Die Gefallsüchtigen

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22-03-19 08:23:00,

Unsere Medien könnten die blutige Heuchelei der westlichen Politik jederzeit enttarnen und stoppen. Als Wächter der Demokratie ist das sogar ihre Pflicht. Sie dürften nie zulassen, dass die Bevölkerung von den Regierenden systematisch über die wahren Kriegs- oder Sanktionsgründe getäuscht wird.

Doch statt die Heuchelei der Mächtigen zu demaskieren, spielen viele Medien ihr Spiel mit. Sie sind Teil des Systems geworden, das sie kontrollieren sollten. Scheinheilig sprechen auch sie vom Kampf um die „Werte des Westens“ (1), wenn dieser seine materiellen Interessen mit Kriegen oder Sanktionen durchsetzt. Mörderische Militärinterventionen stellen sie als Übernahme weltweiter „Schutzverantwortung“, als „humanitäre Pflicht“ dar (2).

Anpassung an die herrschende Meinung, Herdenmoral, ist seit Jahrtausenden eine erfolgreiche Überlebensstrategie. Doch in einem freiheitlichen System darf sie nicht die Ethik freier Journalisten sein.

Viele Leitmedien sitzen nicht als objektive Beobachter auf der Haupttribüne der Weltpolitik. Sondern in der Fankurve der Mächtigen. Sie betreiben Fankurven-Journalismus. Sie pfeifen nur bei Fouls des „Gegners“. Fouls der eigenen Mannschaft ignorieren sie oder relativieren sie als „notwendige Härte“. Wie Fans eben.

Als West-Mossul unter amerikanischer Führung vernichtet wurde und mindestens 20.000 Zivilisten getötet wurden, sprachen Leitmedien von einem Sieg über den Terror, von einer „Befreiung“ (3).

Als unter russischer Führung Ost-Aleppo zerstört wurde und nach Schätzung Einheimischer 10.000 Menschen starben (4), sprachen sie von einer Niederlage oder gar dem „Ende der Menschlichkeit“ (5). In Mossul saß der IS, in Aleppo Jabhat Al-Nusra. Beides Sumpfpflanzen Al-Qaidas.

Große Teile der einst so unterschiedlichen Weltkulturstädte Mossul und Aleppo sehen heute gleich aus: wie einst Hiroshima. Trotzdem machte der westliche Journalismus bei der Beurteilung der Bombardements durch Amerikaner und Russen einen großen Unterschied: Die amerikanischen Bomben waren „gute Bomben“. Die russischen Bomben „böse Bomben“. Das Fankurven-Motto des westlichen Mainstream-Journalismus lautet: Was Amerika und wir dürfen, dürfen Russland und andere „Gegner“ noch lange nicht.

Ich habe beide Städte mehrmals besucht. Erschüttert über das Leid der Menschen, über das Versagen unserer Politik und über das Versagen unserer Medien. Schon wegen Mossul und Aleppo hätten einige westliche Leitmedien die „Goldene Palme der Doppelmoral“ verdient.

Manche führende Journalisten sind kriegsfreudiger als ihre Regierungen. Auch in Deutschland. Der geistreiche Berthold Kohler, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, begrüßte nicht nur die letzten Kriege des Westens. Er wollte mehr Krieg. Dass Obama seine Militärintervention gegen Syrien im letzten Augenblick absagte,

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