Kein neuer Galeano: Stefan Peters Venezuela-Buch

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14-04-19 12:39:00,

Ist der „Sozialismus“ in Venezuela mit dem ehemaligen Präsidenten Chávez gestorben? Was sind die Gründe für die desolate Lage, in der sich das Land zur Zeit befindet? Sind die Probleme hausgemacht? Oder eher eine Folge externer Faktoren, die vor allem Folge einer imperialistischen Außenpolitik der USA sind? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Buch „Sozialismus des 21. Jahrhunderts in Venezuela“ von Stefan Peters, in das Daniela Lobmueh für die NachDenkSeiten einen Blick geworfen hat.

Der Verlagstext zum Buch beginnt mit ein paar Lobesworten. Mit Hugo Chávez wurde der Sozialismus „wieder salonfähig“, denn mit „dem Rückenwind kräftig steigender Rohstoffpreise“ gelangen soziale Entwicklungserfolge und „hohe Wachstumsraten“. Es sind diese Erfolge, von denen man in unserem Medienmainstream bislang wenig hörte und in einer Analyse gern mehr gehört hätte. Aber der Klappentext fährt fort: „Doch bald wurden die Erfolgsmeldungen spärlicher und Nachrichten von Verschwendung, Korruption sowie zunehmenden autoritären Tendenzen untergruben den Modellcharakter. Spätestens mit dem Tod des comandante im März 2013 und dem Einbruch der Erdölpreise begann der Niedergang der Bolivarischen Revolution.“

Stefan Peters’ Analyse der „Gründe des Scheiterns der Bolivarischen Revolution“ krankt fatal an einem selbst gesetzten Dogma: „Das vorliegende Buch möchte der Versuchung widerstehen, die Ursachen für das revolutionäre Scheitern der Bolivarischen Revolution zunächst in externen Ursachen zu suchen…“ (Peters S.18) Mit seinem „zunächst“ erweckt Peters den Eindruck, er würde sich nach ausgiebiger Darstellung interner Fehler des Chavismus dann endlich den offensichtlichen Einflussnahmen der USA zuwenden. Das tut er aber nicht.

Im Gegenteil, Peters bemüht sich angestrengt, jede Erwähnung einer konkreten Einmischung der US-Regierung zu vermeiden und sogar insgesamt die Rolle der USA für die Geschichte Lateinamerikas herunterzuspielen. Er zeichnet tatsächlich die Geschichte diverser Kämpfe von Guatemala über Chile bis zu El Salvador und Nicaragua nach, ohne die CIA nur einmal zu erwähnen, die dort überall eine Blutspur des Terrors hinterließ. Das geht bis zur offenen Geschichtsklitterung: Den CIA-gesteuerten Putsch von General Pinochet gegen den Sozialisten Allende in Chile 1973 habe „der spätere Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger“ als damaliger US-Außenminister „goutiert“ (Peters S.16). Heute ist jedoch weithin bekannt, dass Kissinger diesen blutigen Putsch keineswegs nur „goutierte“.

Denn Kissinger war keineswegs, wie Peters wahrheitswidrig behauptet, nur ein goutierender Zeuge der Massenmorde in Chile. Er hatte sie maßgeblich mit organisiert und von seiner CIA mit Meuchelmorden und einem Wirtschaftskrieg ermöglichen lassen.

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