Leuchtsterne des Friedens

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28-04-20 10:54:00,

Im Laufe der Geschichte haben die Menschen einander unendlich oft auf grausamste Weise Gewalt angetan, und sie tun es auch heute noch. Einige Friedensaktivistinnen und Friedensaktivisten fühlen sich daher deprimiert und ohnmächtig. Aber diese Gefühle helfen uns nicht weiter. Weil wir als Menschen verantwortlich für die Gewalt sind, haben wir auch den Schlüssel in der Hand, das Drama zu beenden. Denn Krieg, Terror und Folter sind keine Naturgewalten wie Erdbeben oder Tornados, denen wir hilflos ausgesetzt sind. An jedem Einsatz von Gewalt ist immer mindestens ein Mensch beteiligt, oft eine ganze Gruppe. Immer mehr Menschen wird klar, dass die destruktive und zerstörerische Bewusstseinsebene, auf der wir uns heute befinden, am Ende ihrer Nützlichkeit angekommen ist.

„Wir haben die Sklaverei, die Hexenverbrennung, den Kolonialismus, den Rassismus und die Apartheid überwunden“, betont Jürgen Todenhöfer. „Wenn es uns gelingt, auch noch den Krieg zu ächten, hat die Menschheit einen großen Schritt nach vorne getan“ (1).

Die Friedensbewegung muss darauf vertrauen, dass eine Welt ohne Krieg möglich ist. „Entschlossenheit und Zuversicht sind, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, die Schlüssel zum Gelingen“, rät der Dalai Lama weise. Als ersten und auch wichtigsten Schritt braucht es daher den Willen zum Frieden. Ich bin davon überzeugt, dass der Ausstieg aus der Gewaltspirale grundsätzlich möglich ist. Entscheidend ist, dass wir den inneren und äußeren Frieden wirklich wollen. Wenn dieser Wille stark ist, können wir uns für die praktische Umsetzung an den drei Prinzipien Menschheitsfamilie, UNO-Gewaltverbot und Achtsamkeit orientieren, welche uns wie drei hell leuchtende Sterne den Weg durch das 21. Jahrhundert weisen (2).

Das Prinzip Menschheitsfamilie ist ein zentraler Leuchtstern für die Friedensbewegung. Die in diesem Buch dargelegten Beispiele zum brutalen europäischen Imperialismus und zum skrupellosen Imperialismus der USA belegen, dass der Einsatz von Gewalt jeweils dadurch ermöglicht wurde, dass die Imperialisten eine Gruppe von Menschen — Indianer, Afroamerikaner, Japaner, Deutsche, Vietnamesen, Iraker, Afghanen und viele andere mehr –explizit aus der Menschheitsfamilie ausgeschlossen hatten.

Durch Kriegspropaganda wurde jedes Mitgefühl mit der ausgeschlossenen Gruppe ausgelöscht.

Die Deutschen wurden als „brutale und bluttriefende Hunnen“ und die Japaner als „gelbe Affen“ bezeichnet. Danach wurde der Einsatz von Gewalt, inklusive der Abwurf von Atombomben, als notwendig dargestellt. Dieser Wahnsinn zeigt, wie verwirrt und unbewusst wir Menschen immer wieder sind. Wenn wir uns an das Prinzip Menschheitsfamilie erinnern,

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Werkzeug des Friedens

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26-07-19 11:50:00,

Metallica — hinter den einfachen Lettern steht ein wegweisendes Projekt im Süden Frankreichs, nicht weit von der Katharerstadt Albi entfernt (1). Auf der Suche nach einem geeigneten Ort für ein Ausbildungszentrum in metallverarbeitenden Berufen stießen Mayn Séry und Christian Moretti vor 20 Jahren auf ein besonders erzhaltiges Gelände in der abgeschiedenen Hügellandschaft des Tarn. Sie erstanden die leerstehenden Gebäude einer alten Schafzucht und gründeten ein Zentrum, in dem es um weit mehr als die Herstellung und Verarbeitung von Metall geht. Hier wird vor allem Autonomie gelehrt (2).

Ich weiß nicht, was mich erwartet, als ich unter der mächtigen, schwungvoll geschmiedeten und dicht von Glyzinien und Kiwiranken bewachsenen Pergola vor den meterdicken Mauern des alten Gutshauses sitze und in die weite und weiche Hügellandschaft blicke. Und obwohl ich mit einem Goldschmied zusammenlebe, weiß ich so gut wie nichts über die Bearbeitung von Metall.

