Gekaufte Wahrheit

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24-09-20 06:54:00,

Seit das Buch „Gekaufte Forschung“ im Mai 2015 erschienen ist, hat sich eine ganze Menge auf dem Gebiet gekaufter Wissenschaft ereignet, ja die Ereignisse haben sich geradezu überschlagen. Stichworte dazu sind der Dieselskandal und Glyphosat, die bis dahin größte deutsche Kooperation zwischen der Uni Mainz und der Boehringer Ingelheim Stiftung, die ans Tageslicht gezerrt wurde und bei der herauskam, dass sie verfassungswidrig war, 20 geschenkte Lidl-BWL-Professuren an die TU München oder das für 7,5 Millionen Dollar von Facebook gekaufte Ethikinstitut an der TU München, die sich dadurch zum Marketing-Arm von Facebook erniedrigt. Auch bei Corona wurde viel mit industrieseitig beeinflussten Zahlen gearbeitet. Aber es gab noch einige weitere Fälle.

Kurz: Der Trend in Richtung gekaufte Forschung hat sich in den letzten Jahren deutlich verstärkt.

Es geht bei dieser Frage nicht um eine Diskussion im „Elfenbeinturm Universität“. Ganz im Gegenteil: Denn die Folgen von unseriöser Wissenschaft verspüren wir alle auf Schritt und Tritt im täglichen Leben.

Glyphosat findet sich in der Muttermilch fast aller stillender Mütter und kann in fast sämtlichen Einwohnern Europas nachgewiesen werden. Die Verharmlosung von Dieselabgasen führt zu Zigtausenden lungenkranken Kindern, tausenden zusätzlichen Toten.

Gekaufte Pharmaforschung bewirkt falsche Verschreibungen von Medikamenten. Manipulierte Lebensmittel-Studien fördern unsere Fehlernährung, führen beispielsweise zu übermäßigem Verbrauch von Zucker und anderen ungesunden Lebensmitteln. Das industrieseitig beeinflusste Herunterspielen von Ethikrisiken und dadurch bewirkte Verhindern oder Verzögern von gesetzlichen Maßnahmen im Medienbereich führt zu umso stärkeren Missbrauchsmöglichkeiten durch Facebook & Co. Und so weiter. Die Liste ist lang.

Was ich damit sagen will: Gekaufte Wissenschaft, Einflussnahme von Industriegeldern auf unsere öffentlich-rechtlichen Hochschulen schädigt uns alle tagtäglich. Es ist ein Thema, das uns alle angeht, bei weitem nicht nur die Wissenschaftler und Forscher. Deshalb richtet sich dieses Buch in erster Linie an interessierte Laien, an uns alle. Sein Zweck ist: Diese tagtäglichen Missbräuche der Wissenschaft zu Gunsten der Konzerngewinne und zu Lasten unserer Gesundheit zu stoppen. Dazu müssen wir die Methoden, Vorgehensweise, Wege und Ziele der Manipulatoren kennen.

Das soll anhand einer Reihe von leicht verständlichen Fallbeispielen geschehen. Nach dem Motto „Problem erkannt, Problem gebannt“ soll dieses Buch dazu beitragen, durch Aufdecken der Vorgehensweise und der schädlichen Auswirkungen auf uns alle dieser Fehlentwicklung entgegenzuwirken. Ungehemmte Drittmittelzunahme an unseren Hochschulen, wie wir sie seit Jahrzehnten erleben, ist ein Irrweg. Wissenschaft muss frei und unabhängig sein.

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Der gekaufte Planet

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18-09-20 12:12:00,

Ist der Norden erkältet, so liegt der Süden auf der Intensivstation: Diese Faustregel galt für die Weltwirtschaft bereits vor 2020.

Die Coronakrise vertieft diese Kluft. Zwar haben sich die reichen Länder der nördlichen Hemisphäre ohne Not — bei Sterberaten im Bereich von Grippewellen — selber einen historisch beispiellosen Schaden zugefügt, der mittlerweile selbst die Große Depression von 1929/30 in den Schatten stellt. Allein die US-Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal um annualisierte 32,9 Prozent — der höchste Wert seit 1947 (1). Betriebsschließungen, die Unterbrechung von Lieferketten, der Absturz des Welthandels, die Beeinträchtigung des Transportwesens, der dramatische Rückgang von Nachfrage und Produktion, der vollständige Zusammenbruch des Ferntourismus, eine Bankrottwelle treffen selbst Wohlstandsinseln wie Deutschland schwer. Doch zumindest verhindern hier soziale Sicherungssysteme das Allerschlimmste. Zwischen Berlin und Belfast, Lissabon und Wien verhungert niemand.

