Das soziale Gehirn

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29-01-20 09:11:00,

Das kapitalistische Menschenbild sieht den Menschen als einen Einzelkämpfer im „Krieg jeder gegen jeden“, der den Mitmenschen nur als Konkurrenten wahrnimmt. Beginnen wir damit, einen Blick ins menschliche Gehirn zu werfen. Welche biologische Anlage wird dem Menschen auf seinen Lebensweg mitgegeben? Ist er tatsächlich auf ein Leben als Einzelkämpfer eingestellt?

ANDREAS VON WESTPHALEN, 29. Januar 2020, 0 Kommentare

Spiegelneuronen – Das biologische Geheimnis des Mitgefühls

“Ich prophezeie, dass die Spiegelneuronen eines Tages für die Psychologie sein werden, was die DNA für die Biologie ist.” — Vilayanur Ramachandran (1)

Gähnen ist bekanntlich ansteckend. Lächeln ebenfalls. Auch Lachen, aber auch Trauer. Im Kino funktioniert das Mitgefühl der Zuschauer über ein vergleichbares Prinzip. Gebannt leidet man mit der Hauptperson mit und hofft sehnlichst auf ein Happy End. Dasselbe lässt sich über die Theaterästhetik sagen, die seit mehr als 2000 Jahren auf Aristoteles´ Prinzip der Katharsis basiert.

Wenn aber – diese Frage drängt sich förmlich auf – das menschliche Mitgefühl so zentral und selbstverständlich im Wesen des Menschen angelegt ist, wie es unsere tägliche Lebenserfahrung beweist und Kunst und Kultur seit Jahrtausenden belegen, wie kann man dann allen Ernstes davon ausgehen, der Mensch sei ein geborener egoistischer Einzelkämpfer?

1992 gelang einem Team von Neuroforschern um Giacomo Rizzolatti aus Parma eine bahnbrechende Entdeckung. Die Wissenschaftler untersuchten bei den Makaken-Affen die Gehirnregion, welche für Planung und Ausführung von Bewegungen eine entscheidende Rolle spielt. Es gelang ihnen, einzelne Nervenzellennetzwerke zu identifizieren, die jeweils für eine bestimmte Handlung zuständig waren, beispielsweise das Handlungsneuron, das feuerte, sobald der Affe nach einer Rosine griff. Die überraschende Entdeckung war: Genau dieses Neuron war auch aktiv, wenn der Makake nur beobachtete, wie jemand anderes nach der Rosine griff. Bis dahin hatte man angenommen, dass für die Reaktion auf das Verhalten anderer ein weiteres Hirnareal zuständig wäre. (2)

Im Laufe ihrer Beobachtungen machten die Forscher aber noch weitere Entdeckungen. Auch wenn der Affe nur einen Bruchteil einer Handlungssequenz sehen konnte, reichte diese Zeitspanne bereits aus: Die entsprechenden Neuronen feuerten, und zwar die, welche für die Ausführung der gesamten Handlung zuständig waren. (3) Sogar Geräusche, die typisch für eine bestimmte Handlung waren, aktivierten entsprechende Neuronen. (4)

Beim Menschen genügt es sogar, dass er in einem Gespräch nur von einer Handlung hört, damit die entsprechenden Nervenzellen feuern.

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Tumoren in Herz und Gehirn: Todesgefahr von Smartphones nachgewiesen

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02-11-18 09:17:00,

Wissen

18:22 02.11.2018Zum Kurzlink

Forscher des National Toxicology Program (NTP) in den USA haben festgestellt, dass sich bei Ratten, die Hochfrequenzstrahlung ausgesetzt waren, welche in Smartphones für 2G- und 3G-Netzwerke verwendet wird, Krebs in Herz, Gehirn und Nebennieren entwickelte. Dies wird in einer Pressemitteilung auf dem Portal MedicalXpress berichtet.

Im Laufe der Forschung wurden Ratten in speziellen Kammern untergebracht, in denen die Tiere mindestens zwei Jahre lang Radiowellen ausgesetzt wurden. Die Bestrahlung dauerte insgesamt ungefähr neun Stunden pro Tag. Die Bestrahlungszeit wurde in zehn Minuten lange Intervalle geteilt. Am ganzen Körper wurden die Ratten zehn Minuten bestrahlt und dann folgte eine gleich lange Pause. Die Strahlungsdosisleistung betrug von 1,5 bis sechs Watt pro Kilogramm des Gewichts einer Ratte. Die Studie umfasste keine Bewertung der Auswirkungen der Strahlung, die für Wi-Fi- und 5G-Netzwerke verwendet wird.

