Geleakter Giftgas-Bericht: Ließ sich die OPCW für Syrien-Propaganda einspannen?

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24-05-19 01:18:00,

Ein Dokument der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) sorgt für Aufsehen. Von der OPCW wurde das Papier – ein kritischer Zusatz zur OPCW-Analyse des angeblichen Giftgas-Angriffs im syrischen Duma im Jahr 2018 – mutmaßlich unter Verschluss gehalten. Auf dem dadurch „geglätteten“ Bericht wurden schwere Vorwürfe gegen die syrische Regierung aufgebaut. Der Vorgang wirft Licht auf die medialen Verzerrungen zu Syrien und zum Giftgas-Komplex. Von Tobias Riegel.

Seit einigen Tagen sorgt ein geleaktes Dokument der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) für Aufsehen. Von der OPCW wurde das Dokument – ein kritischer Zusatz zum OPCW-Bericht zum angeblichen Giftgasangriff im syrischen Duma im Jahr 2018 – mutmaßlich unter Verschluss gehalten. In den großen Medien wird es auch nach dem Leak bislang nicht thematisiert. In dem Papier wird die Aussage des offiziellen OPCW-Berichts stark in Zweifel gezogen. Mit der Behauptung, die syrische Armee hätte damals Giftgas eingesetzt, wurden auch Bombardierungen durch NATO-Staaten begründet – als „Reaktionen“. Dieser Text ist eine Ergänzung zum aktuellen Artikel “Syrien-Propaganda bricht zusammen“.

Das von Ian Henderson unterzeichnete OPCW-Dokument wurde von der Initiative „Syrien, Propaganda und Medien“ (WGSPM) veröffentlicht. Laut der australischen Journalistin Caitlin Johnstone wird Ian Henderson zwischen 1998 und 2018 in OPCW-Dokumenten in Führungspositionen aufgeführt. In einem aktuellen Artikel geht auch der Reporter Robert Fisk im britischen „Independent“ auf die Vorgänge ein – es ist aktuell laut Google-News-Suche der einzige Beitrag zu den Vorgängen, der sich in einem großen westlichen Medium findet. Wer das Dokument durchsickern ließ, ist nicht bekannt.

„Giftgas in Duma“ – Späte Entlastung für die syrische Regierung?

Der „Gegen-Bericht“ thematisiert die physikalische Unwahrscheinlichkeit der OPCW-Darstellung der Vorgänge in Duma, wie etwa Stephen McIntire betont. So kommt der kritische Bericht, anders als die OPCW-Analyse, zu dem Schluss, dass die in Duma gefundenen Gas-Zylinder nicht aus der Luft abgeworfen wurden, sondern von Menschen am Boden platziert wurden. Er folgert, dass “die Abmessungen, Eigenschaften und das Aussehen der Zylinder und die Umgebung der Vorfälle nicht mit dem übereinstimmten, was zu erwarten gewesen wäre, wenn einer der Zylinder aus einem Flugzeug abgeworfen worden wäre“. Demnach sei die manuelle Platzierung der Zylinder an den Orten, an denen die Ermittler sie gefunden haben, “die einzig plausible Erklärung für Beobachtungen am Tatort“.

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