Das Mekka der Friedensbewegung

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31-07-19 10:50:00,

Das Pax Terra Musica bot den vielen Friedensbewegten erneut eine Oase der Harmonie. Und selbst der Großteil meiner Verbesserungsvorschläge vom vergangenen Jahr wurden tatsächlich umgesetzt. Ich bin beeindruckt! So gab es Biocola statt Coca-Cola und statt der moralisch verwerflichen Biermarke „Carlsberg“ regionales Bier aus Brandenburg, welches dem gaumenverwöhnten Besucher aus Bayern vielleicht nicht so sonderlich mundete, aber wenigstens lokale Unternehmen supportete. Außerdem verabschiedete sich das PTM gänzlich vom Verkauf von Fleisch und Tierprodukten und ging dazu über, die Besucher mit einem Aufgebot von ausschließlich veganem Essen délicieuse zu verwöhnen.

Und natürlich bot die Vielzahl unterschiedlicher Workshops und Konzerte den Friedenspilgern ein mehr als abwechslungsreiches Festival. Die Workshops waren lebendig und inspirierend. Die Konzerte mussten sich vor den großen Festivals nicht verstecken: Kilez More, Morgaine, Äon und Tjorben rissen die Bühne regelrecht ab.

Bei all diesen Erfolgsmeldungen lässt sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei dem nun schon zum dritten Mal veranstalteten Festival immer die üblichen Verdächtigen zugegen waren. Von einer Bewegung auf Fridays-for-Future-Level sind wir noch Lichtjahre entfernt!

Doch wie schaffen wir es, den Justin aus Bitterfeld, den Sepp aus Oberbayern, den Maximilian aus dem Münchner Speckgürtel, den Hipster aus Kreuzberg sowie Herrn und Frau Mustermann aus dem Ligusterweg für die Friedensbewegung zu gewinnen? Woran mangelt es? Und wie sehr sind noch Spaltungen und Klüfte in unseren Köpfen verankert?

Burak Erbasi

Burak Erbasi, Jahrgang 1991, ist derzeit Student der Wirtschaftswissenschaften. Als Kind türkischer Gastarbeiter ist sein Leben geprägt von der Auseinandersetzung mit kulturellen und spirituellen, aber auch klassenkämpferischen Fragestellungen. Sein politischer Aktivismus kreist um die Themenkomplexe Digitalisierung der Wirtschaft, Finanz- und Geldsystem, basisdemokratische Gesellschaftsformen und die kritische Auseinandersetzung mit Pseudo- und Elitendemokratien.

Nicolas  Riedl

Nicolas Riedl, Jahrgang 1993, ist Student der Politik-, Theater- und Medienwissenschaften in Erlangen. Er lernte fast jede Schulform des deutschen Bildungssystems von innen kennen und während einer kaufmännischen Ausbildung ebenso die zwischenmenschliche Kälte der Arbeitswelt. Die Medien- und Ukrainekrise 2014 war eine Zäsur für seine Weltanschauung und -wahrnehmung. Seither beschäftigt er sich eingehend und selbstkritisch mit politischen, sozio-ökonomischen, ökologischen sowie psychologischen Themen und fand durch den Rubikon zu seiner Leidenschaft des Schreibens zurück. Soweit es seine technischen Fertigkeiten zulassen, produziert er Filme und Musikvideos. Er ist Mitglied der Rubikon-Jugendredaktion und schreibt für die Kolumne „Junge Federn“.

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„Was die Friedensbewegung braucht sind eigene Gedanken“ | KenFM.de

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19-06-19 09:05:00,

Daniele Ganser sprach in Hamburg über Wahrheit, Mut und Liebe

Eine Rezension von Christiane Borowy.

Insgesamt elf Vorträge hat Daniele Ganser in Hamburg schon gehalten. Am 13. und 14. Juni 2019 hat es wieder mehrere hundert Menschen, die seine Einschätzungen zur internationalen Politik hören wollen, in die Hansestadt gezogen. Themenschwerpunkt diesmal war „Wahrheit, Mut und Liebe“. Dies sind Werte, die der Friedensbewegung, also allen Menschen, die das gewaltsame „Lösen“ von Konflikten ablehnen, als Leitstern und zur Stärkung dienen können. Wahrheit, Mut und Liebe dienen als universelle Prüfkriterien von: UNO-Gewaltverbot, UN-Sicherheitsrat, illegalen Kriegen seit 1945, den Medien vor und bei Kriegsausbruch, Kriegsverbrechern, Geheimdiensten, der individuellen Weiterentwicklung und Bewusstseinsbildung sowie der Stärkung der Friedensbewegung. Niveau und Spannungsbogen waren also gewohnt hoch.

