Internationaler Frauentag: ein Feiertag für Berlin! Peinlich oder ein notwendiges Signal?

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29-01-19 12:35:00,

Dass der Vorstoß, den Internationalen Frauentag in Berlin zu einem Feiertag zu machen, für teilweise heftige Reaktionen sorgen würde, war vorauszusehen. Dass die Wirtschaftsverbände Zeter und Mordio schreien, ist ein erwarteter Reflex. Dass aber Frauen diese Entscheidung auch negativ sehen, verwundert dann doch. Anette Sorg.

Lydia Rosenfelder arbeitet sich in einem Kommentar in der FAS (27.01.2019 S. 8) zunächst an den Feierlichkeiten zum 8. März in der ehemaligen DDR ab. In den düstersten Farben beschreibt sie die dortigen Feierlichkeiten:

„Was die DDR an diesem Frauentag gefeiert hat, ist in Wahrheit die Arbeitskraft der Frau. Eine geschickte Form der Ausbeutung durch Belobigung. Der DDR ging es nicht um die Gleichstellung der Frau, es ging ihr um die sozialistische Produktivität.“

Die Kommentatorin möchte den Eindruck erwecken, dass es sich bei diesem Feiertag um ein Relikt rückständiger oder mindestens ideologisch verbrämter Gesellschaften handelt, wenn sie schreibt:

„Noch weniger feierlich wird einem zumute, wenn man sich anschaut, wer den Internationalen Frauentag auf der Welt außerdem groß propagiert. Da hätten wir, neben einigen afrikanischen Ländern, noch Kuba, Nordkorea, und Afghanistan…Nur mangelt es im täglichen Leben ein bisschen an der Umsetzung.“

Vielleicht hilft Frau Rosenfelder ja ein wenig Geschichtsunterricht? Ein Blick in die Geschichte beweist, dass ihre willkürliche Auswahl an zitierten Ländern ein Manipulationsversuch ist, der die Intention und Bedeutung des Internationalen Frauentages sträflich vernachlässigt:

  • 1910: In Kopenhagen beschließt die II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz, an der mehr als 100 Delegierte aus 17 Ländern teilnehmen, auf Initiative der deutschen Sozialistin Clara Zetkin die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentages.
  • Zum ersten Internationalen Frauentag gingen rund eine Million Demonstrantinnen und Demonstranten am 19. März 1911 in Deutschland, Österreich, Dänemark und in der Schweiz auf die Straße. Ihre wichtigste Forderung: das Wahlrecht für Frauen und damit die Möglichkeit zur politischen Teilhabe. Nur in Finnland hatten Frauen zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeit, an Wahlen teilzunehmen. Erst 1918 bekamen deutsche Frauen das Wahlrecht, Schweizerinnen dürfen erst seit 1971 wählen.
  • In den folgenden Jahren fand der Internationale Frauentag seinen Platz in der sozialistischen Bewegung. Während des Ersten Weltkrieges wurde der Tag zum Aktionstag gegen den Krieg. 1921 legte die 2. kommunistische Frauenkonferenz den Internationalen Frauentag auf den 8. März fest.
  • Die Nationalsozialisten hatten den Internationalen Frauentag als Feiertag der sozialistischen Arbeiterbewegung zwischen 1933 und 1945 offiziell verboten und durch den Muttertag ersetzt.

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