinder instinktiv lieben, ein Mythos ist? Dass Ruhm nur selten auf bewundernswerte menschliche Qualitäten und häufig nicht auf echte Leistungen gründet? Dass die Geschichtsschreibung verzerrt ist, weil sie von den Siegern geschrieben wird? Dass betonte Bescheidenheit nicht unbedingt ein Beweis für fehlende Eitelkeit ist? Dass Liebe das Gegenteil von heftiger Sehnsucht und Gier ist?

Was weiß ich schon von mir,

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Der „SPIEGEL“ verrührt etwas Export-Esoterik mit einem Schuss Querfront-Rhetorik und nennt das Ganze dann auch noch „Analyse“ – www.NachDenkSeiten.de

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24-11-18 10:54:00,

24. November 2018 um 11:45 Uhr | Verantwortlich:

Der „SPIEGEL“ verrührt etwas Export-Esoterik mit einem Schuss Querfront-Rhetorik und nennt das Ganze dann auch noch „Analyse“

Veröffentlicht in: Das kritische Tagebuch

Also, man hat sich ja mittlerweile schon daran gewöhnt, dass die Debatte um die deutschen Exportüberschüsse mehr durch Mythen, Märchen und Glaubenssätze geprägt ist als durch ökonomischen Sachverstand. Insofern ist es wohl auch vergebliche Liebesmüh jeder abweichenden Meinung mit rationalen Argumenten hinterherzujagen. Was allerdings in der Printausgabe des „SPIEGEL“ vom vergangenen Wochenende geschrieben steht, bedarf dann doch der Kommentierung. Konkret geht es um den Artikel „Bachblütenökonomie – Warum Deutschlands Handelsüberschüsse keine Arbeitslosigkeit verursachen“ des SPIEGEL-Redakteurs Christian Reiermann. Von Thomas Trares[*].

Dieser versucht nämlich dem Leser weiszumachen, dass Deutschlands Exportüberschüsse keine Arbeitslosigkeit verursachen, und dass die negativen Auswirkungen eben jener Exportüberschüsse im Grunde nur die Erfindungen irrlichternder Populisten vom Schlage Donald Trumps und Oskar Lafontaines sind. Garniert wird das Ganze dann noch mit etwas Querfront-Rhetorik: „Es gilt die Hufeisentheorie: Linkes und rechtes politisches Spektrum kommen sich häufig sehr nah.“

Leider ist der Artikel online nur teilweise einsehbar[1]. Wer den vollständigen Text lesen will, muss also zur Printausgabe greifen oder die Bezahlschranke überwinden. Die Kernargumentation in dem Artikel ist folgende: Deutschland und die USA sind derzeit nahe der Vollbeschäftigung, die USA haben aber weltweit das höchste Handelsbilanzdefizit, Deutschland dagegen den höchsten Überschuss. Für Reiermann steht somit fest: die Frage, ob die Handelsbilanz im Plus oder im Minus ist, ist für die wirtschaftspolitische Debatte schlichtweg irrelevant. Konkret heißt es dazu in dem Artikel:

„Wenn es aber möglich ist, dass zwei Länder mit komplett gegensätzlichen Leistungsbilanzen wie Deutschland und die USA am Rande der Vollbeschäftigung operieren, dann drängt sich eine Erkenntnis auf: Leistungsbilanzsalden taugen nicht als Orientierungsgröße für wirtschaftspolitisches Handeln. Sie sind nicht viel mehr als Restgrößen, die sich aus Entscheidungen von Milliarden Verbrauchern auf dem ganzen Globus ergeben. Dass lässt nur einen Schluss zu: Es gibt drängendere Probleme zu lösen auf der Welt.“

Aha! Leistungsbilanzsalden sind also das Ergebnis individueller Entscheidungen überall auf der Welt, sie haben somit nichts mit der Entwicklung ökonomischer Größen wie Löhnen, Preisen, Einkommen oder Wechselkursen zu tun. So einfach ist das also!

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