20 Jahre forscht Ganser inzwischen zu Krieg, Terror und Lügen. Das alles bedeutet Chaos und wenn man als Wissenschaftler zu diesem Thema recherchiert, aufwühlende Texte liest und Bilder sieht, ist es keine leichte Aufgabe, im Gefühls- und Gedankenchaos die Ruhe zu behalten. Ganser ist also nicht nur Experte in Fragen des Zeitgeschehens seit 1945, sondern versteht auch etwas davon, einerseits die thematisch „heißen Eisen“ anzupacken und andererseits körperlich und seelisch bei Gesundheit zu bleiben. Wie macht er das?

Ganser schlägt vor, dass man in jeder Situation mit der Frage beginnen kann: Was ist die Wahrheit? Was würde der Mut, was die Liebe sagen?

Dabei ist die Wahrheit für Ganser ganz wesentlich eine Sache der Perspektive. So ist es bei aller Wahrheitsfindung wichtig, auch verschiedene Sichtweisen einzunehmen und nicht nur einer vorgegebenen Meinung zu einer Lage zu folgen. Das bezieht sich nicht nur auf die Medien, sondern auch auf jeden selbst. Es ist gut, die Fähigkeit zu entwickeln, sich von einer als persönliche Wahrheit gebildeten Meinung auch wieder lösen zu können anstatt zu denken: „Ich habe mich umfassend informiert, viele Perspektiven eingenommen, jetzt habe ich die Wahrheit und so ist es. Das müssen die anderen Menschen jetzt mal verstehen.“ Es kann immer sein, dass etwas dran ist an dem, was ein anderer sagt.

Beschäftigt man sich mit illegalen Kriegen braucht es Mut, die Wahrheit auszusprechen. Der Mensch ist ein soziales Wesen und wer eine Wahrheit ausspricht,

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Party on, Friedensbewegung!

Party on, Friedensbewegung!

26-07-18 09:45:00,

Diese Arbeit am Fundament und die Pflege einer Kultur des Friedens unterscheidet das Pax-Terra-Musica-Festival von anderen Festen in der Friedensbewegung. Man kann sich kennenlernen und vernetzen, so dass man erfährt, wer alles dazugehört und wie unterschiedlich Friedensarbeit aussehen kann. Doch außer Musik, Party und Tanz gibt es auch viele Vorträge und Workshops, in denen gezeigt und diskutiert wird, wie man Friedensfähigkeit auf unterschiedliche Weise erreichen kann. Sich treffen und gemeinsam mit Spaß und Freude eine Kultur des Friedens zu schaffen, finde ich dabei besonders interessant.

Kaum jemand kennt in seiner Umgebung einen Menschen, der für Krieg ist. Dennoch ist es schwierig, sich gemeinsam mit vielen Menschen für Frieden zu engagieren. Die Friedensbewegung bekommt das ebenfalls zu spüren, denn sie unterliegt massiven Spaltungsversuchen. Pax Terra Musica startete im letzten Jahr das erste Mal und hat nicht nur begeisterte Friedensaktivisten angezogen, sondern auch Diffamierungen als „rechts“ und „überhaupt irgendwie unseriös“ erfahren. In diesem Jahr gingen die Verleumdungen zwar zurück, dennoch bin ich mehrfach persönlich oder in sozialen Medien angesprochen worden, ob ich tatsächlich für dieses Festival sprechen könne, schließlich sei die Frage, ob man dem trauen könne. Man höre da ja so Sachen. Diesen Versuchen, die Gruppe an Menschen, die sich für Frieden engagieren, in unterschiedliche Gruppen zu trennen und dann gegeneinander aufzubringen, möchte ich mit meiner Arbeit und mit meiner Unterstützung des Festivals entgegenwirken.

