Zwei coronainfizierte Familien verstoßen in NRW gegen Quarantäne – ganzes Hochhaus abgeriegelt

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27-04-20 09:45:00,

Gesellschaft

20:15 26.04.2020(aktualisiert 20:30 26.04.2020)

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Weil sich zwei mit dem Coronavirus infizierte Familien nicht an die angeordnete Quarantäne gehalten haben, hat das Gesundheitsamt in der nordrhein-westfälischen Stadt Grevenbroich einen ganzen Hochhauskomplex mit 117 Wohnungen abgeriegelt.

Acht Hochhaus-Bewohner aus zwei Familien waren nach DPA-Angaben nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Die Gesundheitsbehörden hätten deshalb häusliche Quarantäne angeordnet, sagte Benjamin Josephs vom Rhein-Kreis Neuss gegenüber der Agentur am Sonntag.

Doch bei den telefonischen Kontrollen durch die Behördenmitarbeiter sei deutlich geworden, dass sich die Familienmitglieder nicht an die Quarantäne hielten.

Erwachsene und Kinder hätten weiter Kontakt mit Nachbarn gehabt und sich unter anderem vor dem Komplex aufgehalten. Ob die anderen Bewohner überhaupt wussten, dass die Familien eigentlich in Quarantäne waren und ein hohes Ansteckungsrisiko bestand, ist unklar.

Massen-Coronatest

Die Gesundheitsbehörden von Stadt und Kreis entschlossen sich deshalb zu einem Massen-Coronatest. 115 Mitarbeiter von Gesundheitsamt und Rotem Kreuz waren am Sonntag im Einsatz.

Auf einem Parkplatz vor dem Gebäude bauten sie drei Zelte auf. Dann gingen einige Mitarbeiter von Wohnung zu Wohnung.
Der Test war für die Bewohner freiwillig. 377 hätten sich einen Abstrich abnehmen lassen. Die anderen rund 75 würden nun vom Gesundheitsamt vorsorglich für 14 Tage unter Quarantäne gestellt.

Sperre mindestens bis Dienstag – Quarantänesünder anderswo untergebracht

Mit den Testergebnissen werde am Dienstag gerechnet, so Josephs. Bis dahin darf keiner der Bewohner das Grundstück verlassen.
Wie es dann weitergeht an dem Hochhauskomplex, hänge davon ab, wie viele andere Bewohner sich mit dem Coronavirus infiziert haben.

Die beiden Familien, die durch ihre Verstöße gegen die Quarantäne-Auflagen den Massen-Coronatest nötig gemacht haben, sind laut dem Behördensprecher inzwischen anderswo untergebracht.

Details zum Aufenthaltsort nennt der Kreis nicht. Aber es sei ein Ort, an dem „sichergestellt ist, dass sie sich an die Quarantäne-Maßnahmen halten“, sagte Josephs.

Coronavirus

Die Weltgesundheitsorganisation hatte am 11. März den Ausbruch des neuen Covid-19-Erregers als Pandemie eingestuft.

Weltweit wurden laut der Johns-Hopkins-Universität (JHU) bereits mehr als 2,9 Millionen Menschen in 185 Ländern mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert. Bisher wurden demnach 205.607 Todesopfer registriert.

Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle in Deutschland beträgt nach Angaben der Organisation 157.114.

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Andreas Aust: „Arme Familien sind hoffnungslos abgehängt“

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14-08-19 10:41:00,

„Soziale Ungleichheit eindämmen und fokussierte Bekämpfung der Einkommensarmut von Familien ist nicht die Priorität dieser Bundesregierung“, sagt Andreas Aust im Interview mit den NachDenkSeiten. Hintergrund ist eine aktuelle Studie vom Paritätischen, wonach in Deutschland jedes fünfte Kind oder Jugendlicher in Armut lebt. Ein Interview über Kinderarmut, die Auswirkungen für die Betroffenen und die Möglichkeiten, den Armutsverhältnissen entgegenzuwirken. Von Marcus Klöckner.

Herr Aust, es gibt Kinder in Deutschland, die sind ziemlich arm dran. Das Geld in ihren Familien reicht nicht aus, dass die Kinder am Leben teilhaben können. Wie kann das sein?

In den Armutsberichten des Paritätischen stellen wir regelmäßig heraus, dass der gesellschaftliche Reichtum sehr ungleich verteilt ist. Seit mehreren Jahren entwickelt sich nunmehr die Wirtschaft in Deutschland ausgesprochen positiv. Auch die Beschäftigung nimmt zu und die offene Erwerbslosigkeit nimmt ab. Infolgedessen müsste eigentlich auch die Armut abnehmen, weil mehr Menschen bezahlter Erwerbsarbeit nachgehen. Dies passiert aber nicht. Die Armut in Deutschland nimmt im Gegenteil zu. Im besten Fall stagniert diese Entwicklung zwischenzeitlich. In der längeren Perspektive ist aber der Anstieg der Armut nicht zu leugnen. Kinder sind von dieser Entwicklung besonders betroffen.

Warum ist das so?

Weil die finanziellen Bedarfe mit der Anzahl der Kinder steigen, die Einkommen der Haushalte aber nicht in der analogen Art und Weise.

Anders gesagt: Wer mehr Kinder hat, bekommt keinen höheren Lohn.

Richtig. Und der Familienlastenausgleich gleicht zwar mit Kinderfreibeträgen und Kindergeld ein wenig aus, aber das Kindergeld reicht nicht aus, um die steigenden Bedarfe zu decken. Besonders betroffen sind Kinder von Alleinerziehenden und Familien mit mehr als zwei Kindern. Diese Familienkonstellationen sind besonders häufig arm.

Die Gefahr, von Armut betroffen zu sein, ist also bei Alleinerziehenden größer?

Ja, das ist so. Nach den jüngst veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes sind etwa 40 Prozent aller Alleinerziehenden arm. Dieser Gruppe muss daher besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Und wir können zeigen: Eine Alleinerziehende – in den allermeisten Fällen handelt es sich um die Mutter – hat zwar deutlich weniger Geld zur Verfügung als Paare mit Kind(ern). Sie gibt aber dennoch fast genauso viel für ihr Kind / ihre Kinder aus. Daher können wir sagen: Alleinerziehende sparen eher bei ihren eigenen Bedürfnissen als bei den Kindern.

Was heißt denn überhaupt Kinderarmut?

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