Trump: “Die Feinde Amerikas sind auf der Flucht”

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05-02-20 02:42:00,

Screenshot des Videos der Rede zur Lage der Nation, 04.02.2020. Quelle: Weißes Haus

In den öffentlichen Schulen wird gebetet und ansonsten steht auch alles zum Besten im Land, dessen Wohlstand, Macht und Prestige unter ihm ein “großes Comeback” erleben – Die Rede zur Lage der Nation des US-Präsidenten als Bestseller-Autor

Wer kann sich Trumps Wiederwahl erfolgreich in den Weg stellen? Das ist die Frage, die sich nach dessen Ansprache zur Lage der Union wieder einmal aufdrängt.

Nachdem sich die Demokraten in Iowa schon bei der Auszählung einer Vorwahl blamiert haben und sich gegen den Spott über ihre Inkompetenz behaupten müssen, die dazu noch von Vermutungen begleitet werden, dass interne Konkurrenzkämpfe mit im Spiel waren, ist Trump in einer guten Position. Davon machte er in seiner Rede ausführlich Gebrauch.

100-prozentig Trump: Authentische Lügen

Es war eine Wahlkampfrede im staatsmännischen Gewand, die Demokratinnen im weißen Suffragetten-Gewand boten ihm stummes Dekor, mehr nicht. Trump holte sich aus dem Sitzungssaal des Kongresses dort platzierte Mitspieler aus der Bevölkerung, der Armee und des Grenzschutzes, um mit diesem bekannten Theatereffekt zu zeigen, dass er kein abgehobener Präsident ist, der sich über “deplorables” (bedauerliche “Abgehängte”, Hillary Clinton) hinwegsetzt, sondern ein Politiker in Kontakt mit der Bevölkerung.

Dass er mit dieser Inszenierung auch gezielt Mitgliedern der afro-amerikanischen Bevölkerung huldigte, um Wählerstimmen zu gewinnen, fiel wohl nicht nur der New York Times auf.

Geführt wurde die Rede entlang des Themas “the great american comeback”, was eigentlich inhaltlich schon alles besagt, aber Trump, der angeblich seine Reden “100-prozentig” selbst verfassen soll – “Er ist ein Bestseller-Autor und ein hochtalentierter Redner” heißt es aus seinem Stab – beherrscht eine Art der Narration, die Klappentexter für Abenteuerromane in Neid erblassen lassen. Und erst recht Politiker, die Erfolge bei Wählern haben wollen. Trump erstellt in Kurzform “blühende Landschaften”, deren beruhigende Wirkung so stark ist, dass kaum jemand gewillt scheint, die Illusion abzuschütteln.

Er vermittelt so etwas wie authentische Lügen – jeder weiß, dass das so nicht stimmen kann, aber es ist halt Trump:

Die Feinde Amerikas sind auf der Flucht … Der Niedergang ist vorbei … Wir wurden ausgenutzt, das ist vorbei … Macht und Prestige sind zurück … Wir haben das Downsizing verworfen und wir werden nie wieder in diesen Zustand zurückkehren … Wir haben die Grenzen geschlossen … die Familien blühen auf … unsere Lage ist besser als je zuvor.

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Alte Freunde, neue Feinde – Die Türkei am geopolitischen Scheideweg – www.NachDenkSeiten.de

Alte Freunde, neue Feinde – Die Türkei am geopolitischen Scheideweg – www.NachDenkSeiten.de

10-09-18 10:20:00,

10. September 2018 um 9:12 Uhr | Verantwortlich:

Alte Freunde, neue Feinde – Die Türkei am geopolitischen Scheideweg

Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Finanzen und Währung, Ressourcen

Die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei sind in ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten. Ein türkischer Geistlicher im amerikanischen Exil, ein amerikanischer Geistlicher unter türkischem Hausarrest – in Ankaras Augen beides Terroristen. Ein gescheiterter Putschversuch, die Erdoğan-Regierung fordert Loyalität vom Westen; und bekommt sie nicht. Washington unterstützt jene Kurden, gegen die Ankara Krieg führt. Sanktionierung von Ministern, Strafzölle, Drohgebärden, Sanktionen und Gegensanktionen, die türkische Lira bricht ein, Twitter-Attacken, eine medienwirksame Schlammschlacht und nationalistisches Getöse – die Türkei-Krise als Paradebeispiel einer wild rotierenden Eskalationsspirale. Von Jakob Reimann[*].

Gern wird die gegenwärtige Krise auf einen Faustkampf seiner zwei Populisten an der Spitze reduziert, während der geopolitische Kontext einer aufstrebenden Türkei vernachlässigt wird. Denn angesichts eines Wirtschaftswachstums in Rekordhöhe in den letzten anderthalb Jahrzehnten strebt Ankara weiter danach, diesen Wirtschaftsboom derart in politische und militärische Macht zu übersetzen, dass im Nahen und Mittleren Osten keine Politik mehr an der Türkei vorbei implementiert werden kann.

Und so will sich die Türkei mehr und mehr als globalen Player positionieren und strebt dafür etwa die Aufnahme in die Gemeinschaft der BRICS-Staaten an – Erdoğan hat mit BRICST bereits das Update des Akronyms parat. Doch anders als etwa Griechenland, oder auch Irland und Portugal, die unter Preisgabe ihrer Souveränität unter den Europäischen Rettungsschirm gezwängt wurden, verfügt die Türkei über keine finanzstarken Akteure hinter sich, die den Fall der Lira ernsthaft aufhalten wollten – und ein demütiger Gang zum IWF käme politischem Selbstmord Erdoğans gleich. So bleibt es unwahrscheinlich, dass trotz gewisser Annäherungen kurzfristig substanzielle Hilfen aus den BRICS-Staaten zu erwarten wären. Gewiss nicht aus Moskau. Und auch wenn Peking zwar entsprechende Möglichkeiten durchspielt, würde es sich bei eventuellen Hilfszahlungen „eher um eine politische Geste handeln als um eine fundamentale Unterstützung der Lira“, wie chinesische Medien analysieren.

Katar und die türkische Lira

Erste Finanzspritzen kamen daher auch nicht aus den zumindest auf dem Papier noch immer befreundeten NATO-Staaten oder der EU, sondern aus Katar – einem Land, das wie die Türkei selbst im Zentrum sich verschiebender Bündnisse und Allianzen im Nahen Osten steht.

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