Andreas Aust: „Arme Familien sind hoffnungslos abgehängt“

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14-08-19 10:41:00,

„Soziale Ungleichheit eindämmen und fokussierte Bekämpfung der Einkommensarmut von Familien ist nicht die Priorität dieser Bundesregierung“, sagt Andreas Aust im Interview mit den NachDenkSeiten. Hintergrund ist eine aktuelle Studie vom Paritätischen, wonach in Deutschland jedes fünfte Kind oder Jugendlicher in Armut lebt. Ein Interview über Kinderarmut, die Auswirkungen für die Betroffenen und die Möglichkeiten, den Armutsverhältnissen entgegenzuwirken. Von Marcus Klöckner.

Herr Aust, es gibt Kinder in Deutschland, die sind ziemlich arm dran. Das Geld in ihren Familien reicht nicht aus, dass die Kinder am Leben teilhaben können. Wie kann das sein?

In den Armutsberichten des Paritätischen stellen wir regelmäßig heraus, dass der gesellschaftliche Reichtum sehr ungleich verteilt ist. Seit mehreren Jahren entwickelt sich nunmehr die Wirtschaft in Deutschland ausgesprochen positiv. Auch die Beschäftigung nimmt zu und die offene Erwerbslosigkeit nimmt ab. Infolgedessen müsste eigentlich auch die Armut abnehmen, weil mehr Menschen bezahlter Erwerbsarbeit nachgehen. Dies passiert aber nicht. Die Armut in Deutschland nimmt im Gegenteil zu. Im besten Fall stagniert diese Entwicklung zwischenzeitlich. In der längeren Perspektive ist aber der Anstieg der Armut nicht zu leugnen. Kinder sind von dieser Entwicklung besonders betroffen.

Warum ist das so?

Weil die finanziellen Bedarfe mit der Anzahl der Kinder steigen, die Einkommen der Haushalte aber nicht in der analogen Art und Weise.

Anders gesagt: Wer mehr Kinder hat, bekommt keinen höheren Lohn.

Richtig. Und der Familienlastenausgleich gleicht zwar mit Kinderfreibeträgen und Kindergeld ein wenig aus, aber das Kindergeld reicht nicht aus, um die steigenden Bedarfe zu decken. Besonders betroffen sind Kinder von Alleinerziehenden und Familien mit mehr als zwei Kindern. Diese Familienkonstellationen sind besonders häufig arm.

Die Gefahr, von Armut betroffen zu sein, ist also bei Alleinerziehenden größer?

Ja, das ist so. Nach den jüngst veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes sind etwa 40 Prozent aller Alleinerziehenden arm. Dieser Gruppe muss daher besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Und wir können zeigen: Eine Alleinerziehende – in den allermeisten Fällen handelt es sich um die Mutter – hat zwar deutlich weniger Geld zur Verfügung als Paare mit Kind(ern). Sie gibt aber dennoch fast genauso viel für ihr Kind / ihre Kinder aus. Daher können wir sagen: Alleinerziehende sparen eher bei ihren eigenen Bedürfnissen als bei den Kindern.

Was heißt denn überhaupt Kinderarmut?

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