Weitaus heftiger trifft die grassierende Coronoia hingegen arme Länder, die überwiegend auf der Südhalbkugel liegen. In der Regel gibt es dort kein Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld, keinen Kündigungsschutz, keine Kranken- und Rentenversicherung, keine Subventionen für kleine und mittlere Betriebe, welche die ärgste Not lindern. Von weltweit 3,3 Milliarden Arbeitskräften bewegen sich zwei Milliarden in einer „informellen Ökonomie“ ohne gesetzliche Regelungen (2); von festen Arbeitsverhältnissen können sie nur träumen. Sie sind Tagelöhner, die ohne Ersparnisse, ohne sozialstaatliche Absicherung von der Hand in den Mund leben; bestenfalls bleibt ihnen die Hoffnung, dass ihre Kinder sie mitversorgen. Mit Almosen ihrer Regierung können sie nicht rechnen. Ohne Einkommen, ohne Rücklagen fehlt ihnen Geld für Essen, für Miete, für öffentliche Verkehrsmittel, für Medikamente. Mittellos hausen sie in Elendsvierteln oder sind obdachlos.

Die Folgen des Lockdown-Masochismus, dem die Erste Welt frönt, treffen die Zweite und Dritte deshalb mit voller Wucht.

Große Teile der Bevölkerung vegetieren dort nun erst recht in bitterster Armut, können ihrem Elend nicht entkommen, sind verzweifelt, hungern und verhungern. Bereits am 22. April 2020 zitierte die New York Times unter der Schlagzeile „Instead of Coronavirus, the Hunger Will Kill Us“ Expertenschätzungen, denen zufolge die Anzahl der Hungernden bis zum Jahresende weltweit um 130 Millionen ansteigen wird (3). Gar von 225 Millionen geht eine neuere Studie der Universität Oxford aus (4). Laut den Vereinten Nationen (UNO) droht coronabedingt weltweit 1,6 Milliarden Menschen akut ein Verlust ihrer Lebensgrundlagen (5). Länder wie Indien und Pakistan verzeichnen sprunghaft angestiegene Selbstmordraten — nachdem Infektionsschutz massenhaft Lebensgrundlagen zerstörte,

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Gekaufte Wissenschaft

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28-08-20 06:46:00,

Nur noch ein Sechstel der Forschung ist frei, der allergrößte Teil findet im Dienste der Gewinnmaximierung statt. Die Fehlentwicklung wäre leicht zu ändern, wenn der politische Wille vorhanden ist

In Deutschland ist momentan etwa ein Sechstel der gesamten Forschung frei, fünf Sechstel sind weisungsgebundene Forschung, der größte Teil davon im Dienste der Industrie, ein kleinerer Teil durch detaillierte staatsbürokratische Vorgaben. Anders ausgedrückt: Von den gut 700.000 Menschen, die in Deutschland forschen (Vollzeitäquivalente) können weit über 500.000 NICHT ihren eigenen Forschungsfragen nachgehen, sondern bekommen Vorgaben von der Konzernleitung oder anderen Stabsstellen, worüber sie zu forschen haben.

In den allermeisten Fällen geht es dabei um die Frage, wie die Gewinne maximiert werden können, und nicht darum, was gut für Land und Leute ist. Selbst an den staatlichen Hochschulen steht nur mehr etwa jeder zweite Forschungseuro für freie Forschung zur Verfügung, die andere Hälfte wird über Drittmittelgeber vorgeschrieben. Also selbst an den Universitäten und Fachhochschulen kann nur mehr etwa jeder zweite Professor frei forschen, und jeder zweite forscht über das, was mit dem Drittmittelgeber vereinbart wurde. Die freie Forschung hat in den letzten etwa 30 Jahren in Deutschland stark abgenommen.

