Test auf dem Prüfstand

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02-09-20 01:03:00,

„Der größte Feind des Wissens ist nicht die Ignoranz,
sondern die Illusion, wissend zu sein“
(Stephen Hawking).

Da der sogenannte Corona- oder PCR-Test der Dreh- und Angelpunkt aller, zum Teil lebensbedrohlich wirkender einschränkender Maßnahmen ist, ist es sinnvoll und notwendig, diesen selbst auf Herz und Nieren zu testen, um die Antwort zu finden.

Dass ein Test das testet oder misst, was er testen oder messen soll, klingt einfach, ist es aber ganz und gar nicht. Und dies hängt wesentlich von dem Bereich ab, in dem ein Test durchgeführt beziehungsweise entwickelt werden soll.

Am einfachsten ist es im ingenieurwissenschaftlichen Bereich. Will ich feststellen, ob ein Balken einer bestimmten Holzart, mit einer bestimmten Länge, einem bestimmten Durchmesser und einer bestimmten Form und mit anderen Eigenschaften oder Kriterien, die ich kenne, ein bestimmtes Gewicht aushält, bringe ich beide zusammen, indem ich den Balken mit dem Gewicht belaste. Das Gewicht ist das Testinstrument. Die meisten Kriterien für die Beurteilung des Ergebnisses kenne ich. Es könnte aber sein, dass ich ein Kriterium, auch Variable genannt, nicht kenne, was in diesem Fall sehr unwahrscheinlich ist, weil wir genügend Alltagserfahrung für ein solches Experiment haben.

Anders, das heißt viel schwieriger ist es, wenn wir ein solches Experiment im Bereich des Lebendigen durchführen wollen, wobei es anscheinend noch einen Unterschied zwischen den Natur- und den Geistes- beziehungsweise Sozialwissenschaften gibt. Es scheint einfacher zu sein, festzustellen, ob ein Virus existiert, als die Intelligenz von Menschen zu testen. Deswegen gibt es auch in den Sozialwissenschaften in Bezug auf Intelligenz die etwas zynische Aussage: Intelligenz ist das, was der Intelligenztest misst. Darin steckt das Eingeständnis, dass man gar nicht weiß, was man da als „Intelligenz“ misst.

Es gibt natürlich Theorien über Intelligenz, aber man muss sie gewissermaßen verdinglichen, um ein (Test-)Instrument anlegen, das heißt damit in Verbindung bringen zu können. Es ist wichtig, das im Folgenden in Erinnerung zu behalten.

Um die zu Beginn gestellte Frage sauber zu beantworten, ob der Virus-Test ein Virus-Test ist, also misst, was er messen soll, beginne ich mit dem Klären der Begriffe, die benutzt werden. Vielfach finden bloß Richtig-falsch-Diskussionen statt, ohne dass man sich darauf verständigt, was mit den Worten, die benutzt werden, genau gemeint ist. Ich probiere das in einem Dialog. Bei einer solchen Klärung der Worte,

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Italien auf dem Prüfstand: Demokratie oder Kapitalmarkt?

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30-10-18 08:03:00,

Werner Vontobel

Werner Vontobel / 30. Okt 2018 –

In einer Demokratie wird das Budget vom Parlament verabschiedet. In der EU haben die Kapitalmärkte und die EU-Kommission das Sagen

Eines muss man der EU-Kommission lassen: Sie hat sich stilistisch verbessert und dieses Mal mit offenen Karten gespielt. Die EU-Kommissare Valdis Dombrovskis und Pierre Moscovici haben ihr Veto gegen Italiens Budgetentwurf in einer Pressekonferenz öffentlich begründet: Italien habe in seinem Stabilitätsprogramm vom April 2018 versprochen, dass es 2019 ein Defizit von 0,8 Prozent des BIP anvisieren werde. Jetzt habe man mit einem geplanten Defizit von 2,4 Prozent dieses Versprechen gebrochen und die Regeln des Stabilitätspakts „auf grobe Weise“ verletzt. Italiens neue Regierung habe jetzt drei Wochen Zeit, um das Versprechen ihrer Vorgänger wenigstens annähernd zu halten. Dass ansonsten ein Defizitverfahren und eine Geldbusse von bis zu 0,5 Prozent des BIP bzw. gut 8 Milliarden Euro drohe, wurde nicht offen gesagt.

Was EU-Geheimpolitik 2011 bewirkte

Das ist zwar grobes Geschütz, aber nichts im Vergleich zur Art und Weise, wie die EU vor sieben Jahren gegen die Budgetpläne von Silvio Berlusconi interveniert hatte. Sie schickte damals den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean Claude Trichet, vor. In einem geheimen Brief vom 5. August 2011 (der erst Monate später ruchbar wurde), diktierte dieser dem italienischen Regierungschef die „Strukturreformen“, die nach Meinung der EZB nötig waren, um „das Vertrauen der Investoren wieder herzustellen“.

Unter anderem verlangte Trichet umfassende Privatisierungen, die Abschaffung von Gesamtarbeitsverträgen, tiefe Einschnitte im Rentensystem und in der Arbeitslosenversicherung, Lohnsenkungen im öffentlichen Dienst und ein ausgeglichenes Budget spätestens 2012, mit der Präzisierung, dass der Ausgleich nicht durch höhere Steuern, sondern durch Ausgabensenkungen erreicht werden müsse. (Wortlaut hier) Berlusconi leistete noch ein paar Monate Widerstand, aber als der „Spread“ – die Differenz zwischen den deutschen und den italienischen Zinsen – im November auf sieben Prozent angestiegen war, warf er das Handtuch und wurde durch den früheren EU-Kommissar Mario Monti ersetzt.

Wie brav Italien das Diktat Trichets und der Finanzmärkte befolgt hat, zeigen unter anderem die ab 2012 auftretenden hohen Sparüberschüsse der Unternehmen, der starke Rückgang der staatlichen Investitionen (minus 45 Prozent seit 2009), die sinkenden Löhne und die mangels Nachfrage stark steigende Arbeitslosigkeit, die wiederum eine Erhöhung der Sozialausgaben – trotz sinkenden Leistungen im Einzelfall – bewirkt hat.

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