Ich schreibe diesen Artikel allerdings nicht nur, weil ich die Idee unterstütze oder weil ich selbst auf dem Festival sein und dort am Samstag einen politischen Achtsamkeitsworkshop anbieten werde. Ich halte Achtsamkeit für eine wichtige und hochpolitische Sache in der Friedensbewegung. Aufklärung über innere Spaltung, über Aggressionen und Empathieverlust im eigenen Innern schätze ich für ebenso relevant und mindestens genauso spannend wie Geostrategie ein. Wie kann man die Friedensbewegung von innen heraus stärken? Warum gibt es immer wieder Streit und Frustration in der Friedensbewegung, obwohl eigentlich alle das gleiche Ziel haben? Das sind Fragen, denen ich in meinem kleinen Institut für Sozial-Kulturelle Arbeit nachgehe.

Aus meiner langjährigen theoretischen und praktischen Arbeit heraus kann ich meine Erfahrungen teilen und sagen, dass ein tiefes Verständnis des Wesens von Konflikten und deren Dynamiken bewirken kann, friedlicher zu handeln und mehr Frieden in das eigene Innere und das eigene Umfeld zu bringen.

Mir ist auch wichtig zu zeigen, wieviel Spaß es machen kann,

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Für eine neue Friedensbewegung!

Für eine neue Friedensbewegung!

02-05-18 02:56:00,

Nach dem Ende der Konfrontation zwischen NATO und Warschauer Pakt, die zu einer Zweiteilung der Welt geführt hatte, kann mit dem wirtschaftlichen Erstarken Chinas und der Öffnung Russlands zur Welt von einer solchen Zweiteilung nicht mehr gesprochen werden. Es sind verschiedene Kraftzentren entstanden, die je nach den jeweiligen nationalen Interessen zu Koalitionen führen können, die die Architektur der Kräfteverhältnisse in der Welt stetig verändern. Die Gründung der Europäischen Union als eine sich allmählich verfestigende politische Einheit hat die bestimmende Rolle der USA in der sogenannten Westlichen Wertegemeinschaft (WWG) geschwächt. Wie der derzeitige Handelsstreit zwischen der EU und den USA oder die Streitigkeiten um die Spionagetätigkeit der amerikanischen Geheimdienste zeigen, herrscht zwischen den beiden nicht immer eitel Sonnenschein. Trotz aller Geschlossenheit – besonders im Rahmen der NATO – deuten gegenseitige Rücksichtnahmen auch auf Einschränkungen der Interessen des jeweils anderen hin.

Die aggressive Politik der USA und der NATO hat die Annäherung zwischen Russland und China begünstigt. Die Türkei entfernt sich zunehmend von der NATO zugunsten einer Intensivierung ihrer Beziehungen zu Russland, was das Kräfteverhältnis zwischen diesen beiden Rivalen verschiebt. Das chinesische Konzept der Seidenstraße zehrt am wirtschaftlichen und damit auch politischen Einfluss des Westens in Asien und auch Afrika. Die WWG ist schwächer geworden. Ihre Werte offenbaren sich zunehmend als mit Moral überzuckerte wirtschaftliche und politische Interessen.

Zudem können sich westliche Regierungen und ihre Politiker nicht mehr auf den Rückhalt der eigenen Bevölkerung verlassen. Ihre Propaganda verfängt nicht mehr, da sich die Menschen zunehmend über unabhängige Medien im Internet informieren, so dass das Monopol der privaten und öffentlich-rechtlichen Informationsanbieter verloren ging. In nachlassender Teilhabe an der offiziellen Politik, zu sehen beispielsweise am Mitgliederschwund der Parteien und an der abnehmenden Wahlbeteiligung, offenbart sich die Politikverdrossenheit vieler Bürger.

Diese wachsende Distanz zwischen Bevölkerung und den herrschenden Kreisen drückt sich auch in der nachlassenden Bereitschaft für Kriegseinsätze aus. Besonders für die westlichen Regierungen wird es immer schwerer, Auslandseinsätze mit eigenen Truppen durchzuführen. Sie sind auf andere Organisationen und Staaten als Truppensteller angewiesen, seit die allgemeine Wehrpflicht – wie auch in Deutschland – weitgehend durch Berufssoldatentum ersetzt worden ist. Insofern hat im Vergleich zum Vietnamkrieg, aber auch den Einsätzen der jüngeren Zeit in Afghanistan und im Irak die Fähigkeit, Kriege zu führen, erheblich nachgelassen.

Der wesentliche Unterschied aber ist, dass mit der Blockkonfrontation auch eine ideologische Konfrontation verbunden war,

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