Nur mehr ein Sechstel freie Forschung in unserem Land. Das ist nicht gerade viel. Wo ist das Problem? Das Problem ist, dass der allergrößte (und in den letzten Jahren immer weiter steigende) Teil der Forschung im Dienste der Gewinnmaximierung steht. Gewinnmaximierung und Wahrheit haben aber nichts miteinander zu tun, im Gegenteil. Je stärker die Gewinnorientierung der Forschung, umso schlimmer die Ergebnisse für Land und Leute, wie das Beispiel Dieselskandal beeindruckend zeigt (aber auch viele Dutzend weitere Beispiele).

Wenn es in der Großindustrie zu einem Zielkonflikt zwischen Gewinn und Wahrheit kommt, siegt praktisch immer der Gewinn. Konkret: Wenn die Wahrheit gesagt wird, dass Dieselemissionen ungesund sind und nicht unter ein gewisses Mindestmaß reduziert werden können, dann führt man eine Lügensoftware ein, die scheinbar das Gegenteil zeigt. Der Dieselskandal hat Zigtausende Menschenleben gekostet – aber die Gewinne der Autokonzerne dramatisch erhöht. Wenn dieses Industrieprinzip – Gewinn vor Wahrheit – in unsere Universitäts- und Fachhochschulforschung einzieht, was es seit mehreren Jahrzehnten ganz massiv tut, dann ist das in größtmöglichem Maße schädlich für Mensch, Tier und Umwelt.

Ein anderer Klassiker ist die Zigarettenindustrie, die jahrzehntelang über (stillschweigend) gekaufte und gefälschte,

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Gekaufte Forschung

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13-07-19 07:45:00,

Bei meinen Internetrecherchen zum Thema Wirtschafts- und Wissenschaftskriminalität entging mir das bereits 2015 erschienene Buch von Christian Kreiß mit dem Titel „Gekaufte Forschung — Wissenschaft im Dienst der Konzerne“ (1). Das kann ich mir nur damit erklären, dass Titel und Inhalt des Bandes keinen ausdrücklichen Bezug zu meinen Schwerpunktthemen haben, die ich unter dem Begriff kriminelle Ökonomie zusammenfasse. Die Algorithmen der von mir benutzten Suchmaschinen kennen mein Interesse schon viele Jahre. Sie empfehlen mir aber, wie ich jetzt feststellen musste, keine Bücher, deren Autoren und Werbetexter Begriffe wie Kriminalität und Verbrechen im Zusammenhang mit der Wirtschaft, der Wirtschaftsordnung und der Wissenschaft vermeiden, obgleich sie zumindest das hoch kriminogene Vorfeld beackern.

Als ich vor einiger Zeit einen wissenschaftskritischen Artikel über die Konzernideologie und ihren verheerenden Einfluss auf markt- und kapitalrelevante Wissenschaften unter der Überschrift „Die Konzern-Marionetten“ im Internetportal „Rubikon“ veröffentlichte, erhielt ich erstaunlicherweise nur zustimmende Zuschriften. Darunter eine des mir bis dahin unbekannten Kollegen und Buchautors Christian Kreiß. Sofort kaufte ich mir sein Buch, das ich nach gründlicher Lektüre jedem empfehlen kann, dem meine Kritik an den von allzu kapitalhörigen Marktwissenschaftlern heruntergewirtschafteten Disziplinen als falsch, zumindest jedoch als stark übertrieben erscheint.

Wer das äußerst sorgfältig recherchierte Buch des Wirtschaftswissenschaftlers Kreiß gelesen hat, wird — zumal der Autor jahrelang Investmentbanker war — verstehen, weshalb ich von einem konzerngesteuerten Wissenschaftsbetrieb spreche und beklage, dass Wissenschaftler dieses Problem übersehen oder verharmlosen.

