Die fehlende Kontrolle

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20-08-20 11:44:00,

In unserem Alltag begegnen wir einer Vielzahl von Messgeräten. Manchmal sind wir uns dessen nicht bewusst. Dennoch haben die meisten von uns mehr oder weniger regelmäßig damit zu tun, denn irgendetwas wird eigentlich immer gemessen.

Einige Beispiele verdeutlichen sehr schnell unser Schutzbedürfnis. Sei es das Taxameter im Taxi, hier wird die Dauer und/oder Wegstrecke einer Taxifahrt ermittelt und möglichst präzise abgerechnet. Oder die Waage in der Metzgerei, mit der unsere Bestellung abgewogen wird.

Diese Messgeräte werden regelmäßig kontrolliert. Die Waage in der Metzgerei zum Bespiel alle zwei Jahre. Das Taxameter sogar jährlich. Das nennt man Eichung. Die Kosten hierfür trägt der Betrieb. Als Verbraucher merken wir das nicht, aber es dient unserem Schutz, damit wir bei der Abrechnung nicht mehr zahlen als nötig. Schwarze Schafe gab es schließlich immer und manch unredlicher Kaufmann könnte seine Gewinne über eine nicht geeichte Messeinrichtung steigern.

Zum Glück ist der Markt aber gut organisiert und die Überwachungsorgane machen einen guten Job. Eine Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen regeln hier das Marktgeschehen. Zum Beispiel das Mess- und Eichgesetz oder die Europäische Messgeräterichtlinie.

Wer als Autofahrer zu schnell unterwegs war und geblitzt wurde, kennt das: Der Bußgeldbescheid kommt ins Haus. Ein Bußgeld wird angedroht, vielleicht sogar ein Fahrverbot. Im Bußgeldbescheid wird das Beweismittel angegeben, also der Blitzer, und der Zeuge. Von der festgestellten Geschwindigkeit wird — das ist ganz wichtig — die Toleranz des Blitzers abgezogen. Diese Toleranz wird durch die Eichung ermittelt. Es macht halt einen großen Unterschied, ob wir 25 oder 26 Stundenkilometer zu schnell unterwegs waren. Diese kleine Differenz von 1 Stundenkilometer entscheidet nämlich, ob wir einen Monat zu Fuß gehen müssen oder mit dem Auto fahren dürfen.

Da Messungen im Straßenverkehr in unser Leben eingreifen, werden an diese die höchsten Anforderungen gestellt. Auf anwaltliches Verlangen muss die Behörde die Sachkunde des Bedienpersonals nachweisen und selbst die Auswertung der Datensätze, die bei den Messungen entstehen, darf nur durch hoheitliches Personal erfolgen. Die Überlassung solcher Aufgaben an private Dienstleister führt dann gegebenenfalls zur Nichtigkeit der Messung. Das ist auch gut so, denn wir wollen in Deutschland ja nicht der Willkür und dem Profitstreben Tür und Tor öffnen.

Natürlich kann ein Blitzer auch nur korrekt funktionieren, wenn er richtig aufgestellt wurde.

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Fehlende Auslandsstudenten bringen Unis in Not

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03-07-20 07:57:00,

Das Clare College und die King’s College Chapel der Cambridge-Universität. Foto: Christian Richardt. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Zu den kaum beachteten Corona-Nebenwirkungen zählen Einschränkungen für Studenten, die vielfach ihre Jobs verloren und die Unis die Beiträge ihrer Auslandsstudenten

Aufgrund der Reise- und Einreisebeschränkungen geht die Zahl der Auslandsstudenten zurück seit Beginn der Coronapandemie zurück, was teils beachtliche Probleme für die Hochschulfinanzierung mit sich bringt. Gerade die Elitehochschulen in Großbritannien und den USA sind davon betroffen.

In Deutschland waren zuletzt über 300.000 Auslandsstudenten eingeschrieben, wobei Chinesen die größte Gruppe stellten und Syrer mit deutlichem Abstand die zweitgrößte. 75 Prozent davon hatten vor der Corona-Krise Nebenjobs in der Gastronomie oder im Einzelhandel. Nun sind sie durch die vorübergehende Schließung von Geschäfte, Bars, Cafés und Restaurants wurden die meisten arbeitslos und konnten in der Regel als studentische Beschäftigte auch kein Kurzarbeitergeld erhalten.

Studentenaustauschprogramme auf Eis

Zahlreiche Studentenaustauschprogramme sind für das Sommersemester suspendiert. Studenten, die nach Hause gereist waren, können in vielen Fällen nicht mehr wieder einreisen. Aus mehreren europäischen Staaten ist die Einreise zwar inzwischen wieder möglich, aber deutsche Studenten können derzeit nicht in alle europäischen Staaten reisen. So wird von einer Reise nach Großbritannien und Malta (Stand 22. Juni) vom Auswärtigen Amt dringend abgeraten und auch von einer Reise nach Irland wird abgeraten. Die britischen Hochschulen gehen davon aus, dass die Beschränkungen und der Verzicht auf Präsenzveranstaltungen noch länger anhalten werden. Da die besser zahlenden ausländischen Studenten jetzt wegfallen, fehlt es den Unis inzwischen an Geld.