Damit bin ich nicht allein. Heute ist kaum noch jemand dazu in der Lage, autonom Mineralien zu Metall zu verarbeiten. Schon im Mittelalter wurden die kleinen handwerklichen Rennöfen, die es in jedem Weiler gab, von zunehmend industriell funktionierenden Hochöfen verdrängt. Das Wissen um die Herstellung und Verarbeitung von Metall entglitt der breiten Masse und konzentrierte sich in den Händen einiger weniger. Den besitzenden Klassen ging es weniger um Werkzeug und Gefäße als vielmehr um die Kontrolle über die Produktion von Waffen und Kriegsgerät.

Was in den Geschichtsbüchern als Fortschritt dargestellt wird, ist für Christian Moretti die gezielte Enteignung kollektiven Gutes. So wie die Metallverarbeitung gaben wir nach und nach auch alles andere handwerkliche Können aus der Hand. Heute sind wir, die Bewohner der Industriestaaten, in keinem einzigen Lebensbereich mehr autonom. Wir hängen vollständig von Produkten und Dienstleistungen ab, die wir kaufen müssen.

Wer von uns weiß noch, wie man eigenhändig etwas herstellt? Viele sind nicht mehr dazu in der Lage, ein Feuer zu entfachen, ein Huhn zu schlachten, geschweige denn ein Messer herzustellen. Wer weiß noch, wie man einen Nutzgarten anlegt?

Wer kennt sich noch mit Heilkräutern aus? Alles ist darauf ausgerichtet, uns vom Know-How einiger weniger Global Player abhängig zu machen und die Erfüllung unserer Bedürfnisse und Wünsche an Spezialisten abzugeben.

Dafür, dass wir unser Können aus der Hand gegeben haben, bezahlen wir einen hohen Preis. Wir können nur noch als Konsumenten mitreden.

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Der Geschmack des Friedens

Der Geschmack des Friedens

25-08-18 10:34:00,

In einer Marktstraße im Stadtzentrum von Aleppo erlebt man Fröhlichkeit und Gelassenheit. Die Menschen begutachten die Waren auf den Klapptischen, klönen und kaufen ein.

Es sind modern gekleidete Frauen zu sehen, aber auch viele Frauen in langen, schwarzen Gewändern, dem Tschador und Niqab. Es gibt große Stände mit allen möglichen Textilien und – als hätte es den IS nie gegeben – Verkaufstische mit Kosmetik, Frauen-Unterwäsche und BHs.

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Auf unsere Journalisten-Gruppe reagieren die Menschen neugierig und freundlich. In der Marktstraße hält ein Passant den Daumen hoch. Manche Passanten wollen ein gemeinsames Selfie. Andere posieren mit ernsten oder lächelnden Gesichtern für ein Foto.

Die im 10. Jahrhundert auf einem 40 Meter hohen Berg erbaute Festung der Stadt wirkt wie ein Ruhepol in dieser vom Krieg schwer gezeichneten Stadt. Syrische Soldaten verteidigten das von mächtigen Mauern geschützte Bauwerk erfolgreich gegen die islamistischen Terror-Milizen, welche bis Dezember 2016 den Ostteil der Stadt besetzt hatten, dann aber vertrieben wurden.

Oben auf der Festung wiegen sich ein paar Bäume im Wind. Es ist still und friedlich. Von hier hat man einen Blick über das braun-gelbliche Häuser-Meer, in dem man ein paar grüne Baumkronen und weiße Minarette sieht.

Wir reisen auf Einladung des russischen Verteidigungsministeriums vier Tage durch Syrien. Man will uns zeigen, dass die Flüchtlinge wieder nach Syrien zurückkehren, dass im Land der Wiederaufbau beginnt, dass in Fabriken wieder produziert und Schulen wieder unterrichtet wird.

Wir starten in Damaskus. Gleich nach unserer Ankunft erklärte der syrische Minister für munizipale Selbstverwaltung, Husein Machljuf, auf einer Pressekonferenz, 1,7 Millionen Flüchtlinge in Europa hätten den Wunsch geäußert, in ihre Heimat zurückzukehren.

Besonders viele Rückkehrwillige gäbe es in der Türkei, dem Libanon und in Deutschland.

Um uns zu zeigen, dass es Rückkehrer gibt, fährt man uns nach der Pressekonferenz zum Dorf Jdeidat Yabous. Das liegt an der syrisch-libanesischen Grenze. Dort gibt es einen Grenzkontrollpunkt. Ärzte und Psychologen in weißen Kitteln haben sich hinter Klapptischen aufgestellt. Ein Erste-Hilfe-Wagen der Welthungerhilfe steht bereit. Jugendliche schwenken syrische und palästinensische Flaggen.

Und da kommen sie endlich, die Rückkehrer. Man sieht sechs mit Assad-Porträts geschmückte Omnibusse, gefolgt von Lastwagen, auf denen Matratzen und andere Möbel festgezurrt sind. Als die Türen der Busse aufgehen, kommen vor allem Frauen mit ihren Kindern,

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