In seinem Buch vermeidet Christian Kreiß auch — wie andere Autoren in anderen Zusammenhängen — in seiner doch äußerst kritischen Problemanalyse zur Drittmittelforschung und der Wirtschaftsabhängigkeit sogenannter Stiftungsprofessuren Begriffe, die die Akteure in die Nähe von Kriminellen rücken könnten. Das ist freilich auch nicht zwingend, weil im Bereich Drittmittelforschung und Stiftungsprofessuren nahezu alles, was geschieht, nicht nur legal, sondern sogar politisch erwünscht ist. Aber Kreiß unterscheidet sich mit seiner Kritik doch wesentlich von jenen Wissenschaftlern, die diese legale und gewünschte Einflussnahme der Wirtschaft kritiklos hinnehmen oder sogar vorantreiben.

Kreiß zeigt nach einer das Problem und die Begriffe klärenden Einleitung erst einmal an Beispielen aus der Tabak-, Chemie-, Pharma-, Gentechnik- und Zuckerindustrie die konkreten Gefahren auf, welchen wachsenden Einfluss die Industrie, vor allem die mächtigen Konzerne, allein durch ihr Eindringen in die Hochschulforschung, auf Schulen, Universitäten, Lehrer, Professoren, damit auch auf Ärzte, Patienten, Konsumenten, überhaupt auf die öffentliche Meinung, die Gesundheitspolitik und die Gesundheit von Menschen weltweit hat.

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“Gekaufte Demonstranten”: Die Strategie der Autoritären zur Diskreditierung von Protest

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26-03-19 02:16:00,

Dieser Vorwurf des Europaabgeordneten Daniel Caspary (CDU) hat es in sich: „Wenn amerikanische Konzerne mit massivem Einsatz von Desinformationen und gekauften Demonstranten versuchen, Gesetze zu verhindern, ist unsere Demokratie gefährdet“, sagte er der Bild-Zeitung in einem Interview. Der Twitter-Account der CDU/CSU-Fraktion im Europaparlament verbeitete die Aussage am Samstagnachmittag – zu einem Zeitpunkt also, als in ganz Deutschland und Europa mehr als 170.000 Menschen auf der Straße standen, um gegen die geplante Reform der Urheberrechts zu protestieren.

„Wenn amerikanische Konzerne mit massivem Einsatz von Desinformationen und gekauften Demonstranten versuchen, Gesetze zu verhindern, ist unsere Demokratie bedroht.“ @caspary in der @BILD #Yes2Copyright https://t.co/SmSxXDO6FR

— CDU/CSU in Europa (@CDU_CSU_EP) March 23, 2019

Auch Axel Voss wiederholte in anderer Form die Aussage seines Parteifreundes bei der Debatte um die Urheberrechtsreform im EU-Parlament: „Youtube Google und Facebook machen hier ‚Governance by Shitstorm‘ und instrumentalisieren Jugendliche.“

In guter Gesellschaft mit Mubarak, Al-Bashir und Trump

Dieser Vorwurf, Demonstrant*innen, die gegen eine bestimmte Politik auf die Straße ziehen, seien in Wirklichkeit gekauft oder instrumentalisiert, ist nicht neu. So ist die Mär des fremdgesteuerten Protests bei Despoten von Mubarak bis zum sudanesischen Diktator Al-Bashir ein beliebtes Topos, um legitime, demokratische Proteste zu diskreditieren. Es handelt sich um eine Kommunikationsstrategie der Autoritären.

Neu ist, dass diese nun auch von CDU-Politikern genutzt wird, von denen man solche Methoden der Desinformation bislang nicht erwartet hatte. Allerdings befindet sich Caspary mit seiner Äußerung in prominenter Gesellschaft. Hier eine kurze Zusammenschau der Mächtigen, die sich dieser Strategie zuletzt bedienten:

1. Donald Trump

Die massiven Proteste in Washington D.C. gegen die Ernennung von Brett Kavanaugh zum obersten Richter der USA? Natürlich alle von Milliardär und Investor Georg Soros organisiert und bezahlt, so lautete zumindest die Meinung von Donald Trump. Zuvor hatten zwei Frauen republikanische Senatoren in einem Aufzug konfrontiert und gebeten, nicht für Kavanaugh zu stimmen, gegen den zu dem Zeitpunkt drei Frauen unabhängig voneinander Vorwürfe der sexualisierten Gewalt erhoben hatten.

The very rude elevator screamers are paid professionals only looking to make Senators look bad. Don’t fall for it! Also, look at all of the professionally made identical signs. Paid for by Soros and others.

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