Ein Jahr Protest der gelben Westen in Frankreich. Was nun?

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06-11-19 01:12:00,

Seit ziemlich genau einem Jahr protestieren die Gelbwesten in Frankreich gegen die neoliberale Politik der Regierung Emmanuel Macron. Auch ohne die Ignoranz unserer Medien hat man als Zuschauer das Gefühl, dass die Bewegung sich totzulaufen beginnt. Daran trägt nicht nur die Strategie Macrons Schuld, einerseits mit brutaler Härte gegen die Demonstranten vorzugehen und andererseits zu versuchen, die Proteste einfach auszusitzen. Wie wir in unserem letzten Beitrag dargelegt haben, ist die fehlende Organisationsstruktur der Gelbwesten einer ihrer größten Mängel. Von Marco Wenzel.

Mangelnde Organisationsstrukturen …

Die Gelbwesten haben keine Adresse, wo man sie anschreiben könnte, sie haben kein Telefon, wo man sie anrufen könnte. Sie sind nirgends eingetragen als Organisation, juristisch gesehen gibt es sie gar nicht. Zwar haben sie auf einer Delegiertenkonferenz SprecherInnen gewählt, es ist jedoch unklar, welche Befugnisse sie denn nun genau haben. Mandatsträger im eigentlichen Sinn haben die Gelbwesten nicht. Sie legen Wert auf horizontale Organisationsstrukturen. Das hat den Vorteil, dass niemand für die Justiz greifbar ist, sollte jemand sie verklagen wollen, andererseits hat die Regierung damit aber auch keine Ansprechpartner, mit denen sie in Verhandlung treten könnte, etwa darüber, wie die Protestkundgebungen zu einem Ende kommen könnten und welche Forderungen dafür konkret erfüllt sein müssten.

… und ihre Folgen

Auch die Organisation der Protestkundgebungen jeden Samstag gestaltet sich unter diesen Umständen für die Gelbwesten regelmäßig zu einer Fahrt ins Blaue. Zwar werden über Apps im Internet seit jetzt fast einem Jahr zu den üblichen Samstagsdemos aufgerufen, aber was damit, außer Unmut über Macron und die Regierung und ihre neoliberale Austeritätspolitik auszudrücken, bewirkt werden soll, steht eigentlich in den Sternen. Inwieweit kann es zum Ende der Kundgebungen kommen? Welche Forderungen müssen dafür erfüllt werden? Was reicht aus, was ist nicht genug? Irgendwann muss es zu einem Kompromiss kommen, die Menschen werden des Demonstrierens müde und seit Jahresanfang nehmen auch immer weniger Menschen daran teil. In vielen Städten sind es jetzt nur noch eine Handvoll, 300, 500 Leute, mehr nicht.

Hätte man eine Verhandlungsdelegation, könnte man Ergebnisse vorlegen. Will die Regierung überhaupt verhandeln? Welche Ergebnisse zeigte die letzte Verhandlungsrunde? Wie ist der aktuelle Stand? Die Menschen auf der Straße hätten konkrete Informationen über die Entwicklung statt bloß einen Forderungskatalog mit 42 Punkten zu ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Themen. Alles oder nichts,

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Nach den «Gelben Westen» kommen die «Roten Stifte»

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17-01-19 09:05:00,

Die Lehrkräfte von Frankreich haben genug: Sie vernetzen sich und bemängeln ihre Arbeitsbedingungen

Tobias Tscherrig / 17. Jan 2019 –

Über 60’000 französische Lehrpersonen vernetzen sich in der Gruppe der «Roten Stifte» und verleihen ihren Forderungen Gewicht.

Die Bewegung der «Gelben Westen» ist – trotz ihrer Pluralität und der damit einhergehenden Uneinigkeit, Führungskämpfen, Gewaltausbrüchen auf den Strassen und Unterwanderungsversuchen von Ultra-Rechten – eine Erfolgsgeschichte: Sie wuchs im Internet und schaffte es, unzählige Französinnen und Franzosen zu vereinen. Die «Gelben Westen» wurden schon bald zur Massenbewegung, sie zwangen Präsident Emmanuel Macron zu verschiedenen Zugeständnissen. Dass die Proteste nicht von Parteien oder Gewerkschaften ausgingen, sondern quer über jegliche Grenzen hinweg zu mobilisieren vermochte, ist eine weitere Besonderheit.

Dieses Erfolgsmodell wird seit fast einem Monat von Frankreichs Lehrkräften kopiert. Unter dem Namen «Rote Stifte» haben sich auf Facebook bereits über 60’000 der total 881’000 Lehrpersonen zusammengeschlossen. Wie die «Gelben Westen» geht es den «Roten Stiften» um ihre Kaufkraft. Weiter fordern sie von ihrem Arbeitgeber, dem französischen Staat, besseren Schutz und die Berücksichtigung ihrer Probleme. Denn die Lehrer sehen rot: Sie alle geben an, ihren Beruf zu lieben, allerdings verspüren sie auch ein «anhaltendes Unbehagen».

Lehrer wollen mehr Kaufkraft

Die Bewegung der «Roten Stifte» wurde am 12. Dezember von Cyrill, einem Professor für Geschichte und Geographie, ins Leben gerufen – nachdem er sich im Internet von den «Gelben Westen» hatte inspirieren lassen. Wie der französische Bildungsminister Jean-Michel Blanquer wolle man die «Schule von morgen» schreiben, sagt Cyrill gegenüber «mediapart». Dazu seien aber Korrekturen notwendig.