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Foto : Public Domain/Oxley Library, State Library of Queensland

Laut den Wissenschaftlern kann die während dieser Studie verwendete Bestrahlung nicht direkt mit den Dosen verglichen werden, die die Menschen tatsächlich von ihren Smartphones erhalten. Bei den zu den Experimenten verwendeten Tieren wurde der gesamte Körper bestrahlt. Bei Menschen handelt es sich aber um einen Einfluss auf nur bestimmte Gewebe, hieß es. Alle Experten, die die Ergebnisse des Experiments analysierten, kamen jedoch zu dem Schluss, dass die bei den Tieren entdeckten Tumoren durch Hochfrequenzstrahlung entstanden waren.

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Das Gehirn unter Strom wird moralisch

Das Gehirn unter Strom wird moralisch

05-07-18 01:48:00,

Ko-Autor Roy Hamilton beim Anlegen eines Geräts zur minimalinvasiven Gehirnstimulation. Bild: Penn UNiversity

Wissenschaftler glauben, mit Gehirnstimulation die Neigung zur Gewalt reduzieren zu können und diese so zur Entlastung der Gesellschaft biologisch erklären zu können

Wie kann man den Impuls für gewalttätiges Handeln senken oder unterdrücken? Es gab vor Entwicklung der Psychopharmaka seit Ende 1930er Jahre das Versprechen, psychische Störungen, aber eben auch Gewalttäter neurochirurgisch durch Lobotomie behandeln zu können. Propagiert wurde die teilweise Zerstörung des Gewebes zwischen Thalamus und Frontallappen vor allem vom amerikanische Psychiater Walter Freeman, der selbst tausende Menschen operierte. Es war ein Heilsversprechen, das aber den derart Behandelten schweren Schaden zufügte.

Ähnlich wie bei der Elektroschockbehandlung, die etwa zur gleichen Zeit aufkam, wusste man auch gar nicht, warum und wie die Lobotomie den Menschen helfen sollte (Technologie der Unterwerfung). Erst ab Ende der 1960er Jahre ging die Zeit der Lobotomie mit den damals verwendeten Methoden zu Ende. Noch länger praktiziert wurden stereotaktische Eingriffe bei Sexualstraftäter, bei denen Teile des limbischen Systems zerstört wurden. Und auch heute noch werden mitunter solche stereotaktische Ausschaltungsoperationen, genannt Kapsulotomie, bei schweren Zwangsstörungen als letzte therapeutische Option durchgeführt.

Bekannt geworden ist eine andere Methode, die in den 1960er Jahren auch die Geheimdienste umtrieb und zu den berüchtigten Gehirnwäsche-Experimenten der CIA führte. Anthony Burgess hat in seinem 1962 erschienen Buch “Clockwork Orange”, das von Stanley Kubrick 1972 verfilmt wurde, die Geschichte eines jungen Mannes, der aus Lust an der Gewalt mit seiner Gang auszog, um Menschen zusammenzuschlagen, zu berauben und Frauen zu vergewaltigen. Die Bande ließ ihn irgendwann seitzen, er wurde inhaftiert, wegen Mord zu einer langen Haftstrafe verurteilt und dann – es war die Zeit von Skinner, der die Methode propagierte und auch zum Thema einer Utopie machte – einer Konditionierung unterzogen wurde, durch die schon der Gedanke an Gewalt bei ihm zur Übelkeit führte. 1962 hat der Neurologe Jose Delgado 1963 eine spektakulären Aktion vorgeführt, wie man einen aggressiven Stier in einer Arena lammfromm machen könnte. Er hatte ihm Elektroden ins Gehirn eingepflanzt und konnte auf Knopfdruck durch Fernsteuerung den auf ihn zustürmenden Stier abbremsen.

Ganz entfernt hat man sich aber von den neurochirurgischen Ideen auch heute nicht. Derzeit wird die Tiefenhirnstimulation für alle möglichen psychischen Störungen und Erkrankungen angepriesen.

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