100 Franken pro Kopf: 18 Millionen Ukrainer leben in Armut

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01-10-20 03:36:00,

Bettlerin im Zentrum von Kiev: keine Seltenheit.
© Oleg Petrasiuk

Bettlerin im Zentrum von Kiev: keine Seltenheit.

Christian Müller / 01. Okt 2020 –

Die Ukraine, das ärmste Land Europas, versinkt noch tiefer in Armut. Ob man daraus für Weissrussland etwas zu lernen bereit ist?

Der Traum der Ukrainer und Ukrainerinnen von der westlichen Freiheit und vom westeuropäischen Wohlstand ist weitgehend ausgeträumt. Auch Milliarden von Zuschüssen und Darlehen der EU, der Weltbank und anderen Institutionen vermögen es nicht abzuwenden: Die ukrainische Wirtschaft ist in freiem Fall. Und die Covid-19-Pandemie trifft, wie überall auf der Welt, auch hier nicht die Wohlhabenden und Reichen, sondern die Armen und Ärmsten. Hunderttausende – wahrscheinlich sind es Millionen – von Ukrainern, die ganzjährig oder zumindest saisonal im Ausland gearbeitet und einen Teil ihres dortigen Gehalts jeweils ihren Familien in die Ukraine zurückgeschickt hatten, sogenannte Rimessen, haben ihren Job im Ausland verloren und sind arbeitslos in die Ukraine zurückgekehrt.

Die neusten Zahlen besagen: 45 Prozent der Bevölkerung oder also rund 18 Millionen Menschen in der Ukraine leben jetzt in Armut. Sie haben ein monatliches Einkommen (pro Kopf) von 100 Franken oder weniger. Auch wenn der Franken und der Euro in der Ukraine eine deutlich höhere Kaufkraft haben als in der Schweiz oder in Deutschland: Damit kann niemand anständig leben.

Gemäss einer im Juni erstellten Studie des «M.V. Ptukha Institute of Demographics and Social Research», das diese Zahlen erhoben hat, gaben 60 Prozent der Befragten an, finanzielle Mindereinnahmen zu haben, 38 Prozent meldeten einen Rückgang des regulären Einkommens, 16 Prozent verloren ihr Einkommen vollständig und 14 Prozent verloren ihren Arbeitsplatz. Haushalte mit mehreren Kindern sind gemäss dem Bericht des Forschungsinstituts am schlimmsten betroffen.

2019 lag die Armutsquote in der Ukraine gemäss den Informationen des gleichen Instituts noch bei 38 Prozent, es gab also noch fast 3 Millionen Arme weniger. (*)

Bittere Armut neben milliardenschweren Oligarchen

Ljudmila Cherenko, Leiterin der Institutsabteilung für Lebensstandard-Forschung, warnte vor einer weiter zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich. Für Ukraine-Beobachter keine Überraschung: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991, zu der die Ukraine damals noch gehörte, hat wie in allen osteuropäischen Ländern die Privatisierungswelle etliche besonders «clevere» – sprich: rücksichtslose und oft auch kriminelle – Geschäftsleute zu Dollar-Multimillionären und Dollar-Milliardären werden lassen.

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100 Franken am Automaten abheben, höchstens 97 Franken bekommen

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17-03-19 09:32:00,

Urs P. Gasche

Urs P. Gasche / 16. Mär 2019 –

Der Weltwährungsfonds IWF empfiehlt, bei der nächsten Finanzkrise die Leute vom Bezug von Bargeld abzuschrecken.

«Sicher ist nur die nächste Finanzkrise» titelte die NZZ am 15. März 2019. An einer Konferenz von 260 hochrangigen Notenbankern, Finanzmarkt-Regulierern und Finanzdienstleistern in Basel hätten mehr als die Hälfte der Teilnehmenden erklärt, bereits «in den nächsten paar Jahren» mit einer neuen globalen Finanzkrise zu rechnen. Die restlichen 46 Prozent würden «im nächsten Jahrzehnt» ein solches «Ereignis» erwarten. Alle halten es demnach für sicher, dass eine globale Finanzkrise bevorsteht.

Schöne Aussichten.

Dazu passt, dass der Weltwährungsfonds IWF in einer neuen Veröffentlichung darlegt, wie man Menschen in einer Wirtschaftskrise davon abhält, ihr Geld in bar abzuheben. Denn wenn die Europäische Zentralbank EZB nach Ausbruch der nächsten grossen Krise den Leitzins noch stärker senkt, könnten die Leute mit dem Halten von Bargeld den Negativzinsen bei den Banken ausweichen. Deshalb könnte ein negativer Zins auch auf dem Bargeld helfen, dass die Leute das Geld bei den Banken nicht abheben, sondern zum Konsumieren ausgeben. Denn ihr Vermögen schmilzt, gleichgültig, ob sie es auf einem Bank- oder Postkonto lassen, oder ob sie ihre Guthaben in Form von Bargeld abheben.

Das IWF-Papier trägt den Titel «Monetary Policy with Negative Interest Rates: Decoupling Cash from Electronic Money». Im ganzen Papier geht es nur um die Frage, wie man Sparer in der nächsten Wirtschaftskrise davon abhält, ihr Vermögen bei der Bank in bar abzuheben und es zu Hause aufzubewahren.

Die Autoren schlagen ein einfaches Rezept vor: Das Abheben von Geld ab Bankkonto oder ab Bankomat oder Postomat soll mit einem Strafzins in Höhe von drei Prozent bestraft werden. Anders ausgedrückt: Wer 100 Franken abheben will, erhält am Geldautomaten nur noch 97 Franken in cash.

Genügt dies nicht, könnte man die Strafe erhöhen. Ein Sparer werde sich das Horten von Bargeld dreimal überlegen, falls ein Strafzins von 15 Prozent dazu führt, dass er für 100 Franken auf einem Konto nur noch 85 Franken Bargeld bekommt. «Unsere Diskussion zeigt, dass dieses System technisch möglich ist und auch keine drastischen Veränderungen in den Mandaten der Zentralbanken verlangen würde»,

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