Obwohl die verschiedenen Mitglieder der «Roten Stifte» komplett unterschiedliche Laufbahnen und Werdegänge hinter sich hätten, würden sie alle die gleichen Beobachtungen und Erfahrungen machen. Auf «mediapart» fasst Cyrill die wichtigsten Forderungen in groben Zügen zusammen: «Wir wollen die Dinge ändern, wir haben unsere Arbeitsbedingungen satt.» Die Lehrpersonen fordern unter anderem eine Lohnerhöhung in Höhe ihrer tatsächlichen Arbeitszeit und die Erhöhung ihrer Kaufkraft. Nicht nur für die Lehrpersonen, sondern auch für Schulassistenten, Schulpsychologen und für Begleitpersonen von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen.

In Frankreich gelten Lehrpersonen als die am schlechtesten bezahlten Beamten. Zum einen würden die Ausgaben stetig steigen,

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Tagesdosis 6.12.2018 – Die Gelben Westen. Protest mit Potential? | KenFM.de

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06-12-18 12:16:00,

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Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Der Startschuss dieser Bewegung aus Frankreich ist im Mai diesen Jahres zu verorten. Die in den Randgebieten von Paris, den sog. Banlieues, lebende Priscillia Ludosky ruft eine Petition ins Leben. Sie, die klassische Berufspendlerin, ist wütend auf die Regierung Macron. Der Grund: eine erneute Erhöhung der Benzinkosten, eine anvisierte Bahnreform, d.h. der erneute Griff des Staates in ihr mäßig gefülltes Portemonnaie. Innerhalb kürzester Zeit unterschreiben überraschend eine halbe Million Franzosen. (1)

Man vergleicht seine Probleme, kennt die täglichen Sorgen. Die Bürger vernetzen sich, partei- und gewerkschaftsunabhängig, über die klassischen modernen Wege, d.h. Facebook und Twitter und können so erste landesweite Aktionen erfolgreich koordinieren. Landesweite Teilnehmerzahlen bis zu einer halben Million zeigen erste Blüten einer neuen Protestgruppierung. Erkennungszeichen, die gelbe Weste. Diese ist Pflicht in französischen Autos.

Interessanterweise wurde die Erhöhung der Benzinpreise den Franzosen als schlechtes Gewissen indoktriniert. Dazu Pierre Levy: Die Regierung war entschlossen, die auf Kraftstoff, insbesondere auf Diesel erhobenen Steuern zu erhöhen. Sie wollte den Menschen damit ausdrücklich eine Änderung des Verhaltens und der Lebensweise verordnen – „Energiewende“ nennt sich das. Zwei von drei Franzosen sehen das jedoch etwas anders. Das sogenannte, freiwillig gewählte und glücklich machende „einfache Leben“ stellt sich langsam als das heraus, was es ist: ein Fake-Account der aufgezwungenen Sparmaßnahmen.(2)

Die Bewegung der Gelben Westen zeichnet sich vordergründig durch den Normalbürger aus. Geringverdiener mit Tendenz zum täglichen Überlebenskampf. Aus existentieller Verzweiflung, wandelte sich die Ohnmacht in Wut. Ein wachsender Anteil französischer Bürger will nicht mehr schlicht funktionieren, Vorgaben von staatlicher Seite kommentarlos ausführen. Man trifft sich mit Gleichgesinnten auf der Straße, um „den da oben“ lautstark mitzuteilen: es reicht. Schluss mit der Gängelung durch Gesetzesanordnungen eines abgehobenen Präsidenten.

Die inzwischen verfassten Forderungen können in einem Kommuniqué nachgelesen werden (Das französiche Original (3), die deutsche Übersetzung(4))

Die Gründe einer belastenden Lebenssituation für viele Franzosen liegen aktuell auch in der Wahl von Emmanuel Macron im Jahre 2017 und der daraus resultierenden Politik.

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Licht vom Gelben Stern – Funken der Menschlichkeit in der Zeit des Holocaust | Magazin Info3

Licht vom Gelben Stern – Funken der Menschlichkeit in der Zeit des Holocaust | Magazin Info3

10-01-18 11:08:00,

Wir freuen uns, in der Reihe „Veranstaltungen zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, organisiert vom Landtag in Rheinland-Pfalz, mit dem Buch „Licht vom Gelben Stern“ unseres Autors Robert O. Fisch beteiligt zu sein. Auszüge aus dem Buch des Autors, der heute über 90-jährig in Minnesota/USA lebt, werden gelesen von der Staatsschauspielerin Gaby Reinhardt, die sich seit Jahren für die Erinnerung an die jüdische Kultur in Deutschland engagiert. Die Übersetzerin Anne-Katrin Weise und Dr. Jens Heisterkamp vom Info3 Verlag werden einführende Worte sprechen.

Robert O. Fisch an seinem 91. Geburtstag. Foto: privat/Info3 Verlag

Der ungarische Jude Robert O. Fisch wurde 1944 als 19-Jähriger in seiner Heimatstadt Budapest von den Nationalsozialisten verhaftet. Er überlebte die Konzentrationslager Mauthausen und Gunskirchen und einen 55 Kilometer langen Todesmarsch. Später emigrierte er in die USA, lebte dort als Arzt, Maler und Schriftsteller. Zeitlebens war es ihm ein Anliegen, vor allem an jüngere Menschen seine Erfahrungen weiterzugeben. Die ihm wichtigste Botschaft lautet: Nicht Hass und Menschenfeindlichkeit, sondern die Liebe soll das letzte Wort behalten.

 

Eine deutschsprachige Auswahl seiner Erinnerungen an Lager und Todesmärsche ist im Info3 Verlag, Frankfurt am Main, erschienen.

Voranmeldung unter: post@buechergilde-mainz.de
oder Tel.: (06131) 22 23 40
Veranstaltende: Buchhandlung Erlesenes & Büchergilde
Mainz in Kooperation mit dem Verein für Sozialgeschichte
Mainz e.V. und der Stiftung „Haus des
Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz“

 
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