Da viele Universitäten inzwischen geschlossen sind, versucht man sein Glück mit virtuellen Vorlesungen. Die Universität Cambridge will jetzt alle Vorlesungen im gesamten kommenden akademischen Jahr virtuell organisieren, um zumindest einen minimalen Universitätsbetrieb aufrecht zu erhalten, auch wenn die Studenten nicht nach Cambridge kommen können oder aufgrund von Ausgangssperren in ihren Colleges ausharren müssen. Somit fallen möglicherweise zwei Semester Unibetrieb aus. Man versucht das unitypische Präsenzlernen in kleinen Gruppen und Seminaren anbieten und eine zeitlich gestaffelte Laborarbeit mit dem vorgeschriebenen Abstand, Wenn die Studenten über Fernunterricht nachzudenken, falls einige Studenten nicht nach Cambridge kommen könnten oder sie durch eine abermalige Ausgangssperre in ihren Colleges festsäßen.

Auch die Universität Manchester startet ein virtuelles Angebot zumindest für das erste Semester. Andere Universitäten dürften diesem Modell folgen.

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Der fehlende Part

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30-11-19 08:47:00,

Flo Osrainik: Herr Rodionov, Sie sind Chefredakteur des deutschsprachigen Angebots von RT. Fünf Jahre RT Deutsch im Rückblick: Hat sich aus Ihrer Sicht alles wie geplant entwickelt? Wie wird das Angebot angenommen und mit welchen Widerständen und Problemen hat RT Deutsch zu kämpfen?

Ivan Rodionov: Wir hatten keinen 5-Jahres-Plan. Als wir 2014 an den Start gegangen sind mit einer täglichen halbstündigen YouTube-Sendung „Der fehlende Part“ und einem Online-Team mit vier Redakteuren. Dafür hatten wir jede Menge Erwartungsdruck, etwas naiven Enthusiasmus und leichten Bammel. Gemessen an den recht überschaubaren Kapazitäten war der Selbstanspruch, eine hörbare neue Stimme im Medienwald zu werden, recht frech.

Und das Bewusstsein, im Brennpunkt der medialen Aufmerksamkeit zu stehen, sehr präsent. Denn der Empfang durch die Mainstream-Maschine war überwältigend. Dass unser Online-Auftritt die Grundfeste der Demokratie, das Vertrauen in die etablierten Medien, den ganzen gesellschaftlichen Zusammenhalt so massiv erschüttern würde, hätten wir so nicht geahnt. Und, mit Verlaub, wenn eine halbstündige YouTube-Sendung eine so ominöse Gefahr für die Grundpfeiler einer Gesellschaftsordnung darstellen soll, wie behauptet, dann liegt es an den Grundpfeilern selbst oder mehr an der gestörten Wahrnehmung ihrer Wächter, nicht an der Sendung.

Warum braucht die Öffentlichkeit ein Medium wie RT und wieso ist das Nachrichtenangebot von RT eine Bereicherung? Was macht RT anders, besser oder schlechter? Können Sie Beispiele nennen?

Ob und warum die Öffentlichkeit RT braucht, kann nur die Öffentlichkeit selbst entscheiden. RT Deutsch wird nicht zwangsverbreitet, kommt nicht aus jeder Steckdose und steht nicht im Verdacht, von Suchmaschinen und News-Aggregatoren auf Kosten anderer Anbieter begünstigt zu werden. Wir schalten auch keine Werbung. Allerdings: die mainstreamige Anti-RT-Schelte mit ihren bizarren Feindbild-Klischees, selbstreferierend recycelten Falschdarstellungen — Stichwort „Fall Lisa“ — und schrillen Pöbeleien wie „dreckige Lügner“, „propagandistischer Drecksladen“ soll eine Art abschreckende „Firewall“ um RT Deutsch hochziehen, das bleibt unsere verlässlichste Werbung (Halbscherz).

Unser Angebot definierte sich ursprünglich als „Der fehlende Part“ zum ganzen Bild. Das Problem ist, dass bei komplexen Themen wie etwa der Vorkriegsgeschichte der fehlende Part mittlerweile größer als der vorhandene ist.

Den weggekürzten Kontext zu liefern — darin liegt einer der wesentlichen Unterschiede zum Mainstream-Narrativ. Die Verkürzungs- und Entkontextualisierungs-Klassiker sind der deutsch-sowjetische Nichtangriffsvertrag, das Putin-Zitat über den Zerfall der Sowjetunion als der größten geopolitischen Katastrophe des Jahrhunderts und die sogenannte Gerassimow-Doktrin, um nur einige zu nennen.

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